Über Petra Schuseil

Mein Lebensmittelpunkt ist am Zürichsee. Ich reise gern zwischen den Welten und schreibe vor allem im Wesentlichwerden-Blog. Wesentlich werden hat viele Facetten. Seit zwei Jahren blogge ich außerdem regelmäßig im Totenhemd-Blog.

Barbara Allen: „um mich gestorben“

IMG_6662»Liebe Mutter mach ein Bett für mich,
Unter Weiden und Eschen geborgen;
John Graham ist heute gestorben um mich
Und ich sterbe um ihn morgen.«

(Theodor Fontane, Barbara Allen, aus: Gedichte, 1898, Quelle)

Die wunderbare Christiane hat diese schöne Ballade „ausgegraben“. Hier entlang um das gesamte Werk in ihrem Blog zu lesen oder auch zu hören.

 

 

Tipp: Nice places to die

Das Leben ist wie eine Kerze …. und nur Gott weiß wie lange das Licht deiner Kerze brennt. So heißt es in diesem Film während auf einem Friedhof die Zauberkerzen abbrennen.

Ein sehr interessanter Film. Sehr sehr sehenswert. Der Titel führt meiner Meinung nach ein wenig in die Irre, denn es geht nicht darum schöne Plätze zum Sterben zu finden. Nein.

Wir sehen u.a. arme Menschen in Manila und in Kairo, die es sich auf den Friedhöfen „bequem“ gemacht haben. Sie haben sonst keinen Ort zum Leben. Besser hier als in den Slums zu hausen. Sie wurden hier geboren und sind hier groß geworden. Sehr berührende Geschichten, nee, großartige Menschen sehen wir, die auf den Friedhöfen (über-)leben. Sie lieben, erziehen Kinder, feiern Feste. Die Toten sind unter ihren „Häusern“ begraben.

Wir lernen aber auch den Bestatter kennen, der durch ganz Argentinien fährt. Manchmal nimmt er seine Kinder mit, dann hocken sie auf dem Sarg und sprechen über den Tod. Wir erfahren, dass auf Sulawesi/Indonesien die Toten balsamiert werden und man mit ihnen im Haus lebt bis sie dann begraben werden. Das kann einige Jahre sein. Erst mit der Totenfeier und dem Begräbnis sind sie tot.

Allein der Trailer ist sehr sehenswert:

Hier liest du alle Informationen zum Film.

Und hier der Film in der ganzen Länge: Enjoy!

Der Sinn des Lebens ist leben. Unsere Zeit die geht vorbei …

One day, Baby we’ll be old …

Aus gegebenem Anlass … endlich mal hier vorgestellt … weil es so schön passt. Die wunderbare Julia Engelmann mit ihrem Poetry-Slam.

 

Und hier im NDR-Talk vorgestellt und gehört: Julia Engelmann vom Dezember 2016.

 

Fröhlich gelebt und selig gestorben

IMG_6613Fröhlich (Lustig) gelebt und selig gestorben

heißt dem Teufel die Rechnung verdorben

Genauso im Kleinwalsertal an einer Hauswand gelesen und gleich nochmal unten drunter im dortigen Dialekt übersetzt. Bei meiner Suche nach dem Autor dieses Textes komme ich bei Google auf eine Sammlung Texte von „Die Erbschaft aus Batavia: Volksroman, Band 3 von H. E. R. Belani“

Das ist ziemlich lustig meine Entdeckung, denn es geht genau darum: um den Tod und das Sterben und den letzten Willen auf den Seiten 220 und 221:

und mein Sterbebett stellt Ihr in den Saal und singt mir den König von Thule ….

… und dass alle lustigen Mädchen ….  eine Polka um meine Leiche tanzen, denn fröhlich gelebt und selig gestorben heißt dem Teufel die Rechnung verdorben.

🙂

Besonderer Friedhof im Kleinwalsertal

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Auf diesem Friedhof sind mir die schwarzen Schleier aufgefallen die über den Holzkreuzen hängen. Vielleicht sind es erst kürzlich Verstorbene? Die Schleier wirken zart und elegant gleichzeitig.

Auf der Suche nach der Bedeutung der Schleier habe ich diesen Link gefunden, der über das Brauchtum rund um den Tod im Wallis aufklärt. Da die Vorfahren  des Kleinwalsertal die Walliser sind, also Schweizer aus dem Wallis könnte dieser Brauchtum mit dem verschleierten Kreuz dort seinen Ursprung haben. Die Kreuze werden verschleiert während man den Verstorbenen zu Grabe trägt.

Nicht ganz zwei Buchtipps

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Die Autorin geht die Spielarten des Todes durch, offenbar eine sehr unterhaltsame und liebevolle Sache.

 

 

 

 

 

 

Annegret schrieb: „So Leute, mal ne ganz spezielle Beerdigung“. Ich lerne also, es geht nicht um ein Buch sondern um …… seht selbst.

 

 

Schöne Sommerzeit wünschen wir und viel Freude beim Lesen und Gucken.

Interessantes zu lesen und zu sehen

Für alle unsere Leser*innen, die nicht bei Facebook mitlesen hier einige interessante Artikel, die wir in der letzten Zeit dort veröffentlich hatten:

In diesem Artikel wird Dorothea Baur vorgestellt, die uns die Angst vorm Sterben nimmt. Denn: „Wie für die Geburt, so gibt es auch für das Sterben ein biologisches Programm“.

