Totenhemd meets Poetry – Phase 2: Mitschreiben!

16805484_1375189912554929_321110693_oLiebe Worttüftler*innen, Gottespoet*innen und Reimeschmieder*innen,

vielen Dank für all die wunderbaren Worte, die ihr entdeckt, durchbuchstabiert und eingeworfen habt, sogar Fotos gab es schon, z.B. herrlich unscharf von Stephanie. Nun beginnt Phase 2 von „Totenhemd meets Poetry“ – und auch DU kannst mitmachen:

Die Challenge
Da wir uns zur Aufgabe gemacht haben, die Leute dazu zu bringen, mehr, leichter und offenherziger über das Thema „Sterben“ zu reden, soll es genau darum gehen. Es soll explizit nicht ums Trauern gehen, sondern ihr kreiert Texte, die Leute dazu locken, über´s Sterben zu reden. Sich überhaupt erst mal zu trauen. Muss nicht tiefgehend sein, darf aber. Darf Lachen und Weinen, Schimpftiraden und Liebesschwüre hervorbringen.

Die Form diesmal: Poetisch!
Kurz oder episch,
gereimt oder als Haiku,
freestyle, slammig oder als Elfchen,
humorvoll, träumerisch, skurril,
ein Spiel mit Worten.

Alles, nur keinen klassischen Blogtext!

Die Spielregel: Suche dir 1 – 3 Worte aus der folgenden Wortwolke und baue sie in deinen Text ein.  („Schummeln ist die Metaphysik des Spiels“, pflegt Annegret´s Playing Arts Freund Christoph Riemer zu sagen…)

So geht´s: Ab sofort nehmen wir Eure „Ich mache mit – “ – Signale entgegen. Wir posten an den ungeraden Tagen im März. Wenn Weiterlesen

Aufruf zur 4. Blogaktion: Totenhemd meets Poetry – Phase 1: Wörter sammeln!

img_3977Liebe Worttüftler*innen, Gottespoet*innen und Reimeschmieder*innen,
wir laden Euch ein zu unserer 4. Blogaktion im März!

Die Challenge
Da wir uns zur Aufgabe gemacht haben, die Leute dazu zu bringen, mehr, leichter und offenherziger über das Thema „Sterben“ zu reden, soll es genau darum gehen. Es soll explizit nicht ums Trauern gehen, sondern ihr kreiert Texte, die Leute dazu locken, über´s Sterben zu reden. Sich überhaupt erst mal zu trauen. Muss nicht tiefgehend sein, darf aber. Darf Lachen und Weinen, Schimpftiraden und Liebesschwüre hervorbringen.

Die Form diesmal: Poetisch!
Kurz oder episch,
gereimt oder als Haiku,
freestyle, slammig oder als Elfchen,
humorvoll, träumerisch, skurril,
ein Spiel mit Worten.

Alles, nur keinen klassischen Blogtext, Ihr Lieben.

Damit das alles noch ein bisschen mehr aufgemischt wird, gibt es jetzt „Phase 1“
Wir sammeln Wörter, die später in den Texten auftauchen werden, denn eine weitere Spielregel lautet: verwende 1-3 Wörter aus unserer Sammlung!

Petra und ich haben schon mal beim Essen beim Inder angefangen zu sammeln, siehe Foto. Und Ihr schreibt jetzt bitte bunt durcheinander wahrscheinliche und unwahrscheinliche einzelne Wörter für unsere Sammlung in die Kommentare.

Phase 2 startet nächste Woche. Da geben wir dann die Termine raus. Gerne schicken wir – wer mag – auch Aufgaben an euch raus.

Also: jetzt erst mal her mit den Wörtern!

