Ich bin die Königin/ der König meines Lebens

Du bist der König / die Königin deines Lebens.

Im Jemanja-Garten: Hinein ins Leben.

Im Jemanja-Garten: Hinein ins Leben.

Acht Treffen bei Jemanja, Schule für Sterbe- und Trauerbegleitung, liegen hinter mir. Drei noch vor mir. Ende Mai ist das erste Jahr der Weiterbildung beendet. Ich habe seit letztem Mai meditiert, mich ausgetauscht und bin gedanklich bereits mehrmals „gestorben“. Ich habe über mein Testament, meinen Nachlass, meine Patientenverfügung nachgedacht. Alle Sachen, die ich liebe und die mir wichtig sind, habe ich gelistet und aufgeschrieben, wer sie bekommen soll. Ich habe mir viele wichtige Fragen zu meiner eigenen Endlichkeit beantwortet. Ich war teilweise sehr traurig, tief berührt, höchst inspiriert.

Der wichtigste Satz, der sich mir in den letzten Monaten in meinen Schädel und in mein Herz eingebrannt hat:

Du bist die Königin Deines Lebens.

Damit verbunden sind Fragen, die unter die Haut gehen. Die einen nachdenklich machen. Fragen, die man eben nicht zwischen Tür und Angel beantwortet:

  • Was will ich noch erleben? Wann will ich es tun / erleben? Wann genau? Warum nicht gleich morgen? Warum nicht schon in diesem Jahr?
  • Mit wem will ich leben? Wo will ich leben?
  • Bin ich zufrieden so wie es gerade ist? Was ist gut? Was fehlt?
  • Was will ich auf jeden Fall ausprobieren?
  • Wie will ich sterben?

Die wichtigste Erkenntnis aus meiner Weiterbildung: Es braucht Zeit und Muße, sich mit diesen wichtigen Fragen zu beschäftigen und sie zu beantworten. Erst dann hat man die Chance, Weichen zu stellen und kann etwas Neues auszuprobieren. Die zweite wichtigste Erkenntnis und Frage: Worauf warte ich noch? Auf den Segen, die Erlaubnis, das Geld, den Urlaub, die Rente, die Gesundheit?

Was macht eine Königin oder einen König aus?

Sie oder er ist mächtig, meistens reich, unabhängig, stolz, meistens gut vernetzt, lebt mit einem Hofstaat, in einem Palast. Sie herrscht und regiert. Ihr Gesetz und ihre Anordnungen gelten und werden befolgt. Sie hält das Zepter in der Hand. Wenn sie eine Fehlentscheidung getroffen hat, trifft sie eine neue Entscheidung. Sie hat immer das Wohl und meistens auch den Frieden für ihr Volk im Auge.

Ich habe gelernt, wenn ich mein Leben wie ein Königreich betrachte und es wie eine Königin regiere, dann habe ich die Freiheit Entscheidungen zu treffen. Ich habe immer eine Wahl. Und wenn es nur eine kleine Nuance ist, die ich verändern kann. Aber ich habe diese Option. Immer.

Ich kann mir jetzt einen Flug in die Sonne buchen oder auch nicht. Ich kann jetzt ins

am Atlantik

am Atlantik

Schwimmbad gehen und mir ein bisschen Urlaubsgefühl erlauben oder auch nicht. Ich kann heut Abend Thailändisch essen gehen und vom nächsten Urlaub in Phuket träumen. Ich kann mich heute zum Schwedisch- oder Chinesischkurs anmelden oder auch nicht. Ich habe immer die Wahl! Ich kann kündigen und mich selbständig machen. Ich kann meine Selbständigkeit aufgeben und mir eine Festanstellung suchen. Ich kann ehrenamtlich arbeiten.

Ich kann immer wieder neu eine Entscheidung treffen (oder auch nicht). Ich kann mich weiter fragen: Wo habe ich mich selbst begrenzt? Habe ich Grenzen errichtet? Sind Sie sinnvoll? An welcher Front kämpfe ich? Soll es so bleiben?

Ich bin die Königin meines Lebens. Du bist der König Deines Lebens. Wenn ich mein Leben wie ein Königreich betrachte, dann betrachte ich meine Entscheidungen und kann sie fürsorglich und friedlich betrachten, denn ich sorge für mich. Ich habe das Beste für mich im Sinn so wie eine Königin/ein König für das Königreich da ist. Heute. Denn morgen kann schon alles ganz anders sein. Das ist die dritte wichtigste Erkenntnis: Ich weiß nicht wann ich sterbe. Also muss ich den heutigen Tag gestalten und leben wie eine Königin.

