Was ist wenn jemand in Deinem Umfeld stirbt?

IMG_0013Eine Freundin schrieb mir letztens: „In der Wohnung unter mir erlebe ich den traurigen Krebstod meines Nachbarn“.

Stell dir vor, deine Freundin erzählt dir, dass ihre Mutter im Sterben liegt, dass dein Kollege um seinen Bruder trauert, dass Du einen Freund verlieren wirst … Wie wirst du reagieren? Kneifst du oder hilfst du beherzt mit, wenn ein betroffener Mensch mit dem Tod konfrontiert ist?

Ich habe eine Typologie zusammengestellt. Welchem Typ bist Du am nächsten?

Die Davon-Läufer
Es gibt Menschen, die bekommen angesichts des Todes ein ganz mulmiges und komisches Gefühl in der Magengegend. Sofort meldet sich der Fluchtreflex: Nix wie weg! Sie wollen davon nichts hören und nichts wissen.

Symptom: Kribbeln in den Füßen
Verhalten dem anderen gegenüber: Am besten noch ein bisserl Hektik vortäuschen, sich räuspern, dass man viel zu tun hat und schnell das Weite suchen.

Die Vermeider
Tief durchatmen und bloß nicht einlassen auf den Tod und den Sterbenden. Am liebsten die Augen zukneifen und so tun als ob man nichts gehört hat. Dieser Typus zählt zu den Menschen, die selbst einem Sterbenden noch sagen: „Das wird schon! Du schaffst das!“

Symptom: Augen und Ohren zu
Verhalten dem anderen gegenüber: Bringt gerne Floskeln wie „Wenigstens hat sie nicht leiden müssen“ oder „Er ist jetzt an einem besseren Platz“. 

Die Neugierigen
Sie sind diejenigen, die die Augen nicht verschließen wollen, aber nicht wirklich wissen, wie sie damit jetzt umgehen sollen. Sie fragen sich: Was passiert beim Sterben genau? – Sie schauen näher hin und scheuen sich nicht, Fragen zu stellen. Das kann manchmal befremdlich wirken oder zu viel werden.

Symptom: wissbegierig
Verhalten dem anderen gegenüber: Hilfsbereit. Willst du drüber reden? Was kann ich tun?

Die Ängstlichen
Diese Menschen glauben, dass der Tod ansteckend ist. Ihnen ist diese absolute Endlichkeit einfach zu viel. Es geht ihnen mit dem ganzen Thema nicht gut, es belastet sie, auch wenn sie nur aus der Ferne mitbekommen, dass jemand gestorben ist. Da meldet sich sogar bei Leuten, die sonst gar nicht abergläubisch sind, das ungute Gefühl: „Wenn man vom Tod spricht, kommt er!“

Symptom: Stillstand, hält die Luft an
Verhalten dem anderen gegenüber: Total verunsichert. Man könnte ja was Falsches sagen.

Die Jammerer
Ihnen ist das Herz schwer. Sie hadern mit dem Tod (oder ist es Gott oder das Schicksal), sie können nicht begreifen, dass „sowas“ passiert und wenn, dann möchten sie es einfach nicht wahrhaben.
Warum ich? Warum du? Warum gibt es so viel Leid?

Symptom: lautes Weh- oder Anklagen
Verhalten dem anderen gegenüber: Sie möchten gerne trösten und bekräftigen doch eher nur, wie traurig oder ungerecht die Welt ist.

Die Weitererzähler
Hast Du schon gehört: „xy ist gestorben“ oder „Wie schlimm muss das für z sein“. Diese Menschen reden über die Verstorbenen, sie kennen die Ursachen oder spekulieren ausgiebig darüber und sie machen sich lauthals Sorgen über die Angehörigen. Manchmal wirkt das ein wenig wie Tuscheleien, doch oft ist es ihre Art, den Tod zu erklären oder in Schach zu halten.

Symptom: immer alle Ohren und Augen offen
Verhalten dem anderen gegenüber: Sie reden entweder mit Dritten über den Todesfall oder Angehörigen oder „verhören“ fast ein wenig, um Details zu erfahren.

 „Mutter Theresa“-Typen
Dieser Mensch leidet mit, will unbedingt unterstützen bis zur Selbstaufopferung. Das ist gut gemeint und eine helfende, verständnisvolle, tröstende Seele ist für viele eine Stütze. Doch eben nicht für jeden. – Und da kann es schnell passieren, dass alle Beteiligten zu viel kriegen.

Symptom: Hand halten und mit anpacken
Verhalten dem anderen gegenüber: Ist zur Stelle: putzt, kocht, organisiert, bietet eine starke Schulter.

Die Sherpas
Sherpas sind Begleiter. Der Tod gehört zum Leben dazu. Das können sie mit Herz und Verstand annehmen. Sie hören zu. Sie sind da. Es darf gelacht werden oder sinniert oder geschwiegen. Diese Menschen haben entweder ein instinktives Gefühl für die richtigen Worte oder signalisieren, dass sie einfach da sind. Oder sie haben aus eigener Erfahrung oder durch eine Ausbildung gelernt, mit dem Tod souverän umzugehen.

Symptom: „Ich weiß.“
Verhalten dem anderen gegenüber: Da-sein, auf alles gefasst.

Genau wie im richtigen Leben
Schon an dieser kleinen Typologie sieht man, wie unterschiedlich jeder Mensch mit dem Sterben im eigenen Umfeld umgeht. Hast Du dich bei den verschiedenen Typen wiedergefunden? Vielleicht bist Du auch ein Mischtyp. Denn natürlich kommt es auch darauf an, wie nahe uns der Tod geht oder wie sehr wir dem Angehörigen verbunden sind.

Ich bin eher die Neugierige, die wissbegierig ist und im Moment alle Ohren und Augen offen hat. Andere halten sich lieber im Hintergrund. Wieder andere arbeiten ehrenamtlich (oder professionell) als Sterbebegleiter.

Vielleicht hast Du mit dieser Typologie einen neuen Blickwinkel bekommen oder bist in Deinem Verhalten bestätigt worden. Dann freut es mich :-).

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