13.11. Hiltrud: Oh du mein Totenhemd

O du mein totenhemd

Strick ich’s totenhemd, strick ich’s totenhemd schon freu ich mich auf dich. O du mein totenhemd, mein totenhemd, mein totenhemd, o du mein totenhemd, mein totenhemd bist du!

Seh ich’s totenhemd, seh ich’s totenhemd verlieb ich mich in dich. O du mein totenhemd, mein totenhemd, mein totenhemd, o du mein totenhemd, mein totenhemd bist du! Hier bei Hiltrud weiterlesen.

Text und Musik: Verfasser unbekannt Volkslied aus Berlin, in vielen Varianten verbreitet nach dem Bauerntanz „Jetzt tanzt Hannemann.“

Mein Beitrag zur November-Blogaktion 2022 „TOTENHEMD“ trifft auf PROSA.

„LIED“ ist meine Textform.

*** Liebe Hiltrud, das ist ja mal eine Idee!! Ein Lied nach einem alten Bauerntanz. Tanzen wir eine Runde? 🙂

Stephan Sulke: Heut‘ seid ihr alle eingeladen…

Stephan Sulke war immer so etwas wie ein Außenseiter und gleichzeitig einer, der sich nur schwer in irgendeine Kategorie stecken ließ. War er Liedermacher? Chansonnier, Schlagersänger?
Und überhaupt: Gibt es den überhaupt noch?
Ja, es gibt ihn noch, oder wieder. Zumindest gibt es eine offizielle Webseite von ihm, die – auch wenn ohne aktuelle Termine – ziemlich aktuell ist. Gelegentlich erscheint ein Tonträger von ihm, mittlerweile steht er kurz vor seinem 80ten Geburtstag. Den Höhepunkt seiner Karriere hatte er in den frühen 80ern, als die Liedermacher eine besonders gewichtige Rolle in der deutschen Populärmusik einnahmen. Aber so richtig gehörte er nie dazu – dazu war er nicht politisch genug, vielleicht ein wenig zu melancholisch, zu sentimental, zu nah am Schlager, zu oft auch in der Playlist der großen Radiosender, die Sulke spielten, aber nicht Wader oder Wecker. Vielleicht auch hatten die größten Erfolge Der Mann aus Russland und vor alle Uschi zu wenig Tiefgang, vor allem zweitgenannter Titel rückte ihn fast in die Ecke der klamaukigen Interpreten.
Der Mann aus Russland – soweit noch als Randbemerkung – hört sich über 40 Jahre nach seiner Entstehung befremdlich und kolossal naiv an. Und falsch noch dazu, weil Kiew und Minsk, von denen der besungene Mann als Stätten seiner Heimat so schwärmt, gar nicht zu Russland gehören.
Schlagersänger war Sukle aber auch nicht – zu düster teilweise die Texte, zu wenig Frohsinn.
„Meine Musik war immer eine Mischung aus Sarkasmus, Melancholie und etwas Blödelei“ charakterisierte er sein Schaffen einst in einem Interview.
Und so pendelte der Mann mit der überaus weichen, sanften Stimme zwischen den Genres, gewann das Herz vor allem weiblicher Fans wegen dieser Sanftheit und Einfühlsamkeit – und nicht zuletzt wegen eines sehr eigentümlichen Gesangstils, zwischen einzelnen Wörtern ganz kurze Pausen zu machen. Die waren nie so lang, dass sie den Takt gestört hätten, aber nie so kurz, dass man sie nicht bemerkt hätte – vor allem aber waren sie immer dort platziert, wo man sie nicht erwartet hätte; zumeist mitten in der Zeile. Das verschaffte der Musik einen Anstrich von Nachdenklichkeit, so als sinniere der Sänger darüber, ob er wohl die richtigen Worte gewählt habe, die er gleich ins Mikro singen würde.

1979 veröffentlichte Sulke seine vierte LP, die einfach nur seinen Namen Stephan Sulke 4. Darauf enthalten ist das Lied Heut seid ihr alle eingeladen.

