Ein Gedicht über die Junitage: Leichenzüge.

Meine sehr geschätzte Blog-Kollegin Christiane in Hamburg hat heute ein schönes Gedicht veröffentlicht: Schöne Junitage“ von Detlev von Liliencron„. Ein Vers geht so:

….

Straßentreiben, fern, verworren,
Reicher Mann und Bettelkind,
Myrtenkränze, Leichenzüge,
Tausendfältig Leben rinnt –
Flußüberwärts singt eine Nachtigall.

Auch mitten im Juni wird gestorben und man wird auf den Friedhöfen erleben, dass Särge zu den Gräbern gezogen werden … ein Trauerzug folgt dem Gefährt mit dem Sarg. „Leichenzüge“, das Wort kennen wir gar nicht mehr. Ich finde es ist ein Wort aus dem Mittelalter und assoziere schwarz gekleidetete Menschen, die Männer mit Zylinder, die einem schwarzen Gefährt mit Sarg folgen. Dieses letzte Geleit zum Grab ist doch immer wieder sehr schön und tröstlich. Man schweigt und an einem Junitag blitzt die Sonne und die Vögel zwitschern in den Bäumen.

Hier kann man Interessantes bei Wikipedia mit dem Stichwort „Trauerzug“ nachlesen. Es wird hier abschließend der Trauermarsch von Mahler, 1. Satz seiner 5. Symphonie, erwähnt, den Ihr hier hören könnt:

Cementerio in Tao

Heute hat mich mein Mann auf diesen Friedhof auf Lanzarote aufmerksam gemacht. An der Hauptstraße gelegen fällt die weiße rechteckige Mauer auf … das Eingangstor war durch einen Riegel verschlossen, den wir aufschieben konnten um hinein zu kommen.

Ein idyllischer kleiner Platz abgeschirmt von der Außenwelt.

Friedhofspaziergang in Teguise, Lanzarote

Galerie

Diese Galerie enthält 5 Fotos.

Gestern in Teguise auf Lanzarote dachte ich: wo werden hier eigentlich die Toten begraben? Während all unserer Ausflüge habe ich keinen Friedhof gesehen. Ich fragte im Café nach dem „cimetario“. Der Gastwirt erklärte mir auf Spanisch wo es lang geht. … Weiterlesen

Seifenblasen am Grab. Ein sehr lesenswertes Interview.

seifenblasenDieses Interview muss eigentlich JEDE und JEDER lesen, der etwas anders machen will … am Grab, während der Beerdigung.

Diese Bestatterin ist mit Konfetti, Seifenblasen und Schokomuffins unterwegs … Aber lest selbst. In der Zeit Online erschienen:

Die Bestatterin Lea Gscheidel hat stets Seifenblasen dabei. Die Journalistin Mareice Kaiser hat ihr Kind verloren, aber nicht die Lebensfreude. Ein Gespräch über den Tod.

Interview: Mareice Kaiser.

Bestatterin: „Wow, was für eine Scheiße!“

Wir reden übers Sterben … heute mit: Claudia Cardinal

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Claudia Cardinal

Claudia Cardinal ist Leiterin und Initiatorin der Sterbeammenakademie, Vorsitzende des Vereins Sterbeheilkunde e.V., Sterbeamme und Buchautorin. Link zur Webseite von: www.sterbeamme

CC hat nach dem einschneidenden Tod ihrer Tochter im Laufe von vielen Jahren in den Begleitungen von Menschen in existentiellen Lebenskrisen ihre Ausbildung konzipiert. Sie weiß, wie gefährlich es sein kann, wenn ein Mensch den Sinn des Lebens verliert. Ihre Arbeit hat diesen Aspekt immer im Blick und arbeitet mit den Betroffenen daran.

Unsere Gesprächspartnerin lebt in Hamburg, ist Mutter und Großmutter und ist engagierte Brotbäckerin :-).

