Das Totenhemd in den Kleiderschrank hängen

Petra: 
Ich möchte mir ein knielanges  unifarbenes weißes/helles Hemd/Nachthemd kaufen … und Du bestickst es? 🙂 … Und stell Dir vor, dieses Totenhemd/Leichenhemd hängt in unserem Schrank.
Es erinnert uns, dass wir endlich sind :-).

Annegret:
Ich weiß auch schon, was ich dir da drauf sticke. Aber dazu müssen wir uns zuerst sehen und etwas wagen: ich zeichne seit diesem Jahr immer wieder Bilder, indem ich mit geschlossenen Augen mein Gesicht fühle und mit der anderen Hand zeichne, die sind inzwischen sehr poetisch. In dem Fall müsste ich dann dein Gesicht fühlen…

Sticke meines zurzeit auf eine Leinwand. Das geht sehr langsam voran. und wird sehr schön. Noch besser: die Rückseite mit den hängenden Fäden und Unsauberkeiten.

10 Gedanken zu „Das Totenhemd in den Kleiderschrank hängen

  1. Hallo,
    Ich schließe mich euch an, eure Gedanken das „Totenhemd“ betreffend.
    Früher gehörte das Totenhemd soweit ich weiß zur Aussteuer der Frau. Sie hatte es zumeist im untersten Fach des Wäscheschranks, einer Kommode bereitliegen, bis es schließlich gebraucht wurde.
    Manche nahmen statt dessen auch ein besonders schönes Nachthemd, so wie Ursulas Oma.
    Wir versuchen immer wieder, alte Traditionen erneut aufleben oder wieder beleben zu lassen.

    Warum nicht auch diese schöne Tradition, vorzubeugen, das letzte Gewand, Kleid, Hemd nach den eigen Wünschen bereitliegen zu haben.
    Ich werde es mit Sicherheit tun.

    Wichtig ist mir nur, das es ein Hemd ist, welches ich selber ausgewählt, gestaltet oder gefertigt (fertigen lassen) habe. Etwas ganz persönliches für die Ewigkeit.

    Denn das Totenhemd, welches Bestatter uns anbieten wäre mir in diesem Sinne gänzlich ungeeignet.
    Von der Stange, hinten nicht da und vorne nur oben herum ein vollwertiges Kleidungsstück.
    Dazu aus dünnem, billigen Stoff, schlecht und lieblos vernäht.

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    • Hallo Chantal, wäre ja mal einen Besuch wert beim Bestatter vorbeizuschauen und sich ein Totenhemd anzusehen. Keine Ahnung ob die aus billigem Stoff genäht sind. Heute morgen fragte ich mich, welche Schneiderin ein schönes Totenhemd/-kleid schneidern würde nach meinen Vorstellungen, z.B. aus einem schönen Stoff. Denn nähen kann ich nicht wirklich. Wir müssten eigentlich eine Suche aufgeben: Wer schneidert uns ein Totenhemd, das wir dann selbst besticken oder mit bunten Knöpfen verzieren.
      Meine Oma könnte Ihr Totenhemd in ihrer Kommode gehabt haben, hat sie aber nicht erzählt. Sie hatte so viele Sachen. Ich müsste mal meine Mutter fragen, was sie anhatte.
      Üblich ist ja wohl heutzutage, dass man den Verstorbenen das Lieblingskleid oder den Männern ihren Anzug anzieht. Es kann aber auch der schrill-bunte Jogginganzug sein, wenn man eher sportlich unterwegs war.

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      • Hallo Petra, ich auch nicht o-;
        denke mir nicht jeder Bestatter lässt sich da gerne in die Karten schauen, aber anfragen kostet ja nichts. Hier mal ein Link zu einem kurzen Artikel über die Tradition des Totenhemdes. Mit einem recht anschaulichen Bild.
        (zum Vergrößern einfach draufklicken) wie so ein Standarttotenhemd aussieht.

        Kann mir vorstellen es ist möglich jemanden, zu finden der nach Vorlage ein schlichtes langes Gewand schneidern könnte, welches man nach eigenem Wunsch verzieren und ausstatten würde.

        Eine Designerin namens Afra Banach bietet so etwas sogar seit längerem an.
        Als Denkanstoß:
        http://www.bestattungswaesche-banach.de/index.php
        Neben den angebotenen Kollektion besteht aber auch die Möglichkeit, ein Totengewand nach persönlichen Wünschen zu bestellen.

        Der Grund ist sicher, das vielen Angehörigen das normale Totenhemd eben zu unpersönlich ist und eigentlich kein komplettes Kleidungsstück. Oft wird schon zu Lebzeiten im Rahmen der Bestattungsvorsorge verfügt, in eigener Kleidung beigesetzt zu werden.

        Soweit ich weiß, gehen wir am Ende ohne Schuhe. Mir persönlich werden ein paar helle Socken oder Strümpfe zum Totengewand genügen, denn es recht ja bis zu den Knöcheln.

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      • Gern geschehen.
        Es gibt sicher noch viele Gedanken dazu zu teilen und mitzuteilen.
        Auch denke ich dabei noch an etwas nicht minder wichtiges.
        Wenn es soweit ist und man hat uns das letzte Hemd angezogen, wo und wie möchte man am Ende gebettet sein. Wie soll unser Sarg bzw. Urne aussehen, das Ruhekissen. Was ist uns wichtig, was möchten auf keinen Fall… und … und …und.
        Ich denke, auch in dieser Frage hätten wir unsere Möglichkeiten der Einflußnahme, unsere persönlichen Wünsche und Vorlieben später einmal umgesetzt zu wissen.

