Das Sepulkralkaufhaus – Buy now, die later! – ab 24. Juli in Kassel

Buy-now-die-laterDas Museum für Sepulkralkultur – also alles was sich kulturell um den Tod herum rankt hat wieder eine tolle ausstellung in petto.

Auf dem Ausstellungsflyer steht zu lesen:

Es ist wirklich merkwürdig! Einerseits wollen die meisten Menschen mit dem Tod nichts zu tun haben, weil er ihnen Angst und Unbehagen bereitet; andererseits schmücken sich viele ganz gern mit ihm – auf Pullovern, T-Shirts, Kleidern, Gürteln, sogar auf Slips und Bh’s. Ein solcher Look gilt nämlich vielfach als originell, schick oder einfach nur cool!

In der Welt der Mode sind Todesmotive seit einigen Jahren schwer auf dem Vormarsch!

Ein Ende scheint noch lange nicht in Sicht, denn nach wie vor füllen Kleidungsstücke mit Motiven von Totenschädeln, Skeletten oder anderen Attributen der Vergänglichkeit in großer Zahl die Regale unzähliger Modegeschäfte, zieren Schaufenster, werben großformatig für ihre Designer bzw. Labels – und finden reißenden Absatz!

Buy now die later Das KaufhausDas Museum für Sepulkralkultur nimmt die Popularität jener Motive zum Anlass, speziell der Mode mit dem Tod genauer nachzuspüren. Zu diesem Zweck ist ein Kaufhaus inszeniert, das ausschließlich Waren zeigt, die Menschen auf der Haut tragen, d.h. Kleidung, Accessoires (z.B. Schmuck) und in einem eigens eingerichteten Tattoo-Studio entsprechende Tätowierungen (zu bestimmten Terminen, z.B. im Rahmen der Kasseler Museumsnacht, wird das Tattoo-Studio geöffnet haben, sodass den Tätowierern bei ihrer Arbeit über die Schulter geschaut werden kann).

Das Sepulkralkaufhaus gibt aber ebenso Antworten auf die Fragen, woher die Todesmotive kommen und weshalb sie populär geworden sind. So haben sie unter anderem ihren Ursprung in sog. Vanitas-Darstellungen der Frühen Neuzeit, die auf Gemälden und Alltagsgegen-ständen, durchaus aber auch auf Textilien und Accessoires vorkommen konnten. Hier galt speziell der Totenschädel als didaktisches Mittel, symbolisch an die irdische Endlichkeit zu gemahnen, um so ein Bewusstsein für die Wichtigkeit einer gottgefälligen christlichen Lebensführung zu schaffen und zu forcieren.

Daneben war der Totenschädel aber immer auch schon ein Symbol für Lebensgefahr, Risikobereitschaft oder Todesandrohung. Man denke nur an die als Jolly Roger oder Black Jack bezeichnete Piratenflagge mit Totenschädel über gekreuztem Gebein, oder an die oft mit Todesmotiven ausgestalteten Kleidungsstücke mancher Jugend-, aber auch Subkulturen, über die die jeweils eigenen Lebensanschauungen – auch ein spezielles Lebensgefühl – gespiegelt und symbolisiert werden sollen. Flanieren Sie bei Ihrem Besuch der Sepulkralkaufhauses somit nicht einfach nur zwischen Kleiderständern, Textil- Schuhauslagen hindurch, sondern wagen Sie auf Ihrer fiktiven Shopping-Tour auch einen Blick in die Umkleidekabinen und entdecken Sie, warum die Mode mit dem Tod ein im Grunde doch recht alter Hut ist!

Noch ein Tipp: Auch wenn das Sepulkralkaufhaus die meisten seiner Waren nicht zum Kauf anbietet, können immerhin jedoch verschiedene Shirts, Stoffbeutel u.a. aus der eigens entworfenen Vanitas-Kollektion erworben werden. Somit erwartet Sie ein Shopping-Erlebnis der etwas anderen Art, getreu dem Motto: Buy now, die later!“

Hier gehts zum Flyer mit tollen Bildern und weiteren Terminen im September und Oktober

2 Gedanken zu „Das Sepulkralkaufhaus – Buy now, die later! – ab 24. Juli in Kassel

  1. Pingback: “Heute muss man ja selbst beim Sterben gut aussehen” | Totenhemd-Blog

  2. Liebe Annegret,
    eben lese ich bei Ariadne von Schirach, Du sollst nicht funktionieren. Für eine neue Lebenskunst, den Satz: „Heute muss man ja selbst beim Sterben gut aussehen“ (S. 36). Das passt nicht direkt Thema der Ausstellung, aber zur Ikonographie des Todes und v.a. des Körpers. Von Schirach greift kritisch den Kult um den „bildvermittelten“ Körper auf, was uns zu „Menschheitsartefakten“ macht, die stets gut auszusehen haben – früh morgens, nach der dritten Geburt, im Alter usw. Und natürlich ist der Körper nie fit und gut genug, es sei denn man präsentiert ihn wie Heidi Klum, die ihr wie eine „Einbalsamierte“ vorkommt, also schon tot. Derart „bewirtschaftete“ Körper wirken steril und leblos, maskenartig. Dann ist der lebendige Körper also ein bewohnter, und der ist unperfekt. Und trägt dies oder das, mit Totenkopfmustern oder was auch immer.

    Was aber trägt dann ein toter Körper – zu Lebzeiten oder auf dem Totenbett?
    Ihr macht euch in dem Blog Gedanken dazu. Ich merke beim Lesen und Schreiben, der Bilderkult, der „iconic turn“ kann im Leben oder Sterben bestimmend wirken. Gar nicht so einfach, immer wieder andere und verlebendigende Bildwelten zu kreiieren. Euch gelingt es immer wieder.

    Noch ein interessanter Gedanke dazu von der Autorin: Früher hieß es, man solle sich kein Bild von Gott machen. Es scheint ja, dass sich nicht mehr so viele überhaupt Bilder von Gott machen. Stattdessen macht man sich Bilder vom Menschen: „Der Mensch macht sich zu seinem eigenen Götzen, sichtbar, lesbar, öffentlich“ (S. 35). Ich frage mich, was fataler ist bzw. was lebendiger macht.

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