1.   Sie beschäftigen sich mit (Ihrer) Endlichkeit. Welche Auswirkungen hat das auf Ihr Leben?

a.   Ich bin mir täglich meiner Endlichkeit bewusst. Das hat sowohl mit meiner Arbeit als auch mit dem Älterwerden zu tun. Die Auswirkung ist einfach: ich weiß, dass mein Leben eines Tages zu Ende ist. Deshalb nutze ich jeden Tag. Ich weiß, dass ich eines Tages auf meinem Totenbett sagen möchte: „Das war so gut hier, das sollte man/frau glatt noch einmal von vorn anfangen!“

2.   Viele haben Hemmungen oder auch Angst, mit anderen über das Sterben zu reden. Wie ist das bei Ihnen? Was hat sich verändert?

a.   Ich habe keinerlei Hemmungen mit Menschen über den Tod zu sprechen. Das kann ich beim Aufstehen, beim Abendessen oder sonst wann am Tage.

3.   Ihr Vorschlag für einen guten Satzanfang, wenn SIe mit jemandem über solche Dinge wie Sterben, Vorsorge u.ä. reden wollen:

Ich würde das Gespräch mit meiner Enkelin an den Anfang setzen. Sie fragte mich, Weiterlesen

Kino-Tipp: Eine China-Reise

In Zürich läuft derzeit im Lunchkino dieser sehenswerte Film. Liliane lebt mit ihrem Mann in Paris ein eher langweiliges Leben. Es scheint als hätten sich die Beiden nichts mehr zu sagen. Dann erreicht sie die Nachricht vom Unfalltad ihres Sohnes, Christophe, der seit Jahren in China lebt. Liliane möchte die Überführung von Frankreich aus organisieren, was schier unmöglich ist. Also fliegt sie nach Shanghai … allein … mit dem Zug weiter nach Chengdu, wo sie in Christophes Wohnung eintritt – ganz langsam – und ihn anhand seiner Spuren neu kennenlernt. Sie hat ihn nie besucht … und bereut es sehr. Weiter geht es mit dem Bus zu dem Ort wo der Unfall passierte und Freunde von ihm wohnen. Ein kleiner Junge lehrt sie unterwegs die ersten chinesischen Wörter.

Im Ort angekommen bezieht Liliane Weiterlesen

Cemetery Walk and Talk in Hong Kong with women. Fürchte Dich nicht.

fotografiert von Nicolette

fotografiert von Nicolette

Da hätte uns der Wettergott doch beinahe einen Strich durch unseren Spaziergang über den Happy Valley Cemetery gemacht. Um 9 Uhr war es auf Discovery Bay, wo ich zur Zeit wohne, dunkelschwarz und die Welt ging unter. Es blitzte und donnerte angsteinflössend. Mutig machte ich mich auf den Weg, denn es lichtete sich schon wieder am Horizont. In Hongkong mit der Fähre angekommen war alles vorbei. Es regnete nicht mehr, nur die Luft dampfte ordentlich.

„Fürchte Dich nicht“ – kann ich da nur sagen. Drei interessierte und mutige Frauen sind trotz heftigem Regen unterwegs gekommen. Wir haben alle den richtigen Eingang zum ehemals „Colonial Cemetery“ gefunden. Vergnügt haben wir unseren Spaziergang über den Friedhof begonnen. Eine morbide Stimmung hieß uns willkommen. Die Wolken hingen noch tief, die schwüle Luft dampfte schwer über den Gräbern und in den Bäumen. Gegen Mittag blitzte sogar die Sonne.

So viel zum Hongkong-Wetter, das seit Wochen seine eigenen Kapriolen ausheckt.

Warum heißt ein Friedhof „Happy Valley“?

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fotografiert von Karin

IMG_2801„Like many people in Hong Kong I assumed Happy Valley was so named because of the horse racing, and associated gambling, that took place there. But the area has a much more morbid genesis. Back in the early days of British colonial rule in the 1840s, there was a high death rate from malaria and other diseases in Hong Kong. The area became a burial ground for victims of disease and was named „Happy Valley,“ a common reference to cemeteries in Victorian times“. (Derrick Chang, CNN Travel)

Ein Happy Valley also für Verstorbene, die an Malaria oder Pest starben. Das ist doch schön. 1845 wurden die ersten Toten auf diesem Friedhof begraben.