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      • Hallo Chantal, sorry. Diesmal hat es etwas länger gedauert mit meiner Rückmeldung. Und ob es da noch viele Überlegungen anzustellen gibt. Ich freue mich schon darüber. Annegret und ich haben viele Ideen und Gedanken im Kopf. Mit unserem Blog wollen wir auf jeden Fall motivieren, dass sich jede und jeder überlegt, wie es denn sein soll … genauso wie Du hier angeregt hast darüber nachzudenken. Wir haben viele Möglichkeiten der Einflussnahme. Es liegt an uns, die „Dinge“ in die Hand zu nehmen. Wie ich das vorhabe, dass es die anderen wissen, stelle ich in einem gesonderten Artikel vor. Morgen oder übermorgen hab ich wieder Zeit zu schreiben. Schönen Abend.

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      • Lass Dir nur alle Zeit, die es benötigt Deine Gedanken und Antworten in Worte zu fassen. Gehe davon aus wir haben (hoffentlich) noch viel Zeit uns mit unserem eigenen Tod, dem Abschied zu beschäftigen, die letzten Dinge nach unseren eigenen Wünschen zu regeln.
        Doch die „verbleibende Zeit“, das ist der Punkt warum ich mir daran gelegen ist schon früh genug darüber nachzudenken, es jedem nur empfehlen kann, sich rechtzeitig Gedanken zu machen.
        Der Tod ist eine Konstante in unserem Leben, es endet mit ihm, das ist sicher.
        Die Zeit dagegen die Unbekannte, das „Wann“ kennen wir nicht, eben so wenig das „Wie“, die Art und Weise.
        Der Zeitpunkt unseres Todes kann, das wünschen wir uns und anderen, in ferner Zukunft liegen aber auch sehr zeitnah. Wer weiss das schon. Es liegt nicht bei uns, wir haben keinen Einfluss darauf.

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  2. Hallo, ich war gestern Abend lange im Blog zu Besuch, faszinierend inspirierend all die Gedanken, aber auch immer noch befremdlich über das eigene Sterben offen zu sprechen und dies selbst zu gestalten. Ich habe schon einmal wesentlich lockerer über mein „Ende“, über Krankheit, Sterben gesprochen. Das war so zwischen 30 und 40, während meiner Arbeit im Krankenhaus, Heute ist die Befristung ein ganzes Stück näher gerückt und so zwischen 55 und 60 sind die Gedanken und Gespräche daran gar nicht mehr so locker, eher so bewusst werdend: „Ah ja, ewig geht es nicht weiter, irgendwann ist Schluss“ – Themenwechsel. Glaube der Blog wird den Einstieg in eine individuell angepasste Auseinandersetzung mit diesem für jeden doch irgendwann kommendes Ereignis werden. Schon der Name „Totenhemd“ ist klasse, erstmal konnte ich gar nichts damit anfangen, aber mittlerweile ist klar „Totenhemd“ ist treffend und setzt viele Erinnerungen frei.
    Meine Oma hatte auch so ein „Totenhemd“ im unteren Wäschefach liegen, weiß, leicht vergilbt und mit Spitzen, Sie zeigte es mir oft als Kind und wir sprachen darüber. Sie wollte es tragen auf ihrer letzten Reise. Aber als die Reise anstand wußte niemand mehr davon und so ging sie wohl (ich weiß es nicht) in Fremdkleidung. Wie schade, wer weiß wieviel Gedanken sie auch mit diesem Thema verbrachte. Ob sie dieses Totenhemd auch bei Sichtung immer an die eigene Endlichkeit erinnert hat? Ich möchte auf jeden Fall auch eins im Schrank hängen haben, meins von mir gestaltet, bestickt, benäht, weiß, bunt, grün, orange, lila. Bin noch nicht festgelegt. Aber ich möchte es aussuchen, gestalten und mich von ihm immer an die eigene Endlichkeit erinnern lassen und ich werde es mitteilen , immer und immer wieder, dass ich es tragen möchte auf meiner letzten Reise. Was für ein schöner Gedanke und ein sicheres Gefühl.
    Das ist vielleicht eine Marktlücke und wird irgendwann …………

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    • Hallo Ursula, es ist sicher ein 50+-Thema das Sterben und die Endlichkeit. Das stellt sich plötzlich in den Weg, in unsere Gedanken, in unsere Ängste. Toll Ihre Oma!! Dass sie mit Ihnen darüber gesprochen hat. Da kommt sicher noch ein besondere Duft in die Nase, wenn Sie dran denken … die Kommode, die Wäsche, das Spitzennachthemd. Herrlich!

      Ja, und unbedingt jedem erzählen, der es wissen muss, dass Sie in einem bunten, grünen, orangen, lila Totenhemd auf die letzte Reise gehen. Eine Marktlücke!!! In der Tat. Wenn ich nähen könnte, wäre ich da sicher gleich in den Startlöchern.
      Wir lesen uns … ich freue mich über Ihren wunderbaren Beitrag. Dankeschön.

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