Gibt es ein besseres Beispiel, um zu zeigen: Das ist nicht Schlager?
Wenn sich einer von seinen Feinden wie den Kameraden verabschiedet, sagt, er wäre gern noch geblieben, verlasse aber nun das Jammertal, dann ist – auch wenn es nicht explizit so gesagt wird – von einem Abschied auf Immer die Rede. Und damit ist mitnichten ein Ortsteil Solingens gemeint, der tatsächlich Jammertal heißt, sondern ganz der christlichen Tradition folgend das irdische Leben allgemein.
Wie Reinhard Meys Wie ein Baum, den man fällt war auch Sulke in den Dreißigern, als er das Lied schrieb und sang. Es erschien fünf Jahre nach Meys Gedanken zum Sterben. Das Thema lag wohl in der Luft.

Hier der Text:

Heut seid ihr alle eingeladen,
Wo seid ihr nur so lang geblieben?
Die Feinde und die Kameraden,
Mein Leben habt doch ihr geschrieben.

Heut seid ihr alle eingeladen,
Mir scheint ihr wollt schon von mir eilen.
Ihr zieht davon so wie Nomaden,
Wollt ihr nicht noch etwas verweilen.

Und ihr sollt froh sein,
Ich verlass das Jammertal.
Nur die Straßen und die Felder
Und die Städte und die Wälder
Und euch alle seh ich gern noch tausend Mal.

Heut seid ihr alle eingeladen,
Heut weckt der Frühling seinen Flieder.
Erzählt mir nochmals die Balladen,
Und singt mir nochmals meine Lieder.

Und ihr sollt froh sein,
Drüben sei ein besseres Land,
Nur die Schläge und die Kriege
Und die Zweifel und die Siege
Und die Hoffnung hab ich alle gern gekannt.

Heut seid ihr alle eingeladen,
Ich hab euch lang bei mir getragen,
Doch langsam reißt der letzte Faden,
Und ich hätt noch so viel zu fragen.

Heut seid ihr alle eingeladen …

Reinhard Mey: Wie ein Baum, den man fällt

Was bringt einen 32jährigen dazu, Lieder über das eigene Sterben zu schreiben und zu singen? Was, sich zu wünschen, wie es denn sein soll, wenn man gehen muss?
Ja, die Gedanken sind verständlich, auch der Wunsch, sich die Art und Weise des eigenen Todes aussuchen zu können und sich im Hier und Jetzt vielleicht ein wenig romantisch verklärt auszumalen, was dann passieren könnte und wie man das empfindet.
Wie gehen, wenn man gehen muss – das beschäftigt viele Menschen, mich eingenommen. Aber ich denke, als ich 32 war, stellte sich mir die Frage nicht.
Das Lied aber, um dass es hier geht, das kannte ich. So wie viele deutschsprachigen Lieder, die in den 70ern und frühen 80ern entstanden. Denn es war die ganz große Zeit der Liedermacher. Die Szene speiste sich aus Polit- und Protestsängern, aus Bänkel- und Blödelbarden, aus Poeten und Literaten, Kabarettisten, Deutschrockern und Chansonniers. Singer Songwriter würde man heute wohl zu den meisten sagen.
Schlagersänger versuchten sich mit Ernsthaftigkeit, mit echten Gefühlen weit jenseits der Herz-/Schmerz Romantik und Lyrik der ZDF Hitparade.

Ihre Namen: Georg Danzer, Wolf Biermann, Konstantin Wecker, Franz-Josef Degenhardt, Erika Pluhar, Dieter Süverküp, Hans Scheibner, Hannes Wader, Bettina Wegner, Ina Deter, Hermann van Veen, Klaus Hoffmann, Andre Heller, Stephan Sulke und eben Reinhard Mey.

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Unbedingt anhören: Thärichens Tentett: Ich hab dir heut ein Grab gekauft

Meine Freundin sagte: „Das ist für deinen Blog“. Wir waren gestern beim Jazz im Palmengarten und hörten Thärichens Tentett. Diesen Song muss ich euch jetzt vorstellen. Sehr sehr schön morbide. Enjoy. Dubidooooo. Und zum Schluss sangen wir alle gemeinsam:

„Denn niemand kann uns dann mehr unterscheiden.“

Ich hab dir heut ein Grab gekauft, aus dem Album:
Thärichens Tentett: No Half Measures (Laika / Rough Trade)

Hier habe ich über meinen gestrigen Besuch geschrieben.