Ich erinnere mich an eine Palliativärztin, die einem Todgeweihten seinen letzten Wunsch erfüllt, ihn mit Schmerzmitteln versorgt, so dass er noch einmal zum Fliegenfischen gehen kann. Dieser Sterbenskranke hat an seinem Lebensende die Chance ergriffen, hat seinen Traum erfüllt und ist als König seines Lebens gestorben.

Auch Du bist die Königin / der König Deines Lebens. Was machst Du draus? Gleich jetzt?

 

4 Gedanken zu „Ich bin die Königin/ der König meines Lebens

  1. Liebe Petra,
    ich tue mich schwer mit dem Bild einer Königin, die ihr Leben selbstbestimmt führt, ihre Träume verwirklicht, ihren Sehnsüchten nachgeht, die freie Entscheidungen treffen kann und bestimmt, wo es lang geht. Hat eine Königin wirklich die Wahl? Ich denke an Königin Elisabeth II und an ihr von der Etikette bestimmtes Leben. Ich stelle mir ihr Leben eher fremdbestimmt vor, mit wenig Raum freie Entscheidungen zu treffen. Es wäre sicherlich spannend sie zu fragen. Vielleicht wäre ich von ihren Antworten überrascht.
    Auch fällt mir keine Märchenprinzessin ein, die unabhängig und frei jeden neuen Lebenstag plant und gestaltet.
    Trotzdem greife ich Deinen Impuls auf über viele Lebensfragen nachzudenken, weil ich mir selber die Freiheit der Entscheidung nehmen kann und ich durchaus die Wahl habe. Ich träume zum Beispiel davon im nächsten Jahr mit meiner Frau den Olavsweg in Norwegen zu laufen. Es gäbe viele Argumente, die mich dazu bringen könnten diesen Traum vorschnell aufzugeben: nicht genug Urlaubstage, meine angeschlagene Gesundheit, zu kalt und regnerisch, zu wenig Unterkünfte, Zelt mitzunehmen zu schwer…
    Aber warum eigentlich nicht meiner Sehnsucht nach Freiraum und meinem Fernweh folgen – und „Königin“ meines eigenen Lebens sein?

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    • Liebe Marion, danke für Deine Zeit und Überlegungen … ich meiner Vorstellung hat eine Königin Freiheit und Macht. Und sicher hast Du mit deinen Überlegungen auch recht, dass eine Königin AUCH fremdbestimmt ist. Aber dem will ich nicht sehr viel Raum einräumen.

      Viel lieber denke ich weiter. In unserer Diskussion bei Jemanja haben wir das Verb „er-mächtigen“ benutzt. Ich erlaube mir über mein Leben zu entscheiden. Ich habe die Macht. Logisch haben wir auch unsere Verpflichtungen und eine Etikette einzuhalten. Ganz klar. Ich denke auch weiter, dass wir unser Geld verdienen müssen um unsere Existenz zu sichern. Ich denke nicht so weit, ich habe alle Freiheit der Welt – wobei mir da sicher so mancher Lebenskünstler widersprechen wird. Aber ich ermächtige mich, für mein Leben die Königin zu sein. Und wahrscheinlich braucht es weniger als ich in meinem Aufsatz beschrieben habe: Jeden Tag dankbar zu genießen zu gestalten mit all seinen Aufgaben und Verpflichtungen und Freiheiten :-).

      Ich wünsche Dir ganz doll, dass Du mit Deiner Frau den Olavs-Weg gehst im nächsten Jahr. Mit Pflaster im Gepäck und Rescuetropfen … 😉 … die Ausdauer und die Fitness kannst Du ab heute trainieren, wenn du es nicht schon tust.

      Von Königinnenhaus zu Königinnenhaus herzliche Grüße.
      Petra

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  2. Hah, das war eine zeitlang auch mein Spruch „ich bin die Königin in miner Welt“ schöne Erinnerung. Es hilft auch die Verantwortung für sich anzunehmen und immer selbstbestimmter für die eigenen Bedürfnisse einzutreten. Und wenn man stolpert, aufstehn, Krönchen richten, und weiter ❤

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  3. Danke, liebe Petra, für diese vielen tollen Gedankenanstöße. Ja, es ist wertvoll, sich die Rolle der Königin genau auszumalen … sie entscheidet, sie ist „die Bestimmerin“, sie strahlt aus … ein schönes Bild für die Entstehung und Unterstützung von Selbstwirksamkeit.
    Herzlichst, Christine

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