Sarggeschichten: Was ist eine Hausaufbahrung?

Ganz frisch ist das Projekt Sarggeschichten. Sarah Benz und Team beantworten per Film Fragen rund um Tod und Trauer. Sie tun das ruhig, klar und ermutigend. Besonders gelungen fand ich den Film über die Hausaufbahrung:

Die weitern Filme und weitere Infos findet ihr hier: http://www.sarggeschichten.de

Wir reden übers Sterben … heute mit: Claudia Cardinal

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Claudia Cardinal

Claudia Cardinal ist Leiterin und Initiatorin der Sterbeammenakademie, Vorsitzende des Vereins Sterbeheilkunde e.V., Sterbeamme und Buchautorin. Link zur Webseite von: www.sterbeamme

CC hat nach dem einschneidenden Tod ihrer Tochter im Laufe von vielen Jahren in den Begleitungen von Menschen in existentiellen Lebenskrisen ihre Ausbildung konzipiert. Sie weiß, wie gefährlich es sein kann, wenn ein Mensch den Sinn des Lebens verliert. Ihre Arbeit hat diesen Aspekt immer im Blick und arbeitet mit den Betroffenen daran.

Unsere Gesprächspartnerin lebt in Hamburg, ist Mutter und Großmutter und ist engagierte Brotbäckerin:-).

1.   Sie beschäftigen sich mit (Ihrer) Endlichkeit. Welche Auswirkungen hat das auf Ihr Leben?

a.   Ich bin mir täglich meiner Endlichkeit bewusst. Das hat sowohl mit meiner Arbeit als auch mit dem Älterwerden zu tun. Die Auswirkung ist einfach: ich weiß, dass mein Leben eines Tages zu Ende ist. Deshalb nutze ich jeden Tag. Ich weiß, dass ich eines Tages auf meinem Totenbett sagen möchte: „Das war so gut hier, das sollte man/frau glatt noch einmal von vorn anfangen!“

2.   Viele haben Hemmungen oder auch Angst, mit anderen über das Sterben zu reden. Wie ist das bei Ihnen? Was hat sich verändert?

a.   Ich habe keinerlei Hemmungen mit Menschen über den Tod zu sprechen. Das kann ich beim Aufstehen, beim Abendessen oder sonst wann am Tage.

3.   Ihr Vorschlag für einen guten Satzanfang, wenn SIe mit jemandem über solche Dinge wie Sterben, Vorsorge u.ä. reden wollen:

Ich würde das Gespräch mit meiner Enkelin an den Anfang setzen. Sie fragte mich, Weiterlesen

Buchtipp: Lebe und lerne sterben

Aus aktuellem Anlass des vorherigen Artikels habe ich Claudia Cardinals Buch hervorgeholt zum Kapitel: Abschied durch Krankheit.

Auf den Seiten 50 und 51 stellt sie wunderbare Fragen und gibt teils humorvolle Anregungen:

Lassen Sie nicht zu, eine Zahl in der Statistik zu sein. Nutzen Sie jede Chance auf Heilung. Seien Sie bockig und unbequem mit Ihren Fragen und Ihrer Suche.
oder
Nutzen Sie jede Möglichkeit Ihren Humor anzuwenden. Finden Sie die Absurditäten des Lebens …

Totenhemd-Blog

DownloadedFile-5Eine unserer geschätzten Blogleserinnen hat während der letzten Trauerfeier vom Pfarrer gehört, dass wir „sterben lernen“ müssen. Je mehr ich mich in die Bücher einlese, die Sabine Brönnimann und Claudia Cardinal geschrieben habe, umso demütiger werde ich vor dem, was die beiden leisten: Sterbebegleitung. Ich habe großen Respekt vor dem „hinüber gehen in die andere Welt“.

Claudia Cardinal beschreibt in ihrem Buch: Lebe und lerne sterben – wie man sich auf das Sterben vorbereiten kann. Der Tod erwartet uns, weil wir älter werden oder weil wir unheilbar erkrankt sind.

Ein großes Kapitel bekommt das Thema „Abschied vom Leben als Lösen“. Die Frage, die dahinter steckt: Von was lösen wir uns, wenn wir gehen? Von Menschen, von Besitz, von Unerledigtem, vom Schmerz, von Sinnenfreuden und noch mehr. Das finde ich faszinierend und berührend. Die Geschichten einerseits und die vielen Übungen und Ideen, die uns Claudia Cardinal hier wieder schenkt…

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Der tapfere Kampf gegen die Krankheit

IMG_3496Zum zweiten Mal habe ich Sabine Brönnimann, Schweizer Fährfrau, in einem Vortrag gehört. Es hat mich wieder sehr berührt. Ich werde noch dazu schreiben. Ich erinnerte mich aber daran, dass ich ihr Buch vorgestellt hatte hier im Blog. „Wenn die Zeit sich neigt“.

Aus aktuellem Anlass möchte ich einen Satz aufgreifen, den die Autorin in einem Kapitel näher beschreibt: Wer stirbt, hat versagt.

