Dänische Friedhöfe im Winter

Im Winter an die Nordsee – ich liebe das. Und wenn ich da bin und meine langen Spaziergänge mache, besuche ich auch den ein oder anderen Friedhof. Im Winter ist da nie jemand und die Friedhöfe verströmen eine absolute Ruhe.  

Ich habe mich nicht detailliert in die dänische Bestattungskultur eingearbeitet, meine aber sagen zu können, dass man dort Kies, Immergrün und geordnete Verhältnisse sehr mag 🙂

Was die Natur und die Verwitterung aus stehengebliebenen Stauden macht, hat für mich einen besonderen Reiz.

Im Mittelpunkt steht jeweils eine kleine Kirche. Sie ist oft schon von weitem zu sehen und ein gutes Ziel für den täglichen Spaziergang.

Friedhöfe: Ein Wintermärchen

Friedhofsspaziergänge sind für mich Ausflüge in die Natur. Auch im Winter. Viele Tiere sind dann zwar in ihren Höhlen und Verstecken und verschlafen die kalte Jahreszeit, dementsprechend weniger ist los.

Aber: das Friedhofsgefühl“ erlebe ich jetzt im Winter besonders: Tritt man durchs Tor, vom Parkplatz oder der Straße, aus der Geschäftigkeit des Alltags, betritt man eine andere Welt. Die Stimmen werden leiser, die Schritte ruhiger. Schwere Gedanken werden angesichts der Ewigkeit klein und im guten Sinne unwichtig.


Und wenn es schneit, dann werden Friedhöfe zu Märchenlandschaften, auch mit Raureif und Nebel sehen sie wie verzaubert aus.

dann noch die Wintersonne scheint, ist das ein Anblick wie im Märchenland. Nicht nur für Naturfreunde  ein Fest, sondern auch für alle, die gerne Fotografieren. Jetzt ist die beste Jahreszeit dafür.

22.11. Sigrid: Grün bestattet

Wie groß unser ökologischer Fußabdruck ist, den wir auf dieser Erde hinterlassen, dafür ist der letzte Gang nicht entscheidend. Da gibt es zu Lebzeiten deutlich mehr zu lassen und zu tun. Dennoch ist es vielen Menschen heutzutage wichtig, auch den Tod im Einklang mit der Natur und sozial nachhaltig zu gestalten. Und durchaus gibt es einiges, worauf sich achten lässt.

Die Ökobilanz für einen Trauerfall zu erstellen, ist nicht ganz einfach. Nicht nur, weil es ein so sensibles Thema ist, sondern auch weil es ist wie immer:  Einerseits ist es ganz leicht – wenn es das Andererseits nicht gäbe. Das fängt schon damit an, ob man sich für eine Erdbestattung entscheidet oder für eine Einäscherung. Eine Einäscherung verbraucht viel Energie. Ungefähr so viel wie ein Mensch durchschnittlich im Monat benötigt hat. Jede Verbrennung produziert C02 und weitere Emissionen; außerdem wird ja auch der Sarg mit verbrannt.

Wer sich für eine Erdbestattung entscheidet, spart all das ein – und überlässt die Arbeit der Natur. Genauer gesagt, den zahlreichen Mikroorganismen in der Luft und in der Erde, die sich mit organischer Substanz auskennen, weil sie ihr täglich Brot ist. So verschwinden nach und nach das Holz vom Sarg, die fleischliche Hülle; am längsten brauchen die Knochen.

Dafür gibt es die sogenannten Ruhefristen, die Zeitspanne, für die man ein Grab erwirbt, in der es gepflegt werden darf – oder muss. Diese Fristen haben wenig mit Pietät zu tun, sondern ganz handfest damit, wie lange es dauert, bis alles zersetzt ist. Das hängt hauptsächlich von der Art des Bodens ab und liegt zwischen zehn und vierzig Jahren. Sind die Verhältnisse sandig, geht es schneller. In schweren Lehmböden sehr viel langsamer und manchmal auch gar nicht. Fachleute sprechen dann von Verwesungsstörungen.

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„Sag mir wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben …“

Es nähert sich der November und mit ihm die Totentage, Allerheiligen zum Beispiel. Oder der Volkstrauertag; ein staatlicher Gedenktag für die Opfer von Gewalt und Krieg aller Nationen. Auf viele Friedhöfen gibt es eigene Gedenkstätten und Gräberfelder für die toten Soldaten und Soldatinnen, für zivile Personen, in KZs Ermordete oder Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen.

