Die Unwucht im Leben (3)

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Sonntagmorgens in Frankfurt

… oder das ungelebte Leben erkennen.

Nachdem Wildgans mich im Kommentarfeld auf das Wort UNWUCHT in meinem Artikel zurücklenkte und drauf stupste habe ich mich gefragt, ob es Sinn macht noch einmal tiefer zu denken.

Gehen wir davon aus, dass die Angst vorm Sterben uns auf „ungelebtes Leben“ zurückwirft, dann spüren wir eine Unwucht. Sie macht sich vielleicht bemerkbar durch Sehnsucht. So wie mir gar nicht klar war, dass ich mich nach Stille sehne. Sie fehlt mir, tief in mir und hat gar nix mit dem ruhigen Ort zu tun, in dem ich lebe. Durch einen Zufall wurde mir bewusst, dass die Stille in mir fehlt. Ist das nicht interessant, dass wir manchmal nicht bewusst wissen, was uns fehlt?

Deshalb möchte ich nochmal auf die Unwucht im Leben eingehen. Sie macht sich bemerkbar wie bei einem Autoreifen, der nicht richtig ausgewuchtet wurde. Er läuft unrund. So ist das vielleicht auch manchmal im eigenen Leben, dass es nicht rund läuft. Wenn wir den Reifen nicht noch einmal in der Werkstatt neu auswuchten lassen laufen wir Gefahr, dass uns der Reifen platzt und wir einen schweren Unfall haben.

Wie kann sich die Unwucht in mir bemerkbar machen? Durch ein Ziehen im Herzen, durch ein Sehnen im Bauch. Es läuft nicht rund im Leben oder im Beruf oder in der Beziehung. Wir sind körperlich oder seelisch umfit und haben vielleicht Schlafstörungen, Migräne oder fühlen uns sehr erschöpft. Wenn wir nicht aufpassen werden erste Symptome chronisch.

Anja schreibt im Kommentar, dass sie Traurigkeit spürt und sie weiß, dass es keine Trauer ist, die sie da empfindet. Wenn wir uns also unserer Gefühle gewahr werden, können sie uns einen Weg zeigen.

Und ein Zufall bringt uns dann drauf … weil wir etwas lesen, weil wir an einem unbekannten Ort sind, weil wir jemanden neu kennenlernen oder einen Schnupperkurs absolvieren … und plötzlich ist da was Neues, das uns begeistert. Eine Idee, ein Hobby, ein Land, eine Stadt, was auch immer. Wir wussten nicht, dass es uns fehlte und tauchen in eine neue „Welt“ ein und fühlen uns wohl und glücklich(er) und zufrieden(er).

Ein Beispiel aus meinem Leben: ich habe immer einen Freund bewundert, der im Chor mitsang nämlich in Wien. Und ich spürte eine Sehnsucht und den Wunsch „ich will auch singen“ (am liebsten in Wien). Was ich dann aber nicht in Wien begann aber in Frankfurt und das ist sicher 20 Jahre her. Seit 20 Jahren singe ich im Kirchenchor mit. Es macht mich jedes Mal aufs Neue selig und zufrieden.

Und um was geht es bei all diesem? Der Unwucht und den Symptomen auf den Grund gehen und aufmerksam beobachten. Und dann: Dass man im HIER und JETZT lebt, etwas ausprobiert. Man ist mitten drin im Leben. Das Sterben und der Tod sind ganz weit weg. Nicht dass wir ihn ignorieren würden, wir wissen um seine Präsenz aber wir muten uns dem Leben zu, und das Leben sich uns und wir sind dabei. Fühlen uns rundherum wohl und fühlen keine Unwucht. Sondern wir fühlen uns fit und ausgeglichen. Ich übertreibe wenn ich sage: rund wie ein Autoreifen, der uns sicher über die Straßen fährt bei jeder Geschwindigkeit.

Wir wissen es gibt unendlich viele Bücher, die uns hier ratgebend unterstützen.

Ich bin bei dem Thema: Die Angst vorm Sterben und dem Tod. Diese Angst kann ein Hinweis darauf sein, dass sich „ungelebtes Leben“ in uns bemerkbar macht. Meine Fragen zielten darauf, die Unwucht im Leben zu erkennen. Wo läuft es nicht rund? Es geht mir aber auch darum die Angst vorm Sterben und dem Tod zu verringern und anzuerkennen.

Wenn wir die Unwucht und Sehnsucht in uns erkennen, soll bestenfalls kein Stress entstehen. Auch eine Löffelliste könnte Stress machen: was ich noch alles tun will in meinem Leben. Dennoch die Einladung: Wenn nicht jetzt, wann dann die Dinge tun, die einem am Herzen liegen (und machbar sind).

Wenn wir das erkennen und wissen, haben wir verschiedene Möglichkeiten damit umzugehen. Ich will dazu verschiedene Aspekte aufzeigen. Darauf komme ich im nächsten Artikel.

4 Gedanken zu „Die Unwucht im Leben (3)

  1. … das Sterben irgendwie immer dabei. Trauer, Traurigkeit, Sorgen … Schwere.
    Und immer wieder auch ganz viel Leichtigkeit. Eine Steigung fahren ohne absteigen zu müssen. Immer weniger außer Atem kommen. Ausblicke genießen, Mohnfelder entdecken … sooo schön!

    Gefällt 2 Personen

  2. Hach, Petra… Bei mir unwuchtet es gerade sehr…
    Warum?! Weiß ich noch nicht – aber ich ergründe es. Am Meer, mit einer besten Freundin… Besser als jede Therapie! Und doch bleiben viele Fragen offen… Ich bin (zu) viel im Morgen und im hätte-hätte-Fahrradkette… Ich freue mich auf eine Auszeit am Wochenende 💙
    Herzlich,
    Anja

    Gefällt 1 Person

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