Puhdys: Wenn ein Mensch lebt

Die Älteren erinnern sich vielleicht noch, vor allem die Menschen, die in der DDR groß geworden sind – vielleicht auch einige, mit tiefergehendem cineastischen Wissen und Interesse.
1973 kam in der DDR Heiner Carows Film Die Legende von Paul und Paula in die Kinos. Viel Diskussionen und Streit gab es darum. der Film sollte eigentlich gleich unter Verschluss genommen werden, aber Erich Honecker gab persönlich seinen Segen, dass der Film gezeigt werden konnte. Es wurde ein Riesenerfolg in der DDR, über 3 Millionen Zuschauer lockte er in die Kinos. Unzählige Male wurde er bis in die 80er auch im Fernsehen gezeigt, erst als die Hauptdarstellerin Angelica Domröse und der Hauptdarsteller Winfried Glatzeder in den Westen gingen, verschwand der Film von den Bildschirmen.
Für Regisseur Heiner Carow war er der große Durchbruch, der ohnehin schon populäre Drehbuchautor Ulrich Plenzdorf, der im Jahr zuvor Die neuen Leiden des jungen W. veröffentlicht hatte, zeigte erneut sein Talent, die Lebensumstände der jungen Nachkriegsgeneration in die Literatur zu überführen.
Und für noch jemanden war der Erfolg des Films der ganz große Durchbruch: Die junge Berliner Band Puhdys, die zwei Songs beisteuerten. Einer wurde erst in der DDR, dann auch in der Bundesrepublik ein großer Hit, der Eröffnungssong des Film Wenn ein Mensch lebt. Bis heute gehört der Song zu meinen absoluten Lieblingsliedern, ist in einigen meiner Spotify-Playlists, was dazu führt, dass ich ihn sehr oft höre und bisweilen lautstark im Auto mitgröle.
Natürlich nur, wenn ich allein bin.
Und noch vor einigen Jahren heimste ich diverse anerkennende Blicke ein von Menschen meines Semesters, die in der DDR groß geworden sind. Sie waren überrascht, dass es auch Westler (wie ich einer bin) gibt, die dieses Lied kennen, die überhaupt davon Kenntnis haben, was einst hinter der Mauer an Pop(ulärer)-Kultur entstand und das auch noch mögen.

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Jaqcques Brel: Le Moribond

Jaqcues Brels 1961 veröffentlichtes Chanson Le Moribond gehört zu den vermutlich  bekanntesten Liedern über das Sterben.

Der Inhalt in aller Kürze: Ein Sterbender verabschiedet sich: Zunächst von Émile, seinem besten Freund, dann vom Pfarrer, als Nächstes von Antonie, dem Liebhaber seiner Frau und schließlich von seiner untreuen Frau selbst. Wer es nachlesen will: Eine freie, gute deutsche Adaption des Textes ist hier zu lesen.

Brels sehr schneidige, zackige Version allerdings wurde nicht zum Welthit. Das sollte noch mehr als zehn Jahre auf sich warten lassen: Weiterlesen

„Von guten Mächten wunderbar geborgen“ ist das beliebteste Lied im Evangelischen Gesangbuch

Bundesarchiv Bild 146-1987-074-16,

Von guten Mächten wunderbar geborgen ist das beleibteste Lied im Evangelischen Gesangbuch, der Gewinner des Wettbewerbs Schick uns Dein Lied wie die Evangelische Kirche Deutschlands EKD am 29.09.2021 in einer Pressemitteilung bekanntgab.

„Seit Mai konnten alle Menschen in Deutschland ihre ganz persönlichen Top 5- Lieder für das neue evangelische Gesangbuch wählen. Knapp 10.000 Menschen haben der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Aktion Schick uns Dein Lied ihre Favoriten mitgeteilt. Dabei wurden insgesamt 2500 verschiedene Lieder genannt, die sich Menschen für das neue Gesangbuch wünschen. Mit allen genannten Liedern wird sich der Liederausschuss der Gesangbuchkommission beschäftigen.“ Weiterlesen