Wir alle kennen die Todesanzeigen, in denen wir lesen: „Sie hat den Kampf gegen den Krebs (leider) verloren“. So oder ähnlich lesen wir es sehr oft. Und ich möchte der Autorin zustimmen und allen krebskranken Menschen die Last nehmen (auch wenn ich das wahrscheinlich nicht kann): Du hast nicht versagt, wenn die Krebskrankheit nicht heilt. Du hast nicht versagt, wenn Du sterben musst.

Du hast vielleicht alles Mögliche unternommen, weil Du das Leben liebst, weil Du nicht sterben möchtest, noch nicht, weil Du vielleicht Mann oder Frau und Kinder hinterlässt. Und das ist total in Ordnung, dass Du den Wunsch nach Heilung hast. Brönnimann erzählt uns Weiterlesen

Achte gut auf diesen Tag

IMG_3425Achte gut auf diesen Tag,
denn er ist das Leben –
das Leben alles Lebens.

In seinem kurzen Ablauf
liegt alle seine Wirklichkeit
und Wahrheit des Daseins,
die Wonne des Wachsens,
die Grösse der Tat,
die Herrlichkeit der Kraft.

Denn das Gestern
ist nichts als ein Traum
und das Morgen nur eine Vision.

Das HEUTE jedoch, recht gelebt,
macht jedes Gestern
zu einem Traum voller Glück
und jedes Morgen
zu einer Vision voller Hoffnung.

Darum achte gut auf diesen Tag.

Dschalal ad-Din Rumi

Jemanja- die letzte … 12 Monate sind vorbei

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Hut aus Peru, letztes Mal bei Jemanja fotografiert

Am kommenden Wochenende wird die letzte Runde meiner Aus- und Weiterbildung bei Jemanja, Schule für Sterbe- und Trauerbegleitung, stattfinden.

Ich habe eine „Abschlussarbeit“ abgegeben. Darin habe ich folgendes zusammen gefasst:

Was war wesentlich für mich während des letzten Jahres?

  • dass ich mehrfach in verschiedenen Meditationen „gestorben“ bin
  • dass ich mir meiner eigenen Endlichkeit bewusst bin
  • dass ich das Leben liebe (und eigentlich nicht sterben will ;-))
  • die Meditation, dass ich ein göttliches Wesen bin, unabhängig von Gefühlen, Gedanken, Verhaltensweisen
  • die verschiedenen Rituale, die ich kennenlernen konnte
  • dass ich die „Königin meines Lebens“ bin.
  • die Fragen: Was will ich NOCH erleben? Wo will ich leben?
  • die ReferentInnen mit ihrer Expertise haben mich inspiriert
  • gleichgesinnte Menschen kennengelernt zu haben

Mit welcher Konsequenz?

  • Ich habe meine Patientenverfügung, Testament, letzten Willen klar.
  • In einem blauen Notizbuch schreibe ich Gedanken und auch eine Art Mitteilungen an meine Liebsten – „mein letzter Wille“
  • Mit meiner Mutter habe ich über ihren letzten Willen gesprochen. Meine Schwestern und ich wissen, wo und wie sie beerdigt werden wird.
  • Mein Mann und ich haben unser gemeinsames Testament klar und wir sprechen über das „was wäre wenn …. “.
  • mein Lebensmittelpunkt ist Frankfurt, ich pendle zwischen Frankfurt und dem Zürichsee

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Wir reden übers Sterben … mit Cornelia Coenen-Marx

78 Kopie (5)Cornelia Coenen-Marx ist Pastorin, Autorin und Inhaberin der Agentur „ Seele und Sorge – Impulse, Workshops und Beratung“. Sie hatte zuvor verschiedene Positionen in Kirche und Diakonie- u.a. als Gemeindepfarrerin, Leiterin eines diakonischen Unternehmens, Oberkirchenrätin für Gesellschafts- und Sozialpolitik bei der Evangelischen Kirche in Deutschland. Im September 16 wird ihr neues Buch „ Aufbrüche in Umbrüchen“ erscheinen; 2013 erschien „ Die Seele des Sozialen“. Zu ihren derzeitigen Projekten gehören die „ Diakonischen Pilgerreisen“; mehr dazu unter http://www.seele-und-sorge.de

1.   Sie beschäftigen sich mit (Ihrer) Endlichkeit.
Der Umgang mit Tod und Sterben gehört von Anfang an zu meinem Leben: als Kind im Pfarrhaus gehörte das Sterben der Urgroßtante, die meine Mutter pflegte, genauso dazu wie der Unfalltod von Freunden oder der meines Grundschulrektors am Heiligabend, der die Familienfeier jäh unterbrach, weil mein Vater zum Hausbesuch musste. Ähnlich ging es mir selbst noch in den 80er Jahren als Gemeindepfarrerin in einer Kleinstadt- und in der Leitung der Kaiserswerther Diakonie haben wir in einem begleiteten Palliative-Care-und-Ethikprozess daran gearbeitet, wie sich die Kultur in Krankenhäusern und Pflegeheimen ändern muss, damit wir in Würde sterben können. Denn so individuell sterben auch ist – schon meine Berufsbiographie zeigt, wie sehr wir dabei in gesellschaftliche Rahmenbedingungen eingebunden sind. Aber trotz aller beruflichen Erfahrungen, trotz vieler Projekte und Debatten- der Tod meiner Eltern und eine eigene Krankheitsphase vor zwei Jahren haben noch einmal etwas verändert: seitdem ist mir die eigene Sterblichkeit und Zeitlichkeit geradezu körperlich bewusst.

