Es ist ein Schnitter, der heißt Tod…

Passend zum heutigen Erntedank haben wir heute ein Gedicht von Clemens von Brentano (1778-1842) für Euch. Es zeigt allerdings eine ganz andere Perspektive auf das Erntedank-Fest, als man sie sonst zumeist einnimmt. Und wieder treffen wir auf den Schnitter, den Tod, der die Verbindung zwischen Erntedank und diesem Blog aufs Vortrefflichste herstellt.

Eventuell kennt Ihr das Gedicht auch aus dem Kluftinger Krimi Erntedank.

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod…

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
Er mäht das Korn, wenn′s Gott gebot;
Schon wetzt er die Sense,
Daß schneidend sie glänze,
Bald wird er dich schneiden,
Du mußt es nur leiden;
Mußt in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

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Wie man sich bettet…

Es ist mehrere Jahre her. Im Dezember 2013 schrieb ich für einen Blog einen Beitrag unter dem Titel Wie man sich bettet…

Es ging damals um eine sehr merkwürdige Marketingaktion eines polnischen Sargherstellers, der seine Produkte mit Pi-Up-Kalendern bewarb.

Der Zufall wollte, dass ich an diesen alten Beitrag erinnert wurde – und ich wiederhole ihn daher in aktualisierter Form an dieser Stelle:

Wie man sich bettet, so liegt man!
Sicher kennen Sie diesen Spruch.

Wie man gebettet wird, so liegt man!
Damit ist auf die letzte Ruhestätte angespielt, vor allem aber auf die Kiste, in die man gelegt wird: Den Sarg.

Nun ist Sarg nicht gleich Sarg, die Konkurrenz ist groß. Da müssen sich die Hersteller schon einiges einfallen lassen, damit ihr Modell von Bestattern bevorzugt ver- und von Hinterbliebenen ge-gauft wird; nur damit die Kiste umgehend gut gefüllt verbuddelt oder verheizt wird.
Der polnische Sarghersteller Lindner, einer der größten seiner Zunft, nimmt seit Jahren zur Befeuerung seines Geschäfts unverkennbar Anleihe am italienischen Reifenhersteller Pirelli: Er kalendert.
Während sich bei Pirelli fast nackte weibliche Wesen zur Bewerbung der Produkte in lasziver Weise auf den Hauben ps-starker Boliden räkelten, finden sich vollbusige Schönheiten (oder solche, die sich dafür halten) in ähnlichen Posen an oder auf…
Na?
Richtig: Auf Särgen.

kalender

 

 

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Urlaubsmitbringsel Teil II: Friedhofserlebnisse aus Albanien

Dieser Beitrag ist ein Lehrstück für mich, dass man im Internet doch nicht alles finden kann. Zumindest nicht ohne Bezahlschranke und mit einem Zeitaufwand, der nicht forschungsarbeitsmäßig ausufert.

Und zwar: Ich war in diesem Jahr im Strandurlaub in Albanien. Auf dem Weg dahin habe ich viele Friedhöfe besichtigt, in jeder Stadt, in der wir Station gemacht haben: Prag, Budapest, Belgrad und Skopje. Darüber habe ich im letzten Beitrag geschrieben. Und am Ende angekündigt, dass ich mir auch im Strandurlaub – klar – Friedhöfe angeschaut habe. Die ich dann beim nächsten Mal zeigen würde.
Also heute.

Das mache ich auch.

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Friedhofspaziergang in Frankfurt Westhausen mit Sigrid Tinz am Tag des Friedhofs

Sigrid liest aus ihrem Buch: der Friedhof lebt

Der Wettergott meinte es gut mit uns. Die angekündigte Regenfront erfrischte uns mit einigen wenigen Tropfen, wir waren dick eingemummelt an diesem kalten Sonntag, dem Tag des Friedhofs deutschlandweit.

Ausblick: Der nächste Friedhofspaziergang mit Sigrid findet nächstes Jahr im Mai auf dem Frankfurter Hauptfriedhof statt :-).

Während unseres kurzweiligen Spaziergangs auf dem Frankfurter Friedhof Westhausen ging es nicht um die Stadtgeschichte und Bedeutung des Friedhofs Westhausen – da gäbe es ebenfalls viel zu erzählen – sondern wir wollten mit Sigrid erfahren, „wie lebendig ist er denn nun dieser Friedhof“.

Friedhöfe sind für die Naturschützerin Sigrid wichtige Biotope für die Stadt. Hier können nicht nur wir uns erholen und auftanken und aufatmen. Sie sind wichtig für die ganze Stadt und somit für die Bevölkerung. Sie bieten im Sommer Kühle (und damit auch der Natur), durch die vielen Bäume entsteht Sauerstoff, CO2 wird umgewandelt und verringert. Friedhöfe werden somit immer wichtiger in unserer heutigen Zeit.

