Geliebt sterben

Stell Dir vor, Du wirst sterben. Vielleicht morgen. Vielleicht erst mit 85 oder 95. Wir wissen ja nicht, wann unser letztes Stündlein schlagen wird. Dennoch! Wie wichtig ist es Dir „geliebt“ zu sterben? Wunderst Du Dich vielleicht über diese Frage? Runzelst Du die Stirn? „Geliebt sterben?“ Nicht so einfach, was?

Eine Coachkollegin mit der ich über unseren Totenhemd-Blog sprach, meinte, ist nicht der Wunsch von uns allen „geliebt (und gerecht) zu sterben“? Und stehen wir nicht manchmal hilflos und sprachlos vor unseren Gedanken zum eigenen Lebensende?

Ist es ein hoher Anspruch oder ein „normaler“ Wunsch, geliebt zu sterben? Ich denke ja. Wir wollen geliebt sein. Wir wollen auch geliebt sterben. Wir wollen, dass man wohlwollend über uns spricht und denkt – über den Tod hinaus.

Geliebt sterben bedeutet: „Ich möchte, dass meine Angehörigen und Freunde spüren, dass sie mir wichtig sind. Aus meinem Hab und Gut schenke, vermache und vererbe ich „gerecht“. Es ist alles geregelt zu ihren Gunsten. Ich habe mich darum gekümmert, dass Streit vermieden wird und Klarheit herrscht. Ich liebe meine Nachkommen, deshalb werde ich Zeit und Kosten investieren, meine Dinge klar zu machen.

Ich glaube, es ist nicht jedermanns Wunsch „geliebt zu sterben“. Wie häufig höre ich: „Nach mir die Sintflut“. Oder: „Meine Kinder werden es schon richten“. Was sollen sie denn bitteschön richten? Sich um den Nachlass kümmern, das Haus oder die Wohnung (auf)räumen, das Erbe verteilen, Behördengänge erledigen, die Beerdigung organisieren?

Als Deine Mutter oder Dein Vater starb, Dein Opa, Deine Tante oder ein Freund, was hattest Du für Gefühle und Gedanken? War Dein Herz voll Liebe oder freundschaftlich gesonnen neben Deiner Trauer? Oder war da Groll oder Enttäuscht-sein, weil das Erbe aus Deiner Sicht nicht „gerecht“ verteilt war? Gab es überhaupt eine letzte Botschaft von dem Verstorbenen an Dich? Gab es ein Testament? Oder musstest Du erst einen Anwalt einschalten? Einen Erbschein beantragen, um Klarheit zu gewinnen?

Wenn Du geliebt gehen willst, dann gibt es einiges zu tun!

Das könnten Deine Widerstände sein:

– das brauche ich nicht.
– was das kostet!
– das kann ich auch ohne einen Anwalt/Notar
– wer hat einen Nutzen davon?
– ich habe keine Zeit dafür
– das kann ich auch noch später machen

Bring Deine Sachen in Ordnung!

Fragen, die Du Dir beantworten kannst

– zum Testament / ein Erbvertrag

Was will ich mit meinem Testament erreichen? Das Ziel?
Wer soll versorgt-sein?
Welches Familienvermögen soll bewahrt werden?
Wer erbt von Gesetz wegen?
Wem will ich etwas vererben / schenken / vermachen ?
Welche Werte, Grundeigentum und Barvermögen gibt es? Wie viel? Was genau?
Wie verteile ich es gerecht?

– wenn Du Kinder hast / oder hoch betagte Eltern
Wer wird sich um Deine Kinder kümmern/sorgen?
Hast Du einen Vormund bestimmt?
Wer wird sich um Deine pflegebedürftigen Eltern kümmern?

– zum Haus oder die Wohnung
Wer soll sich um die Auflösung/Kauf/Vermietung kümmern?
Wen kann ich beauftragen?
Was soll damit geschehen?
Wer muss informiert werden?

– zur eigenen Beerdigung
Man muss nicht gleich die ganze Beerdigung organisieren. Man kann aber schon mal mit seinen Angehörigen über seine letzten Wünsche sprechen. Hierzu haben wir schon einiges im Blog angeführt. Vom Blumenschmuck über die Grabrede und die Todesanzeige bis hin zum Grabstein kann alles geregelt werden. Selbst das Totenhemd oder die Sterbedecke kann im Schrank bereit liegen.

– Schreibe an Deine Liebsten eine letzte Botschaft.
– Schreib noch heute Abschiedsbriefe und hebe sie auf.

Schon zu Lebzeiten kann man wichtigen Menschen schreiben, was sie einem bedeuten. Man kann formulieren, was man schon immer einmal in Liebe sagen wollte. Es tut gut, das Gute auszudrücken. Wie wichtig einem die Liebe oder die Freundschaft ist. Welche gemeinsamen Zeiten und Erinnerungen unvergesslich bleiben. Lass Dir Zeit dafür.

Mein Mann und ich machen gerade unsere Sachen klar. Was, wenn wir mal beide vom Himmel fallen? Wer kümmert sich um unser Haus? Wer weiß von unserem Hab und Gut? Es wird Zeit, die Dinge zu regeln und meine Liebsten zu informieren. Ich hoffe, sie freuen sich über das, was wir festlegen.

7 Gedanken zu „Geliebt sterben

  1. Pingback: Den digitalen Nachlass im Blick haben | Totenhemd-Blog

  2. Pingback: Die letzte Botschaft ist so wichtig! | Totenhemd-Blog

  3. (Für Ulrike habe ich diesen Kommentar eingestellt).
    Liebe Petra, danke für diesen Beitrag.
    In letzter Zeit habe ich öfter an die Zeit nach dem Tod meiner Eltern gedacht, die im Abstand von 4 Monaten verstorben sind. Zwar gab es ein Testament, jedoch war ansonsten wenig bis nichts geordnet. Die Auflösung ihres Haushaltes war für mich und meinen Bruder ein echter Kraftakt. Seither lasse ich an vielen Stellen immer wieder los, damit es nach meinem Tod einmal anders sein wird. Dafür geben Deine Fragen gute Hinweise.
    Ein Punkt, der heute oft noch zu wenig betrachtet wird, ist unser digitaler Nachlass. Auch in Deinem Beitrag ist davon nichts zu finden. Es ist ein Thema, das erst langsam in unser Bewusstsein dringt. Hier ein hilfreicher Link zur Webseite von Brigit Janetzky, der Pionierin auf diesem Gebiet: http://www.semno.de

    Liebe Grüße
    Ulrike

    Gefällt 1 Person

  4. Liebe Petra,

    was für ein wichtiger und wertvoller Artikel! Ich danke dir dafür.

    Weder meine Mutter noch mein Vater haben irgendetwas für mich geregelt. Selbst meine Mutter, die ja mit ihrem Hirntumor noch zwei Jahre gelebt hat und wusste, dass sie daran sterben würde, hat mir keine letzte Botschaft hinterlassen. Das macht mich noch immer sehr traurig. Da bleibt eine Kränkung.

    Mein Vater ist ja ein Jahr später an einem Herzinfarkt gestorben. War klar, dass auch er mir keinerlei Hilfestellung hinterlassen hat, keine Wünsche, kein Testament und auch keine letzte Botschaft. Nur einen gigantischen Haufen Nachlass.

    Alle, die mich bei der Haushaltsauflösung begleitet haben, waren geschockt, ob der riesigen Aufgabe, die da zu bewältigen war (Stichwort: Sammlerhaushalt von Kriegskindern). Ich habe immer noch innere Anteile, die wütend und verbittert sind.

    „Nach mir die Sintflut“ hat mein Vater immer gesagt. Tja, ich bin dann zwei Jahre mit wenig Sauerstoff durch die Wassermassen hindurch getaucht. Dieses Jahr ist das erste Jahr seitdem, in dem ich endlich wieder die Dinge tun kann, die mal nichts mit Tod und Sterben zu tun haben.

    Mal gucken, was ich anders machen kann und werde. Das mit den Abschiedsbriefen wäre ein guter Anfang.

    Liebe Grüße
    Sabine

    Gefällt 1 Person

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