Mrs. B.: Mein erster toter Mensch

img_3907Es war gar nicht geplant. Nach dem Abi ´85 hatte mich eine englische Freundin in ein Deutsches Altenheim in London vermittelt. Ich wollte ein bisschen Auslandserfahrung sammeln. Das Altenheim hatte sie in den Kleinanzeigen gefunden. Die „Matron“ des Hauses sucht deutsche Mädels, die mit den alten Damen Deutsch sprechen und in der Pflege helfen.
Es war meine erste direkte Erfahrung mit alten Körpern. Meine Großmütter hatte ich ja nie gewaschen. Diese wunderbaren alten Damen, die ihr Englisch hier und da schon ein wenig vergessen hatten und sich über so ein junges Mädchen freuten, brauchten meine Hilfe bei der Morgentoilette, beim Essen – und ein wenig Unterhaltung irgendwo zwischen Deutsch- und Englischland.
Und so geriet ich mit gerade mal 18 Jahren in „mein erstes Sterben“. Es war einfach so weit für Mrs. B.. Ich blieb bei ihr. Der aufgeblähte Leib, die zerzausten Haare, die zerwühlten Laken. Das schwere Atmen. Das nicht mehr Atmen. Das Alleinsein.
Denn da war sonst niemand, der sie (oder uns) begleitete.
Es war irgendwie gut.
Später, als sie – recht bald – vom Bestatter abgeholt worden war, begann ich die Laken zu waschen. Mit großer Verve. Ein Ritual – was auch immer. Ich bekam die riesigen Schweißflecken nicht heraus. Das hat mich mehr als alles andere irritiert. Der Abdruck eines vergangenen Lebens.
Mrs. B. hatte keine Angehörigen. Ich durfte mir von ihrem Schmuck etwas heraussuchen. Eine goldene Gliederkette mit Türkisen.
Danke, Mrs.B.

Wir reden übers Sterben … heute mit: Ina Hattebier

img_5270Ina Hattebier lebt und arbeitet als freie Künstlerin in Hamburg. Sie setzt sich mit den Themen Trauer und Tod auf verschiedenen Ebenen intensiv auseinander, ist ausgebildete Trauerbegleiterin und gestaltet Urnen mit Papier.

  1. Du beschäftigst dich mit (Deiner) Endlichkeit. Welche Auswirkungen hat das auf dein Leben?

Die Beschäftigung mit der Endlichkeit des Lebens hat mir deutlich gemacht, wie stark gerichtet mein Leben ist: Immer habe ich Pläne, Wünsche und Vorstellungen, die ich verwirklichen möchte. Das ist alles in die Zukunft gerichtet. Ich nehme mir mittlerweile immer häufiger die Zeit das Jetzt oder den Moment wertzuschätzen.

  1. Viele haben Hemmungen oder auch Angst, mit anderen über das Sterben zu reden. Wie ist das bei Dir? Was hat sich verändert?

Das Sterben ist eine Tatsache, die mich mit allen anderen Menschen verbindet. Ich spreche gern mit anderen über meine Gedanken hierzu und befrage sie zu ihren Vorstellungen, das hilft mir eine eigene Haltung zu entwickeln. Vor kurzem habe ich mit anderen Kolleginnen hier in Hamburg ein Death Café organisiert (www.deathcafe.com), da hat mich sehr erstaunt, wie vielfältig die Erfahrungen der einzelnen Gäste waren. Mir ist dabei nochmal klargeworden, welch große Rolle die Toten in unserem Leben spielen und wie wichtig die Verbindung zu ihnen in unserem Alltag ist.

  1. Dein Vorschlag für einen guten Satzanfang, wenn Du mit jemandem über solche Dinge wie Sterben, Vorsorge u.ä. reden willst:

„Du, stell’ dir vor, neulich habe ich den Tod getroffen, er hat mir aufgetragen dir folgendes auszurichten …“ Nein, Spaß! Dafür gibt es keine Formel, das kommt meist aus dem Moment heraus. Ich gehe zum Beispiel mit meinen Urnen auf Designmessen und mache mit Kolleginnen Veranstaltungen zu den Themen Sterben, Tod und Trauer, da gibt es viele Möglichkeiten Fragen zu stellen. Meine Erfahrung ist, Weiterlesen

Cementerio in Tao

Heute hat mich mein Mann auf diesen Friedhof auf Lanzarote aufmerksam gemacht. An der Hauptstraße gelegen fällt die weiße rechteckige Mauer auf … das Eingangstor war durch einen Riegel verschlossen, den wir aufschieben konnten um hinein zu kommen.

Ein idyllischer kleiner Platz abgeschirmt von der Außenwelt.

Friedhofspaziergang in Teguise, Lanzarote

Galerie

Diese Galerie enthält 5 Fotos.

Gestern in Teguise auf Lanzarote dachte ich: wo werden hier eigentlich die Toten begraben? Während all unserer Ausflüge habe ich keinen Friedhof gesehen. Ich fragte im Café nach dem „cimetario“. Der Gastwirt erklärte mir auf Spanisch wo es lang geht. … Weiterlesen

100 Songs: Uncle Kracker: Follow me

Ich wünsche Euch mit diesem Song ein schönes Wochenende.

