Buchtipp: Tante Tillys Tod. Ein Kinderfachbuch …

… übers Abschiednehmen und Zu-Hause-Sterben-Dürfen. Wir freuen uns, dass uns der Mabuse-Verlag das Buch zur Verfügung gestellt hat, um es hier im Totenhemd-Blog vorstellen zu können. Ich habe gern darin gelesen und geblättert.

Die Illustrationen sind bunt und froh. Die Wörter, die die Krankheit Krebs und den nahen Tod beschreiben, sind kindgerecht freundlich: Da wird vom „krebsroten Blumenkohl“ erzählt oder der „verkrebsblumenkohlten Lunge“. Das Buch liest sich ohne Gefühlsduselei, mitten im Leben ganz praktisch, „ohne Kuscheln ist das Leben nix wert“, findet Tante Tilly. Ein „Seelenschmetterling“ wird mal ihre Ideen, Träume, ihr Lachen mitnehmen und davon fliegen. Für Kinder ist es tröstlich, wenn sie mit etwas Greifbarem weiterleben können: Tante Tilly wird mal im Seelenschmetterlingsparadies ankommen, da kann man ihr auch zuwinken.

ein Rezensionsexemplar vom Mabuse-Verlag
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Die Schädel in der Asamkirche

Schädel in der Asamkirche

An einem freien Freitag Ende im März, nehme ich mir Zeit, in München den Touristen zu spielen. Was heißt: Ich schnappe meine Kamera und streune durch die Fußgängerzone der großen Stadt. So ganz genau weiß ich noch nicht, was ich eigentlich fotografieren will. Ist aber auch egal, ich lasse mich treiben. Der Blick schweift nach links, nach rechts, ich laufe über die Kaufinger Straße, den Viktualienmarkt, die Sendlinger Straße herunter.
Das ist dann der Punkt, an dem ich entscheide, in die Asamkirche zu gehen und dort wie ein Irrer zu fotografieren. Weiterlesen

Was wurde aus den Birken von Birkenau? abc-etüde (Sachtext)

Gestern entdeckte ich Gerdas Text, den ich hier rebloggen darf. Lies mal.

Vielleicht hast Du Lust in Berlin auf die Suche zu gehen und das Birkenwäldchen oder zumindest einige von den Birken zu finden in der Hauptstadt. Lass es uns wissen, wenn du sie findest.

Im Interview mit dem Künstler las ich, dass es wohl auch Birken in Hongkong zu entdecken gibt. Da freut mich.

Wir sollten sowieso ganz viele Bäume pflanzen!

Habt einen schönen Tag.

GERDA KAZAKOU

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/03/20/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-12-13-22-wortspende-von-ich-lache-mich-gesund/

abc.etüden 2022 12+13 | 365tageasatzaday

An einem trüben Berliner Apriltag des Jahres 2012 pflanzten junge Menschen im Rahmen einer Kunstaktion junge Birken ein. Eigentlich wollte der polnische Künstler Lukasz Surowiec, der 320 Stecklinge „aus einem Boden, der die Spuren unzähliger Toter trägt“, ausgegraben hatte, in Berlin ein Erinnerungs-Birkenwäldchen pflanzen. Doch es fand sich kein Platz. Also pflanzte man hier und dort. Junge Birken aus Auschwitz-Birkenau. Aus der Aue mit den Birkenwäldchen.

Was wurde eigentlich inzwischen aus den Birken aus Birkenau? fragte ich mich und begann zu recherchieren.

Eine Pflanzung wurde gleich verwüstet, die Bäumchen ausgerissen, die Hinweistafel entfernt. Zwei Jahre später pflanzten junge Menschen dort erneut Birken aus Birkenau. An anderen Stellen wuchsen die kleinen Birken friedlich heran. Sie wurden, wie sich der Künstler erträumt hatte,  „zu einem lebendigen Archiv, das etwas Wachsendes und Atmendes in die Stadt trägt“.  Sie verströmen nun ihren blumigen Duft, entgiften die Berliner Atmosphäre und vielleicht…

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Auf einer Wolke sitzen

Sitzen unsere Toten auf einer Wolke?
Manchmal sagen wir das so dahin.

Wir überlegen, ob sie zu uns herunter schauen.
Auf uns aufpassen.

Je nach Hobby oder Profession gehen sie ihrer Tätigkeit nach.
Spielen Geige oder Kontrabass.
Lesen aus einem Buch vor.
Schreiben etwas an die Tafel.
Harken den Rasen oder reparieren den Zaun.
Singen im Chor oder kochen für die ganze Engelschar.

Wir winken hinterher.

heute morgen ein erstaunlicher Himmel … da war was los

Kälte und Grauen – eine Stippvisite in Hinterkaifeck

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Kreuz am Wegrand - Hinterkaifeck

Die Tage nach Ostern 2021: Kalt ist es, 2 °C zeigt das Thermometer, selbst wenn die Sonne gelegentlich zwischen den Wolken hervorkommt, wärmt sie nicht wirklich. Der Nordwestwind ist eisig und schneidend, immer wieder weht er Graupel heran, in der Nacht auch Schnee. Kälte kriecht durch alle Ritzen, wenn die Jacke nicht richtig geschlossen ist. Aber Kälte strahlt auch der Ort aus. Eiseskälte. Grabeskälte.

Ein Jahr ist es her dass ich das letzte Mal an diesem Ort war. Ein Ort des Grauens, ein Ort des Verbrechens: Vor auf den Tag genau 100 Jahren war es auch kalt in den Tagen um Ostern.

Schnee lag am Waldrand, der Bauer Andreas Gruber fand am Karfreitag frische Fußspuren hinter seinem Hof, er sah auch in der Ferne zwischen den Bäumen jemanden stehen, der aber, kaum dass er sich bemerkt fühlte, wieder verschwand. Es war der 31.03.1922 – der Tag, auf den eine grauenhafte Mordnacht folgen sollte. Denn in der Nacht zum 01. April wurden nacheinander der Bauer, seine Frau Cäcilia, ihre Tochter Viktoria und deren Tochter Cilli umgebracht. Mit bis zu neun Schlägen mit einer Hacke drosch der Mörder bestialisch auf seine Opfer ein, danach versteckte er die Leichen im Stall im Stroh.

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