Totenhemd trifft Poetry: Zum Schluss

IMG_4116Einen Monat lang gab es Poesie im Totenhemd-Blog. Im Vorfeld und mittendrin wurde gereimt und gerungen, manches flog zu, manches musste erarbeitet werden. So ist das, wenn man versucht, übers Sterben zu reden, versucht, das Schweigen zu brechen, Worte zu finden, die Waage zu finden zwischen Leicht und Tief.

Danke Euch allen, die Ihr mitgemacht habt. Eure Texte haben uns und viele Leser*innen berührt und inspiriert.

Das Totenhemd im Schrank erinnert uns immer mal wieder an unsere Endlichkeit. Kommen wir also damit ins Spiel – und lassen uns ab und zu darauf ein. So wie am Tag der Poesie, an dem ein paar Leser*innen auf Facebook einen Haiku geschrieben haben. Die haben jetzt das letzte Wort in unserer Blogaktion:

Schon sind sie verwelkt
aber draußen die Knospen Weiterlesen

Petra zum Schluss: Verpflanzt sterben

img_5368Totenhemd meets Poetry

Kakerlaken sterben nicht aus.
Das hab ich früh kapiert.

Man sagt,
einen alten Baum verpflanzt man nicht.

Oma wurde verpflanzt und starb bald darauf.
Kurz drauf starb auch mein verpflanzter Opa.

Heimatlos gestorben.
in fremder Erde begraben.

Keine Zeit für Tränen.
damals
weiterweiterweiter arbeiten.

Ich singe.
dafür heute und jetzt!
herzvergnügt.

Schneeglöckchen sprießen.
Ein Zitronenfalter tanzt.
ich werfe euch einen Kuss.

27.3. Silke Bicker: 12 Sekunden war sie tot.

12 Sekunden war sie tot. Danach sprang der eingebaute Defillibrator an.

12 Sekunden genügen,
um den Atem stillstehen zu lassen
um nicht mehr zu sein
um nicht mehr zu fühlen, zu denken, zu atmen
um …

****

Silke macht es spannend … hier bitte weiterlesen

25.3. Hiltruds Poesie: Wie im Himmel?!

„Wie im Himmel?!“ oder Himmlische Bonbons für die Reise

Wenn ich über das Sterben nachdenke, bin ich ganz schnell „im Himmel“. Als kleines Kind – solange bis ich endlich das Vaterunser konnte, betete meine Mutter mit mir jeden Abend:

„Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den HIMMEL komm. Amen.“

Der Himmel – das konnte ja nur ein ganz wunderbarer Ort sein. Das Nachdenken über den Himmel, auch die Himmel, ja das Reich der Himmel (schon auf Erden?) hat mich niemals losgelassen.

Oh wie schön, lassen wir uns von Hiltrud in den Himmel führen. Hier ist Hildtruds Beitrag zur Blogaktion des Totenhemd-Blogs im März 2017!

Totenhemd trifft Poetry: Sarah Bernhardt

Es geht…

Es geht, denk ich, übers Sterben zu reden.
Ist doch normal: Leben und Sterben. Sterben und Leben.
Gehört dazu – eins zum anderen. Aber nicht eines ohne das andere.
Und dann seh ich es: das Sterben. Spür es hautnah.
Dem Tod Geweihte, leidend, hadernd, leergeweint.
Das Leben geht über. Ergibt sich dem Sterben. Und mir keinen Sinn.

Es geht nicht, denk ich, übers Sterben zu reden.
Will nicht, kann nicht, darf nicht. Und während ich es aussitze und verschweige, seh ich, dass sie mit dem Sterben leben. Sehe sie trotzig dem Ende entgegen tanzen. Ja, sie tanzen, energiegeladen und federleicht im Augenblicksglück. Sie tanzen, als gäbe es kein Morgen. Als wär die Diagnose nur eine Entscheidung: Dafür oder Dagegen.
Und der Entschluss: Ich bin dagegen.

Es muss gehen, denk ich, übers Sterben zu reden.
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