Claudia Cardinal hat im Interview mit uns diesen Song erwähnt, den ich in unsere Liste „100 Songs“ eintragen werde. And now: Follow me.

Vor einem Jahr starb David Bowie

Einen sehr sehenswerten Dokumentarfilm zu David Bowies Leben gibt es auf ARTE zu sehen in der Mediathek. Vor allem sein Musical LAZARUS, das zur Zeit in London gezeigt wird, beeindruckt mich …

… die letzten 10 Minuten im Dokumentarfilm sind wirklich unglaublich: man sieht Bowie im (Videofilm-)Krankenbett liegen wie er singt und atmet … wow! Unglaublich … er wusste er würde sterben …

Hier der Trailer zum Musical Lazarus:

 

Lest auch Annegrets Artikel „Zwischen Ewigkeit und Advent – 3 Sänger und das Rätsel“ vom November:

Wir reden übers Sterben … heute mit: Silke Szymura

silke-szymuraIch bin Silke, 34 Jahre alt und komme aus der Nähe von Frankfurt. Vor knapp vier Jahren habe ich meinen Lebenspartner während eines gemeinsamen Aufenthalts in Nepal ganz plötzlich verloren – und damit auch mein altes Leben.

Mittlerweile bin ich Trauerbegleiterin und schreibe auf meinem Blog „In lauter Trauer“ über Trauer, Tod, Sterben und das Leben. Außerdem führe ich seit Herbst 2016 das Projekt „Dein Tod und ich“ weiter, auf dem Hinterbliebene von ihrer Erfahrung mit dem Tod und der Trauer erzählen.

Ich möchte Räume für die Trauer schaffen, einen Beitrag dazu leisten, dass über Trauer und Tod geredet wird und wünsche mir einen natürlicheren Umgang damit in unserer Gesellschaft.

  1. Du beschäftigst dich mit (deiner) Endlichkeit. Welche Auswirkungen hat das auf dein Leben? 


Bis zu Julians Tod habe ich versucht, die Tatsache, dass mein und unser aller Leben endlich ist, zu verdrängen. Sterben, das war in meiner Welt etwas, das irgendwann im Alter passiert und bis dahin, wer weiß, da hat die Medizin vielleicht etwas erfunden, was dagegen hilft. Durch seinen Tod wurde ich auf ziemlich harte Weise in die Realität geholt und habe kapiert: Dieses Leben ist tatsächlich endlich. Es kann wirklich jederzeit vorbei sein.

Das war zunächst ein harter Schlag, aber dann hat es dazu geführt, dass ich noch mal neu und ganz anders anfing, über das Leben nachzudenken. Die Erkenntnis, dass wir nur eine bestimmte Zeit auf dieser Erde leben, hat mich daran erinnert, wie kostbar das alles hier ist. Ich lebe nun bewusster und versuche, mehr meinem Herzen zu folgen und darauf zu achten, was mir wirklich wichtig ist. Ich bin viel dankbarer geworden und nehme die Dinge und Menschen um mich herum nicht mehr als selbstverständlich wahr.

Die Begegnungen, die bereits aus dieser Auseinandersetzung und meiner Arbeit entstanden sind, bereichern mein Leben sehr. Der Tod hat so einen schlechten Ruf in unserer Gesellschaft, dabei kann er so ein wertvoller und spannender Begleiter sein, wenn wir ihn annehmen, ihm vielleicht mit etwas mehr Neugier und etwas weniger Angst begegnen.

  1. Viele haben Hemmungen oder auch Angst, mit anderen über das Sterben zu reden. Wie ist das bei dir? Was hat sich verändert? 


Ich hatte diese Hemmungen und Ängste früher auch, daher kann ich sie gut nachvollziehen. Mittlerweile rede ich allerdings gerne darüber und finde diese Gespräche immer wieder sehr bereichernd. Für mich hat sich im Laufe der letzten Jahre vor allem noch verändert, dass ich mir anfangs viel mehr Gedanken darüber gemacht habe, ob ich in einem Gespräch einfach anfangen kann, davon zu sprechen. Ich hatte lange eine Hemmschwelle, weil ich andere nicht belasten wollte, weil ich Angst hatte, dass ich die Stimmung ruiniere und zur Spaßbremse werde. Heute erzähle ich einfach was ich mache, dass ich zum Beispiel Weiterlesen