13.3. Sarah: Carpe diem: pflücken, abreißen, necken

Ich bin etwas spät dran … ich habe den Tag fleißig genutzt :-). Heute schreibt Sarah Bernhardt für die Blog-Challenge. Ich freue mich drüber.

Carpe diem – nutze den Tag!
Wieder eine von diesen Aufforderungen. Wieder ein großes … Satzzeichen inmitten all der Ausrufezeichen, die mir dieser Tage und eigentlich doch auch immer sagen, was ich zu tun habe oder zu lassen. Was ich darf, nein soll. Und wovor ich mich eindeutig zu hüten habe. Deutliche Wünsche, Behauptungen, Regeln. Dazwischen Parolen, Wahlkampf und in die Unendlichkeit führende To-Do-Listen. Mittlerweile auch mit diesen großen, unumstößlichen Satzzeichen versehen. Und nun auch noch hier?

Carpe diem – nutze den Tag!
Mein Lateinunterricht ist nun schon einige Jahre her, aber wie es mit vielen Sprachen ist, haben Worte gerade auch in den alten Sprachen oft mehrere Bedeutungsnuancen. Mein Wörterbuch, den guten alten Stowasser habe ich nicht mehr. Aber das Internet kennt sich aus. „Frag-Casear.de“ wird die Seite meiner Wahl. „Cäsar muss es wissen“, finde ich. „Der war schließlich Muttersprachler und hat meines Wissens so manch einen Tag ausgiebig genutzt…“

Carpere = Infinitiv: pflücken, abreißen, necken.. Da steht nichts von „nutzen“ oder „genießen“. Auch wenn Langenscheidt und Pons dazu sehr wohl etwas schreiben, bleibe ich heute bei meinem Cäsar. Und denke einfach einmal ganz neu und anders: „Pflücke den Tag!“ Pflücke dir einen Strauß von Tagen. Die schönsten in einem hübschen Bund. Sonnenblumentage, Vergissmeinnichttage, Lilientage, Rosentage. Pflück sie und stell sie in eine Vase. Und dann find einen Ort, an dem du sie sehen kannst. Die Sonnenblumentage in Regengraumomenten. Die Vergissmeinnichttage in Zeiten, in denen ich mich selbst zu vergessen scheine. Lilientage für die Momente der Vergänglichkeit, das Vermissen, das Abschied-nehmen. Und Rosen? Für die Liebe: Die war, die kommen wird und die ist.

hab ich geknipst

„Reiße den Tag ab!“ Ein Blatt vom Abreißkalender als ein Zeichen dafür, dass auch dieser Tag geschafft ist und auch der schlimmste Tag vorbeigehen kann. Oder anders? „Reiß den Tag ab!“ auf einer Ar..backe absitzen, ihn „rocken“, ihm trotzig die Stirn bieten: „Du bist morgen nicht mehr da! Ich schon! Wahrscheinlich…“

„Necke den Tag!“ Diese Formulierung mag ich besonders. Ein wenig mit dem Tag scherzen, ihn etwas sticheln und ihn mit Humor begehen, alles aus ihm heraus kitzeln. Liebevoll umspielen und ihn nicht größer, aber auch nicht kleiner machen, als er ist. Hab ihn lieb – ihn und seine Leichtigkeit. Denn: „Was sich liebt, das neckt sich!“

Carpe diem! Für den „Tag“ schaue ich übrigens doch noch einmal bei Cäsars Kollegen „Herrn Langenscheidt und Herrn Pons“ nach. Und ich staune, welche Nuancen „dies“ auch noch haben kann: Tageslicht, Tagewerk, Todestag, Geburtstag, Schicksalstag. Sie alle zu pflücken, sie abzureißen, gar zu necken – mit einem Ausrufezeichen versehen – das macht mich neugierig.

Und für heute nehme ich mir vor – ganz ohne Befehl, aber doch mit etwas Nachdruck:
Mit dem ersten Tageslicht pflück ich mir den Tag. Ziehe aus und wähle: Gelbe Krokusse für die gute Laune, sanfte Schneeglöckchen, weil sie mir zeigen, dass Widerstand und Kraft nicht laut sein müssen, … Für mein Tagewerk plane ich Leichtsinn-Einheiten ein: Eine Ausrufezeichenliste voller Leichtigkeit, Kitzelmomente und Humor.

Meinen Todestag verschiebe ich noch ein wenig nach hinten – ich hab noch mit meinen Lebenstagen zu tun. Und die will ich nicht nur auf einer „Ar…backe abreißen“, sondern mich mit jenen vier Buchstaben so richtig breit hineinsetzen und es mir in ihnen gemütlich machen. Sie genießen, „kapern“, erobern. Und weil ich weiß, dass jedem Todestag ein Geburtstag gegenüber steht, will ich sie nur im Zusammenhang feiern. Auch wenn ich Geburtstage bisher nie so recht gefeiert hab, will ich ihnen nun einen anderen Akzent geben und ihnen Raum verschaffen – allerdings jeden Tag. Mir all meine Lebenstage schenken lassen und sie liebevoll umspielen. An das Schicksal als solches glaub ich nicht. Aber an einen, der mich in seiner Hand hält.

Und den bitte ich zu guter Letzt: Carpe diem!

8 Gedanken zu „13.3. Sarah: Carpe diem: pflücken, abreißen, necken

  1. Liebe Sarah, ich habe gerade eine schöne Blume gepflückt, nein, sie ist eher vom Himmel gefallen, ich habe sie aufgefangen und betrachtet. Dabei ist mir ganz warm geworden und ruhig und selig. Nun steht das Blümchen in meiner imaginären Vase und ich erfreue mich daran, sooft ich mich an den Nachklang deiner schönen Worte erinnere.
    Herzlichen Dank,
    Martina

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  2. Wie wunderprächtig, dass einer dieser Tage im November „damals“ die Sarah pflückte ❤️ (oder doch sie ihn?!?) – ich feiere ihn, denn seitdem bereicherst du diese Welt…
    …und ich freue mich auf den Tag, wo wir uns endlich mal „in echt“ begegnen!
    Danke fürs Teilen deiner Gedanken, liebe Sarah!
    ….und dir, liebe Petra, lieben Dank für diese Challenge, die mir erst heute bewusst begegnet (bin irgendwie völlig raus)!
    Herzlich, Anja

    Gefällt 1 Person

    • Hallo liebe Anja, wie schön auch von dir zu lesen. Danke!
      Ja, die Sarah, sie schreibt toll. Und Du? Magst du auch mitschreiben? Ist noch Zeit bis Ende des Monats. Überleg es dir. Herzlicher Abendgruß. Petra

      Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Termine zur Blog Challenge ab Aschermittwoch „Carpe diem“ | Totenhemd-Blog

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