Dann hat auch eine kleine Begegnung, die ich erzählte, hohe Resonanz erfahren:

Gestern im Zug bzw. der S-Bahn. Zwei Jugendliche kommen mit einer riesig-großen Tasche durch die Tür. Flucht der eine (auf schweizerdeutsch versteht sich):
Mann, ist das schwer. Komme gar nicht hier durch.
Ich: was habt Ihr denn da drin?
Der junge Mann: eine Leiche!
Ich: oh, das schreib ich in meinen Totenhemd-Blog.
Er: okay ….

(Es war kein Zelt, wie ich weiter fragte sondern ein Boot).
Das fand ich mal ne spontane Antwort

Dann hat Annegret dieses interessant-lustige Interview mit Schrippen-Mutti entdeckt:

 

Viel Spaß beim Lesen und Gucken wünschen wir Euch.

Schöne Sommerzeit weiterhin … morgen haben wir zwei Buchtipps für Euch, auch von Annegret entdeckt, die in den Ferien viel Zeit hat zu lesen. Wunderbar!

Wenn der Tod aus der Kiste springt

Gestern erlebte ich eine lustige unfreiwillige Geisterbahnfahrt. Auf dem Weg von Chur nach Arosa fährt die gemütliche Rhätische Bahn hoch in die Berge. Die Fahrt dauert eine Stunde und führt durch etliche Tunnel. Interessanterweise bildete gestern am Zugende ein offener Sitzwaggon das Schlusslicht. Einige rannten zu diesem Abteil und ich dachte mir, bevor ich mich in den klimatisierten Zug setze probiere ich das doch mal aus. Ich fürchtete ein wenig, dass es zu kalt werden könnte. Der Schaffner diesbezüglich gefragt, meinte, im Tunnel könnte es frisch werden.

IMG_6552Lustig. Da sass ich also in diesem offenen Wagen. Holzbänke, deren Lehne man entweder in die eine oder andere Richtung verändern konnte, je nach Fahrtrichtung. Das Dach über mir war aus Glas. Zu früheren Zeiten, erklärte mir ein älterer Einheimischer vor mir, tropfte das Wasser vom Tunnelfelsen auf die Köpfe der Reisenden. Ich war froh um dieses Dach über mir.

Wir zuckelten los, gemütlich durch Chur und schon bald tauchten wir ein in den ersten Tunnel. Logisch, dass es stockfinster war. In den Zugabteilen vor uns brennt das Standlicht und man realisiert dort nur nebenbei, dass man im Tunnel steckt. Ich aber saß in stockfinsterer und kühler Nacht. Die Zugräder quietschten und ächzten den Berg hoch.

Ein kleines mulmiges Gefühl stellte sich ein. Wenn man so gar nichts sehen kann. Nur vorne das Licht im vorderen Waggon gab ein wenig Orientierung. Gott sei Dank sind die Tunnel immer nur kurz. Schon in der nächsten Berggabelung fährt der Zug wieder in die Helligkeit hinein um dann bei nächster Gelegenheit wieder in die Dunkelheit einzutauchen. Ein herrliches Vergnügen.

Irgendwann musste ich dann an eine Geisterbahnfahrt denken. Früher auf dem Jahrmarkt gehörte die Geisterbahnfahrt immer dazu. Ich erinnerte mich an alle möglichen schrecklichen Geräusche und Schreie. Ich schreckte auf, weil irgendwelche Geister plötzlich auftauchten oder der Tod persönlich aus einer Kiste sprang. Ich musste ja ein bisschen über meine Gedanken schmunzeln. „Wenn der Tod aus der Kiste springt“. Diese blöde Mulmigkeit, die sich da im Kopf breit macht. Geisterbahnfahren ist doch doof oder? Aber mit der Rhätischen hoch nach Arosa fahren im hintersten offenen Abteil und die Dunkelheit im Tunnel erleben das ist cool.

Gott sei Dank, tauchte die Bahn immer wieder ins gleißende Sonnenlicht. Es sprang auch kein Tod aus der Kiste ;-). Aber der Gedanke hat mir gefallen 😉 und dass ich darüber heute schreiben werde auch.

Wann bist du das letzte Mal Geisterbahn gefahren? Oder in einem offenen Zugabteil?

Ein Vogel, eine Familie und die Liebe.

Ein Zufall hat mir das Buch „Penguin Bloom“ beschert, in dem ich dieses wunderschöne Gedicht finde:

Familie

Wie man im schwarzen Afrika und bei den Ureinwohnern Nordamerikas weiß, ist deine Familie das gesamte Dorf,

mit allen seinen Lebenden und seinen Toten.

Und deine Verwandtschaft endet nicht bei den Menschen.

Deine Familie spricht auch aus dem Knistern der Flammen zu dir,

im Rauschen des fließenden Wasser,

im Atmen des Waldes,

in den Stimmen des Windes,

im Zorn des Donners,

im Regen, der dich küsst,

und im Singsang der Vögel, die deine Schritte grüßen.

51KbYFaKmKL._AC_US218_Aus Penguin Bloom.
Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete.