Digitale Gedenkfeier für einen Kollegen

Mein Kollege M. starb unerwartet. Wir hatten uns alsbald auf einen Kaffee verabreden wollen, nachdem er lange und schwer krank gewesen war. Die Fäden wieder aufnehmen wollen von freundschaftlicher Unterstützung und kollegialem Austausch.

Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern eines Netzwerks, das ich sehr schätze. Ich wurde gebeten, im Rahmen eines digitalen Netzwerktreffens eine kleine Gedenkfeier zu halten. Zum Glück bin ich im Gestalten von Zoom-Veranstaltungen inzwischen sehr geübt und hatte in den Wochen zuvor viel Online-Zeit in meiner Impro-Community von InterPlay.org verbracht.

Ich eröffnete das Gedenken mit diesem Text von Konstantin Wecker, weil unser Kollege selbst gern Wecker hörte und spielte. Bewusst nur den Ton. Schließlich war dies keine K.Wecker Gedenkveranstaltung. Irgendwann teilte ich auch noch eine Collage mit einem Bild von M. und einem Himmelsfoto, das ich diesen Sommer eingefangen hatte.

Ich zündete eine Kerze an und hob das Tässchen Kaffee in die Kamera, das er ganz grundsätzlich, gern und überall trank. Lud die anderen ein, den nächsten Kaffe auf unseren Kollegen zu trinken. Dann hielt ich noch ein Buch hoch, das er als wichtiges inhaltliches Vermächtnis hinterlässt.

In einer Improvisation, die zwischen Bewegung und Erzählen wechselte, erinnerte ich mich an M., beklagte all das unvollendete, sprach ihn auch direkt an. Das hat mich selbst überrascht.
Ich lud die anderen ein, in kleinen Gruppen für etwa 10 Minuten immer nacheinander im Wecshel in folgender Weise aufzuzählen: „Ich könnte erzählen wie M. …“ und dann gab ich Beispiele, wie dieser Satz in einem Satz ergänzt werden könnte. Wenn Zeit war, wurde sicher die ein oder andere Erinnerung mit mehr Sätzen aufgefüllt. Aber so kamen in kurzer Zeit viele zum Zuge und selbst das kurze Benennen der Erinnerungen ließ kleine Welten aufblitzen.
Wieder zurück in der Gruppe lud ich ein, noch einen Satz der Würdigung unseres Kollegen in den Chat zu schreiben. Ich gab wieder selbst ein Beispiel, sagte, dass diese ohne Namen zusammengestellt und evtl. auf der Webseite des Netzwerks veröffentlicht werden. Während wir schrieben, ließ ich (wieder nur den Ton) von YouTube ein abschließendes Lied von Konstatin Wecker spielen.

Ich schloss mit einem Segen.

Viele Kolleg*innen haben mir hinterher geschrieben, dass sie sehr berührt waren und froh, dass sie auf diese Weise einen Ort des gemeinsamen Gedenkens hatten.
Mich hat besonders gefreut – und es hat mir gutgetan, dass wir über diese kleine Form der geteilten Erinnerungen so viel von M. einfangen und teilen konnten, was ihn ausgemacht hat und dass wir es in unseren eigenen Worten tun konnten.

Ein Beitrag zu unserer Blogaktion im November 2020 zu Ritualen des Abschieds in der Corona-Zeit.

Billie Eilish. No time to die. Neuer Titelsong 007

Gerade eben in der Zeitung gelesen. Seit gestern auf den YouTube-Kanälen zu hören und in den bekannten Medien wie Rolling-Stone zu lesen und zu hören.

Hier kann man sich das Lied mit einem Standbild anhören.

Hier habe ich eine Version bei YouTube gefunden, die einen Vorgeschmack auf den Kinofilm gibt währenddem man den Song hört. Achtung: Weiterlesen

Wir reden übers Sterben … mit Martin Schuppli

Martin Schuppli ist Journalist und Blogger. Er interessiert sich für Menschen und deren Geschichten. Eine Freundin meinte zu einem Zeitungsartikel, den sie mir schickte: Das dürfte dich interessieren. In dem Bericht wird Martin in seinem Schreib- und Schwatzgeschäft vorgestellt. Mitten in Walenstadt. Einer Kleinstadt am Walensee. Von Zürich aus eine Stunde Zugfahrt Richtung Süden. Meine Neugier war geweckt.

