Sonjas Auferstehungsgeschichte aus Brüssel: Orgelmusik, eine „umarmende“ Decke …

DSC09011Dieser Artikel ist zu einem Vermächtnis.  geworden. Sonja verstarb am 8. August 2016 im Alter von 46 Jahren. Viele haben ihre Worte seither gelesen. Es schmerzt und verbindet zugleich. Mit ihr. Miteinander. Sie schrieb kurz nach dem Bombenattentat in Brüssel: Orgelmusikgefühl, eine „umarmende“ schützende Decke
und den Liebsten in der Seele ganz nah und in wichtigen Momenten ihnen etwas unterstützend „zuflüsternd“

Auferstehung? Wie stelle ich mir die Zeit nach dem Tod vor?

Dieser Frage stelle auch ich mich. Noch bis vor den Brüsseler Attentaten am 22.3. – vorgestern – wollte ich darauf folgendes Antworten:

Wenn ich in mich reinfühle und überlege, wann ich mich zuletzt „dem Himmel ganz nah fühlte“ oder sagte, das ist „himmlisch“, im Sinne von beruhigend und positiv bewegend, dann kommen mir folgende Szenen in den Sinn:

Bei einer Autofahrt in miesestem Regenwetter legte ich als Kontrapunkt eine neue CD ein mit pompöser Orgelmusik aus dem Kölner Dom. Schon nach kurzer Zeit schossen mir die Berührungstränen in die Augen und mein Kopf und Mann fragte: “Was ist denn jetzt mit dir plötzlich los?“ Rational war das schwer erklärbar, aber innerlich spürte ich durch diese kraftvolle und erhebende Musik ein solch befreiendes und stärkendes Gefühl. Es war, als würde ich von den himmlischen Tönen mit in den „Himmel „getragen werden“ und von dort in diesem Gefühl irgendwo mit befreiter und warmer Seele, ganz eins mit sich selbst, bei meinen Liebsten sein.

So geht es mir bei vielen Musikstücken. Ich könnte darin ganz friedlich mich „auflösen“ bzw. spüre jede Zelle des Körpers ganz vital.

Dazu noch folgendes Erlebnis. Letzten Sommer besuchte unsere Familie die „Wangener Kuturnacht“ und ich schleppte alle nach BigBand, Jazz… , erst widerwillig, um 23.00 Uhr in ein Posaunenkonzert in der Pfarrkirche. Als jedoch das Posaunenquartett begann in super Akustik und mit tollen Stücken, kuschelte sich mein jugendlicher Sohn an mich und meinte, ebenso mit glasigen Augen: “Mama, so fühlt es sich bestimmt bei den Engeln im Himmel an.“ Sie können sich vorstellen, wie er mir aus dem Herzen sprach und was für einen Moment wir zusammen erlebten.

22. März 2016 – „Umarmende schützende Decken“ …

…kommen hinzu zu meinem Gefühl, wie es sich nach dem Tod anfühlen könnte. Bilder suche oder sehe ich nie, nur ein beruhigendes Gefühl. Deswegen habe ich auch nicht Angst vor dem tot sein an sich, nur vor dem Sterben und der Schmerz des Abschied-nehmens und Zurücklassens.

Vorgestern konnte unsere Familie quasi gefühlte „Auferstehung“ feiern. Wir entkamen wegen 20 Minuten knapp der Bombenexplosion am Brüsseler Flughafen und erlebten zum Glück nur das panische Gerenne und Geschreie um´s Leben, Evakuierung, das Gefühl dem Schicksal komplett ausgeliefert zu sein und auf das Krisenmanagement hoffend …

Man sieht ja täglich genug Bilder solcher schrecklichen Ereignisse und plötzlich steckt man mittendrin und es kommen alle möglichen Bilder und Gedanken hoch. Durch das Evakuierungsprozedere fühlten wir uns erinnert: An die Flüchtlingsbilder und man fühlt sich etwas hinein: Ein Marsch in´s Ungewisse und irgendwelche Leute, die irgendwann hoffentlich sagen, wie es weiter geht. Der große Unterschied ist natürlich, dass wir ein Zuhause haben und das „nur“ einige Stunden ertragen müssen.

Nach stundenlangem Rumstehen im Freien, endlich Verlagerung in eine Flughafenhalle und dort wurden von „Helfer-Engeln“ Decken verteilt, endlich! Sie waren nicht wirklich dick und sehr wärmend, aber das Gefühl, sich mit der Decke quasi selbst schützend und geborgen umarmen und etwas einigeln zu können, das war unbeschreiblich. Besonders wichtig noch, mit den Kindern und somit wichtigsten Menschen nebendran. Ich wollte sie auch noch daheim kaum loslassen, wechselte aber zu einer „unbelasteten“ Decke. Mal sehen ob diese Decken irgendwann mal verschwinden müssen zwecks zu belastender Erinnerung oder ob wir sie als Zeichen der „Rettung“ behalten können.

