Jaqcques Brel: Le Moribond

Jaqcues Brels 1961 veröffentlichtes Chanson Le Moribond gehört zu den vermutlich  bekanntesten Liedern über das Sterben.

Der Inhalt in aller Kürze: Ein Sterbender verabschiedet sich: Zunächst von Émile, seinem besten Freund, dann vom Pfarrer, als Nächstes von Antonie, dem Liebhaber seiner Frau und schließlich von seiner untreuen Frau selbst. Wer es nachlesen will: Eine freie, gute deutsche Adaption des Textes ist hier zu lesen.

Brels sehr schneidige, zackige Version allerdings wurde nicht zum Welthit. Das sollte noch mehr als zehn Jahre auf sich warten lassen: 1963 wurde es von Rod McKuen ins Englische übertragen und vom Kingston Trio veröffentlicht. Der Erfolg für Seasons in the Sun allerdings aber war bescheiden – das änderte sich erst 1974, als der Kanadier Terry Jacks den Song kräftig weichgespült erneut aufnahm. Der Song ging um die Welt und wurde ein Riesenerfolg. Kaum einer, der ihn nicht schon mal gehört hat; auf einschlägigen Radiosendern wird er noch immer gespielt. Es gibt auch endlos viele Schmusesong- und 70er-Jahre-Sampler und Playlists, auf/in denen Seasons in the Sun zu hören ist.

Seit 1974 wurde der Song unzählige Male gecovert, von The Mamas and the Papas und ein wenig gewöhnungsbedürftig sogar von Nirvana.

Ende der 90er landete die Boygroup Westlife mit ihrer wieder offenbar direkt ins Herz verliebter Teenager (und ihrer Mütter) gehenden, samtig-weichen Schmuseversion erneut einen Welthit.
Man darf sich fragen, warum man bei der Stage Performance des Songs die Hose aufmachen muss, aber die Antwort ist wohl: Alles nur Masche, alles nur inszeniert, alles nur Manipulation. Da will niemand mehr eine Geschichte erzählen oder sogar etwas mitteilen, da sollen nur noch Teens zum Kreischen gebracht werden.

Das sehr viel kantigere und vor allem textlich zynischere Original des belgischen Singers und Songwriters schien darüber ein wenig in Vergessenheit zu geraten. Oder kennt das noch wer?

Es wird Zeit, den Originalsong wieder aus der Versenkung zu holen; samt seiner Text-Version, aus der in den meisten englischen Fassungen das Thema Ehebruch einfach gnadenlos herausgespült wurde.
Nun ja…

Eine gute Cover-Version gibt es übrigens auch auf Deutsch. Eingesungen wurde sie in den 70ern von dem Berliner Sänger Klaus Hoffman, der darüber hinaus auch eine ganze Reihe weiterer Lieder von Jacques Brel interpretiert hat. Spröde, unmelodiös – Musik für den Kopf .

Klaus Hoffmanns Fassung lernte ich in den späten 70ern kennen, als sein sehr reduziertes, bisweilen sperriges und vor allem hoch anspruchsvolles Live-Album Ich will Gesang will Spiel und Tanz in Auszügen zum Thema unseres Deutsch-Unterrichts in der Schule wurde. Der Unterricht führte mich nicht nur zu vielen Liedermachern sondern auch zu Jacques Brel.
Dieser Song mit seinem aus- und eindrucksvollen Refrain blieb mir immer im Ohr. Und im Kopf. Seasons in the Sun hin oder her.

Ich will Gesang, will Spiel und Tanz
Will, dass man sich wie toll vergnügt
Ich will Gesang, will Spiel und Tanz
Wenn man mich untern Rasen pflügt

So nämlich. Und nicht anders!
Auf geht’s! Anklicken, anhören!

5 Gedanken zu „Jaqcques Brel: Le Moribond

  1. Das ist großartig, lieber Lutz: „wenn man mich untern Rasen pflügt“. Wie vergnügt im Gegensatz zu: „Seasons in the sun“ … was hatte ich als Teenie den Blues ;-). Ein Ohrwurm wochenlang in meinen Ohren.
    Ich bleib bei der Klaus Hoffmann Version, die ich bisher nicht kannte und mich vergnügt.

    Gefällt 1 Person

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