Friedhofspaziergang in Frankfurt Westhausen mit Sigrid Tinz am Tag des Friedhofs

Sigrid liest aus ihrem Buch: der Friedhof lebt

Der Wettergott meinte es gut mit uns. Die angekündigte Regenfront erfrischte uns mit einigen wenigen Tropfen, wir waren dick eingemummelt an diesem kalten Sonntag, dem Tag des Friedhofs deutschlandweit.

Ausblick: Der nächste Friedhofspaziergang mit Sigrid findet nächstes Jahr im Mai auf dem Frankfurter Hauptfriedhof statt :-).

Während unseres kurzweiligen Spaziergangs auf dem Frankfurter Friedhof Westhausen ging es nicht um die Stadtgeschichte und Bedeutung des Friedhofs Westhausen – da gäbe es ebenfalls viel zu erzählen – sondern wir wollten mit Sigrid erfahren, „wie lebendig ist er denn nun dieser Friedhof“.

Friedhöfe sind für die Naturschützerin Sigrid wichtige Biotope für die Stadt. Hier können nicht nur wir uns erholen und auftanken und aufatmen. Sie sind wichtig für die ganze Stadt und somit für die Bevölkerung. Sie bieten im Sommer Kühle (und damit auch der Natur), durch die vielen Bäume entsteht Sauerstoff, CO2 wird umgewandelt und verringert. Friedhöfe werden somit immer wichtiger in unserer heutigen Zeit.

Wir entdeckten auf diesem Friedhof einen Teich, der für viele Tierarten paradiesisch ist, neben dem sich Bambus streckte, zwei Feigenbäume, einen Naturstein, auf dem sich Moos und Flechten ausbreiten konnten, eine verwilderte Wiese.

Mit der Bienenwiese war Sigrid nicht ganz einverstanden, denn sie war gemäht. Sie lag kahl geschoren vor uns ohne die wichtigen Samen, Kapseln, verdorrten Halme wie oben auf dem Bild zu sehen ist. Wiesen einfach stehen lassen über den Winter so wie sie sind, gibt der Tierwelt Schutz und „gefundenes Fressen“.

kahl geschorene Bienenwiese

Auf dem Friedhof Westhausen sehen wir 4788 Gräber italienischer Soldaten und Zivilangehöriger des 2. Weltkrieges. Grabsteine der Kriegsopfer bleiben für immer auf dem Friedhof. Für jeden Menschen ein Grabstein. 

Die Naturschützerin Sigrid erklärte uns, wenn Gräser neben den Steinen wachsen können, freuen sich besonders Kleintiere über das kurz geschnittene Gras. Es bietet unter anderem Versteck für allerlei Insekten.

Interessant und für unsere Ohren eher ungewöhnlich sind die vielen schönen Namen der Tierarten, die die Natur uns schenkt. Sigrid kennt sie alle ;-). Sie las beispielsweise aus dem Kapitel „Wer lebt hier und warum so viele: Vögel, Flechten, Fledermäuse“. Ich will nur ein paar aufzählen der Friedhofsbewohner: Feldhamster, Feuersalamander, Mopsfledermaus, Knoblauchkröte oder die Äskupalnatter. Bei den Schmetterlingen zählt sie auf: Tagpfauenauge, Zitronenfalter, Zünsler, Spinner und Spanner, Gelbsaumflechtenbärchen (dessen Raupen gerne Flechten fressen) oder Heidekrautspanner. Nicht zu vergessen „alle Vögel“ und die Pilze, die auf dem feuchten Boden gut gedeihen.

Sehr schön diese Urnengrabwiese mit Grabplatten auf der wir die neu gesetzten Bäume entdeckten und so manche Art nicht kannten. Hier ganz modern mit diesen Verdunstungssäcken umwickelt.

Wir waren uns einig, dass wir einen besonderen Nachmittag verbrachten, Neues gelernt haben und zukünftig Friedhöfe mit ganz anderen Augen betrachten werden, am besten mit dem schönen Buch von Sigrid unterm Arm um vielleicht eine Glockenblume, einen Neuntöter oder Bläuling zu entdecken. Friedhöfe sind Oasen der Stille und der Artenvielfalt.

Erst mit Sigrids Blick erkannten wir, dass man diesen Friedhof „noch paradiesischer“ gestalten könnte. Dieses „noch paradiesischer“ erklärt Sigrid in ihrem Buch, das ich hier schon einmal mit dem Kapitel „Hecken zum Verstecken“ vorgestellt hatte. Noch besser und damit paradiesischer geht immer.

Sigrid Tinz: Der Friedhof lebt! – Orte für Artenvielfalt, Naturschutz und Begegnung
Gebundene Ausgabe / 160 Seiten / Verlag: pala, Darmstadt / Erschienen 21.04.2021 / Sprache: Deutsch / Gedruckt auf recyceltem Papier
ISBN-13: 978-3730705407

Preis: 19,90 €

Eine sehr lesenswerte Ergänzung ist Lutz‘ Buchbesprechung auf seinem Blog

3 Gedanken zu „Friedhofspaziergang in Frankfurt Westhausen mit Sigrid Tinz am Tag des Friedhofs

  1. Liebe Petras
    Hier bei uns in England lässt man die Natur auf vielen Friedhöfen in Ruhe. Sie sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Wir finden es toll, zwischen wilden Gräsern Grabsteine aus dem 17. Jh. und früher zu finden. Siri 🙂 und 🙂 Selma halten stets nach Piratengräbern Ausschau, von denen es auf unserem Friedhof einige gibt.
    Danke für deinen Beitrag.
    Alles Gute
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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    • Hallo Klausbernd, von welchem Friedhof in England sprichst du denn besonders? Eure /Deine schöne Website/Blog haben wir entdeckt. Danke für den Tipp.

      Ich habe mir mindestens zwei Friedhöfe im Süden Cornwalls angeschaut und stimme zu, die Gräser stehen hoch.
      Siri und Selma – aaaah ich lese auf deinem Blog … das sind eure Feen, die euch begleiten.
      Freundliche Grüße aus Frankfurt. Petra

      Gefällt 1 Person

      • Guten Morgen, liebe Petra,
        ich dachte an unseren Friedhof in Cley next the Sea, aber auch den Friedhof in Binham und vielen anderen Friedhöfen nicht nur in Norfolk.
        Mit lieben Grüßen von der heute regnerischen Küste
        The Fab Four of Cley
        🙂 🙂 🙂 🙂

        Gefällt 1 Person

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