Die Angst vorm Sterben erkennen. Sehnsucht spüren… (2)

fullsizeoutput_49e… oder „ungelebtes Leben“ transformieren in gelebtes Leben.

Nach dem Lesen des Interviews in der DIE ZEIT (siehe vorherigen Artikel) frage ich mich: Was ist mit meiner Angst vorm Sterben? Lebe ich mein Leben vielleicht nicht? Gibt es da ein Stück (m)ein „ungelebtes Leben?“ Wenn ja, wo steckt das? Wie finde ich es? Wenn nein, dann ist doch alles gut?!

Ich habe die Fragen und Antworten im Interview mehrfach durchgelesen, habe sie sacken lassen und wieder gelesen, habe mehr Fragen als Antworten in mir. Wie gehe ich ran und drösel das Gelesene in Häppchen für den Blog auf? 

Ich habe mir überlegt, woran man die Angst vor dem Tod oder dem Sterben erkennen könnte. Diese Angst kennen wir alle. Und diese Angst ist normal. Wir können sie uns bewusst machen und gegebenenfalls Dinge in unserem Leben verändern. Das ist nicht einfach wie wir alle wissen. Der Autor meint: wir können die Angst nutzen und uns ihr stellen und was draus machen.

Wie klingt das?

Ich finde das sehr ermutigend und erfrischend! Dazu sind mir dann viele Fragen eingefallen. Unter anderem diese:

Gibt es eine Unwucht in meinem Leben? Wie macht die sich bemerkbar?
Nach was sehne ich mich?
Was vermisse ich?
Für was brenne ich?
Wie lichterloh brennt meine Sehnsucht?
Wie / wo spüre ich das in meinem Körper?

Nun. Wenn man vielleicht Angst hat mit jemandem über das Sterben zu sprechen, über das eigene Sterben, das irgendwann sein wird, dann fällt es einem vielleicht grundsätzlich schwer über sich und sein Leben und seine Vorstellungen und Erwartungen zu sprechen. Vielleicht weiß man auch nicht welche Werte einem wichtig sind und wie ich man sie leben soll.

Ich glaube, es braucht grundsätzlich erstmal Zeit. Zeit um zu erkennen und zu formulieren, was einem wichtig und wesentlich ist. Und wie findet man das heraus? Indem man ausprobiert. Übers Machen und Tun. Oder indem man sich Unterstützung sucht, einen Gesprächspartner oder Therapeuten, wie es der Autor getan hat und im Interview erklärt.

Mir ist folgendes „passiert“ vor wenigen Wochen. Ich hatte endlich mal ein bisschen Muße und Zeit einen Lesestapel „abzuarbeiten“. Dieser Haufen heißt „später mal lesen“. Ich las also Zeitungsartikel, Flyer und Workshopangebote in einem Kloster. Hier stieß ich auf drei interessante Ausschreibungen. Fasziniert las ich über das Angebot „Stille“. „Für Geübte, die meditieren. Wir erfahren die Stille im Innen und im Außen. Wir sitzen und lauschen oder gehen und lauschen“. 

Ich hatte plötzlich solch eine Sehnsucht nach STILLE, wollte mich sofort anmelden und dabei sein. Und horchte in mich hinein, wie ich so auf der Couch saß und dieses Angebot las. Und fragte mich: Wieso willst du einen Workshop besuchen um Stille zu erfahren? Wieso hast du so eine Sehnsucht danach, wenn Du doch selbst an einem ruhigen Ort wohnst, in einem sehr ruhig gelegenen Dorf? Und mir wurde klar, dass ich seit ewigen Zeiten nicht mehr auf meinem Yogakissen saß um in die Stille zu kommen und zu meditieren.

Meine Sehnsucht nach innerer Stille brannte in mir. Ich setzte mich sofort auf mein Yogakissen und meditiere seitdem wieder täglich. Dieses in mich Ab- und Eintauchen hatte ich vermisst ohne es zu ahnen.

Ich behaupte mal: „Die Angst vorm Sterben“ (die ja nicht ständig präsent ist) verflüchtigt sich da auf jeden Fall für einen kurzen Moment. Ich glaube, weil ich während des Meditierens ganz bei mir bin. Im Hier und Jetzt. Weil ich mir Zeit nehme für etwas, das mir wichtig ist.

Genau ein paar Tage vorher las ich von einer Frau, die während der Fastenzeit täglich 20 Minuten übte und meditierte. „Sitz still und genieße heiter“. 20 Minuten und das jeden Tag.

