Über Petra Schuseil

Als "alte" Frankfurterin lebe ich seit Anfang 2012 am Zürichsee. 60*plus bin ich jetzt und in meinem Alter angekommen. Ich bin gern unterwegs und schreibe regelmäßig Morgenseiten. Im Sommer schwimme ich im See, im Spätherbst in Zypern im Meer. 2013 kam mein Buch "Finde Dein Lebenstempo" auf den Markt. Seit Ende 2014 blogge ich regelmäßig im Totenhemd-Blog. Wenn nicht jetzt, wann dann ist mein Lebensmotto.

Die Debatte muss weitergehen. Wer hilft beim Sterben? Assistierter Suizid

„Alle Menschen haben in ihrem Leben schon einmal über Suizid nachgedacht“, so glaubt es Frau Christine Hucke der DGHS-Kontaktstelle Nordrhein zum begleiteten Suizid. DGHS steht für Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben. Schon vor einigen Wochen startete ich diesen Artikel um auf den Podcast vom Bestattungshaus Pütz-Roth hinzuweisen. Bitte unbedingt reinhören. Frau Hucke erklärt sehr ausführlich und vermittelt auch den Unterschied zwischen Deutschland und der Schweiz: in D begleitet ein Arzt, in der Schweiz eine oder ein Sterbehelfer*in.

Ich notierte mir noch einen anderen wichtigen Satz: Wir haben das Recht zu sterben, es besteht aber keine Pflicht dabei zu helfen.

Nun erschien letzten Sonntag in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in der Rubrik Leben eine drei-seitige Reportage über das begleitete Sterben eines Ehepaares im hohen Alter. Ihr Leben war ein Fest. Dann hatten sie genug (zum Artikel klickne)“. Begleitet haben den Sterbewunsch der Eltern ihre drei erwachsenen Kinder, zwei Töchter und ein Sohn. Ich finde diesen Artikel sehr lesenswert, er ist nicht kostenfrei aber es lohnt sich, dafür eine kleine Gebühr zu bezahlen.

Dass die Suizidhilfe ein hochemotionales Thema ist, wissen wir. Die Journalistin Eva Schläfer moniert in ihrem Artikel, dass die Debatte dazu nicht in Gang kommt. „Dabei ist es mehr als 2 Jahre her, dass das Bundesverfassungsgericht das seit Ende 2015 geltende Sterbehilfegesetz für verfassungswidrig erklärte.“ Eigentlich, meint sie, müssten wir viel häufiger über die Vor- und Nachteile diskutieren. „Die Karlsruher Richter kippten das Gesetz mit der Begründung, das allgemeine Persönlichkeitsrecht umfasse ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Dieses Recht schließe die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und hierbei auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen.“

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Licht und Schatten auf dem historischen Kirchhof in Frankfurt Seckbach

Heute war ich das erste Mal in der Marienkirche in Frankfurt Seckbach. Meine singenden Freundinnen lockten mich. Ihr Chor gestaltete den Gottesdienst musikalisch. Schön war es!

Erstaunt war ich über den kleinen Friedhof mit seinen alten Gräbern, der sich hübsch um die Marienkirche schmiegte. Ein historischer Kirchhhof, der 300 Jahre alt ist, lese ich bei Wikipedia.

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Buchtipp: Tante Tillys Tod. Ein Kinderfachbuch …

… übers Abschiednehmen und Zu-Hause-Sterben-Dürfen. Wir freuen uns, dass uns der Mabuse-Verlag das Buch zur Verfügung gestellt hat, um es hier im Totenhemd-Blog vorstellen zu können. Ich habe gern darin gelesen und geblättert.

Die Illustrationen sind bunt und froh. Die Wörter, die die Krankheit Krebs und den nahen Tod beschreiben, sind kindgerecht freundlich: Da wird vom „krebsroten Blumenkohl“ erzählt oder der „verkrebsblumenkohlten Lunge“. Das Buch liest sich ohne Gefühlsduselei, mitten im Leben ganz praktisch, „ohne Kuscheln ist das Leben nix wert“, findet Tante Tilly. Ein „Seelenschmetterling“ wird mal ihre Ideen, Träume, ihr Lachen mitnehmen und davon fliegen. Für Kinder ist es tröstlich, wenn sie mit etwas Greifbarem weiterleben können: Tante Tilly wird mal im Seelenschmetterlingsparadies ankommen, da kann man ihr auch zuwinken.

ein Rezensionsexemplar vom Mabuse-Verlag
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Was wurde aus den Birken von Birkenau? abc-etüde (Sachtext)

Gestern entdeckte ich Gerdas Text, den ich hier rebloggen darf. Lies mal.

Vielleicht hast Du Lust in Berlin auf die Suche zu gehen und das Birkenwäldchen oder zumindest einige von den Birken zu finden in der Hauptstadt. Lass es uns wissen, wenn du sie findest.

Im Interview mit dem Künstler las ich, dass es wohl auch Birken in Hongkong zu entdecken gibt. Da freut mich.

Wir sollten sowieso ganz viele Bäume pflanzen!

