Weltreise zu besonderen Friedhöfen: Picknickkorb und Schoko-Sarg

Ausstellung - Solange ich lebe, kriegt mich der Tod nicht - im Friedhof Forum in Zürich

Ausstellung – Solange ich lebe, kriegt mich der Tod nicht – im Friedhof Forum in Zürich

Endlich konnte ich die Ausstellung von Tobias Wenzel im Friedhof Forum vorstellen. Aber wo waren bloß all die Zürcher Bürger? Im See oder im Garten oder noch im kühlen Bett?

Meine Mitschülerinnen der Ausbildung bei Jemanja, Schule für Sterbe- und Trauerbegleitung sind gekommen nebst einem interessierten Ehemann. Außerdem war eine junge Mitarbeiterin vom Bestattungsservice der Stadt Zürich dabei.

Meine Zuhörer habe ich auf eine Weltreise mitgenommen zu ganz besonderen Friedhöfen dieser Welt. Was war das besondere an der Lage? An diesem Ort? Was musste ich unbedingt darüber erzählen?

Ich startete in Los Angeles. Der wunderschöne und sehr große Hollywood Forever Cemetery liegt genau neben den Paramount Pictures. Deshalb sind hier große Stars begraben. Aber nicht nur das. Die großen alten Filme werden Samstagabends auf die Mausuleumswand projiziert. Die Zuschauer und Besucher kommen mit Picknickkorb und Campingstuhl und haben ihre Movie-Party auf diesem Friedhof. Das ist doch sensationell. Cornelia Funke erzählt, dass der Santa Monica Boulevard dann zugeparkt ist und man nur noch schlecht durchkommt.

Héctor Abad wollte unbedingt auf den Cementerio Campos de Paz im kolumbianischen Medellin. Er liegt genau neben dem Flughafen einerseits und neben einem Golfplatz andererseits. In der Interviewsequenz, die man sich anhören kann, donnern die Flugzeuge im Landeanflug über den Friedhof hinweg. Als er sich neben das Grab seines Vaters legt und die Augen schließt, überlegt er, ob die Passagiere ihn sehen und erkennen können oder ob sie denken, er sei ein Stein … Er erzählt außerdem, dass manchmal ein Golfball herüber gespielt wird auf den Friedhof. Als wäre es eine Botschaft vom „heiligen Geist“.

Donna Leon wartet mit Tobias auf den Gondolière, der sie zur Friedhofsinsel San Michele bringen wird. Bei Wikipedia lese ich, dass die Insel mit Platzmangel zu kämpfen hat: „darum werden Tote zuerst in normalen Gräbern begraben, nach einigen Jahren aber wieder exhumiert und in hohe Blöcke gestapelt.“ Eine Insel für die Toten – nur mit der Gondel zu erreichen. Finde ich romantisch.

Apropos Exhumierung: Einer der Schriftsteller, Tomas Gonzalez, erzählt, dass auf dem kolumbianischen Friedhof Chia immer wieder Exhumierungen durchgeführt werden. Denn die Gewaltrate ist hoch und es werden immer wieder Tote begraben, die eines unnatürlichen Todes sterben. Während des Interviews mit ihm wurde Tobias Wenzel und er Zeuge einer Exhumierung .. was auch im Interview zu hören: Der Autor flüstert plötzlich als Meißelschläge zu hören sind.

Der koreanische Autor Ko Un, der weltweit bekannt ist für seine frühen politischen Bemühungen für ein unabhängiges und demokratisches Korea trifft den Journalisten und Macher Tobias auf dem Nationalfriedhof der Revolution vom 19. April. Weiße Stelen erinnern ihn daran, dass er 1960 seine Schriften genau hier vorlas, als sich politische Anhänger der Revolution mit ihm versammelten. Auf diesem Friedhof sind etliche Opfer begraben, die während der Revolution umgebracht wurden. Der Friedhof liegt draußen im Norden der Stadt und grenzt an einen Nationalpark.

Dass sich DBC Pierre mit „einem Bein im Grab“ auf dem mexikanischen Friedhof Panteon Dolores in Monterrey fotografieren läßt, erklärt sein Leben und dass viele seiner toten Freunde hier auf dem Friedhof zu finden sind. Sie sind gestorben. weil sie drogenabhängig waren oder ermordet wurden oder einen Unfall hatten. Er freut sich, dass sich die Mexikaner gerne an ihren Totenfeiertagen auf den Friedhöfen treffen und „feiern“ mit Leichen, Totenköpfen und Särgen aus Schokolade … während des Interviews lacht er dabei fröhlich.

Stellen Sie sich vor, wir würden auf unseren Friedhöfen Filme gucken, feiern und picknicken oder mal eben eine Exhumierung beobachten … in Korea hört man über Lautsprecher, dass Picknick und Sport auf dem Friedhof verboten sind. Gegen Abend hört man dann, dass die Öffnungszeiten vorbei sind. Dann wird er abgeschlossen und morgens wieder für die Bevölkerung geöffnet. 

Wenn Sie noch mehr dazu hören mögen: Die nächste Führung mit mir findet am Samstag, dem 29. August um 10 Uhr statt. Hoffentlich nicht ganz so heiß wie gestern.

Ein Gedanke zu „Weltreise zu besonderen Friedhöfen: Picknickkorb und Schoko-Sarg

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