Urlaubsmitbringsel Teil I: Friedhofserlebnisse aus Südosteuropa

Strandurlaub in Albanien stand dieses Jahr auf dem Programm und auf dem Weg dahin: Haupstadthopping. Prag, Budapest, Belgrad und Skopje. Jeden Tag eine andere Metropole als Zwischenstation auf der Autobahn, statt fliegen. Klar, dass ich mir in jeder Stadt einen Friedhof angeschaut habe, von Berufs wegen sozusagen. Aber: jeder Besuch war ein tolles Erlebnis, auch wenn es immer nur im Schnelldurchlauf war. Nach den Stunden auf der Autobahn war die Zeit auf dem Friedhof eine erholsame Dosis an Natur und Kultur, Bewegung und Ruhe – und gleichzeitig ein irgendwie persönlicher Eindruck jeder Stadt. Für Museen und anderes Sightseeing hatten wir nämlich keine Zeit, am nächsten Morgen ging es jeweils früh weiter.

Zwischenstation 1 war Prag.

Der Zentralfriedhof von Prag liegt unter vielen hohen alten Bäumen, viele Gräber sind mit Moos bewachsen und von Efeu umrankt – in der Sommerhitze eine echte Wohltat. Es gibt gemütliche Bänke, sogar an und auf den Gräbern, viel Grün, Geblümtes und Lebendiges.

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Der Greif und ich, wir sehen uns immer wieder – Teil 3

Teil 1 hier
Teil 2 hier
Teil 3 hier

Ein fauler Hund war ich ja – oder ein effizient planender. Denn als es in den guten alten 80ern darum ging, in einem Seminar an der Uni ein Referat zu halten, erinnerte ich mich an den guten alten Gryphius.

Denn in der Lehrveranstaltung Das geistig Lied von der Reformation bis in die Zeit des Pietismus hieß es schnell und unaufgeregt ein Scheinchen abzugreifen, eines, das mir noch zum Examen fehlte.
Nicht aber mit dem Wust an Liedern Luthers oder dem frommen Gesang der pietistischen Schwaben wollte ich das erreichen. Gryphius musste her – denn der war der einzige, der im damals im Gebrauch befindlichen Gesangbuchs nur ein einziges Text zu einem Lied beigesteuert hatte. Das fand ich enorm spannend. Zudem nichts Lateinisches oder Griechisches. Wollte ich also Gryphius analysieren und historisch einordnen, konnte ich auf eine überschaubare Anstrengung hoffen. Seinen Lebenslauf betrachten, Ereignisse daraus zur Textinterpretation heranziehen und vor allem Gryphius mit sich selbst, also den mir bekannten Sonetten vergleichen. Ein wenig auf die anderen Barockdichter schielen – fertig.
Um der Fülle der potentiellen Referent*innen Herr zu werden, fra Weiterlesen

Friedhofspaziergang in Island: Hofsós Nordfjorde sowie Westfjorde

Meine Schwester Moni verbringt im Norden Islands gerade eine schöne Reise mit ihrem Mann. Ich sagte ihr: „Wenn Du auf einen Friedhof kommst, knips doch mal für unseren Blog“.

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Welttag der Fotografie 2022 – Eine kleine Bildmeditation zum Thema „Tod und Vergänglichkeit“

Heute, am 19. August 2022 ist wieder Welttag der Fotografie, wie bereits 2021 möchte ich diesen Tag nutzen und eine kleine Galerie an Fotos zu präsentieren. Es ist wieder eine Art Bildmeditation, dieses Mal aber keine kleine Reise durch die Tiefen meines Archivs sondern eine Wanderung ganz dicht an der Oberfläche, kein Bild ist älter als aus diesem Jahr. Einen Teil der Fotos habe ich hier schon gezeigt, dann als Illustration zu diversen Blogbeiträgen, einige Bilder werden in späteren Beiträgen erst in ihren Zusammenhang gerückt. Zu diesen Fotos gibt es Geschichten, Gedanken, Erlebtes davon werde ich in den kommenden Monaten hier erzählen.

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Karl

AUGUST

Jakob hatte am Abend mit dem Arzt gesprochen, der ihm mitgeteilt hatte, dass sein Vater wohl nicht mehr lange überhaupt laufen werden könne. Dass sich Karl an immer weniger erinnerte, wusste Jakob selbst. Karl hatte begonnen sein Leben zu vergessen, bevor er es abschließen konnte. Jakob erinnerte sich für ihn daran, dass Karl immer den Anspruch hatte, sein Lebensende so zu gestalten, dass er keine Belastung für Jakob war. Seine letzte eigene Chance dazu hatte Karl nicht mehr nutzen können. Doch sich daran zu erinnern half Jakob bei der Entscheidung für Karls Umzug. Und Jakob erinnerte sich daran, dass Karl noch einmal an die Ostsee wollte. Nach Ansicht des Arztes blieb dazu nicht mehr viel Zeit. Deshalb hatte sich Jakob letzte Woche frei genommen, ein Doppelzimmer in einem behindertengerechten Hotel in Timmendorfer Strand gebucht, Karl, seinen Rollstuhl und einen Koffer voller Windeln, die Karl inzwischen brauchte, in seinen Wagen gepackt und war mit ihm an die Küste gefahren. In der Nacht schrie Karl und schlief tagsüber meistens in seinem Rollstuhl. Der Hoteldirektor sprach Jakob schon nach der ersten Nacht auf die Ruhestörung an, empfahl nachmittags eine kleine Pension in der Nähe, die allerdings nur über Treppenstufen zu erreichen war und Jakob und Karl reisten nach der zweiten Nacht wieder ab.

