Buchtipp: Der Friedhof lebt! Heute Schwerpunkt: Hecken zum Verstecken.

Während meines Friedhofsspaziergangs auf dem Friedhof Bornheim lud ich den Zufall ein: ich klappte das Buch von Sigrid Tinz auf und fand mich wieder im Kapitel: Hecken zum Verstecken. Ich saß bereits auf einer Bank, hob den Kopf und schaute mich gleich mal neugierig um. Die Bank, auf der ich saß, war etwas abseits unter einem Baum platziert. Tannennadeln und ein paar Blätter hatte ich vorher weg gefegt.

Hecken also. Sie markieren genau wie Wege die Grabfelder und zäunen sie ein. (ganz nebenbei: so entstehen die sogenannten nummerierten Gewanne, nach denen man sich auf dem Friedhof orientiert, um ein Grab zu finden).

Der Autorin geht es um den Naturschutz und der Artenvielfalt auf dem Friedhof. Diesen Schwerpunkt hatten wir hier im Blog noch nicht und ist deshalb erfrischend neu und anders. Ich halte Augen und Ohren geöffnet, um vielleicht ein flinkes Eichhörnchen zu entdecken oder den Schmetterling zu bewundern, der sich auf einem Grab niedergelassen hat.

Ich lerne, dass Hecken den kleineren Tieren Schutz vor den größeren geben. Und dass „Wildsträucherhecken ein eigener Lebensraum für sich sind. Sie sind Jagdrevier, Niststätte und Schlaf- oder Futterplatz“. Und wenn der Gärtner oder die Gärtnerin es zulässt kann am Heckensaum Unsprüngliches entstehen wie Wilder Majoran oder es gedeiht Flockenblume, Wegmalve, Ackerwinde, Nachtkerze und Brombeere. Ich bin fasziniert von den schönen Pflanzennamen und mein Blick schweift und sucht nach einer Augenweide und findet eher nichts davon.

Das Buch ist so konzipiert, dass pro Hauptkapitel wie z.B. „Hecken zum Verstecken“ im ersten Unterkapitel „das bereits bestehende Paradies“ beschrieben wird. Sie listet z.B. auf, welche Tiere sich hier bereits sehr wohl wie im Garten Eden fühlen. In den Hecken sind das z.B. der Neuntöter (ein Vogel der seine Beute auf Dornen spießt), der winzige Zaunkönig oder die Haselmaus, der Steinmarder und der Igel.

Im zweiten Unterkapitel lesen wir dann die Verbesserungsvorschläge: „So wird es noch paradiesischer“.

Pro Kapitel stellt uns die Autorin Friedhöfe vor, die bereits paradiesisch angelegt sind. Das lädt uns ein, sie zu entdecken und dort zu spazieren zu gehen: in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz. Voll mit Hecken soll der 100 Jahre alte Waldfriedhof in Schaffhausen sein. Hier gibt es im Sommer ein Naturspektakel: Glühwürmchen fühlen sich hier besonders wohl und sind im Sommer ein Besuchermagnet: Das leuchtende Schauspiel der Partnersuche.

Ganz zum Schluss des Buches schenkt uns die Autorin diese Zeilen:

Oh, the tree of life is growing
Where the spirit never dies
And the bright light of salvation shines
In dark and empty skies
(…)
Just remember that death is not the end.

Bob Dylan

Zwischenzeitlich habe ich mit Sigrid Tinz telefoniert. Ich bin mir sicher, dass ein Friedhofsspaziergang in Zürich oder in Frankfurt stattfinden wird … es wird ein Rundgang ganz anderer Art, denn „der Friedhof lebt“.

Eine sehr lesenswerte Ergänzung ist Lutz‘ Buchbesprechung auf seinem Blog.

Sigrid Tinz: Der Friedhof lebt! – Orte für Artenvielfalt, Naturschutz und Begegnung
Gebundene Ausgabe / 160 Seiten / Verlag: pala, Darmstadt / Erschienen 21.04.2021 / Sprache: Deutsch / Gedruckt auf recyceltem Papier
ISBN-13: 978-3730705407

Preis: 19,90 €

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