Heimat ist dort, wo die Toten begraben sind

Auf ARD gab es Anfang Oktober eine Themenwoche zu „Heimat“. Annegret hat mich auf das Interview mit dem Theologen Fulbert Steffensky aufmerksam gemacht. Wie ich lebt er seit wenigen Jahren als Ausländer in der Schweiz und sieht es als große Bereicherung. Trotzdem bleibt Distanz und Fremdheit.

Der Zugvogel, wie Steffensky liebevoll genannt wird, beleuchtet den Begriff Heimat aus verschiedenen Perspektiven. Dies ist einer davon: Heimat ist dort, wo die Toten begraben sind. 

Wie recht er hat! Ich kann mich da gut einfühlen. Wie sehr wird jemand leiden, wenn das Grab kilometerweit entfernt liegt. Man kann nicht eben mal hingehen, um Blumen niederzulegen oder am Grab ein leises Gebet murmeln oder in Gedanken ein Gespräch beginnen. Wie schmerzlich muss es sein, wenn man die Ruhestätte eines geliebten Menschen vermisst.

Guckt man genauer hin heißt das auch, dass die Toten in der Heimat all ihr Wissen, ihre Erinnerungen an ihren Wohnort mit ins Grab genommen haben. Sie haben Geschichten erzählt, haben in einer Wohnung gelebt, hatten Nachbarn, haben eine Umgebung geprägt.   Der verstorbene Mensch geht mit all dem was ihn ausmacht, mit all seinen Erzählungen.

Das Grab meines Vaters liegt in meinem Heimatort. Dort wo ich aufgewachsen bin. Ich stelle mir vor, wie ich spontan hingehe und mit ihm ein Schwätzchen halte. Das gefällt mir gut.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein von Petra Schuseil. Permanentlink.

Über Petra Schuseil

Als "alte" Frankfurterin lebe ich seit 8 Jahren am Zürichsee. 60*plus bin ich jetzt und in meinem Alter angekommen. Ich reise viel und schreibe gerne Morgenseiten. Im Sommer bin ich täglich beim Schwimmen im See. Sonst beim Walken. Ganz neu gibt es jetzt meinen "jedentageinbisschenbio.blog" :-). Seit Ende 2014 blogge ich regelmäßig mit Annegret im Totenhemd-Blog.

4 Gedanken zu „Heimat ist dort, wo die Toten begraben sind

  1. Das ist eine wirklich relative Aussage. Keine Ahnung, in welcher Landidylle der Maestro sein Dasein fristet, aber vielen Menschen ist es von Haus aus nicht vergönnt (selbst das kann man so oder so sehen), ihr ganzes Leben an ein und demselben Ort zu verbringen und somit ihren verstorbenen Mitmenschen nahe zu sein. ;o)

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