Puhdys: Wenn ein Mensch lebt

Die Älteren erinnern sich vielleicht noch, vor allem die Menschen, die in der DDR groß geworden sind – vielleicht auch einige, mit tiefergehendem cineastischen Wissen und Interesse.
1973 kam in der DDR Heiner Carows Film Die Legende von Paul und Paula in die Kinos. Viel Diskussionen und Streit gab es darum. der Film sollte eigentlich gleich unter Verschluss genommen werden, aber Erich Honecker gab persönlich seinen Segen, dass der Film gezeigt werden konnte. Es wurde ein Riesenerfolg in der DDR, über 3 Millionen Zuschauer lockte er in die Kinos. Unzählige Male wurde er bis in die 80er auch im Fernsehen gezeigt, erst als die Hauptdarstellerin Angelica Domröse und der Hauptdarsteller Winfried Glatzeder in den Westen gingen, verschwand der Film von den Bildschirmen.
Für Regisseur Heiner Carow war er der große Durchbruch, der ohnehin schon populäre Drehbuchautor Ulrich Plenzdorf, der im Jahr zuvor Die neuen Leiden des jungen W. veröffentlicht hatte, zeigte erneut sein Talent, die Lebensumstände der jungen Nachkriegsgeneration in die Literatur zu überführen.
Und für noch jemanden war der Erfolg des Films der ganz große Durchbruch: Die junge Berliner Band Puhdys, die zwei Songs beisteuerten. Einer wurde erst in der DDR, dann auch in der Bundesrepublik ein großer Hit, der Eröffnungssong des Film Wenn ein Mensch lebt. Bis heute gehört der Song zu meinen absoluten Lieblingsliedern, ist in einigen meiner Spotify-Playlists, was dazu führt, dass ich ihn sehr oft höre und bisweilen lautstark im Auto mitgröle.
Natürlich nur, wenn ich allein bin.
Und noch vor einigen Jahren heimste ich diverse anerkennende Blicke ein von Menschen meines Semesters, die in der DDR groß geworden sind. Sie waren überrascht, dass es auch Westler (wie ich einer bin) gibt, die dieses Lied kennen, die überhaupt davon Kenntnis haben, was einst hinter der Mauer an Pop(ulärer)-Kultur entstand und das auch noch mögen.

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Jaqcques Brel: Le Moribond

Jaqcues Brels 1961 veröffentlichtes Chanson Le Moribond gehört zu den vermutlich  bekanntesten Liedern über das Sterben.

Der Inhalt in aller Kürze: Ein Sterbender verabschiedet sich: Zunächst von Émile, seinem besten Freund, dann vom Pfarrer, als Nächstes von Antonie, dem Liebhaber seiner Frau und schließlich von seiner untreuen Frau selbst. Wer es nachlesen will: Eine freie, gute deutsche Adaption des Textes ist hier zu lesen.

Brels sehr schneidige, zackige Version allerdings wurde nicht zum Welthit. Das sollte noch mehr als zehn Jahre auf sich warten lassen: Weiterlesen

„Von guten Mächten wunderbar geborgen“ ist das beliebteste Lied im Evangelischen Gesangbuch

Bundesarchiv Bild 146-1987-074-16,

Von guten Mächten wunderbar geborgen ist das beleibteste Lied im Evangelischen Gesangbuch, der Gewinner des Wettbewerbs Schick uns Dein Lied wie die Evangelische Kirche Deutschlands EKD am 29.09.2021 in einer Pressemitteilung bekanntgab.

„Seit Mai konnten alle Menschen in Deutschland ihre ganz persönlichen Top 5- Lieder für das neue evangelische Gesangbuch wählen. Knapp 10.000 Menschen haben der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Aktion Schick uns Dein Lied ihre Favoriten mitgeteilt. Dabei wurden insgesamt 2500 verschiedene Lieder genannt, die sich Menschen für das neue Gesangbuch wünschen. Mit allen genannten Liedern wird sich der Liederausschuss der Gesangbuchkommission beschäftigen.“ Weiterlesen

Digitale Gedenkfeier für einen Kollegen

Mein Kollege M. starb unerwartet. Wir hatten uns alsbald auf einen Kaffee verabreden wollen, nachdem er lange und schwer krank gewesen war. Die Fäden wieder aufnehmen wollen von freundschaftlicher Unterstützung und kollegialem Austausch.

Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern eines Netzwerks, das ich sehr schätze. Ich wurde gebeten, im Rahmen eines digitalen Netzwerktreffens eine kleine Gedenkfeier zu halten. Zum Glück bin ich im Gestalten von Zoom-Veranstaltungen inzwischen sehr geübt und hatte in den Wochen zuvor viel Online-Zeit in meiner Impro-Community von InterPlay.org verbracht.

Ich eröffnete das Gedenken mit diesem Text von Konstantin Wecker, weil unser Kollege selbst gern Wecker hörte und spielte. Bewusst nur den Ton. Schließlich war dies keine K.Wecker Gedenkveranstaltung. Irgendwann teilte ich auch noch eine Collage mit einem Bild von M. und einem Himmelsfoto, das ich diesen Sommer eingefangen hatte.

