Wir reden übers Sterben…heute mit: Johanna Wilke

trauer-in-liebe-johanna-wilke_08Ich bin Johanna, 27 Jahre, Sterbeamme, Bestatterin und Trauerbegleiterin. Ich lebe in Hamburg. Hier arbeite ich als Bestatterin für ein modernes Bestattungshaus (www.hamburg-leuchtfeuer.de) und schreibe auf meinem persönlichen Blog „trauer in Liebe“ über die Möglichkeiten bewusst Abschied zu nehmen. Zusammen mit meinem Mann habe ich die Trauerbox© (www.trauerbox.de) ins Leben gerufen, ein Erste-Hilfe Angebot für Trauernde zur seelischen Unterstützung und Ermutigung nach dem Verlust eines geliebten Menschen.

1.   Du beschäftigst dich mit (deiner) Endlichkeit (Beschreibe kurz). Welche Auswirkungen hat das auf dein Leben?

Durch meine Arbeit als Bestatterin bin ich täglich mit dem Tod und der Endlichkeit des Lebens konfrontiert. Ich begleite die lebenden Angehörigen und die Seele und den Körper des Verstorbenen – für mich hängen diese Ebenen unweigerlich zusammen. Durch diese unmittelbare Berührung ist der Tod zu meinem Lehrmeister und Freund geworden. Ich lerne durch ihn, den Moment zu leben und die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Ein „das ist mir egal“ gibt es für mich nicht mehr!

2.   Viele haben Hemmungen oder auch Angst, mit anderen über das Sterben zu reden. Wie ist das bei dir? Was hat sich verändert?

Ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen, ein Glas Wein mit Freunden oder ein kurzes Telefonat: Mein Leben baut auf der Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer auf. Neulich erst saß ich mit meinem Mann bei einer Tasse Kaffee auf dem Sofa und wir haben darüber gesprochen, wie der Sarg aussehen soll, in dem wir bestattet werden möchten, als würden wir uns über das Wetter unterhalten, so ganz normal ohne bedrückende Gefühle – das war echt stark! Was ich auch ganz wichtig finde, ist, dass unsere Verstorbenen einen Platz in unserer Mitte haben. Wir erzählen von ihnen und integrieren Rituale in unser Leben, die wir mit ihnen geteilt haben.

3.   Dein Vorschlag für einen guten Satzanfang, wenn du mit jemand über solche Dinge wie Sterben, Vorsorge u.ä. reden willst:

„Wenn heute dein letzter Tag in dieser Welt wäre, wärst du einverstanden mit deinem Leben, so wie es ist?“

4.   Wie ergänzt Du diesen Satz der Künstlerin Candy Chang:
Bevor ich sterbe, möchte ich …

…. nochmal nach Japan reisen und in einem japanischen Kloster meditieren!

5.   Was glaubst Du, kommt nach dem Tod?

Ich glaube an eine wunderbare neue Welt. Und an ein Wiedersehen mit denen, die uns lieb und teuer sind.

6.    Wenn du in der Sterbe- und Bestattungskultur in Deutschland/ der Schweiz etwas ändern könntest, was wäre das?

Ich würde den Menschen ihre Verstorbenen zurück nach Hause bringen, damit sie Abschied nehmen können.

7.   Dein Beitrag zu unserer Sammlung „100 Songs übers Sterben“?

Sarah Connor: Das Leben ist schön

8.   Und sonst noch?

Ich liebe es vom Leben berührt zu werden!

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