7.11. Die „Dessau“-Schreiberinnen: Liebesprickeln

von Uta

Petra: Beide tragen ihre Maske über Mund und Nase. Sie stehen in der vollen U-Bahn gleich vorne an den Türen nah beieinander. Sie scheinen frisch verliebt und unterhalten sich vertieft. Dabei verschlingt sie ihn mit ihren großen Augen. Sie begehren sich. Es ist faszinierend, ihr zuzuschauen, wie sie ihn fixiert. Ihre Augen wollen es wissen, bewegen sich unruhig von rechts nach links, als wenn sie mal in sein rechtes und dann wieder in sein linkes Auge schaut.

Juliane: Er ist größer als sie. Aus ihrer Perspektive sieht sie nicht, von wo die Haare über die kahle Stelle am Hinterkopf in die Stirn frisiert worden sind. Aus ihrer Sicht wirkt er wie ein junger Mann, aus meiner wie ein unbeholfen getarnter junger Mann. Ich bin größer als sie und nicht blind vor Liebe.
 
Anke: Vor vielen Jahren liebte ich auch so einen Mann – eine graue Maus mit ähnlicher Frisur. Scheinbar unattraktiv, aber im Gespräch ein schillernder Fluss. Und mit mir gemeinsam zwischen den Bettlaken ein wiss- und lernbegieriger Berserker. Immer hungrig. Immer sinnlich. Ich muss beim Anblick des Masken-Liebespaares an ihn denken. Seine süßen begehrlichen Worte waren noch immer in meinen Poren. Sie ließen mich damals milde stimmen ob seiner zunehmend erschlaffenden Männlichkeit, die er als ehemaliger Klavierspieler mühelos fingerfertig ausgleichen konnte. Und es gab ein weiteres physikalisches Problem: die Ehefrau.

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