Ich zündete eine Kerze an und hob das Tässchen Kaffee in die Kamera, das er ganz grundsätzlich, gern und überall trank. Lud die anderen ein, den nächsten Kaffe auf unseren Kollegen zu trinken. Dann hielt ich noch ein Buch hoch, das er als wichtiges inhaltliches Vermächtnis hinterlässt.

In einer Improvisation, die zwischen Bewegung und Erzählen wechselte, erinnerte ich mich an M., beklagte all das unvollendete, sprach ihn auch direkt an. Das hat mich selbst überrascht.
Ich lud die anderen ein, in kleinen Gruppen für etwa 10 Minuten immer nacheinander im Wecshel in folgender Weise aufzuzählen: „Ich könnte erzählen wie M. …“ und dann gab ich Beispiele, wie dieser Satz in einem Satz ergänzt werden könnte. Wenn Zeit war, wurde sicher die ein oder andere Erinnerung mit mehr Sätzen aufgefüllt. Aber so kamen in kurzer Zeit viele zum Zuge und selbst das kurze Benennen der Erinnerungen ließ kleine Welten aufblitzen.
Wieder zurück in der Gruppe lud ich ein, noch einen Satz der Würdigung unseres Kollegen in den Chat zu schreiben. Ich gab wieder selbst ein Beispiel, sagte, dass diese ohne Namen zusammengestellt und evtl. auf der Webseite des Netzwerks veröffentlicht werden. Während wir schrieben, ließ ich (wieder nur den Ton) von YouTube ein abschließendes Lied von Konstatin Wecker spielen.

Ich schloss mit einem Segen.

Viele Kolleg*innen haben mir hinterher geschrieben, dass sie sehr berührt waren und froh, dass sie auf diese Weise einen Ort des gemeinsamen Gedenkens hatten.
Mich hat besonders gefreut – und es hat mir gutgetan, dass wir über diese kleine Form der geteilten Erinnerungen so viel von M. einfangen und teilen konnten, was ihn ausgemacht hat und dass wir es in unseren eigenen Worten tun konnten.

Ein Beitrag zu unserer Blogaktion im November 2020 zu Ritualen des Abschieds in der Corona-Zeit.

Billie Eilish. No time to die. Neuer Titelsong 007

Gerade eben in der Zeitung gelesen. Seit gestern auf den YouTube-Kanälen zu hören und in den bekannten Medien wie Rolling-Stone zu lesen und zu hören.

Hier kann man sich das Lied mit einem Standbild anhören.

Hier habe ich eine Version bei YouTube gefunden, die einen Vorgeschmack auf den Kinofilm gibt währenddem man den Song hört. Achtung: Weiterlesen

Wir reden übers Sterben … mit Martin Schuppli

Martin Schuppli ist Journalist und Blogger. Er interessiert sich für Menschen und deren Geschichten. Eine Freundin meinte zu einem Zeitungsartikel, den sie mir schickte: Das dürfte dich interessieren. In dem Bericht wird Martin in seinem Schreib- und Schwatzgeschäft vorgestellt. Mitten in Walenstadt. Einer Kleinstadt am Walensee. Von Zürich aus eine Stunde Zugfahrt Richtung Süden. Meine Neugier war geweckt.

MartinSchuppli_Willkommen

©️Ueli Hiltpold

Da musste ich ihm natürlich sofort schreiben. Ich machte ihn neugierig auf den Totenhemd-Blog und ebenso ein wenig auf mich. Prompt lud er mich ein zum Gespräch und Interview. Gestern war also unser Schwatztag in Walenstadt. Martin holte mich am Bahnhof ab und begleitete mich zu seinem Laden. Der gefiel mir auf Anhieb gut. Die Wände sind ringsherum mit Kunst und Fotos dekoriert.  Weiterlesen

Billie Eilishs Album heißt: When we all fall asleep …

ma1912_fro.inddMit großem Interesse habe ich im Das Magazin über die junge Künstlerin Billie Eilish gelesen. Eine 17-jährige erfolgreiche Musikerin und Künstlerin, die von den Teenies geliebt und heiß verehrt wird. Sie können während ihrer Konzerte alle Songs mitsingen.

Ihr neues Album heißt: When we all fall asleep where do we go? Auch schon eine bemerkenswerte Frage! Darin gibt es einen Song der heißt: Bury a friend. Ich hab mir den Songtext angeschaut und finde er passt hierher.

What do you want from me?
Why don’t you run from me?
What are you wondering?
What do you know?
Why aren’t you scared of me?
Why do you care for me?
When we all fall asleep, where do we go?

…..

Hier auf Deutsch: Begrabe einen Freund.

Mein Lieblingssong mit dem Titel: When the Party is over – passt eigentlich auch gut her.

Ich habe ganz bewusst die YouTube-Videos zu den Songs hier nicht hoch geladen. Sie sollen sehr verstörend sein und gar nicht „so richtig passen“. Wer also neugierig ist, klickt und sucht auf eigene Verantwortung die Videos und die Musik dazu. Die junge Künstlerin erzählt uns mit ihren Songtexten Geschichten. Einige will man immer wieder hören hören hören …

Die Künstlerin sagt über sich selbst, sie sehe sich als Visual Artist.

Hier ist der Text im „Das Magazin No 12“ über Billie Eilish zu lesen: Ich will mein Publikum allem aussetzen, was es in den Wahnsinn treibt.