IMG_2790Die Toten liegen hier seit über 150 Jahren. Wir haben die Gräber von britischen und jungen Soldaten besucht, die im Opiumkrieg gefallen sind oder im Pazifikkrieg bzw. Japankrieg.
Hongkonger Polizeibeamte liegen hier begraben, gut betuchte Chinesen und Unternehmer aus aller Welt, die Hongkong zu wirtschaftlichem Erfolg brachten. Vor allem Briten. Neben dem Happy Valley Cemetery schließen sich die Gräber der indischen Bevölkerung (Parsee) und der Juden an. Auch auf dem katholischen Friedhof St. Michael haben wir eine kurze Runde gedreht.

IMG_2806Auf dem Happy Valley Cemetery haben wir den Sarkophag von Karl Gützlaff gesucht. Eine Übersicht am Friedhofseingang zeigte die verschiedenen Sektionen. Ich wusste, dass wir das Grab des deutschen Missionars in der Sektion 13 finden würden. Genau gegenüber der kleinen Kirche. Gützlaff wird als erster deutscher Missionar für China bzw. Hongkong genannt. Auf seinem Sarkophag steht: Apostel Chinas. Er war ein Sprachgenie für asiatische Sprachen und unternahm gefährliche Reisen nach China. Er ist leider jung gestorben. Mit 48 Jahren am 9. August 1851. Hier öffneten wir die Flasche Prosecco und erwiesen ihm unseren Respekt und Ehre. Prost, auf den kühnen und mutigen Karl Gützlaff. Weiterlesen

Geisterpapiergeld für die Toten

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alles für die Toten / Seelen aus Papier

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Ghost Paper

In Peng Chau habe ich heute in einem bunten Laden „Ghost money“ gekauft. Papiergeld für die Toten. Es wird in einem Ofen verbrannt. Damit werden die Geister der Toten verwöhnt und versorgt, damit sie „in der anderen Welt“ nicht zu leiden haben.

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Nebem dem Tempel steht der Ofen.

Hier kann man ausführlicher nachlesen und sich zwei Videos anschauen. Es hat etwas Mystisches wenn der Qualm und die Asche in den Himmel aufsteigen. In so einem bunten Laden kann man übrigens alles, was man zum Leben braucht aus Papier kaufen: ganze Möbeleinrichtungen, Kleidung und das Handy gehört natürlich auch dazu!

In diesem Ofen werden die Gaben verbrannt.

In diesem Ofen werden die Gaben verbrannt.

Gräber mitten in der Natur – in Hong Kong

imageHeute waren wir auf der Insel Peng Chau wandernd unterwegs. Man folgt den schönen Wanderwegen und plötzlich steht man vor einer Grabfläche wie dieser. Das gibt es in der freien Natur sehr oft. Ich habe nur dieses eine fotografiert. Die anderen lagen weiter oberhalb von diesem. Eines nach dem anderen. Es ist kein offizieller Friedhof. Sondern diese Gräber sind mitten in der Natur platziert. Das ist schon sehr seltsam für unsere Augen.

Ich habe nach Informationen zu diesen Gräbern gesucht und nur entdeckt, dass es wohl sehr viele „inoffizielle Grabstellen“ in Hongkong gibt. Wohl auch in Naturreservaten oder mitten in den Wäldern, was anscheinend für Unmut sorgt. Erzählt z.B. dieser Artikel in der South China Morning Post.

Wenn ich es richtig weiß, liegen in diesem Grab nur die Gebeine, sprich die Knochen. Ich habe gelesen, dass nach einer gewissen Zeit der „Beerdigung“ die Knochen eines Toten gesäubert werden und dann beerdigt in einem Grab wie diesem. Häufig sieht man auch nur braun lackierte Tontöpfe mitten in der Natur – mit Blick zum Meer. Diese Tontöpfe erinnern an unsere Brot- oder Rumtöpfe. Es sind aber auch Gebeine drin. Wenn die Hongkong-Chinesen an diesen Gräbern oder Töpfen vorbei wandern verbeugen sie sich kurz davor.