Aus meinem Erfahrungsschatz weiß ich, dass es darum geht achtsamer zu werden für sich selbst. Schon als Lebenstempo-Coach habe ich meinen Klienten empfohlen: Nimm dir täglich 15 Minuten Zeit. Wenigstens einmal täglich am besten dreimal täglich. Drück auf die Stopptaste. Trinke bewusst deinen Kaffee oder Tee. Atme. Spüre. Rieche. Schmecke. Schaue.

Zum Workshop im Kloster habe ich mich übrigens nicht angemeldet. Ich wiederhole meine Fragen von eben noch einmal für Dich:

Wo ist Unwucht in deinem Leben? Wie macht die sich bemerkbar?
Nach was sehnst du dich?
Was vermisst du?
Für was brennst du?
Wie lichterloh brennt deine Sehnsucht?
Wie / wo spürst du das in deinem Körper?
Was liegt brach?

Ich nehme an, Du übst Dich schon im Achtsam-sein oder meditierst schon? Teilst du meine Erfahrungen und Gedanken?

9 Gedanken zu „Die Angst vorm Sterben erkennen. Sehnsucht spüren… (2)

  1. Pingback: Die Angst vorm Sterben erkennen. Sehnsucht spüren … (5) | Totenhemd-Blog

  2. Angst vor dem Tod? Ja, doch! Aber da hilft mir auch mein Glaube an Christus. Sein Versprechen an seine Jünger gibt mir Hoffnung: Ich komme in der Stunde des Todes zu euch und hole euch zu mir (vgl. Joh 14,1-6). Aber da spürte ich wieder die Angst, die Angst von Christus nicht angenommen zu werden. Da ist ja so Einiges im Leben schiefgelaufen. Doch Ich vertraue, durch den Empfang der Sterbesakramente (Beichte, Krankensalbung, Empfang der Eucharistie) versöhnt mit Christus sterben zu dürfen. Ich hoffe aber auch auf die Unterstützung meiner Lieben, die schon bei Gott sind und vor allem auf die Gottesmutter. Mit diesem Vertrauen schwindet in mir diese Angst. Dabei wächst in mir eine starke Hoffnung, nach meinem Sterben endlich Christus und Maria zu sehen mit allen Lieben, die jetzt schon bei Gott sind. Aber das ist nicht alles. Eine unbeschreibliche Zukunft erwartet die Glaubenden. Sie ist in der Auferstehung Christi vorgezeichnet: eine neue Art des Menschseins wird dem Geretteten durch den Auferstandenen geschenkt werden. Wir werden als neue Männer und Frauen dem Auferstandenen gleichgestaltet (Röm 6, 3-6) in einer völlig neuen Welt leben, zu der wie beim Auferstandenen der ganze Kosmos gehört. Wir werden wie im Paradies mit Gott auf Du und Du leben. Nicht nur Halleluja singen, sondern völlig neue Dimensionen des Menschseins erleben und das ohne Tod, ohne Leid, ohne Verbrechen. Kein Auge hat es gesehen was Gott denen bereitet, die ihn lieben, verspricht Gottes Wort (vgl. 2 Kor 2, 9-11).
    Dr. Gerhard Steigerwald, Nürtingen

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  5. Pingback: Viel viel Stille im Leben | Totenhemd-Blog

  6. Hmmmmm… Sehnsucht spüren… Ich trage ab und an eine Traurigkeit in und mit mir, die keine Trauer ist… Vielleicht ruft da meine Unwucht…?
    Danke für deine inspirierenden Fragen, die mich sehr bewegen – vielleicht bewegt sich ja nun etwas ins Rundere?!
    Danke, Petra!
    Herzlich,
    Anja

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Anja, das ist schön, dass Du uns das schreibst, dass es in Dir eine Traurigkeit gibt die aber keine Trauer ist. Vielleicht eine Unwucht?
      Ich freue mich, dass dir meine Fragen gefallen, dass sie dich inspirieren.
      Ich bleibe dran am Thema … es gibt mehr Überlegungen hierzu.
      LG. Petra

      Gefällt 2 Personen

    • Danke fürs Lesen und ich freue mich, dass Dir das Wort „Unwucht“ auffällt.

      Ja, da ist was dran an diesem Wort. Ich hab es einfach hingeschrieben: UNWUCHT. Aber ich spüre dies ganz deutlich und sehr stark. Wie ein Autoreifen, der nicht richtig ausgewuchtet ist, nicht rund läuft.

      Gefällt 3 Personen

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