Urlaubsmitbringsel Teil I: Friedhofserlebnisse aus Südosteuropa

Strandurlaub in Albanien stand dieses Jahr auf dem Programm und auf dem Weg dahin: Haupstadthopping. Prag, Budapest, Belgrad und Skopje. Jeden Tag eine andere Metropole als Zwischenstation auf der Autobahn, statt fliegen. Klar, dass ich mir in jeder Stadt einen Friedhof angeschaut habe, von Berufs wegen sozusagen. Aber: jeder Besuch war ein tolles Erlebnis, auch wenn es immer nur im Schnelldurchlauf war. Nach den Stunden auf der Autobahn war die Zeit auf dem Friedhof eine erholsame Dosis an Natur und Kultur, Bewegung und Ruhe – und gleichzeitig ein irgendwie persönlicher Eindruck jeder Stadt. Für Museen und anderes Sightseeing hatten wir nämlich keine Zeit, am nächsten Morgen ging es jeweils früh weiter.

Zwischenstation 1 war Prag.

Der Zentralfriedhof von Prag liegt unter vielen hohen alten Bäumen, viele Gräber sind mit Moos bewachsen und von Efeu umrankt – in der Sommerhitze eine echte Wohltat. Es gibt gemütliche Bänke, sogar an und auf den Gräbern, viel Grün, Geblümtes und Lebendiges.

Ein extra Futterhäuschen für die Friedhofskatzen hat mich begeistert und ebenso das kleine Grabsteinmuseum. Hier lagert man altehrwürdige Grabsteine, die auf anderen Friedhöfen keinen Platz mehr hatten. Das Bild zeigt zwei kleine Mädchen, die der Legende nach vor Jahrhunderten von einer Kutsche überfahren wurden – deswegen haben sie auch keine Unterschenkel mehr. So sagt die Legende. Und immer noch werden sie mit Blumen bedacht.

Natürlich waren wir auch am meistbesuchten Ort dieses Friedhofs, im jüdischen Teil, am Grab von Franz Kafka.

Der nächste Tag, der nächste Friedhof war: Budapest.

Der „Fiumei Úti Sírkert“ ist groß und unglaublich weitläufig, mit Alleen und in diesen Sommertagen eher braun vertrockneten Grünflächen. Viele Berühmtheiten sind hier bestattet. Wir waren spät dran und der Sicherheitsdienst streng mit den Öffnungszeiten, deswegen haben wir es nicht geschafft, zum Beispiel Zsa Zsa Gabor oder Gyula Horn zu „besuchen“ oder den berühmten Mediziner Ignaz Semmelweis, nach dem auch die Budapester Universität benannt ist.

Aber reichlich Ehrengräber, riesige Mausoleen und Skulpturen, Bäumen und Blumenbeete haben wir beim Flanieren gesehen. In der Abendsonne hat dieser Bombast eine sehr besondere Atmosphäre verbreitet.

Es ging weiter nach Belgrad.

Dort war unserer Unterkunft der Neue Friedhof am nächsten und empfing uns mit einem imposanten Eingangstor und großen Bäumen. Hauptelemente sind Stein und Eisen, Pflaster, Marmor, Gitter und Tore, zusammen mit den Kräutern und Blumen ein El Dorado für Eidechsen.

Die Ehrengräber waren für meinen Geschmack sehr martialisch; ein kleiner Platz mit Schaukel hat mir weit besser gefallen. Was für eine schöne Idee.

Die letzte Stadt vorm Campingurlaub war Skopje, die Hauptstadt von Nordmazedonien. Eine sehr alte Stadt, die aus allen Richtungen und aus allen Zeiten Einflüsse hat. Dort haben wir uns den Abend im Basarviertel treiben lassen und dem Friedhof erst am nächsten Morgen einen Besuch abgestattet.

Er liegt in einem schlichten Stadtviertel, verglichen mit den pompösen Bauwerken und Denkmälern in der Innenstadt ist hier alles sehr klein und fast dörflich. Durch den Friedhof führt allerdings eine auto-taugliche Straße mitten durch.

Links und rechts ist alles mit Bäumen und vor allem mit Kiefern bestanden und in der Hitze des Sommers riecht es toll.

Den Besuchern der Gräber spenden die Bäume Schatten, die Gräber selbst sind mit sehr viel Stein und Metall gestaltet. Geschmückt vielfach mit Kunstblumen, umwachsen mit dem, was die Natur selber blühen lässt.

Nach Skopje ging es über Griechenland an die albanische Riviera und weiter nach Monte Negro. Auch im Strandurlaub habe ich mir – klar – Friedhöfe angeschaut, das waren aber eher kleine Dorffriedhöfe, die mir nach den pompösen Hauptstadtfriedhöfen besonders charmant vorkamen. Diesen zweiten Teil der Urlaubsmitbringsel zeige ich dann beim nächsten mal.

3 Gedanken zu „Urlaubsmitbringsel Teil I: Friedhofserlebnisse aus Südosteuropa

  1. Pingback: Urlaubsmitbringsel Teil II: Friedhofserlebnisse aus Albanien | Totenhemd-Blog

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