MartinSchuppli_Willkommen

©️Ueli Hiltpold

Da musste ich ihm natürlich sofort schreiben. Ich machte ihn neugierig auf den Totenhemd-Blog und ebenso ein wenig auf mich. Prompt lud er mich ein zum Gespräch und Interview. Gestern war also unser Schwatztag in Walenstadt. Martin holte mich am Bahnhof ab und begleitete mich zu seinem Laden. Der gefiel mir auf Anhieb gut. Die Wände sind ringsherum mit Kunst und Fotos dekoriert.  Weiterlesen

Billie Eilishs Album heißt: When we all fall asleep …

ma1912_fro.inddMit großem Interesse habe ich im Das Magazin über die junge Künstlerin Billie Eilish gelesen. Eine 17-jährige erfolgreiche Musikerin und Künstlerin, die von den Teenies geliebt und heiß verehrt wird. Sie können während ihrer Konzerte alle Songs mitsingen.

Ihr neues Album heißt: When we all fall asleep where do we go? Auch schon eine bemerkenswerte Frage! Darin gibt es einen Song der heißt: Bury a friend. Ich hab mir den Songtext angeschaut und finde er passt hierher.

What do you want from me?
Why don’t you run from me?
What are you wondering?
What do you know?
Why aren’t you scared of me?
Why do you care for me?
When we all fall asleep, where do we go?

…..

Hier auf Deutsch: Begrabe einen Freund.

Mein Lieblingssong mit dem Titel: When the Party is over – passt eigentlich auch gut her.

Ich habe ganz bewusst die YouTube-Videos zu den Songs hier nicht hoch geladen. Sie sollen sehr verstörend sein und gar nicht „so richtig passen“. Wer also neugierig ist, klickt und sucht auf eigene Verantwortung die Videos und die Musik dazu. Die junge Künstlerin erzählt uns mit ihren Songtexten Geschichten. Einige will man immer wieder hören hören hören …

Die Künstlerin sagt über sich selbst, sie sehe sich als Visual Artist.

Hier ist der Text im „Das Magazin No 12“ über Billie Eilish zu lesen: Ich will mein Publikum allem aussetzen, was es in den Wahnsinn treibt. 

Nick Cave hat „Dem Tod ein Lied abgetrotzt“

In der aktuellen Zeitung „reformiert Nr. 6“ wurde im Kulturteil über Nick Cave geschrieben. Wir lesen über den Tod seines Sohnes, die Liebe, die Trauer und seinen Glauben an Gott. „Er wisse nicht, ob der Sohn noch irgendwo sei. Denn die Trauer lasse „Phantome“ entstehen. „Ich bin dafür, mit diesen Geistern zu reden, denn sie stehen für Möglichkeiten.“ Trauer beschreibt der Musiker als Kehrseite der Liebe. „Sie erinnert uns furchtbar an die Tiefe unserer Liebe“. Trauer und Liebe seien auf ewig verflochten. „Lieben wir, dann trauern wir. Das ist der Deal.“

Die Lieder auf dem Album „Skeleton Tree“ von 2016 wurde kein Traueralbum, vielmehr entstanden die Lieder trotz Trauer, „sie wurden dem Tod abgetrotzt“.

Hier der Songtext von Jesus Alone.

Ich war neugierig wann Nick Caves Sohn (Arthur) gestorben ist und habe ein Video gefunden, das in SRF Kultur im September 2016 ausgestrahlt wurde. Hier wird über das Album „Skeleton Tree“ berichtet, das während der Trauerzeit entstanden ist also nach Arthurs Tod. Wir hören noch zwei andere Songs aus dem Album.

https://www.youtube-nocookie.com/embed/USI2CCSB6zM

Es gibt auch einen Film – ein Making of zum Album – der in den Kinos lief: One more time with feeling.

Ich bin sehr berührt über Nick Caves Trauer und seine tiefen Gefühle und Gedanken zum Tod seines Sohnes, der 15-jährig in England ums Leben kam: er stürzte von den Klippen, weil er LSD konsumierte.

Nick Cave schreibt in seinem Blog „The Red Hand Files“: eine Fundgrube persönlicher Antworten und mehr. Ich hab mal reingeklickt und diesen wunderschönen Text von ihm entdeckt auf die Frage:

I would love to know how you feel about your writing now …. 

HERE von John and Roy

Ein Mann geht mit der Urne unterm Arm spazieren in diesem Video. Eben entdeckt weil John and Roy nach Zürich kommen und ein Konzert geben werden. Schöne Musik und schönes Video!