Wir entdeckten auf diesem Friedhof einen Teich, der für viele Tierarten paradiesisch ist, neben dem sich Bambus streckte, zwei Feigenbäume, einen Naturstein, auf dem sich Moos und Flechten ausbreiten konnten, eine verwilderte Wiese.

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Auf Felsen errichtet: Der kleine Friedhof von Andratx

Wehrhaft steht sie da, die alte Kirche Stanta Maria d’Antradtx, fast ein wenig Abseits vom Zentrum des kleinen Ortes, der kaum 12.000 Einwohner hat. Über der Stadt thront sie und zeugt von der Geschichte dieses Städtchens, das sich zahlreicher Anstürme nordafrikanischer Piraten erwehren musste, denn Antradtx liegt am westlichen Ende der Ferieninsel Mallorca. Ein gutes Stück muss man hinein von der Küste und hinter Andratx türmen sich die Berge auf.

Zwischen der Kirche und den Bergen liegt der kleine Cementeri Municipal d’Andratx, der städtische Friedhof, etwa 8.500 qm groß bzw. klein, Weiterlesen

Zapfenstreich

Sie ist immer dabei. Meine Freundin aus Kindertagen. Jeder hat eine Freundin oder einen Freund. Die meisten verlieren sie irgendwann oder vergessen sie. Ich nicht. Immer wenn ich dazu Gelegenheit habe, rede ich mit ihr. Am liebsten gehe ich mit ihr spazieren. Habe ich heute Nachmittag auch gemacht, auf dem Waldfriedhof in Zehlendorf, vorbei am Grab von Hildegard Knef. 

Meine Freundin kichert, weil ich mir ein Lied von ihr gewünscht habe für heute Abend. Viel lieber hätte ich mir besseres Wetter gewünscht. Es könnte doch warm sein und vielleicht noch ein bisschen hell. Dumm gelaufen. Aber im Dunkeln sieht man die Fackeln besser. Sie ist beeindruckt von dem Gedanken, dass Hunderte mit Fackeln für mich aufmarschieren werden. Und dann eine Kapelle für mich spielt. Es ist ja nicht das erste Mal, irgendwie unwirklich ist es jedes Mal und jedes Mal sitzt, steht oder geht sie neben mir. Als wir die Lieder ausgesucht haben, haben wir beide viel Spaß gehabt. Mit sechzehn war Nina Hagen die größte für mich, deshalb war schnell klar, dass der Farbfilm heute dabei sein muss. Und mit sechzehn habe ich mir alles mögliche gewünscht, nur das hab ich mir nicht vorstellen können. 

Verrückt, dass ich das sechzehn Jahre gemacht habe. Alle möglichen Menschen getroffen, große, kleine, mächtige, ohnmächtige, arme, reiche, Künstler, Politiker und echte Menschen. Und ich war in so vielen Orten. Zeit hab ich weder für Menschen noch Orte gehabt. Ich habe nur immer von kleinen Ausschnitten erzählen können und von den Dingen, die ich irgendwo gerne noch gemacht hätte oder was ich gerne noch gesagt hätte und noch viel lieber gehört hätte. Sie lacht als wir über den Ritt auf dem Elefanten reden, der in Nepal nicht möglich war und sie erinnert mich, wie stolz alle auf mich gewesen sind. Meine Familie, Freunde und so viele, die meinen mich zu kennen und die ich nicht kenne und denen ich nie begegnet bin. Oder vielleicht doch, wie kann ich das noch wissen nach der ganzen Zeit. Sie findet lustig, dass Joachims Sohn, Angie oder Another One Bites The Dust für heute Abend vorgeschlagen hat. Ich hätte mir auch was von den Beatles vorstellen können, aber ich bin ja aus dem Osten, den nicht mehr ganz neuen Bundesländern. Ein Lied von Frank Schöbel kennt man im Westen wohl nicht. 

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Darf man einem Menschen den Tod wünschen? — Pilgerin Belana Hermine

Ein spannendes Thema und eine brisante Frage, Dem wollen wir uns hier im Blog sicher auch noch widmen.

