Stell’ Dir vor Du wirst sterben.

imageDas zweite Wochenende bei Jemanja (Schule für Sterbe- und Trauerbegleitung) liegt schon mehr als 4 Wochen zurück. Es war intensiv, berührend und aufwühlend.

Wir haben eine Meditation kennengelernt, während der man sich vorstellt, dass man sterben wird. Wir hatten 3 lange Stunden Zeit „um zu sterben“. Ich habe mich in aller Ruhe darauf einlassen können.

Stell Dir vor, Du hast noch ein Jahr Zeit.

Was will ich in diesem letzten Jahr tun? Wie lebe ich? Bin ich damit zufrieden? Werde ich umziehen? Wegziehen? Wo will ich sterben? Werde ich allein sterben? Wer wird mich begleiten? Was werde ich (noch) tun in diesem verbleibenden Jahr? Was will ich noch erledigen? Was steht an? Vielleicht willst Du eine Reise unternehmen und ein fremdes Land kennenlernen, noch eine fremde Sprache lernen?

Nimm Dir Zeit und schreib alles auf, was Dir in den Sinn kommt.

Stell Dir vor, Du hast noch ein halbes Jahr Zeit bis zu Deinem Tod.

Bist Du zufrieden mit dem, was Du im letzten halben Jahr getan hast? Was fehlt noch? Was willst Du tun? Was muss noch erledigt werden? Hast Du Dein Testament geschrieben? Was passiert mit Deinem Hab und Gut? Vielleicht magst Du Abschiedsbriefe schreiben an die Menschen, die Dir wichtig sind. Dich bei ihnen bedanken?

Stell Dir vor, Du hast noch zwei Wochen Zeit bis zu Deinem Tod.IMG_1279

Willst Du Dein Begräbnis organisieren? Deine Trauerfeier? Willst Du eine Anzeige texten? Willst Du eine Erdbestattung oder ein Urnenbegräbnis? Wo soll die Trauerfeier stattfinden? In einer Kirche? In der Natur? Ist es gut so, dort wo Du gerade bist? Willst Du noch einmal wegfahren? Wer soll Dich besuchen? Wen willst Du sehen?

Stell Dir vor, Du hast noch drei Tage Zeit bis Du stirbst.

Kannst Du Dich aufs Sterben einlassen? Hast Du Zeit oder musst Du noch alles Mögliche auf den Weg bringen? Wer wird da sein? Ist alles getan? Erledigt? Kannst Du in Ruhe von dieser Welt gehen?

Morgen wirst Du sterben.

Du wirst Dich vielleicht verabschieden von Deinen Liebsten. Noch ein letztes Mal ein Fest feiern oder ein schönes Essen zelebrieren. Oder bist Du allein und liest ein Buch, hörst Musik? Vielleicht wird Dir vorgelesen? Jemand spielt ein Instrument?

Du stirbst ….

Stille …

… minutenlange Stille …

Zarte Töne auf einem Gong … dann ein Ton, der immer mehr anschwillt.

Die Seele fliegt … ?

Wohin?

5 Gedanken zu „Stell’ Dir vor Du wirst sterben.

  1. Pingback: Vorbereitet sein und dann abtanzen ;-) | Totenhemd-Blog

  2. Liebe Petra,
    wer intensiv leben möchte, darf den Tod nicht ausschließen. – Ich habe gerade das Buch von Bronnie Ware „5 Dinge, die Sterbende bereuen“ gelesen: hier geht es darum, was Sterbende am meisten bereuen. Daher finde ich deinen Toten-Blog lebenswichtig und lebensbejahend. – Wenn wir uns regelmäßig obige Fragen stellen, finden wir – da bin ich mir ganz sicher – die richtigen Antworten in uns.

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    • Hallo liebe Ulrike, danke fürs Vorbeikommen in unserem Blog. Ja, lass uns intensiv weiter leben und uns mit den wesentlichen Fragen beschäftigen.

      Das Buch von Bronnie Ware hat einen tollen Ansatz und 5 wichtige Aussagen:
      Man wünscht sich mehr Mut gehabt zu haben.
      Man wünscht sich weniger gearbeitet zu haben.
      Man wünscht sich man hätte seine Gefühle mehr gezeigt.
      Man wünscht sich man hätte mehr Kontakt zu seinen Freunden gehalten.
      Man wünscht sich man hätte sich mehr Freude gegönnt.

      Diese 5 Aussagen sind super! Ich glaube, die hatte ich schon mal erwähnt. Werde ich aber noch mal tun. Danke für den Tipp!

      Wir hören und lesen uns!

      Herzlich
      Petra

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  3. >>Du stirbst ….

    Stille …

    … minutenlange Stille …

    Zarte Töne auf einem Gong … dann ein Ton, der immer mehr anschwillt.

    Die Seele fliegt … ?

    Wohin? <<

    Vielleicht zuerst dorthin, wo die in das Leichengewand gekleidete Hülle aufgebahrt liegt, um sich davon zu überzeugen, das alles so arrangiert wurde wie zu Lebzeiten gewünscht.

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  4. Pingback: Sich auf das eigene Sterben einlassen | Totenhemd-Blog

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