Oft sind es reihenweise die gleichen Steinkreuze, eins neben dem anderen im Gras. Auch das eingemeißelte Todesdatum ist oft gleich, nur die Namen unterscheiden sich. Solche Ehrengräbern haben laut Gesetz ein ewiges Ruherecht. Oft ist die Schrift so verwittert, dass man sie nicht mehr lesen kann. In manchen Ziffern und Buchstaben wachsen Moos und Flechten.

Für uns Menschen ein Anblick, bei dem man sich wie im Liedtext „Sag mir wo die Blumen sind“ fragt: Wann wird man je verstehen?

Für viele Tiere dagegen ist ein solche Kriegsgräberstätte ein lichtes Gräsermeer voller Futter mit warmen Steininseln dazwischen. 

Zum Beispiel Heuschrecken, Grashüpfer und Grillen fühlen sich hier oft wie im Paradies. Oder: Spinnen. In alten Geschichten sind Spinnen wie weise Frauen, die Weberinnen der Zeit, der Schicksalsfäden.

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Urlaubsmitbringsel Teil II: Friedhofserlebnisse aus Albanien

Dieser Beitrag ist ein Lehrstück für mich, dass man im Internet doch nicht alles finden kann. Zumindest nicht ohne Bezahlschranke und mit einem Zeitaufwand, der nicht forschungsarbeitsmäßig ausufert.

Und zwar: Ich war in diesem Jahr im Strandurlaub in Albanien. Auf dem Weg dahin habe ich viele Friedhöfe besichtigt, in jeder Stadt, in der wir Station gemacht haben: Prag, Budapest, Belgrad und Skopje. Darüber habe ich im letzten Beitrag geschrieben. Und am Ende angekündigt, dass ich mir auch im Strandurlaub – klar – Friedhöfe angeschaut habe. Die ich dann beim nächsten Mal zeigen würde.
Also heute.

Das mache ich auch.

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Urlaubsmitbringsel Teil I: Friedhofserlebnisse aus Südosteuropa

Strandurlaub in Albanien stand dieses Jahr auf dem Programm und auf dem Weg dahin: Haupstadthopping. Prag, Budapest, Belgrad und Skopje. Jeden Tag eine andere Metropole als Zwischenstation auf der Autobahn, statt fliegen. Klar, dass ich mir in jeder Stadt einen Friedhof angeschaut habe, von Berufs wegen sozusagen. Aber: jeder Besuch war ein tolles Erlebnis, auch wenn es immer nur im Schnelldurchlauf war. Nach den Stunden auf der Autobahn war die Zeit auf dem Friedhof eine erholsame Dosis an Natur und Kultur, Bewegung und Ruhe – und gleichzeitig ein irgendwie persönlicher Eindruck jeder Stadt. Für Museen und anderes Sightseeing hatten wir nämlich keine Zeit, am nächsten Morgen ging es jeweils früh weiter.

Zwischenstation 1 war Prag.

Der Zentralfriedhof von Prag liegt unter vielen hohen alten Bäumen, viele Gräber sind mit Moos bewachsen und von Efeu umrankt – in der Sommerhitze eine echte Wohltat. Es gibt gemütliche Bänke, sogar an und auf den Gräbern, viel Grün, Geblümtes und Lebendiges.

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Buddhistisch bestattet

Jeder Friedhof, jedes Grab ist anders, aber: Friedhöfe und Gräber hierzulande sind auf ihre Art typisch. Christlich geprägt, abendländisch, mitteleuropäisch – wie auch immer man das nennen will. Wer viel auf Friedhöfen unterwegs ist kennt sicherlich auch orthodoxe Gräber oder muslimische. Auch jüdische Friedhöfe haben ihren eigenes wieder erkennbares Aussehen. Und buddhistische Grabstätten, woran erkennt man die? „Wahrscheinlich eher gar nicht“, sagt Chris Urban, Inhaber des Magdeburger Bestattungsunternehmens Samsara Bestattungen®. „In Deutschland gibt es zwar mittlerweile buddhistische Abteile auf Friedhöfen und sogar einige buddhistische Friedhöfe. Eigentlich unterscheiden sich diese aber nicht maßgeblich von unserer herkömmlichen Friedhofskultur. Man sieht natürlich ein paar mehr Buddha-Figuren und asiatische Dekoration. In den Ländern, in denen der Buddhismus die Hauptreligion ist, werden die Verstorbenen verbrannt und die Asche verstreut. Dort gibt es meist gar keine Friedhöfe, also auch keinen typischen Anblick.“

