3.11. Annegret: Kann man auch leicht übers Sterben reden?

IMG_1538-300x225Vor Jahren saß ich abends beim Kochen am Küchentisch eines guten Freundes. Der hatte mit 60 gerade erst eine Hirnblutung überlebt und lernte nun mit den Folgen zu leben. Während wir so am Schnippeln und Rühren waren, fragte er in die Runde: „Und wie wollt ihr so beerdigt werden?“ Ich weiß nicht mehr, was ich damals genau geantwortet habe. Meine Vorstellungen zu meiner Bestattung haben sich seither mehrfach geändert. Aber mich ließ nie mehr die Erinnerung an die Leichtigkeit dieses Abends los.
Wir reden jetzt ständig übers Sterben
So hätte ich es gerne immer mit diesem Thema, dachte ich damals. Inzwischen habe ich mit meiner Freundin Petra Schuseil einen Blog gestartet „Totenhemd – Blog. Übers Sterben reden“. Seit Januar forschen, telefonieren und schreiben wir rund ums Sterben. Mit einer Frage ging es los: Früher hatten die Menschen in ihrem Wäscheschrank bereits ein Leinenhemd für den Sarg – ihr Totenhemd – liegen. Es war eine tägliche Erinnerung an die eigene Sterblichkeit. Mit dem Einzug von Polyester und deren Schwestern in den 50er Jahren verschwand dieser Stoff und diese Tradition – und damit auch die Selbstverständlichkeit, mit der der Tod im Leben seinen Platz hatte.
Eine meiner Küchentisch-Theorien ist, dass die beiden Weltkriege mit all ihren Toten den Überlebenden so zu viel wurden, sie so verfolgten, dass sie das Sterben lieber aus ihrem Leben verdrängten. Eine Überlebensstrategie. Die wir nun nicht mehr brauchen. Es wird wichtig, dass wir das Sterben ins Leben zurückholen, bevor noch mehr Menschen ihr Sterben anderen gegenüber für unzumutbar halten – und lieber frühzeitig aus dem Leben treten wollen. Weiterlesen im Blog für die zweite Lebenshälfte.

Hier seht Ihr alle Infos zu unserer Blogaktion „Was ist deine heimlichste Frage?“.

Ein Gedanke zu „3.11. Annegret: Kann man auch leicht übers Sterben reden?

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