Habt einen schönen Tag.

GERDA KAZAKOU

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/03/20/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-12-13-22-wortspende-von-ich-lache-mich-gesund/

abc.etüden 2022 12+13 | 365tageasatzaday

An einem trüben Berliner Apriltag des Jahres 2012 pflanzten junge Menschen im Rahmen einer Kunstaktion junge Birken ein. Eigentlich wollte der polnische Künstler Lukasz Surowiec, der 320 Stecklinge „aus einem Boden, der die Spuren unzähliger Toter trägt“, ausgegraben hatte, in Berlin ein Erinnerungs-Birkenwäldchen pflanzen. Doch es fand sich kein Platz. Also pflanzte man hier und dort. Junge Birken aus Auschwitz-Birkenau. Aus der Aue mit den Birkenwäldchen.

Was wurde eigentlich inzwischen aus den Birken aus Birkenau? fragte ich mich und begann zu recherchieren.

Eine Pflanzung wurde gleich verwüstet, die Bäumchen ausgerissen, die Hinweistafel entfernt. Zwei Jahre später pflanzten junge Menschen dort erneut Birken aus Birkenau. An anderen Stellen wuchsen die kleinen Birken friedlich heran. Sie wurden, wie sich der Künstler erträumt hatte,  „zu einem lebendigen Archiv, das etwas Wachsendes und Atmendes in die Stadt trägt“.  Sie verströmen nun ihren blumigen Duft, entgiften die Berliner Atmosphäre und vielleicht…

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Auf einer Wolke sitzen

Sitzen unsere Toten auf einer Wolke?
Manchmal sagen wir das so dahin.

Wir überlegen, ob sie zu uns herunter schauen.
Auf uns aufpassen.

Je nach Hobby oder Profession gehen sie ihrer Tätigkeit nach.
Spielen Geige oder Kontrabass.
Lesen aus einem Buch vor.
Schreiben etwas an die Tafel.
Harken den Rasen oder reparieren den Zaun.
Singen im Chor oder kochen für die ganze Engelschar.

Wir winken hinterher.

heute morgen ein erstaunlicher Himmel … da war was los

Spaziergang über den Friedhof in Sent „wohnt die Ewigkeit“

Friedhofspaziergang am frühen Morgen in Sent

Ich war schon öfters in Sent. Aber noch nie bin ich über den Friedhof spaziert. Ein kleiner Ort des Friedens. Schneebedeckt. Am dritten oder vierten Tag des Krieges.

In der letzten Stunde der Nacht
wohnt die Ewigkeit
und wir warten
auf unsere Geliebten
die niemals kommen
unsere Liebe zu erfüllen.

Alles Sehnen ist vergangen
(von Gianna Olinda Cadonau)

Das Gedicht habe ich während der Zugfahrt nach Sent vor wenigen Wochen in der Zeitschrift Piz Nr. 61 gelesen. Mir hat es sehr gefallen und ich fand es neben den anderen Versen sehr schön – einerseits in Rhätoromanisch abgedruckt sowie in deutscher Sprache. Hier gibt es die Quelle zum Gedichtband und eine Gedichtauswahl aus dem Buch – auch in Rhätoromanisch. Ich finde, das Gedicht passt heute an Tag 28 des Krieges gut hin … und die schneebedeckten Gräber tun ihr Übriges.

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In diesen Zeiten übers Sterben sprechen und wie ich einen klaren Kopf behalte

auf der Suche nach einer Friedens-Demo in Zürich letzten Samstag

Letzten Samstag habe ich in Zürich eine Friedens-Demo gesucht … und ein kleines Grüppchen gefunden, das für die Menschen in der Ukraine Frieden gefordert hat. Eine große Kundgebung fand in Bern statt und in vielen deutschen Großstädten. Ich wäre gerne mitgezogen …

… also hab ich meinen eigenen kleinen Spaziergang durch die Stadt unternommen an diesem schönen Tag und an die Menschen in der Ukraine gedacht.

Wie mit der jetzigen Situation umgehen hier im Blog? Wir schreiben über das Sterben und den Tod frei von der Leber … mal frech mal sonnig mal betrübt. Ich mag jetzt nicht schweigen trotz aller Sprachlosigkeit. Ein paar wenige Gedanken mag ich mit euch teilen und euch erzählen, wie ich grad klar komme.

KRIEG also. Und diesmal ganz nah. Es wird taktiert und geschossen und gestorben. Dass ich wie die meisten ohnmächtig und fassungslos bin muss ich sicher hier nicht beteuern. Ich bin auch traurig, dünnhäutig, ruhelos.

Schreiben und reden sind wichtig. Gedanken und Gefühle teilen sind wichtig. Ich habe eben den Newsletter einer Freundin gelesen, den von Susanne alias Texterella und sie hat mir aus der Seele gesprochen. Sie erklärt, wie sie bei Sinnen bleibt. Sehr schön formuliert. Sie verlinkt sehr lesenswerte Blogartikel aus anderen Blogs, wie die Schreiberinnen mit ihrem Alltag jetzt umgehen … es gibt auch Hinweise zu Hilfsorganisationen und Spendenkonten und „wie man richtig spendet“.