Einmal, als Jakob Karl in seinem Rollstuhl auf die Seebrücke geschoben hatte und sie eine Weile in der Sonne den Möwen zugehört und dabei zugesehen hatten, wie sie immer wieder in die Dünung herab gesaust waren, um etwas Futter zu fangen, hatte Karl gesagt:

„Jakob, es ist so schön hier. Danke, dass Du Dich erinnert hast“, und war dann wieder eingeschlafen. Als der Wind Jakobs Tränen getrocknet hatte und Karl immer noch schlief, hatte Jakob ihn zurück ins Hotel geschoben. Karl wurde an dem Tag nur noch einmal kurz zum Abendessen wach und auch auf der Rückfahrt hatte er kaum mit Jakob gesprochen, der nach der Hälfte der Heimfahrt seine Versuche einstellte, ein Gespräch mit ihm zu führen.

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Lesetipp. Erzählungen. Ljudmila Ulitzkaja: Alissa kauft ihren Tod

Auf Arte hatte ich ein Portrait der russischen Autorin Ljudmila Ulitzkaja gesehen. Sie ist engagierte Kritikerin des Putin-Regimes. Daraufhin las ich „Jakobsleiter“ von ihr. Danach dann dieses neu erschienene Buch „Alissa kauft ihren Tod“.

Hierin sind die aus dem Russischen übersetzten Erzählungen zusammengefasst, die die Autorin teils vor 20 Jahren veröffentlichte. Es geht um das Leben, das Sterben und den Tod. Sehr kurzweilig und meistens humorvoll. Ich mag die Geschichten. Die erste Geschichte „Freundinnen“ ist ein Gedicht und sehr schön. Der Deutschlandfunk Kultur beschreibt es als eine Liebeserklärung an die Freundinnen.

… diese leichtsinnigen, weisen,
schamlosen, bezaubernden, verlogenen, wunderbaren
abergläubischen und treuen
diese überaus klugen und unfassbar dummen Frauen …

aus dem Buch: Alissa kauft ihren Tod

Der Erzählungszyklus „Sechs mal sieben Miniaturen“ entstand 2020 und ist im Original noch unveröffentlicht.

Deutschlandfunk Kultur hat das hier Buch vorgestellt und rezensiert.

Erscheinungsdatum: 14.02.2022
304 Seiten
Hanser Verlag
Fester Einband I
SBN 978-3-446-26965-1
Deutschland: 25,00 € Österreich: 25,70 €

Ausblick: Friedhofspaziergang auf dem Friedhof Westhausen Frankfurt mit Sigrd Tinz am Sonntag, 18.9.22 15 Uhr

18. September 2022

Der Friedhof lebt – Lesung und Führung

Für die Natur sind unsere Friedhöfe keine toten Orte – sondern artenreiche Inseln des Lebens.

Friedhofspaziergang mit Sigrd Tinz

Darüber hat die Geoökologin Sigrid Tinz ein Buch geschrieben: „Der Friedhof lebt!“  – und wie er lebt, das zeigt sie uns ganz konkret an verschiedenen Beispielen auf diesem Spaziergang über den Frankfurter Friedhof Westhausen. Dazu liest sie passende Stellen aus ihrem Buch. 

Nach der Veranstaltung wissen Sie nicht nur, wie jede und jeder beitragen kann zur Artenvielfalt auf Friedhöfen und deren Charakter als besonderen Ort zu erhalten. Sondern Sie werden Ihren Friedhof in Zukunft mit anderen Augen betrachten und jedes Mal aufs Neue wundervolle Schätze der Natur entdecken.

Die Veranstaltung dauert circa 1 ½ Stunden; am Ende des Spaziergangs ist Gelegenheit zum Gespräch und um einen Blick in das Buch zu werfen, zum Kaufen und Signieren lassen.

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Auch das ist #Dortmund – Südwestfriedhof

Annette und ich begegnen uns immer wieder in unseren Blogs. Das ist schön. Sie war auf dem Südwestfriedhof in Dortmund unterwegs und hat nicht nur bemerkenswerte Zitate gefunden . Lest selbst. Ich freue mich drüber.

