Es ist ein Schnitter, der heißt Tod…

Passend zum heutigen Erntedank haben wir heute ein Gedicht von Clemens von Brentano (1778-1842) für Euch. Es zeigt allerdings eine ganz andere Perspektive auf das Erntedank-Fest, als man sie sonst zumeist einnimmt. Und wieder treffen wir auf den Schnitter, den Tod, der die Verbindung zwischen Erntedank und diesem Blog aufs Vortrefflichste herstellt.

Eventuell kennt Ihr das Gedicht auch aus dem Kluftinger Krimi Erntedank.

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod…

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
Er mäht das Korn, wenn′s Gott gebot;
Schon wetzt er die Sense,
Daß schneidend sie glänze,
Bald wird er dich schneiden,
Du mußt es nur leiden;
Mußt in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

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Urlaubsmitbringsel Teil II: Friedhofserlebnisse aus Albanien

Dieser Beitrag ist ein Lehrstück für mich, dass man im Internet doch nicht alles finden kann. Zumindest nicht ohne Bezahlschranke und mit einem Zeitaufwand, der nicht forschungsarbeitsmäßig ausufert.

Und zwar: Ich war in diesem Jahr im Strandurlaub in Albanien. Auf dem Weg dahin habe ich viele Friedhöfe besichtigt, in jeder Stadt, in der wir Station gemacht haben: Prag, Budapest, Belgrad und Skopje. Darüber habe ich im letzten Beitrag geschrieben. Und am Ende angekündigt, dass ich mir auch im Strandurlaub – klar – Friedhöfe angeschaut habe. Die ich dann beim nächsten Mal zeigen würde.
Also heute.

Das mache ich auch.

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Zapfenstreich

Sie ist immer dabei. Meine Freundin aus Kindertagen. Jeder hat eine Freundin oder einen Freund. Die meisten verlieren sie irgendwann oder vergessen sie. Ich nicht. Immer wenn ich dazu Gelegenheit habe, rede ich mit ihr. Am liebsten gehe ich mit ihr spazieren. Habe ich heute Nachmittag auch gemacht, auf dem Waldfriedhof in Zehlendorf, vorbei am Grab von Hildegard Knef. 

Meine Freundin kichert, weil ich mir ein Lied von ihr gewünscht habe für heute Abend. Viel lieber hätte ich mir besseres Wetter gewünscht. Es könnte doch warm sein und vielleicht noch ein bisschen hell. Dumm gelaufen. Aber im Dunkeln sieht man die Fackeln besser. Sie ist beeindruckt von dem Gedanken, dass Hunderte mit Fackeln für mich aufmarschieren werden. Und dann eine Kapelle für mich spielt. Es ist ja nicht das erste Mal, irgendwie unwirklich ist es jedes Mal und jedes Mal sitzt, steht oder geht sie neben mir. Als wir die Lieder ausgesucht haben, haben wir beide viel Spaß gehabt. Mit sechzehn war Nina Hagen die größte für mich, deshalb war schnell klar, dass der Farbfilm heute dabei sein muss. Und mit sechzehn habe ich mir alles mögliche gewünscht, nur das hab ich mir nicht vorstellen können. 

Verrückt, dass ich das sechzehn Jahre gemacht habe. Alle möglichen Menschen getroffen, große, kleine, mächtige, ohnmächtige, arme, reiche, Künstler, Politiker und echte Menschen. Und ich war in so vielen Orten. Zeit hab ich weder für Menschen noch Orte gehabt. Ich habe nur immer von kleinen Ausschnitten erzählen können und von den Dingen, die ich irgendwo gerne noch gemacht hätte oder was ich gerne noch gesagt hätte und noch viel lieber gehört hätte. Sie lacht als wir über den Ritt auf dem Elefanten reden, der in Nepal nicht möglich war und sie erinnert mich, wie stolz alle auf mich gewesen sind. Meine Familie, Freunde und so viele, die meinen mich zu kennen und die ich nicht kenne und denen ich nie begegnet bin. Oder vielleicht doch, wie kann ich das noch wissen nach der ganzen Zeit. Sie findet lustig, dass Joachims Sohn, Angie oder Another One Bites The Dust für heute Abend vorgeschlagen hat. Ich hätte mir auch was von den Beatles vorstellen können, aber ich bin ja aus dem Osten, den nicht mehr ganz neuen Bundesländern. Ein Lied von Frank Schöbel kennt man im Westen wohl nicht. 

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Darf man einem Menschen den Tod wünschen? — Pilgerin Belana Hermine

Ein spannendes Thema und eine brisante Frage, Dem wollen wir uns hier im Blog sicher auch noch widmen.

