Buchtipp: Für immer anders

indexDieses Buch habe ich gerade bei Facebook entdeckt. Rezensent schreibt im Frühjahr 2016:

Durch dieses Buch wird sogar die Trauer „für immer anders“. Für immer verständlicher und für immer ein wenig einfacher, wenn man sich in seiner Trauer verliert.
Ich habe mir dieses Buch aufgrund eines Todesfalles gekauft, weiterempfohlen und tatsächlich sogar verschenkt.

Hier kannst Du Dich über das Buch informieren und ein Interview mit der Autorin anhören: Patmos-Verlag 

Buchtipp: Krebs ist, wenn man trotzdem lacht

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Sabine Dinkel und ich kennen uns übers Internet. Schon bevor Sie von heute auf morgen Krebs hatte.

Sie ist mit daran „schuld“, dass es den Totenhemd-Blog gibt. Über die Trauer meines Vaters sind wir in Kontakt gekommen. Sie empfahl mir die Bücher von Claudia Cardinal zu lesen. Was ich auch getan habe. Stell Dir vor, dein Totenhemd hängt im Kleiderschrank … so fing alles an :-).

Und nun Sabine mit ihrer Krebs-Erkrankung. Ich bekomme sehr viel mit über ihre Facebook-Einträge. Sie hat ein sensationell gutes Buch geschrieben, das ich noch gar nicht gelesen habe. Die bisherigen Rezensionen sind aber alle voll des Lobes.

Krebs und Tod hängen nah beieinander. Ich selbst habe 3 Freunde verloren, die innerhalb von zwei Jahren an ihren Erkrankungen gestorben sind. Man denkt sofort „hoffentlich schafft sie/er es“. Deshalb habe ich Sabine gefragt, ob es OK ist, dass ich ihr Buch hier im Totenhemd-Blog vorstelle. Denn wir wollen ja übers Sterben sprechen. Ihr Buch sagt jedenfalls deutlich: Lebe! Hab Spaß! Mach es Dir schön! Genau! Bis zur letzten Minute und wer weiß wann das ist, ob mit oder ohne Schnieptröte.

Hier schmökern.

Buchtipp: Gegen alle Regeln: Ein Memoir …

51r38O58oRL._SX304_BO1,204,203,200_Letzten Sonntag habe ich ein Interview mit der Autorin Ariel Levy gelesen. Sie schreibt über ihre Erfahrung einer Fehlgeburt, die nur sie alleine erlebt hat. Sie gibt ihrem toten Kind „eine Identität“. Sie will, dass anerkannt wird, was passiert ist“. Die Überschrift des Artikels: Er hat gelebt.

Mich hat das Interview sehr berührt, weil die Autorin mit diesem Buch versucht uns ihre Trauer und ihren Schmerz nahe zu bringen. Sie sagt aber auch: „Ich glaube, hier in Amerika leben wir unser Leben, als würden wir nicht sterben“. Oder: „Ja, und ich glaube, einer der Gründe dafür, dass Fehlgeburten und Totgeburten so die Hölle sind, sind die fehlenden Rituale. … Aber ich glaube, weil nicht darüber geredet wird, denkt man: Bin ich verrückt, dass ich das Gefühl habe, mein Kind ist tot? … Aber eine Fehlgeburt zu haben, wo man die Person, die man gemacht hat, sieht, und dann stirbt sie, das ist schrecklich. Rituale könnten diesen Schmerz vielleicht ein bisschen lindern.“

Ich finde, ihre Worte machen neugierig auf ihr Buch.

Hier kann man reinlesen.

 

Nur für einen Moment alles

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Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.  (Pred 3,11)

(Geschrieben für das Impulse – Heft der Frauenarbeit der EKKW 2017)

Nur für einen Moment
Geborenwerden und Sterben gleich
Für einen Moment alles verstehen
Alles lieben
Alles in seiner Ordnung wissen

Die Hand öffnet ihr Mandala
Ich folge jeder Linie
Falle in Liebe mit ihrer Weichheit Weiterlesen

LEBENsraum Friedhof

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Seht Ihr das Eichhörnchen?