Welche Auswirkungen hat das auf Ihr Leben?
Ich bin aus dem institutionellen Funktionieren ausgestiegen, setze meine Arbeitsschwerpunkte bewusster, gehe wieder öfter ins Kino und ins Theater und achte mehr auf die Stressgrenzen, die mein Körper mir signalisiert.

2.   Viele haben Hemmungen oder auch Angst, mit anderen über das Sterben zu reden. Wie ist das bei Ihnen? Was hat sich verändert?
Ich habe keine Angst davor, weil Weiterlesen

„Erdbeerkuchen. Erdbeerkuchen“ … was ein Trost!

knipseline / pixelio.de

knipseline / pixelio.de

„Erdbeerkuchen“ … so riefen es ihr die Freunde zu. Die Freunde standen vor der Haustür. Sie lag unter der Decke verkrochen im Bett. Sie wollte niemanden sehen und hören. Das erste Trauerjahr war fast vorüber.

„Erdbeerkuchen. Erdbeerkuchen“. Hörte sie es fröhlich in ihren Ohren und sie machte auf und empfand das erste Mal ein bisschen Hoffnung. Hoffnung, dass das Leben ihres Mannes doch Sinn machte. Zu früh ist er gestorben. An Krebs.

Die große Liebe ihres Lebens. Nach dem Tod ihres Mannes haben die Trauer und der Schmerz sie überwältigt.

Im aktuellen Juni-Heft der „Brigitte woman“ kann man diesen sehr berührenden Artikel der Journalistin Sylvia Heinlein lesen, ab Seite 114.

Man kann sich wirklich die Haare raufen über Menschen, die keine Worte haben für einen trauernden Menschen. Der Autorin ist dies öfters passiert. Natürlich kann man diese Menschen nicht verurteilen. Sie haben Angst, sie laufen weg, sie wollen nichts hören.

Wie wichtig es ist, die richtigen Worte und Sätze auszusprechen. Ich verstehe gut, dass sie eine beste Freundin nicht mehr sehen mag, die nicht zur Beerdigung kam. Sie konnte nicht kommen und der besten Freundin NICHT beistehen, als der Liebste zu Grabe getragen wurde.

Ich wünsche mir, dass ich einmal die richtigen Worte finden werde, wenn es darauf ankommt. Lieber halte ich meinen Mund oder nehme den trauernden Menschen in den Arm. Ich verstehe die Autorin so gut, wenn sie zu den tröstenden Worten einer Freundin schreibt: „Lange hat mich nichts mehr so sehr getröstet“. Diese Freundin sagte zu ihr:

„Hör gut zu. Du hast ab jetzt fünf Jahre. Fünf Jahre, in denen du mir immer wieder das Gleiche erzählen und jedes mal weinen darfst. Verstehst Du? Ich höre dir von heute an fünf Jahre lang zu und weine mit dir“.

„Erdbeerkuchen. Erdbeerkuchen“. Es ist so simpel und so schwer, einem trauernden Menschen beizustehen. Egal wie lange dieser weinen muss.

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Das Friedhof Forum Zürich lädt nächste Woche ein zu einem Vortrag der Sterbebegleiterin und Fährfrau Sabine Brönnimann: Wir tragen den Knigge zu Grabe. Wir hören ein  Plädoyer für mutige Begegnungen mit Trauernden. Da gehe ich hin!

Kino-Tipp: Eine China-Reise

In Zürich läuft derzeit im Lunchkino dieser sehenswerte Film. Liliane lebt mit ihrem Mann in Paris ein eher langweiliges Leben. Es scheint als hätten sich die Beiden nichts mehr zu sagen. Dann erreicht sie die Nachricht vom Unfalltad ihres Sohnes, Christophe, der seit Jahren in China lebt. Liliane möchte die Überführung von Frankreich aus organisieren, was schier unmöglich ist. Also fliegt sie nach Shanghai … allein … mit dem Zug weiter nach Chengdu, wo sie in Christophes Wohnung eintritt – ganz langsam – und ihn anhand seiner Spuren neu kennenlernt. Sie hat ihn nie besucht … und bereut es sehr. Weiter geht es mit dem Bus zu dem Ort wo der Unfall passierte und Freunde von ihm wohnen. Ein kleiner Junge lehrt sie unterwegs die ersten chinesischen Wörter.

Im Ort angekommen bezieht Liliane Weiterlesen