31.3. Brigitte Becker: Augapfelmassage

IMG_1765-1Was nach dem Tod kommt? Ich bin nicht sicher. Aber ich weiss, was ich mir wünsche:

Ein Raum, gefüllt mit Lichterketten. Sie verändern langsam ihre Farbe. Eine Höhle tut sich auf. An zwei Seiten kann ich mich niederlassen, liegen und schauen. Videobilder ziehen an mir vorbei, bunt, farbig, fremd, schön, bilden Erzählungen, lösen sich auf, ein bisschen wie Gedichte. Anderswo, in Venedig, hat dieselbe Künstlerin, deren Werk ich hier besuche, hat Pipilotti Rist solche Projektionen schon an die Decke einer grossen Kirche geworfen. Dort lag man auf dem Rücken ausgestreckt, um zuzuschauen. Der eigene Zustand wird seltsam schwerelos. Augapfelmassage nennt die Künstlerin ihre Kunst. Nicht alles ist verstehbar. Macht nichts.

Denk ich an das Ende und das Danach, dann stelle ich mir einen solchen Zustand vor wie am Sonntag im Kunsthaus in Zürich.

Als würden wir, nachdem wir am Anfang brutal aus dem Fruchtwasser, aus der warmen Höhle heraus geworfen und geboren wurden, wieder zurückkehren. Ein bisschen schwerelos glaube ich das Jenseits, und so, dass ich auf keinen Fall mehr irgendetwas tun muss.

Einmal habe ich im Fernsehen mit einer Frau darüber diskutiert, ob nach dem Sterben noch Seelen da sind von den Toten, die noch Botschaften ausrichten. Erfahrungen dazu, das glaube ich, machen manche. Aber ich habe gemerkt: nein, ich will auf keinen Fall noch einen Auftrag. Ich will bei niemandem Lebenden mehr sein nach meinem Weggang. Ich bin sehr froh, wenn sich dann alle um sich selbst kümmern. Ich will ganz tot sein für die anderen.

Lieber will ich mir die Augäpfel massieren lassen mit anderen Eindrücken an einem Ort, von dem ich nicht weiss, wo er sein wird und wer genau ich dann bin.

Vielleicht, das kann schon sein, wird dann dort einer den Film abschalten und das helle Licht wird diesen dunklen Saal erleuchten und einer sagen „jetzt reden wir noch mal über das, was so im Leben gelungen ist und was nicht.“ Kann sein. Von heute betrachtet, finde ich gut, wenn auch das noch passiert. Gericht nannte das einmal die theologische Tradition. Ich hänge an der Vorstellung, dass ganz am Ende aller Zeit noch über richtig und falsch, über Schmerz und Fehler und Schuld Klarheit geschaffen wird. Wenn es dann soweit ist, wird es mich bestimmt erschrecken. Wir werden sehen.

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Liebe Brigitte, wir freuen uns, dass Du dabei bist. Dankeschön.
Brigitte trefft Ihr hier: http://weiteratmen.me/

7 Gedanken zu „31.3. Brigitte Becker: Augapfelmassage

  1. Liebe Brigitte,
    danke für diese beiden Bilder! Aah die Augapfelmassage, die hab ich auch schon erlebt und wollte gar nicht mehr weg, so tief gebadet in Farben und einer großen Freundlichkeit und Lebenslust.
    Und das mit dem Gericht, das hoffe und fürchte ich auch.
    Danke, dass du Pipilotti mit eingebracht hast!!!
    Viele Grüße
    Annegret

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