Auf dem Friedhof Sihlfeld war ich heute. Es war Tag des Friedhofs mit Programm zwischen 10 und 14 Uhr. Um 12.00 Uhr war ich bei der Führung dabei: „Lebensraum Friedhof“. Die Sonne schien, es war angenehm kühl und warm gleichzeitig, eine lockere Stimmung. Wir waren etwa 12 Menschen, die über den Friedhof spazierten und Ausschau hielten nach Bienen, Vögeln (Raben, Eichelhäher, Enten), Eichhörnchen. Interessant fand ich die Namen der verschiedenen Bäume, die wir unterwegs rechts oder links von uns entdeckten. Sie passen im wahrsten Sinne des Wortes auf einen Friedhof:

Blutbuche (oben rechts etwa 150 Jahre alt)
Götterbaum
Judasbaum
Christusdorn

Aber auch Neophyten sind da, die nicht ganz so beliebt sind. Buchsbäume wachsen zuhauf und Efeuranken bieten vor allem den Bienen Schutz. Auf dem Friedhof wird ein Honig geimkert in verschiedenen Bienenkörben. Die Wildbienen dagegen dürfen sich zur Paarung im Bienenhotel tummeln. Es gibt Schlafplätze für Fledermäuse, Glühwürmchen tanzen an warmen Sommerabenden, Fuchs und Dachs sagen sich hier auf dem Friedhof auch Gut Nacht.

Mitmachen im November! Die Totenhemd-Challenge: Deine Löffelliste und du.

IMG_5394Lange nichts gehört von Annegret. Die lebt sich derzeit fröhlich durch ihre Löffelliste und fügt zeitgleich neue Ideen und Wünsche hinzu. Ich war in dieser Hinsicht auch fleißig. Ihr erinnert euch: Der Tag mit der Kuh, die ich gemolken habe?
Und Ihr so? 🙂

Löffelliste: Da stehen die Dinge drauf, die du gerne in deinem Leben tun und erleben möchtest. Bevor du stirbst. Wir finden, dass man damit jetzt wirklich nicht bis zur letzten Sekunde warten muss.

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Hallo Pa, willste ne Reval zum 3. Todestag?

Hallo mein lieber Vater,

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14.9.2014 frühmorgens

heute vor drei Jahren bist du plötzlich gestorben. Von jetzt auf gleich innerhalb weniger Minuten in den Armen Deiner Frau gestorben. Was ein schöner schneller Tod!

Ich sag Dir, das hat mich echt umgehauen. Das weiß ich heute, 3 Jahre später. Ohne Abschied bist Du gegangen. Einfach so. Es gab keine letzten tröstenden Worte von Dir an uns. Was war ich wütend und verletzt: bist einfach „so“ gegangen. Es hat mich ganz schön umgehauen, mein Lieber.

„Schillers Glocke“ habe ich immer noch nicht auswendig gelernt und an Deinem Grab aufgesagt, zumindest die letzte Strophe wollte ich ja lernen.

Die Trauer um Dich verblasst (darüber bin ich froh), es bleibt die Freude über das, was Du mir mitgegeben hast: die Liebe zur Musik und zum Singen. Ich träller wirklich mein Leben gern und denke dann oft im Stillen an Dich.

Stell Dir vor, was das Größte ist für mich: Mittwochs gehe ich jetzt immer mit Winston dem Labrador spazieren. Der schwimmt sogar mit mir im See! Zum Piepen sag ich Dir! Damals als ich unseren Riesenschnauzer Aki hatte hätte ich mal wissen sollen, dass die Hunde es lieben, einem Ball hinterher zu laufen. Dann hätte er sich nicht mit den Steinen abgeben müssen, die er immer im Maul hatte und sich deshalb die Zähne ruinierte. Ja Mist, das tut mir jetzt manchmal in der Seele weh. Aber Winston den liebe ich, der macht mich so was von häppy. Eines Tages werde ich einen eigenen Labrador haben. Jetzt aber noch nicht.

