Buchtipp: Einer von uns von Asne Seierstad

51MoaEF-GPL._SX335_BO1,204,203,200_Im „Das Magazin“ habe ich neugierig die Reportage über die Schriftstellerin und Journalistin Asne Seierstad gelesen. In diesem Artikel wurde ihr Buch vorgestellt. „Einer von uns“ – Anders Behring Breivik tötete am 22. Juli 2011 77 Menschen in Oslo bzw. auf der Insel Utoya.

Es ist das grausamste Buch, das ich je gelesen habe. Mit Interesse und Herzklopfen gleichermaßen. Es hat mich fasziniert und geschockt. Fasziniert bin ich von der Autorin Asne Seierstad. Akribisch und detailtreu hat sie recherchiert und die gesammelten Fakten dann in einen Tatsachenroman gegossen.

Der Massenmörder wird in diesem Buch genau vorgestellt, man hält es kaum aus wie paranoid er ist: Monatelang stellt er die verschiedensten Stoffe her, um die Bombe herzustellen (eine Anleitung dafür kann man im Internet finden!). Sie wird später vor dem Osloer Regierungsgebäude 9 Menschen in den Tod reißen und viele viele Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzen.

Die Autorin beschreibt minutiös das Massaker auf der Insel als wäre sie dabei gewesen. Sie stützt sich dabei auf Zeugenaussagen der Überlebenden und auf das Manifest des Attentäters. Sie beschreibt wie sehr die norwegische Polizei geschlampt hat, schnell an Ort und Stelle zu sein um zu helfen. Man rauft sich die Haare und kann es nicht fassen. Ohnmacht wird in mir breit, wenn ich mir vorstelle, was alles schief gelaufen ist und was alles hätte verhindert werden können!

Fünf der Jugendlichen bekommen ein Gesicht: Bano, Lara, Simon, Viljar und Anders. Wir lesen über ihr Leben, ihre Eltern, ihre Hobbies, ihre Sehnsüchte – wir mögen sie, wir fühlen uns mit ihnen verbunden … wir lesen, wie sie auf der Insel gekämpft haben, sich für andere eingesetzt haben, zittern, rennen, von den Kugeln im Kopf getroffen werden, sterben …. Viljar überlebt.

Ich habe dieses Buch nachts im Bett gelesen. Ich hatte Herzklopfen, ich war manchmal voller Abscheu, oft sind mir die Tränen gekommen.

Dieses Buch muss JEDE/R lesen und ich schreibe hier warum:

Das Buch packt uns emotional und lässt uns erschauern, lässt uns Fragen stellen, manche Antwort finden, ratlos einerseits und auch getröstet zurück.

„Einer von uns“ ist einer von uns. Breivik ist in einer modernen, teuren Wohngegend aufgewachsen. Er war verschlossen, hat sich selbst immer mehr zurück gezogen. Niemand hat sich gesorgt. Vielleicht der eine oder andere Freund. Seine Mutter? Niemand hat ihn gefragt oder zur Rede gestellt. Er konnte sein Ding im Geheimen durchziehen. Warum wurde niemand aufmerksam?

Die monatelangen Vorbereitungen auf dem Bauernhof vor dem Attentat verursachten Lärm und Gestank. Niemand hat sich gekümmert oder gewundert, nur einmal kam die Vermieterin, glaube ich, und wäre fast getötet worden, weil sie vielleicht etwas ahnte. Aber sie verhielt sich ganz ruhig. Wäre sie getötet worden von Breivik, wäre er festgenommen worden und hätte keine 77 anderen Menschen getötet.

Und dann die norwegische Polizei … mit dem ersten Notruf, der einging war die Personenbeschreibung klar und man hätte den Bombenleger stellen können, bevor er die Insel erreichte. Es können gar nicht genug Polizisten unterwegs sein, wenn eine Bombe hoch geht oder ein Feuer eröffnet wird. Es muss alles daran gesetzt werden, Menschen zu retten und zu schützen! Allein dieser Gedanke, diese Hoffnung ist unerträglich, weil nichts mehr rückgängig zu machen ist.

Er hat jahrelang so was von eng neben seiner Mutter gelebt … sie hat sich vielleicht das eine oder andere gefragt, aber sie hatte ihre eigenen Gedanken und Sorgen. Wäre sie bloß misstrauischer gewesen, hätte sie bloß mehr Fragen gestellt!

„Einer von uns“ ist einer von uns. Und niemand hat gemerkt, was Breivik vorhatte.

Es sind jetzt 5 Jahre vergangen … die Trauer der Eltern, Geschwister und aller Angehörigen wird weiter unermesslich sein. Wir können uns das gar nicht vorstellen wie sehr dieses Attentat das Leben von 77 Familien drastisch verändert hat. In Gedanken bei den Opfern und den Hinterbliebenen bin ich froh, dass Asne Seierstad dieses Buch geschrieben hat. Vor allem „wie“ sie es geschrieben hat. Ihr Stil gefällt mir gut: mit Respekt, mit Distanz, mit Klarheit und doch ganz nah dran. Zäh und energisch ist sie dran geblieben und wollte es wissen. Nicht umsonst fürchtet Breivik sich vor ihr.

Die New York Times titelt: Eines der zehn besten Bücher des Jahres.

 

Und Deutschlandradio Kultur sagt: Vielleicht eines der wichtigsten Bücher unserer Zeit.

Hier können Sie in das Buch blättern und sich informieren und dann bei Ihrem Lieblingsbuchhändler bestellen.

Ein Gedanke zu „Buchtipp: Einer von uns von Asne Seierstad

  1. Ein sicher schauderhafter Roman, weil einer die Schauder nur so den Rücken runterlaufen. Gut, dass es durch den Filter einer Autorin geschieht. Ich kenn jemanden, der hat mal in das Machwerk von Brievik selbst reingeschaut. Bevor es auf den Index kam. Zurecht! Er meinte, die Gedanken wären total abwegig und verschoben, aber er, Breivik würde nicht den eindruck eines ´dummen Geisteskranken machen. Auch gruselig diese Annahme und bestätigt den Satz: einer von uns.

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