Ruhrköpfe

Auch das ist Dortmund: Der Südwestfriedhof

„Nichts ist schlimmer als ein Verlust, den du ohne Widerworte einfach hinnehmen musst!“ – Verfasser*in unbekannt

Gefunden habe ich dieses Zitat auf dem Südwestfriedhof, nachdem einige Bäume in unmittelbarer Umgebung des Schildes gefällt wurden:

Südwestfriedhof Dortmund, Foto: Annette Mertens

Der Südwestfriedhof wurde 1893 eröffnet und hat jede Menge alten Baumbestand, unter anderem die Platanenallee mit 60 Bäumen, die zum „Verzeichnis der Naturdenkmale in Dortmund“ zählt.

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Reinhard Mey: Wie ein Baum, den man fällt

Was bringt einen 32jährigen dazu, Lieder über das eigene Sterben zu schreiben und zu singen? Was, sich zu wünschen, wie es denn sein soll, wenn man gehen muss?
Ja, die Gedanken sind verständlich, auch der Wunsch, sich die Art und Weise des eigenen Todes aussuchen zu können und sich im Hier und Jetzt vielleicht ein wenig romantisch verklärt auszumalen, was dann passieren könnte und wie man das empfindet.
Wie gehen, wenn man gehen muss – das beschäftigt viele Menschen, mich eingenommen. Aber ich denke, als ich 32 war, stellte sich mir die Frage nicht.
Das Lied aber, um dass es hier geht, das kannte ich. So wie viele deutschsprachigen Lieder, die in den 70ern und frühen 80ern entstanden. Denn es war die ganz große Zeit der Liedermacher. Die Szene speiste sich aus Polit- und Protestsängern, aus Bänkel- und Blödelbarden, aus Poeten und Literaten, Kabarettisten, Deutschrockern und Chansonniers. Singer Songwriter würde man heute wohl zu den meisten sagen.
Schlagersänger versuchten sich mit Ernsthaftigkeit, mit echten Gefühlen weit jenseits der Herz-/Schmerz Romantik und Lyrik der ZDF Hitparade.

Ihre Namen: Georg Danzer, Wolf Biermann, Konstantin Wecker, Franz-Josef Degenhardt, Erika Pluhar, Dieter Süverküp, Hans Scheibner, Hannes Wader, Bettina Wegner, Ina Deter, Hermann van Veen, Klaus Hoffmann, Andre Heller, Stephan Sulke und eben Reinhard Mey.

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Buddhistisch bestattet

Jeder Friedhof, jedes Grab ist anders, aber: Friedhöfe und Gräber hierzulande sind auf ihre Art typisch. Christlich geprägt, abendländisch, mitteleuropäisch – wie auch immer man das nennen will. Wer viel auf Friedhöfen unterwegs ist kennt sicherlich auch orthodoxe Gräber oder muslimische. Auch jüdische Friedhöfe haben ihren eigenes wieder erkennbares Aussehen. Und buddhistische Grabstätten, woran erkennt man die? „Wahrscheinlich eher gar nicht“, sagt Chris Urban, Inhaber des Magdeburger Bestattungsunternehmens Samsara Bestattungen®. „In Deutschland gibt es zwar mittlerweile buddhistische Abteile auf Friedhöfen und sogar einige buddhistische Friedhöfe. Eigentlich unterscheiden sich diese aber nicht maßgeblich von unserer herkömmlichen Friedhofskultur. Man sieht natürlich ein paar mehr Buddha-Figuren und asiatische Dekoration. In den Ländern, in denen der Buddhismus die Hauptreligion ist, werden die Verstorbenen verbrannt und die Asche verstreut. Dort gibt es meist gar keine Friedhöfe, also auch keinen typischen Anblick.“

Chris Urban machte seine ersten Erfahrungen in der Bestattungsbranche mit 13 Jahren, in den Ferien mit kurzen Praktika. Anschließend hatte er dort einen Nebenjob und machte dann die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. Dort erlebte er eine buddhistische Bestattung und war von der Ausrichtung und der Ausstrahlung der Mönche sehr angezogen. Nach der Ausbildung sammelte er in verschiedenen Bestattungsinstituten Erfahrung, beschäftigte sich intensiver mit der Lehre des Buddha und verbrachte längere Zeiten in Klöstern in Deutschland und Thailand. Im Jahr 2021 dann hat Chris Urban im Alter von 25 Jahren sein eigenes Bestattungsunternehmen gegründet. Als praktizierender Buddhist und dadurch, dass diese asiatische Weisheitslehre in seinem Unternehmen verankert ist, möchte er unsere Bestattungskultur moderner, offener und menschenfreundlicheren gestalten.

Sigrid hat mit Chris über Buddhistisches Bestatten gesprochen.

Sigrid: Du bist Bestatter und zwar ein besonderer: du bestattest deine Toten buddhistisch. Wie kann ich mir das vorstellen, woran merke ich das?

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