Eine Kerze anzuzünden ist einfach, das habe ich gerade gemacht. Es ist eine Friedenskerze, deren Flamme jetzt lodert. Eine Reval für Dich anzuzünden ist schon schlimmer, weil ich dann den Zigarettengeschmack eine Weile im Mund haben werde. Hust!

170527_p_und_v_78Ich war beim Jodelkurs, als Du gestorben bist. Ich musste das Wochenende abbrechen. Ich konnte da nicht mehr Jodeln ;-). Und war seitdem noch nicht wieder dort im Toggenburg bei einem nächsten Jodelkurs. Ich hab aber mit Annegret österreichisch gejodelt während meiner Geburtstagsfeier. Du hättest uns mal hören sollen! „I krogel di o“ (ich dreh dir den Hals um (liebes Hähnchen).

Geht es Dir gut da oben? Singst Du den Engeln deine Arien vor so wie uns früher? Singen sie dann mit und stimmen ein im Chor? Das wünsche ich Dir.

See u nächstes Jahr wieder hier! 🙂

Das erste Trauerjahr ist vorbei.

 

Gräber mit Bergsicht und Totenbeinli aus Seewis

In Seewis war ich heute. Seewis liegt in Graubünden auf über 900 Höhenmetern und ist eine Stunde mit dem Auto entfernt von Richterswil. Es ist ein kleiner Ort und mittendrin liegt eine REHA-Klinik, wo ich einen Freund besuchte. Auf meinem Spaziergang nach dem Essen kam ich am Friedhof vorbei und dachte: Schön hier zu liegen, mit Blick in die verschneiten Berge.

TotenbeinliAls ich dann noch eine Nusstorte beim Spar kaufte, die vom dortigen Bäcker gebacken wird, lachten mich die Seewiser Totenbeinli an. Wenn Ihr die Zutaten genau anschaut, liegt Ihr ganz richtig: ein typisches Weihnachtsgebäck, das aber gern über das ganze Jahr gegessen wird. Die Totenbeinli sollen früher zum Leichenschmaus gereicht worden sein. Quelle und Foto von hier.

Buchtipp: Babylon von Yasmina Reza

Reza_25651_MR2.inddElisabeth und ihr Mann geben eine Frühlingsparty. Sie sind es nicht gewöhnt Parties zu organisieren. Gläser müssen her: die verschiedensten Größen und Formen werden besorgt und auf der Vitrine aufgestellt. Es sind eigentlich zu viele für den kleinen Kreis Gäste.

Zu den Gästen zählen ihre Nachbarn von oben: Jean-Lino und Lydie. Lydie fragt ob die eine Sorte Häppchen von glücklichen Bio-Hühnern gemacht ist? Und nun erzürnen sich die Geister. Und danach im Ehegemach der beiden weiter, denn Jean-Lino wird wenig später bei den Nachbarn unten klingeln und sagen, dass er Lydie ermordet hat.

Wie kommt die Leiche aus dem Haus? Das ist der eine Erzählstrang, den ich amüsant und gelungen finde. Die Autorin bedient sich aber auch der Nebenschauplätze und Erinnerungen und weicht immer wieder in andere Gedankenerzählungen ab. Das hat mich persönlich ermüdet.

Tja, ob die Leiche am Ende „entsorgt“ wird und wie Elisabeth da mit drin hängt und mitmacht verrate ich jetzt nicht.

Bei Interesse könnt Ihr eine Hörprobe hören oder das Buch in eurer Lieblingsbuchhandlung kaufen oder in der Bücherei ausleihen.

Viel Vergnügen wünsche ich.

Hier hat die FAZ rezensiert.