Grundsätzlich darf man sich vielleicht erstmal alles wünschen, solange man nicht direkt zur Umsetzungstat schreitet. Wenn man sich den Tod eines Menschen wünscht, dann fällt er ja dadurch nicht gleich tot um. Aber was sagt das über einen selbst aus? Möglicherweise muss man hier auch wieder ein bisschen differenzieren. Warum wünscht man sich das? Wenn […]

Darf man einem Menschen den Tod wünschen? — Pilgerin Belana Hermine

Urlaubsmitbringsel Teil I: Friedhofserlebnisse aus Südosteuropa

Strandurlaub in Albanien stand dieses Jahr auf dem Programm und auf dem Weg dahin: Haupstadthopping. Prag, Budapest, Belgrad und Skopje. Jeden Tag eine andere Metropole als Zwischenstation auf der Autobahn, statt fliegen. Klar, dass ich mir in jeder Stadt einen Friedhof angeschaut habe, von Berufs wegen sozusagen. Aber: jeder Besuch war ein tolles Erlebnis, auch wenn es immer nur im Schnelldurchlauf war. Nach den Stunden auf der Autobahn war die Zeit auf dem Friedhof eine erholsame Dosis an Natur und Kultur, Bewegung und Ruhe – und gleichzeitig ein irgendwie persönlicher Eindruck jeder Stadt. Für Museen und anderes Sightseeing hatten wir nämlich keine Zeit, am nächsten Morgen ging es jeweils früh weiter.

Zwischenstation 1 war Prag.

Der Zentralfriedhof von Prag liegt unter vielen hohen alten Bäumen, viele Gräber sind mit Moos bewachsen und von Efeu umrankt – in der Sommerhitze eine echte Wohltat. Es gibt gemütliche Bänke, sogar an und auf den Gräbern, viel Grün, Geblümtes und Lebendiges.

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Der Greif und ich, wir sehen uns immer wieder – Teil 3

Teil 1 hier
Teil 2 hier
Teil 3 hier

Ein fauler Hund war ich ja – oder ein effizient planender. Denn als es in den guten alten 80ern darum ging, in einem Seminar an der Uni ein Referat zu halten, erinnerte ich mich an den guten alten Gryphius.

Denn in der Lehrveranstaltung Das geistig Lied von der Reformation bis in die Zeit des Pietismus hieß es schnell und unaufgeregt ein Scheinchen abzugreifen, eines, das mir noch zum Examen fehlte.
Nicht aber mit dem Wust an Liedern Luthers oder dem frommen Gesang der pietistischen Schwaben wollte ich das erreichen. Gryphius musste her – denn der war der einzige, der im damals im Gebrauch befindlichen Gesangbuchs nur ein einziges Text zu einem Lied beigesteuert hatte. Das fand ich enorm spannend. Zudem nichts Lateinisches oder Griechisches. Wollte ich also Gryphius analysieren und historisch einordnen, konnte ich auf eine überschaubare Anstrengung hoffen. Seinen Lebenslauf betrachten, Ereignisse daraus zur Textinterpretation heranziehen und vor allem Gryphius mit sich selbst, also den mir bekannten Sonetten vergleichen. Ein wenig auf die anderen Barockdichter schielen – fertig.
Um der Fülle der potentiellen Referent*innen Herr zu werden, fra Weiterlesen

Welttag der Fotografie 2022 – Eine kleine Bildmeditation zum Thema „Tod und Vergänglichkeit“

Heute, am 19. August 2022 ist wieder Welttag der Fotografie, wie bereits 2021 möchte ich diesen Tag nutzen und eine kleine Galerie an Fotos zu präsentieren. Es ist wieder eine Art Bildmeditation, dieses Mal aber keine kleine Reise durch die Tiefen meines Archivs sondern eine Wanderung ganz dicht an der Oberfläche, kein Bild ist älter als aus diesem Jahr. Einen Teil der Fotos habe ich hier schon gezeigt, dann als Illustration zu diversen Blogbeiträgen, einige Bilder werden in späteren Beiträgen erst in ihren Zusammenhang gerückt. Zu diesen Fotos gibt es Geschichten, Gedanken, Erlebtes davon werde ich in den kommenden Monaten hier erzählen.