Chris Urban machte seine ersten Erfahrungen in der Bestattungsbranche mit 13 Jahren, in den Ferien mit kurzen Praktika. Anschließend hatte er dort einen Nebenjob und machte dann die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. Dort erlebte er eine buddhistische Bestattung und war von der Ausrichtung und der Ausstrahlung der Mönche sehr angezogen. Nach der Ausbildung sammelte er in verschiedenen Bestattungsinstituten Erfahrung, beschäftigte sich intensiver mit der Lehre des Buddha und verbrachte längere Zeiten in Klöstern in Deutschland und Thailand. Im Jahr 2021 dann hat Chris Urban im Alter von 25 Jahren sein eigenes Bestattungsunternehmen gegründet. Als praktizierender Buddhist und dadurch, dass diese asiatische Weisheitslehre in seinem Unternehmen verankert ist, möchte er unsere Bestattungskultur moderner, offener und menschenfreundlicheren gestalten.

Sigrid hat mit Chris über Buddhistisches Bestatten gesprochen.

Sigrid: Du bist Bestatter und zwar ein besonderer: du bestattest deine Toten buddhistisch. Wie kann ich mir das vorstellen, woran merke ich das?

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Naturerlebnisse und schöne Fotos

Die Sonne scheint, auf den Steinen der alten Mauer sonnen sich Eidechsen.  Ein Stück weiter ziehen Ameisen, sie tragen geschäftig Samen in den Bau. Im Eufeudickicht raschelt es, eine Amsel fliegt heraus. Weiter unten im Laub raschelt ein Igelfamilie, am feuchten Fuß der Mauer verdösen Kröten den Tag. Eine Blattschneidebiene brumselt vorbei, etwas schwerfällig, denn das Stück Rosenblatt, das sie schleppt und mit dem sie die Niströhre für ihr Ei tapezieren wird, ist beinahe dreimal so groß wie sie selbst.

Ein Kuckuck ruft und überall pfeifen, flöten, piepsen und gurren Vögel. Die ganze altbekannte Artenschar von Amsel bis Zaunkönig lebt hier, aber auch seltene Arten wie Goldhähnchen oder Trauerschnäpper. Ein Specht klopft am Stamm einer Kiefer, auf dem moosweichen Weg hopst ein Rotkehlchen. Die Tiere sind an Menschen gewöhnt und vorsichtig, aber nicht scheu. Der Reiher am Teich hebt nur träge ab, geht man an ihm vorbei, ein Stück weiter landet er sofort wieder. Libellen schwirren hin und her, eine Entenfamilie watschelt quakend und schnatternd zum Wasser.  Eichhörnchen springen die Bäume hoch und springen von Ast zu Ast.

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Cementiri de Palma: Mallorcas Hauptstadtfriedhof

Dass Mallorca mehr ist als Partyinsel, hat sich herumgesprochen. Badeurlaub, Naturschönheiten, Wandern – und auch Mallorcas Friedhöfe sind sehenswert. Der größte ist der Zentralfriedhof der Hauptstadt Palma. Anders als die meisten anderen Friedhöfe der Insel liegt er nicht weit draußen vor der Stadt, sondern mittendrin. Vermutlich war das 1820, bei seiner Gründung, anders. Palma hat aktuell rund 500 000 Einwohner und ist wohl mit den Jahren einfach an den Friedhof und um ihn herum gewachsen.

180 000 Menschen sollen hier in den rund 200 Jahren seit der Einweihung bestattet worden sein; jedes Jahr kommen einige Hundert dazu.

Ich bin sehr oft auf Friedhöfen, meistens in Deutschland oder Mitteleuropa. Jeder Friedhof ist ganz anders, aber die meisten erinnern doch eher an Gärten, Parks und Wälder. Dieser Cementiri hier sieht dagegen aus wie eine Stadt. Überall Stein und Mauerwerk, Pflaster, Kies und Schotter, Grabplatten, Skulpturen.

Da gibt es große Mausoleen wie Villen für Wohlhabende; reihenhausartige Grabstätten und auch Stockwerksbauweise: Mauern und Wände, in denen die Nischen für die Verstorbenen klein und in mehreren Reihen über- und nebeneinander liegen. Alles ist geschmückt und verziert, mit Geschmiedetem und viel Stein: Kreuze, Engel, Vögel.

An den Grabplatten hängen Plaketten mit Fotos der Verstorbenen und in vielen Grabsteinen sind kleine Vitrinen eingearbeitet, in denen religiöse und vielleicht auch private Szenen nachgestellt sind mit Figuren. Wie in einer Puppenstube.

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