Was bleibt?

Wenn du jetzt sterben würdest, was würde in 10 Jahren von dir geblieben sein? – Eine spannende Frage, die auf dem Twitter-Account des Bestattungsunternehmens Thanatos vom Geschäftsführer Julian Heigel vor ein paar Wochen aufgeworfen und für sich selbst beantwortet hat: Erinnerungen bei denen, die er ausgebildet hat, Erinnerungen bei Familienangehörigen und engen Freunden und ein Berliner Erd-Grab, das – so seine Vermutung – nicht besonders gepflegt sein wird.

10 Jahre sind eine lange Zeit, aber nun auch wieder nicht so lang, dass man sie nicht überschauen kann. Und auch nicht so lang, dass man nicht einen spekulativen Blick in die Zukunft wagen darf. Das ist das Reizvolle an dieser Fragestellung. Zugleich ist es die Frage nach einer Zwischenbilanz und einer Rückschau auf das eigene Leben. Was habe ich erreicht? Und vor allem: Was davon wird bleiben?
Ich nehme die Frage gern mal auf:

So lange ist das noch gar nicht her, da hieß es, ein Mann solle in seinem Leben

  • ein Haus bauen
  • einen Baum pflanzen
  • einen Sohn zeugen
  • ein Buch schreiben

Eine sehr patriarchalische Weltsicht übrigens, denn das passende Pendant, was eine Frau in ihrem Leben bewerkstelligt haben sollte, findet sich nicht. Und natürlich zählt das Ganze nur, wenn man(n) einen Sohn gezeugt hat. Schon da wäre ich raus aus der Nummer. Ich habe nie einen Sohn gezeugt – statt dessen zwei Töchter. Was mir offen gestanden viel lieber ist.
Jungs machen Jungs – Männer machen Mädchen! – auch so ein Spruch.

An dieser Stelle soll es aber nicht ums Rollen- und Geschlechterverständnis gehen. Bemerkenswert an der alten Aufzählung ist nämlich, dass alle vier Dinge, die ein Mann Mensch in seinem Leben gemacht haben sollte, auf das Gleiche abzielen: Etwas zu schaffen, was ihn selbst überdauert:

  • Ein Haus, das noch lange steht und ein Heim bildet, wenn er selbst gestorben ist
  • Ein Baum, der unter normalen Bedingungen viel älter wird als ein Mensch
  • Ein Sohn, in dessen Erinnerungen er weiterlebt, wenn nicht Erlösung findet
  • Ein Buch, denn wer schreibt, der bleibt.

Und das gilt selbstverständlich auch für Frauen und Töchter.

Stelle ich mir die Frage, was von mir bleibt, falls ich jetzt tot umfalle, dann sind das in der Tat

  • Ein Haus, dass wir nicht gebaut, aber gekauft und umgebaut haben, das ein Heim für meine Familie war und im Moment für meine Frau und mich. Vielleicht wird es irgendwann wieder verkauft und bietet anderen Menschen ein Zuhause.
  • Bäume in unserem Garten, die wir gepflanzt haben.
  • Kinder, die sich (hoffentlich) an mich erinnern, „meine Augen“ im Gesicht meiner einen Tochter, meine Sturheit im Wesen der anderen
  • Dazu vielleicht ein paar Freunde, Bekannte, Kolleginnen und Kollegen, ein paar Witze und Anekdoten aus vergangenen Zeiten, die erzählt werden und in denen ich vielleicht Erwähnung finde.
  • Bücher, die ich geschrieben habe, die irgendwo in einem Regal stehen und vor sich hinstauben, bis sie vielleicht im Mülleimer landen werden.
  • Viel Tand und Krempel, Zeugs, das keiner braucht und vielleicht rasend schnell im Müll landen wird – was mich nicht weiter stören würde. Ich brauche nichts mehr davon und kann und will niemand in die Pflicht nehmen, das alles aufzuheben.

Ich finde, das ist eine ganze Menge. Mehr kann (und will) ich nicht erwarten.

Wird es ein Grab geben? Einen Ort der Erinnerung? Das weiß ich nicht. Die Entscheidung habe ich in die Hände meiner Familie gelegt. Damit stehle ich mich nicht aus der Verantwortung, sondern gebe meine Angehörigen die Freiheit, das so zu regeln, wie sie das gerne haben wollen, ohne sich einem Toten, Konventionen oder Erwartungen anderer gegenüber verpflichtet zu fühlen.

Und was wird von Euch bleiben? Etwa zehn Jahre nach Eurem Tod? Habt Ihr schon darüber nachgedacht?

2 Gedanken zu „Was bleibt?

  1. Lieber Lutz, danke für die Fragen und deine Überlegungen dazu … die Beiträge im Totenhemd-Blog gehören evtl. auch eine Weile dazu … wer weiß? … auf jeden Fall: deine Fotos sind großartig, mal wieder :-). Herzlicher Gruß. Petra

    Gefällt 1 Person

  2. Ist es denn wirklich wichtig was von mir übrig bleibt? Vieleicht ist es wichtig, was von meiner Liebe im Herzen wurzeln geschlagen hat oder andere Menschen bereichert hat. Das materielle was übrig bleibt ist weniger wichtig.
    Nach 10 Jahren würden sich mein Mann,mein Sohn, meine Enkeltochter und einige Freunde noch an mich erinnern.Meine selbst gebaute, Kapelle und meine bearbeiteten Steine, eventuell einige meiner Arbeiten könnten Menschen noch Freude bereiten.
    Auch ich überlasse die Entscheidung der Bestattung meines Körpers den Jungen, wird wohl in einem Friedwald sein. Ein schöner Gedanke…..

    Gefällt 5 Personen

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