Kein Jahr wurd vergessen

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Zum Thema „Jahresringe zusammenbringen“ hat meine Schweizer Schreibfreundin Maria einen sehr schönen berührenden Text geschrieben, den ich hier veröffentlichen darf. Ich bin davon überzeugt, dass dir die Geschichte gefallen wird. Mir gefällt sie sehr. Es wird ein Ritual beschrieben, das ich sehr schön finde.

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Es ist der letzte Freitag im Monat: Erinnerungszeit. Seit dem ersten Todestag meiner Frau widme ich diesen Tag ihren Schätzen. Gehe durch ihre Sammelboxen, Ablegekästen, Kisten oder Schubladen.

Am liebsten sind mir die Scrapbooks. Ich nehme das oberste heraus, blättere und erinnere mich, blättere und lächle, blättere und sinniere. Alles hat sie gesammelt auf unsern Reisen, alles hat sie eingeklebt. Ich verharre bei einem Foto einer riesigen Baumstammscheibe. Daneben hat Anita geschrieben: Der Baum: Ringe erzählen seine Geschichte, umhüllen und schützen den zarten Anfang, kein Jahr wird vergessen. Lang hocke ich da, umringt von Karten und Quittungen, Tickets und Fotos, unserer Geschichte und ihren Erinnerungen. „Kein Jahr wird vergessen“.

Könnte ich unsere Reisen wiederholen? Die 43 Reisen, die wir miteinander gemacht haben, jedes Jahr eine. Könnte ich unsern eigenen Baum gestalten, anfangen mit unserer Hochzeitsreise als Zentrum, als Kern?

Ich drehe am Ehering, den ich immer noch trage.  Weiterlesen

Gesprächssplitter aus den Death Cafés

Death Café Richterswil 

„Man müsste sich auf den Tod freuen wie andere Leute auf ihren Urlaub“. Aus dem Artikel „Der bebilderte Himmel“ von Henriette Crüwell im Magazin „Impuls Gemeinde – 01/2019“ zum Thema: Da kommt noch was! (Herausgeber Zentrum Verkündigung, Frankfurt. Wir hatten hierzu Anfang des Jahres eine spontane Blogparade organisiert“. Das Heft kann man hier bestellen. )

„50 Prozent der Asche kommen in die Urne … die anderen 50 Prozent werden verstreut“. Das ist doch mal ne Alternative! Sowohl als auch :-).

Was erwartet uns im Jenseits? Eine Wohnung? Gottes Liebe? Ein strahlendes Licht? Die Ehefrau oder der Partner?

Im Jenseits sprechen wir alle Sprachen? Deutsch, Schweizerdeutsch, Rätoromanisch …. die Sprache im Jenseits wird über Energien gesprochen … „wir haben die gleiche Wellenlänge“.

Death Café Zürich

In Japan wird der verbrannte Körper – also die Asche und die Knochen – der Länge nach den Angehörigen präsentiert. (In Deutschland oder der Schweiz wird die Asche in eine Metallwanne geschüttet, von Metall befreit, gemahlen und gesiebt“). Zu zweit jeweils rechts und links vom verbrannten Skelett stehend – jeder hat ein Stäbchen Weiterlesen

Ein neues Leben beginnen: Umziehen. Wegziehen.

IMG_0427„Wenn nicht jetzt, wann dann“ kann eine neue Blog-Themenreihe werden. Ihr wisst, dass es DAS zentrale Thema meines Lebens und Denkens ist, das zu tun, was ich für mein Leben richtig halte. „Ich will eine glückliche Sterbende sein“, die sich nicht quälen und grämen will mit den Gedanken „Hätt ich bloß … “

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Ich saß heut morgen auf Balkonien mit meinem Schreibbuch und den Morgenseiten und sinnierte über meine Schreibblockade und was ich denn im Wesentlichwerden-Blog oder im Totenhemd-Blog in Zukunft schreiben will und in welchem Stil … ich denke mein Stil ist Realistisches – auf Balkonien sitzen mit den Morgenseiten – mit einer erfundenen Geschichte zu kombinieren, die inspiriert wird durch Gehörtes, Gesehenes, Gelesenes. Vorhin hab ich eine Kurzgeschichte veröffentlicht, die ich hier noch weiter vertiefen möchte.

Die Idee zur Kurzgeschichte lieferte mir dieser Film, den ich auf SRF schaute: Mutter geht nach Indien. Eine 60-jährige Frau verlässt ihre Familie und beginnt Weiterlesen

Wir reden übers Sterben … mit Martin Schuppli

Martin Schuppli ist Journalist und Blogger. Er interessiert sich für Menschen und deren Geschichten. Eine Freundin meinte zu einem Zeitungsartikel, den sie mir schickte: Das dürfte dich interessieren. In dem Bericht wird Martin in seinem Schreib- und Schwatzgeschäft vorgestellt. Mitten in Walenstadt. Einer Kleinstadt am Walensee. Von Zürich aus eine Stunde Zugfahrt Richtung Süden. Meine Neugier war geweckt.

MartinSchuppli_Willkommen

©️Ueli Hiltpold

Da musste ich ihm natürlich sofort schreiben. Ich machte ihn neugierig auf den Totenhemd-Blog und ebenso ein wenig auf mich. Prompt lud er mich ein zum Gespräch und Interview. Gestern war also unser Schwatztag in Walenstadt. Martin holte mich am Bahnhof ab und begleitete mich zu seinem Laden. Der gefiel mir auf Anhieb gut. Die Wände sind ringsherum mit Kunst und Fotos dekoriert.  Weiterlesen

Gespräche, die die Nacht bedeuten

Jetzt weiß nicht nur die alte Dame sondern auch ihre Lieben dass sie im Bestattungswald ihr Grab haben wird. Hat mir gefallen diese Geschichte.

the desert and the sea

Kurz vor Mitternacht betätigt eine Patientin ihre Bettklingel. Eine ältere Dame, die etwas Unterstützung bei der Mobilisation benötigt, aber nach wie vor einen wachen Geist hat. Als ich eintrete schmunzelt sie mich an.

„Entschuldigen sie, aber ich kann nicht schlafen. Ich muss sie etwas fragen. Wissen sie, ich habe schon lange Krebs, und nun bin ich nicht mehr so körperlich mobil, brauche Unterstützung, und ich weiß ja, dass es zu Ende geht. Da möchte ich mich langsam mal um meine Bestattung kümmern. Ich bin immer eine, die alles auf den letzten Drücker macht, das ist eben so. Und eigentlich war ich mir bisher sicher auf einer Blümchenwiese bestattet zu werden. Aber ich bin verunsichert, hier habe ich viel Zeit zum Nachdenken, und eine gute Freundin erzählt oft von den Besuchen am Grab ihres Mannes Was halten Sie von der Blümchenwiese? „
„Unter der Blümchenwiese verstehen Sie eine anonyme Bestattung ohne…

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