Friedhofsspaziergang Frankfurt Bornheim

Kürzlich nahm ich mir Zeit, den Friedhof in Frankfurt Bornheim kennenzulernen. Es war schönstes Spätsommerwetter, ich war frei ohne Termine, „strollte“ zunächst durch Frankfurts Straßen, um dann zum Bornheimer Friedhof aufzubrechen. Auf meinem Weg dorthin lief ich zum ersten Mal durch den Wasserpark, der dem Friedhof genau gegenüber liegt. An der Bushaltestelle Friedhof Bornheim überquerte ich die Straße, orientierte mich an einem kleinen Parkplatz und betrat durch ein Eisentor die stille Welt des Friedhofs.

Es ist immer wieder sehr schön und macht mich sofort ruhig: aus der belebten Straßengegend trete ich in eine andere Welt ein. In die Friedhofsstille. Die Autorin Sigrid Tinz schreibt in ihrem Buch „Der Friedhof lebt“ vom „Friedhofsgefühl“. Genau. Da können wir alle was mit anfangen. Das ist es was mich einfängt. Verbunden mit der Stille, die ich höre. Eine Ruhe, die mich einhüllt und umfängt.

Ich liebe die Stille und höre sie. Ich höre auch den Verkehr, der in der Nähe rauscht und fühle mich sicher hier und abgeschirmt vom Alltag. Ich kann einen Moment aufatmen und verweilen. Ich höre nur eine Amsel hoch oben auf dem Nadelbaum. Ich sehe das Licht und den Schatten dieses Spätsommertages. Ich rieche die Nadelbäume und ein Gemisch anderer Pflanzen dieses Friedhofs.

Ich schaue auf den Plan, wie der Friedhof angelegt ist. Ich erkenne einen rechteckig angelegten Friedhofspark durch Wege markiert, wodurch einzelne Parzellen entstanden sind. Ich startete meinen Rundgang und ließ mich ein auf die Natur, die Gräber, die Grabsteine, die mitgebrachten und auch verwelkten Blumen, die Gießkannen, Brunnen und Abfallbehälter. Ich fragte mich, worauf ich neugierig bin? Was ich entdecken will? Nachfolgend ein paar Schnappschüsse von meinem Spaziergang. Welches Motiv gefällt dir am besten?

Mein Lieblingsfoto ist die Bronzefigur auf dem Grabstein, die die Treppenstufen hinaufsteigt. Das Motiv dieses Grabsteins ist sehr außergewöhnlich und auffallend. Ich hätte die Figur vielleicht noch frontal fotografieren sollen. Von Angesicht zu Angesicht. Sie hat anscheinend einen Helm auf. Und geht die Himmelstreppe empor?

Wenn ich ausgefallene Grabsteine fotografiere, versuche ich ein kleines Signal dieses Menschen für mich zu erhaschen. Ich werde gar nicht rot dabei. Kann ich etwas schlussfolgern aus dem Leben dieses Toten? Das ist was mich fasziniert, dass ich eine kleine Entdeckungsreise zu einem Menschen unternehme, der vielleicht erst kürzlich gestorben ist oder schon länger tot ist. Das Wort „Liebe“ oder Rosenblätter zeigen mir die Wärme und Liebe, die für den toten Menschen empfunden wurde. Ein andermal gibt es ein Indiz zum Hobby des/der Verstorbenen.

Es bleibt weiter still während meines Spaziergangs und ich hänge meinen Gedanken nach. Sie sind leicht und nicht schwermütig. Ich bin dankbar. Licht und Schatten wechseln sich ab. Der Turnverein Bornheim hat hier einen Grabstein präsent im Eingangsbereich stehen und erinnert an seine toten Vereinsmitglieder. Ich fragte meine Vermieterin, die in diesem Verein zum Sport geht, ob sie von diesem Grabstein weiß. „Jaja, den kenne ich, denn wir besuchen hier regelmäßig unsere toten Freunde“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.