Diá des los muertos – Liebevolle Erinnerung, die ermächtigt

Vor vielen vielen Jahren geriet ich am 2. November in einen Umzug in der „Mission“ in San Francisco. Der „Diá de los muertos“ wurde mit einer – nennen wir es Prozession – begangen. Die Gemeinschaft in San Francisco erinnerte an die Jugendlichen, die in der Mission ermordet worden waren, an viele andere Verstorbene, an Ahninnen und Ahnen. Die hispanische, native-american, heidnische und andere spirituelle Bewegungen – und ganz einfach die Menschen, die dort leben, schminkten ihre Gesichter weiß, kleideten sich bunt oder legten traditionelle Gewänder an. Altäre wurden in einem Park errichtet. Samba-Gruppen gaben den Rhythmus an. Es war mysthisch, faszinierend, rührte bei mir an die Sehnsucht, dem was uns so elementar angeht, eine Gestalt zu geben. Es war so stark, die Toten so öffentlich, bild- und lautstark erinnert zu sehen. Es hat die Menschen zusammen geschlossen, dies gemeinsam zu tun. Ich glaube, viele ziehen aus dieser jahrlichen multikulturellen Veranstaltung die Kraft, weiter für Veränderungen in ihren Quartieren einzutreten.

Über unseren Blog habe ich die Spur des Dia de los muertos wiedergefunden.

In Mexiko werden in Vorbereitung des Totengedächtnisses Altäre mit den Bildern der Verstorbenen, Kerzen, Essen und Trinken – genannt „offrendas“ aufgebaut. Auch auf den Friedhöfen wird aufwendig dekoriert und Essen hinterlassen. Hier ist die Vorstellung, dass die Toten einmal im Jahr zurückkommen und mit den Lebenden zusammen sind und feiern. Das ist eine uralte Tradition, die aztekische Wurzeln hat.

Hier gibt es mehr Info – tut mir leid, nur auf englisch, aber schöne BIlder:

Mir gefallen die Altäre und die Qualität der Erinnerung, die darin steckt. Wenn ich mich mit der Gestaltung eines Altares für meine Verstorbenen beschäftige, hilft mir das, meiner Trauer eine Form zu geben. Ich verbinde mich mit dem, was diese Menschen für mich ausgemacht haben. So sind sie in der Erinnerung präsent. In meiner protestantischen Tradition geht es nüchterner zu. Zum Ende des Kirchenjahres werden am Ewigkeitssonntag die Namen der Verstorbenen des vergangenen Jahres verlesen. In vielen Kirchen werden inzwischen auch Kerzen angezündet.  Das sind immer besonders dichte Gottesdienste. Zu Hause haben wir zur Erinnerung der Toten vielleicht ein Bild, vielleicht eine Kerze dazu.

Ich experimentiere in diesem Jahr mit etwas mehr – und hole mir dabei Unterstützung durch die mexikanische Tradition: die ist wunderbar bunt. Es steckt solch eine Kraft in der Direktheit und Leichtigkeit, dem Witz, mit der die mexikanische Tradition mit dem Tod umgeht. Und es ist keine Retro- Deko: die Konfrontation mit Schädeln aus Zucker, Gerippen in Fahnen und Skelettfigürchen, die den ganz normalen Alltag abbilden, wirkt. Wer so mit dem Tod umgeht, kann ihn nicht verdrängen.

Leider scheint die amerikanische Grusel-Veranstaltung Halloween auch den Dia de los muertos so langsam zu überlagern. Das wäre ein gewaltiger Verlust. Es braucht viel Energie, dem Geister-Kommerz etwas Spirituelles entgegen zu setzen. Alle, die versuchen, den Reformationstag zu retten, wissen wovon ich spreche…

So, hier seht ihr nun einen kleinen Film aus San Francisco. Ich wünschte, ich könnte dort sein. Die Altäre sind umwerfend!

Für mehr Info zum Projekt inSan Francisco hier klicken

Ein Gedanke zu „Diá des los muertos – Liebevolle Erinnerung, die ermächtigt

  1. Wunderbar, dass Du das Video gefunden hast. Ich meine jetzt erstmal das erste Video. Sieht trotz der vielen Deko und Blumen so feierlich aus oder wegen? Das müssen wir am 1. November noch mal in die Runde geben und ich will ja dazu auch schreiben. Du hast jetzt schon so viel dazu geliefert … dann schau ich mal was das mit den asiatischen Papier-Ritualen auf sich hat.

    Das zweite Video jetzt auch geguckt … Toll!
    Merci für die schönen Fotos und Videos.
    Petra

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