 

Konzert am Dienstag um 20.00 Uhr im http://www.papiersaal.ch

Land in Sicht

„Was kommt nach dem Tod?“ fragen wir in unserer aktuellen Blogaktion. Eine Verbündete in Sachen „Spiritualität und Schreiben“ brachte kürzlich ein Lied von Rio Reiser  ins Spiel: „Land in Sicht“. Ein Paar, wünschte sich für das Ehejubiläum dieses Lied, wissend dass die Frau in absehbarer Zeit sterben wird.

 

Was für eine Fülle von Bildern, dazu die Musik und Reisers Stimme, die den schwierigen Weg nicht verschweigen, aber der Leichtigkeit und Hoffnung das letzte Wort, den letzten Ton widmen. Ich glaube sowieso, dass ich beim dem Thema nur mit Poesie weiterkomme…

Der Text von Rio Reiser

Land in Sicht, singt der Wind in mein Herz. Weiterlesen

Wir reden übers Sterben mit der Autorin Inka Nisinbaum. Auch über das DANACH.

Featured Image -- 6850Inkas Buch habe ich vor wenigen Tagen hier vorgestellt: Emails vom Tod.

Sie hatte uns im letzten Herbst gemailt. Deshalb habe ich sie gefragt, wie es ihr und ihrem Kind geht (weil ich auf ihrer Website ein Video entdeckte, in dem sie erzählt, dass der Tod sie schon von klein auf begleitet) und ob sie nicht einige Fragen beantworten mag. Ja mochte sie.

Inka ist eigentlich Psychologin, doch viel lieber sitzt sie am Computer und schreibt, am liebsten über den Tod. Der Tod hatte schon immer Anteil an Inkas Leben. Inka wurde mit der chronischen Erbkrankheit Mukoviszidose und einer eingeschränkten Lebenserwartung geboren. Schon als Kind wusste sie, dass sie sehr wahrscheinlich nicht so alt werden wird wie ihre Eltern, doch erst im Alter von 22 Jahren wurde diese Prognose zu einer Bedrohung. Im Dezember 2002, im Alter von 23 Jahren, bekam Inka Lunge und Leber transplantiert. In den 15 Monaten Wartezeit auf ihre Transplantation hat sie sich viel mit dem Tod beschäftigt, sich auf ihn vorbereitet, ihn verflucht und zum Teil auch liebgewonnen. „Wenn es zu schlimm wird, dann sterbe ich einfach“ war damals ihre Devise, doch dazu kam es zum Glück nicht. Heute lebt sie mit neuen Organen ein gesundes Leben, doch die eingeschränkte Lebenserwartung ist geblieben, genauso wie die Liebe zum Thema Tod.

In unserem Fragebogen kommt an fünfter Stelle die Frage zum DANACH, deshalb passt das Interview wunderbar in unsere Februar-Blogaktion.

5. Inka, was glaubst Du, kommt nach dem Tod?
Ich glaube, dass die Reise nach dem Tod weitergeht. Wir alle mehrere Leben leben, in jedem Leben verschiedene Lektionen lernen, unsere Seele sich immer weiter und weiter entwickelt und dann…dann weiß ich auch nicht. Was danach kommt, wenn wir alles gelernt haben, was wir lernen wollten, ich werde mich überraschen lassen. Zumindest in diesem Leben reicht meine Vorstellungskraft dafür nicht aus.

(Und nun die anderen Fragen und Antworten) Weiterlesen

Im Gespräch mit Dorothea Hillingshäuser

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Dorothea besucht mich in Frankfurt im Hotel

Mit Dorothea Hillingshäuser, Pfarrerin, zuständig für Spiritualität in der südlicheren hessischen evangelischen Landeskirche (EKHN), unterwegs mit „Spirituellem Körperlernen“ anderen leiblichen Formen des christlichen Glaubens saß ich zusammen in Frankfurt. Dazu mehr im nächsten Blogpost. Wir machen eine spontane Blogaktion im Februar zum Thema „Auferstehung: Was kommt da noch?“.

Hier nun also Dorotheas Antworten:

  1. Du beschäftigst dich mit (deiner) Endlichkeit (Beschreibe kurz). Welche Auswirkungen hat das auf dein Leben?

Als Jugendliche habe ich „Uns allen blüht der Tod“, ein Musical von Peter Janssens, mitgesungen. Seitdem ist mir meine Endlichkeit und wie schön, kostbar und verletzlich das Leben ist, bewusst. Manches betrachte ich vom „Hauch der Ewigkeit“ aus Weiterlesen