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Karl

AUGUST

Jakob hatte am Abend mit dem Arzt gesprochen, der ihm mitgeteilt hatte, dass sein Vater wohl nicht mehr lange überhaupt laufen werden könne. Dass sich Karl an immer weniger erinnerte, wusste Jakob selbst. Karl hatte begonnen sein Leben zu vergessen, bevor er es abschließen konnte. Jakob erinnerte sich für ihn daran, dass Karl immer den Anspruch hatte, sein Lebensende so zu gestalten, dass er keine Belastung für Jakob war. Seine letzte eigene Chance dazu hatte Karl nicht mehr nutzen können. Doch sich daran zu erinnern half Jakob bei der Entscheidung für Karls Umzug. Und Jakob erinnerte sich daran, dass Karl noch einmal an die Ostsee wollte. Nach Ansicht des Arztes blieb dazu nicht mehr viel Zeit. Deshalb hatte sich Jakob letzte Woche frei genommen, ein Doppelzimmer in einem behindertengerechten Hotel in Timmendorfer Strand gebucht, Karl, seinen Rollstuhl und einen Koffer voller Windeln, die Karl inzwischen brauchte, in seinen Wagen gepackt und war mit ihm an die Küste gefahren. In der Nacht schrie Karl und schlief tagsüber meistens in seinem Rollstuhl. Der Hoteldirektor sprach Jakob schon nach der ersten Nacht auf die Ruhestörung an, empfahl nachmittags eine kleine Pension in der Nähe, die allerdings nur über Treppenstufen zu erreichen war und Jakob und Karl reisten nach der zweiten Nacht wieder ab.

Einmal, als Jakob Karl in seinem Rollstuhl auf die Seebrücke geschoben hatte und sie eine Weile in der Sonne den Möwen zugehört und dabei zugesehen hatten, wie sie immer wieder in die Dünung herab gesaust waren, um etwas Futter zu fangen, hatte Karl gesagt:

„Jakob, es ist so schön hier. Danke, dass Du Dich erinnert hast“, und war dann wieder eingeschlafen. Als der Wind Jakobs Tränen getrocknet hatte und Karl immer noch schlief, hatte Jakob ihn zurück ins Hotel geschoben. Karl wurde an dem Tag nur noch einmal kurz zum Abendessen wach und auch auf der Rückfahrt hatte er kaum mit Jakob gesprochen, der nach der Hälfte der Heimfahrt seine Versuche einstellte, ein Gespräch mit ihm zu führen.

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Lesetipp. Erzählungen. Ljudmila Ulitzkaja: Alissa kauft ihren Tod

Auf Arte hatte ich ein Portrait der russischen Autorin Ljudmila Ulitzkaja gesehen. Sie ist engagierte Kritikerin des Putin-Regimes. Daraufhin las ich „Jakobsleiter“ von ihr. Danach dann dieses neu erschienene Buch „Alissa kauft ihren Tod“.

Hierin sind die aus dem Russischen übersetzten Erzählungen zusammengefasst, die die Autorin teils vor 20 Jahren veröffentlichte. Es geht um das Leben, das Sterben und den Tod. Sehr kurzweilig und meistens humorvoll. Ich mag die Geschichten. Die erste Geschichte „Freundinnen“ ist ein Gedicht und sehr schön. Der Deutschlandfunk Kultur beschreibt es als eine Liebeserklärung an die Freundinnen.

… diese leichtsinnigen, weisen,
schamlosen, bezaubernden, verlogenen, wunderbaren
abergläubischen und treuen
diese überaus klugen und unfassbar dummen Frauen …

aus dem Buch: Alissa kauft ihren Tod

Der Erzählungszyklus „Sechs mal sieben Miniaturen“ entstand 2020 und ist im Original noch unveröffentlicht.

Deutschlandfunk Kultur hat das hier Buch vorgestellt und rezensiert.

Erscheinungsdatum: 14.02.2022
304 Seiten
Hanser Verlag
Fester Einband I
SBN 978-3-446-26965-1
Deutschland: 25,00 € Österreich: 25,70 €

Auch das ist #Dortmund – Südwestfriedhof

Annette und ich begegnen uns immer wieder in unseren Blogs. Das ist schön. Sie war auf dem Südwestfriedhof in Dortmund unterwegs und hat nicht nur bemerkenswerte Zitate gefunden . Lest selbst. Ich freue mich drüber.

Ruhrköpfe

Auch das ist Dortmund: Der Südwestfriedhof

„Nichts ist schlimmer als ein Verlust, den du ohne Widerworte einfach hinnehmen musst!“ – Verfasser*in unbekannt

Gefunden habe ich dieses Zitat auf dem Südwestfriedhof, nachdem einige Bäume in unmittelbarer Umgebung des Schildes gefällt wurden:

Südwestfriedhof Dortmund, Foto: Annette Mertens

Der Südwestfriedhof wurde 1893 eröffnet und hat jede Menge alten Baumbestand, unter anderem die Platanenallee mit 60 Bäumen, die zum „Verzeichnis der Naturdenkmale in Dortmund“ zählt.

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