Also solch ein umarmendes Geborgenheitsgefühl gehört auch zu meiner Gefühls-vorstellung nach dem Tod.

Wie auch im Leben, eine Balance zwischen befreiend erhebendem Öffnen durch Musik und Geborgenheit suchendem „Schutz“, wie durch eine Decke oder gar Engelsflügeln ☺.

Getoppt von dem Gefühl und Blick von dem 3500m hohen Vulkan Teide, wo eine so unbeschreiblich klare Luft die Lungen durchströmte, ich einen so tollen „Überblick“ auf alles „unten auf der Erde“ hatte: Schönes, wie Belastendes und gleichzeitig, mich irgendwie leicht und nicht bedrohlich mich dem Himmel so nah zu fühlen. Da fiel es sehr schwer, nach einer Stunde schon wieder absteigen zu müssen. Dieses Gefühl kennen bestimmt viele auf den hohen Bergen.

Österliche Grüße,
Sonja Schwarz-Bücherl

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Sonja und ich kennen uns schon eine kleine Weile. Sie fragte, ob wir für ihre ganz persönliche Auferstehungsgeschichte noch einen Platz in unserer Blogaktion frei haben.

Aufgrund der Aktualität haben Annegret und ich entschieden, dass Sonja hier und heute bei uns im Blog sein wird. Und dass Sonja heute so spontan ihre Geschichte dem Totemhemd-Blog zur Verfügung gestellt hat, ist sowieso ganz besonders!!! Dafür danke ich ihren Glücks- und Schutzengeln und schicke bunte Luftballons gen Himmel.

Gottes Segen, my dear.

13 Gedanken zu „Sonjas Auferstehungsgeschichte aus Brüssel: Orgelmusik, eine „umarmende“ Decke …

  1. Liebe Petra, liebe Annegret, vielen Dank dass Ihr Sonjas Artikel in Eurem Blog habt. Vor allem nach ihrem Tod bedeutet er mir und unseren Kindern nochmals mehr. Ich verweise, wie eben gerade heute wieder geschehen, inzwischen gerne Freunde oder ehemalige Kollegen Sonjas auf diese Seite. So spricht sie nach wie vor in ihrer unverwechselbaren Art zu uns.

    Herzlichen Dank,
    Wolfgang Bücherl

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    • Lieber Wolfgang, wie schön, dass Du mal wieder vorbeigeschaut hast und Sonjas Artikel gelesen hast und ihn auch Euren Freunden empfiehlst zu lesen.

      Auch für uns ist Sonjas Geschichte ein Schatz und bleibt hier bei uns!!

      Vielleicht schreibt sie grad einen Blogartikel oder Kommentar hierzu und freut sich mit uns, dass wir uns immer mit ihr verbunden fühlen.

      Alles Liebe und grüß die Jungs.
      Herzlich. Petra

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    • Hallo Stefi, ich freue mich, dass Du Sonjas Beitrag gefunden hast. Ihr Vermächtnis an uns … ihr Text wird hier bleiben und wir werden es in Ehren halten.

      Ich bin froh, dass sie uns ihre Auferstehungsgeschichte hier im Blog geschenkt hat.

      Alles Liebe.
      Herzlicher Gruß. Petra

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  2. Liebes Schwesterherz, gerade habe ich erneut, deinen BLOG-Beitrag gelesen und ich möchte, dass Du weißt, wie sehr mich dein Text berührt hat! Teile deine Gedanken weiterhin, sie sind soo wertvoll!!! Deine Melanie

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    • Hallo liebe Melanie,
      danke, dass Du hier Deinem Schwesterherz schreibst. Du hast ihr bestimmt schon gesagt, wie schön du ihren Text findest.
      Vielleicht findet sie Zeit auch noch zu antworten. Hier oder bei Facebook oder wo auch immer … ihr Blog entsteht grad … ein Vorhaben das v bald wahr wird. Ich drücke die Daumen.
      Herzlich. Petra … mit herzlichen Grüßen an Sonja

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  3. Pingback: Sonjas Auferstehungsgeschichte aus Brüssel › Lebenstempo-Blog

  4. Liebe Sonja, ich möchte dir auch noch persönlich danken für diese so unmittelbaren Bilder. Wie gut, dass du sie so nah bei dir hast! Darum denken wir über all dies nach, damit es uns trägt, wenn´s drauf ankommt. Seid behütet und Segensgrüße nach Brüssel!
    Annegret

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