Nebensaison – zärtlicher Tod

Dass du heute hier vorbeischaust! Der Tod hat doch erst im November Saison. Da haben wir ihm in langer Folge von heidnischen und später christlichen Fest- und Gedenktagen einen Ort geschaffen. Hier darf er sich herausputzen, brillieren, sich mit Blumen und Kränzen schmücken, lässt sich besingen und beweinen in großen Oratorien und stillen Kammern.

Dass du heute hier vorbeischaust. An diesem himmelblauen Tag im Mai, wo alles nur so kracht vor Leben. Ich glaube, ich habe es bei Fritz Roth gehört oder gelesen, dass es gut ist, dem Tod immer wieder Gedenktage zu schaffen. Denn sonst würden wir ihn wohlmöglich ganz vergessen. Was ja eigentlich auch ganz angenehm wäre. Aber mit den Gedenktagen holen wir ihn wieder hinein ins Leben, schenken ihm ein wenig Raum, gerade lange genug um uns zu erinnern, dass wir lieber diesen Tag in seiner Fülle schätzen und lieben. Mit seinem Blau, den quellenden Wolken, dem Pappelflaum auf dem Wasser, durch das du gerade deine Bahnen ziehst.

Heute schaut der Tod bei mir vorbei und bei St.. Bei Petra auch. Und bei vielen anderen. . B. hätte heute Geburtstag. Sein Haus wäre voll. Alle hätten was zu essen mitgebracht. Man würde hitzig mit ihm diskutieren. Es wäre ein Kommen und Gehen. Mitten im Mai schaut der Tod vorbei. Er ist heute freundlich und zärtlich. Nebensaison hat auch sein Gutes. Das Herz wird abgefedert vom Blau und dem weißen Flaum. Der schwebt erdwärts.

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