Grundsätzlich darf man sich vielleicht erstmal alles wünschen, solange man nicht direkt zur Umsetzungstat schreitet. Wenn man sich den Tod eines Menschen wünscht, dann fällt er ja dadurch nicht gleich tot um. Aber was sagt das über einen selbst aus? Möglicherweise muss man hier auch wieder ein bisschen differenzieren. Warum wünscht man sich das? Wenn […]

Darf man einem Menschen den Tod wünschen? — Pilgerin Belana Hermine

Die Queen ist tot

Dieses Foto habe ich gestern am 8. September um 18.08 Uhr geknipst und einer Freundin geschickt. In der Chorprobe, die um 19.30 Uhr begann erreichte mich in der späten Pause von einer Mitsängerin die Nachricht, dass die Queen gestorben ist. Meine Nichte postete in unserer Familiengruppe: Die Queen ist tot.

dieses Foto entstand in Frankfurt gestern um 18.08 Uhr

Im Chor singen und proben wir für unsere Chorkonzerte in zwei Wochen Felix Mendelssohn Bartholdys Lobgesang (op. 52). Im Schlusschor des ersten Teils singen die Sopranistinnen „die Erde“, der Bass „die Völker“, wir im Alt „der Himmel“ und die Tenöre „Ihr Könige“ immer abwechselnd.

Danket dem Herrn und preiset seine Herrlichkeit. Lobe den Herrn. Halleluja.

Wir vom Totenhemd-Blog sind traurig und schauen in den Himmel und wünschen
Queen Elizabeth eine gute letzte Reise.

In mir singt es immer wieder „Der Himmel“ …. „Die König*in“.

Der Tod z‘ Äding

Sssssssssssssssssssst.
Scharf saust die Sense durch das hohe Gras, sie schneidet die Halme, legt sie um. Der Schnitter verrichtet ganze Arbeit. Als Erntehelfer verdingten sich Schnitter vor der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert bei der Feldarbeit. Was heute die Mähdrescher verrichten, war einst schwere Handarbeit: Sensen, Garben binden, dreschen.

Vagabunden und Tagelöhner zogen über die Lande, boten ihre Dienste an, blieben zur Ernte und zogen dann weiter.
Seit dem Mittelalter steht der Schnitter aber auch als Bild für einen ganz anderen Gesellen: Den Sensenmann, den Gevatter Tod. Das kommt nicht von ungefähr, greift es doch auf das biblische Bild aus Jeremia 9,19ff zurück. Dort heißt es: „Ja, höret, ihr Frauen, des HERRN Wort, und nehmt zu Ohren die Rede seines Mundes! Lehrt eure Töchter klagen, und eine lehre die andere dies Klagelied: 20 »Der Tod ist zu unsern Fenstern hereingestiegen und in unsere Paläste gekommen. Er würgt die Kinder auf der Gasse und die jungen Männer auf den Plätzen.« 21 So spricht der HERR: Die Leichen der Menschen sollen liegen wie Dung auf dem Felde und wie Garben hinter dem Schnitter, die niemand sammelt.“
Unzählige Bilder und Skulpturen stellen den Tod als fahlen Mann dar, der mit der Sense über das Land zieht – seit dem Mittelalter quer durch alle Stilrichtungen bis hinein in die Gegenwart und Popkultur. Das Motiv fand Eingang auch in die Musik, Literatur, Comics, Computerspiele  und Filme. Der Sensenmann oder sein englischer Kollege, der Reaper, ist ein ikonographisches, allgemein verständliches Bild. Weiterlesen

Urlaubsmitbringsel Teil I: Friedhofserlebnisse aus Südosteuropa

Strandurlaub in Albanien stand dieses Jahr auf dem Programm und auf dem Weg dahin: Haupstadthopping. Prag, Budapest, Belgrad und Skopje. Jeden Tag eine andere Metropole als Zwischenstation auf der Autobahn, statt fliegen. Klar, dass ich mir in jeder Stadt einen Friedhof angeschaut habe, von Berufs wegen sozusagen. Aber: jeder Besuch war ein tolles Erlebnis, auch wenn es immer nur im Schnelldurchlauf war. Nach den Stunden auf der Autobahn war die Zeit auf dem Friedhof eine erholsame Dosis an Natur und Kultur, Bewegung und Ruhe – und gleichzeitig ein irgendwie persönlicher Eindruck jeder Stadt. Für Museen und anderes Sightseeing hatten wir nämlich keine Zeit, am nächsten Morgen ging es jeweils früh weiter.

Zwischenstation 1 war Prag.

Der Zentralfriedhof von Prag liegt unter vielen hohen alten Bäumen, viele Gräber sind mit Moos bewachsen und von Efeu umrankt – in der Sommerhitze eine echte Wohltat. Es gibt gemütliche Bänke, sogar an und auf den Gräbern, viel Grün, Geblümtes und Lebendiges.

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