Die Kriegsnachrichten. Wir sind fast live dabei. Rund um die Uhr. Ja, ich informiere mich täglich. Ich schaue aber weg von Bildern und Videos. Die graben sich leider in mein Gedächtnis ein und dann werde ich sie nicht wieder los. Ich lerne Interessantes dazu in den Talk-Shows: Geopolitisches und Geografisches, Militärisches.

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Ein Trauerfest feiern: So schmecken Königsberger Klopse !

Als ich das Buch von David Roth rezensierte stolperte ich über die Podcasts, die er gemeinsam mit Klaus Reichert spricht und veröffentlicht.

Ich hörte mal: „Oh nee, einen Trauerkaffee nach der Beerdigung der Mutter? Will ich nicht!“

Nun. Wenn ich an die Beerdigung unserer Mutter denke, die irgendwann stattfinden wird, dann stelle ich mir das so vor: wir feiern und essen mit den Trauergästen und gedenken meiner Mutter bei einer „Feier“. Währenddessen werden wir ihre Kochkünste loben. Sie sagt mir immer wieder stolz: Ich weiß, wie Königsberger Klopse schmecken (und wie man sie lecker zubereitet). Als junge Frau hat sie eine Lehre zur Köchin absolviert. Sie ist Expertin für gutbürgerliche Küche. Ihre Königsberger Klopse waren wirklich sehr sehr lecker. Sie hat ein Leben lang als Köchin gearbeitet. Selbständig im eigenen Hotelbetrieb … als sie dann verdientermaßen aufhörte, kochte sie regelmäßig in einer Kreuznacher Gemeinde für die alten Menschen – über viele viele Jahre. Jetzt kocht sie für sich immer noch selbst und schwärmt in höchsten Tönen, wenn ihr Essen gut gelungen ist. Sie genießt in vollen Zügen.

Wisst Ihr wie Königsberger Klopse schmecken? Lecker gewürztes Hackfleisch wird in Brühe gar, dazu gibt es eine cremige Bechamelsoße mit Kapern drin … das gibt der Soße die saure Note … Vielleicht kochen wir Hinterbliebenen ja genau dieses Gericht … und denken beim Essen an unsere verstorbene Mutter.

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Lesetipp: Let’s talk about Tod von David Roth

Aus dem Hause Pütz-Roth haben wir dieses Rezensionsexemplar erhalten. Darüber freuen wir uns und schreiben ein herzliches DANKE.

An was erinnert Euch das Motiv auf dem Titelumschlag? Das wissen die Insider*innen unseres Blogs: Zu erkennen ist ein Motiv aus dem Fotoshooting „Im letzten Hemd“ … ich verlinke zu dem Artikel hier im Blog.

Neugierig habe ich im Buch geblättert, das in fünf große Themen eingeteilt ist:

  • Wir sterben. Und dann?
  • Den Tod sehen. Nur noch im Film?
  • Auf dem Friedhof. Wozu brauchen wir diesen Ort?
  • Wenn wir trauern. Was hilft?
  • Erinnern. Leben mit dem Tod.

In dieser Ordnung sind die 50 Fragen zu Sterben, Tod und Bestattung aufgeteilt. Und zwar wird David Roth von dem Journalisten Klaus Reichert wie in einem Interview gefragt und gibt Antworten. Das liest sich sehr kurzweilig und wirkt dadurch sehr lebendig. Entstanden ist das Buch aus den vielen Podcast-Serien, die die beiden veröffentlicht haben. „Wir erklären, warum es wichtig ist, sich mitten im Leben mit dem Tod zu beschäftigen, gerade dann, wenn es einem gut geht, wenn man glücklich ist und man keinen Grund hat, an den Tod zu denken“.

Die Frage, die mir zuerst ins Auge sprang und mich interessierte zu lesen: Welche Farbe hat das letzte Hemd? Obwohl wir diese Frage im Blog ja selbst sehr ausführlich beackert haben, fand ich die Antworten von David Roth noch einmal anregend und wichtig. „Alles ist erlaubt“.

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Ist jeder Morgen Neuanfang

Heute am 3. Januar mag ich euch schreiben, dass mir im Anderen Adventskalender das Gedicht „Nacht“ von Mona Harry besonders gut gefallen hat. Es erschien am 21. Dezember. Es hätte fast „mein“ Neujahrsgedicht abgelöst. Aber auch nur fast. Ich finde, es braucht wiederkehrende und verlässliche Rituale. Deshalb hatte ich mich dann doch wieder für den Neujahrsmorgen von Yoshida Kenko entschieden.

Aber sagt selbst, diese Zeilen haben doch Gewicht für einen gelungenen Jahresanfang:

… Wo träumend alles möglich ist
Wo Blumen niemals welken
Wo Mondkühe im Partnerlook
Auf Ozeanen zelten
… Wo Altes gestern werden kann
Nur weil gestern niemals heute ist
Ist jeder Morgen Neuanfang.

Ich find’s schön.

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