Wir reden übers Sterben … heute mit: Angelika Bening

13941019_1062091363867805_1193972174_nAngelika Bening ist Trauerbegleiterin für Erwachsene, Kinder, Jugendliche und Familien sowie Entspannungspädagogin.

Seit 5 Jahren in eigener Praxis im Westerwald tätig. Neben der Arbeit mit Trauernden, ist auch die Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitern psychosozialer Berufe einer ihrer Arbeitsschwerpunkte.

1. Du beschäftigst dich mit (deiner) Endlichkeit. Welche Auswirkungen hat das auf dein Leben?

Ich betrachte meine Arbeit und die Beschäftigung mit der Endlichkeit als eine sehr lebendige und lebensbejahende Aufgabe. Diese Lebendigkeit auch selbst immer wieder zu spüren und auch mit Dankbarkeit auf die kleinen Dinge des Lebens zu schauen, das ist mir sehr wichtig und das erlebe ich für mich in den letzten Jahren deutlich bewusster.

2. Viele haben Hemmungen oder auch Angst, mit anderen über das Sterben zu reden. Wie ist das bei dir? Was hat sich verändert?

Hemmungen oder Ängste über das Thema Sterben oder Tod zu reden, kenne ich persönlich nicht bzw. nicht mehr. Bevor ich vor 5 Jahren meine Arbeit als Trauerbegleiterin begonnen habe, war ich über 20 Jahre lang als Krankenschwester tätig und habe sehr viele Menschen in schwerer Krankheit aber auch im Sterben begleiten können. In dieser Zeit habe ich gelernt offen über diese Themen zu sprechen und ich habe viele intensive Gespräche mit Sterbenden führen dürfen, die mir persönlich sehr viel Mut zum Leben gemacht haben. Diese Erfahrungen haben mich geprägt und auch dazu ermutigt, dass Thema Tod offen anzugehen und anzusprechen, beruflich und auch privat.

3. Dein Vorschlag für einen guten Satzanfang, wenn du mit jemand über solche Dinge wie Sterben, Vorsorge u.ä. reden willst:

Ich merke gerade, dass ich gar keinen Standardsatz parat habe und immer versuche situativ und je nach Gesprächspartner zu entscheiden und natürlich auch danach, ob ich mit Kindern/Jugendlichen oder Erwachsenen zu tun habe. Mein Ausbilder in der Trauerbegleiterausbildung hat einmal den schönen Satz gesagt, dass die Sterblichkeitsrate ja bislang immer noch 100% beträgt und sich daher niemand vor diesem Thema verschließen sollte … dieser etwas flapsige Spruch ist manchmal ein ganz guter und natürlich auch ein humorvoller Einstieg ins Thema, z. B. bei Jugendlichen. Humor habe ich in dieser Hinsicht generell als einen sehr guten Türöffner erlebt.

4. Wie ergänzt Du diesen Satz der Künstlerin Candy Chang: Bevor ich sterbe, möchte ich…..

… .mit dem Rucksack quer durch Bhutan reisen 🙂

5. Was glaubst Du, kommt nach dem Tod?

Ich persönlich glaube an ein Leben nach dem Tod und an ein Wiedersehen mit all denen, die vorangegangen sind….in welcher Form das auch immer sein wird.

6. Wenn du in der Sterbe- und Bestattungskultur in Deutschland/ der Schweiz etwas ändern könntest, was wäre das?

Ich glaube diese Veränderung ist nur durch eine grundsätzliche Veränderung in unserer Gesellschaft möglich. Wenn wir unseren Kindern wieder den natürlichen Kreislauf vom Leben und Sterben lehren würden, dann würde sich ganz von selbst auch die Sichtweise auf diese Themen und der Umgang damit verändern. Wir brauchen meiner Meinung nach eine grundlegende Veränderung in diesem Bereich beginnend in den Familien, Kindergärten, Schulen bis hin zu Einrichtungen des Gesundheitswesens, der Politik und auch einer deutlich stärkeren Präsenz des Themas in den Medien. Projekte wie z. B der Totenhemd-Blog sind daher aus meiner Sicht sehr wertvoll und wichtig und können die Themen Sterben, Tod und Trauer wieder etwas mehr in die Öffentlichkeit und somit mehr in die Mitte der Gesellschaft rücken.

7. Dein Beitrag zu unserer Sammlung „100 Songs übers Sterben“.

Nena: Das Weiße Schiff (Das Lied entstand nach dem Tod ihres Kindes)

Klaus Hoffmann: Zeit zu leben

8. Und sonst noch?

Vielen Dank und dem Totenhemd-Blog eine große Leserschaft!!!!

Angelika Bening, Praxis Trauerbegleitung

2 Gedanken zu „Wir reden übers Sterben … heute mit: Angelika Bening

  1. Pingback: Das weiße Schiff von Nena | Totenhemd-Blog

  2. Liebe Angelika, danke für Deine Zeit. Deine Antworten finde ich sehr lesenswert und inspirierend. Danke auch, dass du unseren Totenhemd-Blog wichtig findest, dass wir nämlich übers Sterben sprechen.

    Wir wünschen dir Menschen, die offen sind Neues zu gestalten und zu wagen und bei all Deinem Tun tröstende Worte und Inspirierendes. Wirklich ein toller Satz: „die Sterblichkeitsrate beträgt ja bislang immer noch 100%“ :-).

    Nach Bhutan solltest Du bald reisen, es verändert sich rasant. Ich bin mir gar nicht sicher, ob du allein unterwegs sein darfst … mehr Infos gerne per Mail. Herzlich. Petra

    Gefällt 1 Person

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