Das muss man sich klar machen, wenn man Sterbende ehrenamtlich begleitet

Wie stirbt man eigentlich? Welche Formen sind uns bekannt? Man stirbt …

  • weil man sehr krank ist wegen einer Krebsdiagnose
  • weil man sehr krank ist und über Jahre an einer unheilbaren Krankheit leidet
  • weil man im hohen Alter stirbt
  • weil man plötzlich stirbt an einem Herzinfarkt beispielsweise
  • weil ein Unfall passiert
  • weil man wegen eines Gewaltdelikts getötet wird

Sie sehen: man begleitet Sterbende, weil sie sterbenskrank oder alt geworden sind. Nur diese beiden „Sterbegruppen“ kann man begleiten.

Man schenkt unheilbar Kranken oder alten Menschen seine Zeit. Man ist für den sterbenden Menschen da. Wenn man einen Sterbenden ehrenamtlich begleiten möchte, kann man sich fragen: In welcher Umgebung will ich einen Menschen antreffen: In einem Krankenhaus auf der Palliativ-Station, in einem Hospiz, im häuslichen Umfeld, in einem Alten- oder Pflegeheim? Das sind wichtige Fragen, die man sich klar machen muss. Für alle Fälle gibt es entsprechende Einrichtungen und Organisationen.

Man muss sich klar machen: Ertrage ich es, die medizinische Versorgung mitzuerleben? Wie reagiere ich auf Schläuche die in einem Menschen stecken, auf Beutel die sich mit Urin füllen, Infusionsflaschen mit Flüssigkeiten, unangenehmen Gerüchen, stickigen Zimmern, Geräuschen wie z.B. lautes Röcheln, Erbrochenem?

Was denke ich, wenn ich die sterbenskranken Menschen bei ihrer vielleicht letzten Zigarette im Raucherzimmer entdecke? Wie gehe ich mit Menschen um, die sich nicht mehr artikulieren können? Die mir nur noch mit Zeichensprache oder einem Augenzwinkern vermitteln können, was Sie benötigen?

Wie gehe ich damit um, wenn die Menschen sterben, mit denen ich letzte Woche noch gesprochen habe? Wie nah oder wie fern bin ich da?

Marion Zwanzig, Hospiz-Initiative Wesel e.V., hat uns auf einen sehr berührenden Artikel hingewiesen: Die Angst ins Nichts zu fallen. Hier heißt es, dass ich mit einem Sterbenden kurz- und mittelfristige Ziele anstreben kann. Stellen Sie sich vor, Sie können kurzfristig die Lebensfreude oder tiefe Erfüllung mit dem Menschen herbeiführen. Das ist vielleicht ein letzter Ausflug, den die Palliativ-Ärztin ermöglicht, ein Spaziergang im Park im Rollstuhl oder tatsächlich noch mal ein Schluck Bier auf der Zunge oder ein letzter Museumsbesuch.

Ich hatte das große Vergnügen mit der Expertin Marion Zwanzig zu telefonieren und mich auszutauschen. Sie hat mich ermutigt. Sie weiß, dass ich mit meiner Aufgabe wachse. Ich wachse, indem ich über das Erlebte spreche und die Fälle in einer Supervisionsrunde beleuchte.

Auf meiner Suche im Netz mit den beiden Stichworten: Sterbende begleiten, entdeckte ich u.a. die Homepage „Tabu-Thema Sterben“ mit interessanten Informationen.

Außerdem entdeckte ich diese Broschüre der Spitalseelsorge Solothurn: Punkt 7 in diesem Leitfaden für Sterbebegleitung finde ich sehr hilfreich.

Ich erlebe mich in manchen Situationen unerschrocken, in anderen weniger. Ich bin auf jeden Fall im Klärungsprozess wen ich begleiten will, wie oft und in welchem Umfeld.

Begleiten Sie sterbenskranke oder alte Menschen ehrenamtlich?

7 Gedanken zu „Das muss man sich klar machen, wenn man Sterbende ehrenamtlich begleitet

  1. Ilka Piepgras hab ich eben entdeckt im Zeit Magazin. Sie hat sich zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin ausbilden lassen im Berliner Lazarus-Hospiz. Hier ihr sehr lesenswerter Erfahrungsbericht: Berliner Lazarus-Hospiz: Von einer die auszog, das Sterben zu lernen: http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/35/sterben-ausbildung-sterbebegleitung?utm_content=magazin_redpost_link_sf&utm_campaign=ref&utm_source=facebook&utm_medium=sm&utm_term=facebook_zonaudev_int

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  2. „Wenn der Schmerz geht, wird das Leiden erst richtig spürbar.“ diesen Satz fand ich im verlinkten Text „Angst, ins Nichts zu fallen“. Er verdeutlicht auch das Umgekehrte, nämlich dass das Zufügen von Schmerz das Leiden lindert – so verstehen wir also Menschen besser, die sich „ritzen“.

    Ein schönes Blog – freut mich, es gefunden zu haben!

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  3. Guten Abend,

    ich folge ihrem Blog schon eine ganze Weile und habe Dies und Das darin gelesen. Ihren Beitrag zu ihren Hospizbegleitungen fand ich interessant; Sichtweisen auf Begleitungen interessieren mich immer sehr, ich bilde selber Begleiter aus und freue mich immer, wenn jemand offen über seine Beweggründe für sein Engagement spricht. Es ist Ansporn und Inspiration für Andere, sich möglicherweise doch an dieses als so schwierig empfundene Thema heran zu wagen.

    Vielleicht interessiert sie eine nächtliche Begleitung, über die ich vor zwei Jahren einmal geschrieben habe. Aus dem selben Grund: um aufzuzeigen, dass es sich um etwas ganz Normales, etwas Natürliches handelt. Einen Weg, den wir alle irgendwann einal gehen. Die Geschichte finden sie hier: https://timmscorner.wordpress.com/2014/12/18/the-night-before-the-morning-after/

    Ich wünsche ihnen Kraft und Stärke in ihren Begleitungen und bei ihrem Blog.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Timm v. Borstel

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    • Lieber Timm von Borstel, am liebsten würde ich sofort die Ausbildung bei Ihnen beginnen, denn es braucht praktisches Rüstzeug für die Begleitung Sterbender. DAs weiß ich jetzt. Klar, die eigene spirituelle Haltung ist wichtig und auch welche Mission hab ich eigentlich? Warum will ich Sterbende begleiten?

      Damit es aber einfacher und leichter geht, braucht es einfach praktische Kommunikationsregeln u.a. mit einem Menschen, der sich nicht mehr ausdrücken kann. Dazu muss man die eigene Erschrockenheit hinten an stellen und auch das ist ein Prozess.

      Ich finde, das was ich erlebe ist gerade die beste Lebensschule :-): Mich erleben und vielleicht auch aus-halten, eine Situation aus-halten … und gut auf sich achten dabei.

      Danke für Ihren Kommentar, Ihre schnelle Mail an mich und dass Sie bei uns mitlesen. Herzlichen Dank.

      Ihnen weiterhin alles Gute und Liebe. Sie haben einen sehr berührenden Erfahrensbericht geschrieben … es ist ein großes Geschenk, wenn man einen Menschen begleiten darf, wenn er von dem einen Ufer an das andere zieht.

      Herzlicher Gruß
      Petra Schuseil

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