Ganz zufällig auf dem historischen Friedhof in Dessau spaziert

Während des Schreib-Workshops in Dessau Ende Mai entdeckte ich den Historischen Friedhof auf dem Stadtplan und dank Juliane, die jetzt hier im Totenhemd-Blog mitschreibt, sind wir dann auch tatsächlich hingegangen. Wir konnten sogar eine Weile auf einer der Bänke verschnaufen und schreiben. Wir waren nämlich den ganzen Tag schon auf den Beinen und hatten viel gesehen und besichtigt. Wir genossen mit den anderen die Stille und den Wind in den Bäumen, während wir unsere Texte verfassten.

Eigentlich hieß der Friedhof „Neuer Begräbnisplatz“ lerne ich bei der Recherche. Bei Wikipedia heißt es: „Der Friedhof wurde als regelmäßiger, streng symmetrischer Friedhof angelegt, dessen quadratische Grundfläche durch ein Wegekreuz mit Mittelrondell erschlossen wurde“.

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Der Tote von Essing

Essing ist eine kleine Gemeinde in Niederbayern, irgendwo auf der halben Strecke zwischen Regensburg und Ingolstadt, kaum 1.200 Menschen leben dort an der Altmühl. Essing ist ein Ort, der vor allem wegen eines spektakulären Leichenfundes bekannt ist – das aber vornehmlich in Fachkreisen.
Man weiß wenig über den Toten und doch hat die Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten erstaunliche Fortschritte gemacht, so dass man heute mit Sicherheit sagen kann:
Es handelt sich um eine Männerleiche, ein Mensch, der mit hoher Wahrscheinlichkeit eines natürlichen Todes gestorben ist, der 1,63 cm groß war, braune Augen und einen braunen Teint hatte und vermutlich schwarze Haare. Das alles hat die DNA-Analyse ergeben. Strontium- und C14-Methodik verraten noch mehr: Der Mann hat sein ganzes Leben in der Region des Altmühltals verbracht, die Strontium-Einlagerungen in seinen Kieferknochen lasswn darauf schließen, dass er die Gegend nie verlassen hat. Gestorben ist er im Alter von etwa dreißig oder vierzig Jahren.
Es ist erstaunlich und höchst beeindruckend, was alles über diesen Mann in Erfahrung gebracht wurde, von dem nichts weiter erhalten ist als ein nahezu vollständiges Skelett.

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Mein Friedhofspaziergang auf dem Leipziger Parkfriedhof am frühen Abend

Gleich nach unserer Ankunft in Leipzig haben wir nahe unserer Unterkunft diesen wunderschön gelegenen Parkfriedhof in dem Stadtviertel Plagwitz entdeckt.

Es war ein idyllischer Sommerabend im Mai. Die Vögel zwitscherten ihr Abendlied, wir hörten den Verkehrslärm aus der Ferne in den Park schwappen und freuten uns immer mehr über unsere kleine Runde.

Junge Menschen saßen zu dritt beieinander oder lagen auf der Wiese und unterhielten sich. Einzelne Personen saßen auf Bänken, entweder versteckt unter einem Baum oder nahe einem Grab. Zwei Männer unterhielten sich über ihre toten Väter, hörte ich beim Vorbeigehen. Auch wir ruhten eine Weile auf einer der Bänke aus.

Ich hatte etwas Scheu die Kunst – gemalt auf die Friedhofsmauern – zu knipsen. Später dann mitten auf der Wiese entdeckten wir große Plakatkunstwände, die ich mir erlaubte zu fotografieren. Dann entdeckte ich einen Film, der das Kunstprojekt besser beschreibt. Unten gibt es einen Link zum Klicken. Es gab drei Kunstsymposien in 2015, 2016 und 2017.

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Licht und Schatten auf dem historischen Kirchhof in Frankfurt Seckbach

Heute war ich das erste Mal in der Marienkirche in Frankfurt Seckbach. Meine singenden Freundinnen lockten mich. Ihr Chor gestaltete den Gottesdienst musikalisch. Schön war es!

Erstaunt war ich über den kleinen Friedhof mit seinen alten Gräbern, der sich hübsch um die Marienkirche schmiegte. Ein historischer Kirchhhof, der 300 Jahre alt ist, lese ich bei Wikipedia.

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Memento Mori – wir sprechen weiter

Petra: Hallo Lutz, schon eine Weile her, dass wir unseren Gesprächsfaden knüpften hier im Totenhemd-Blog.
Ist Corona schuld oder der Krieg?
Auf jeden Fall ist immer einer Menge los bei mir und dann gehen Gedanken unter, Ideen tauchen ab, eine Fortsetzung versumpft.
Heute beim Spaziergang tauchte der Faden wieder auf. Wie ein kleiner Spross aus der Erde.
Wie geht’s denn so? Hier und Heute?

Du warst also Tourist in München in der Asamkirche. Deine Geschichte und Fotos haben mich sehr gefreut. Vor allem die fotografierten Schädel sind doch sehr eindrücklich und ganz schön hässlich.
Du hast uns außerdem eine gruselige Mordgeschichte erzählt aus einem Ort, der ganz in der Nähe eures Wohnortes ist: Hinterkaifeck. Das ist ja mal ein Ortsname! ;-). Weiterlesen

Spaziergang über den Friedhof in Sent „wohnt die Ewigkeit“

Friedhofspaziergang am frühen Morgen in Sent

Ich war schon öfters in Sent. Aber noch nie bin ich über den Friedhof spaziert. Ein kleiner Ort des Friedens. Schneebedeckt. Am dritten oder vierten Tag des Krieges.

In der letzten Stunde der Nacht
wohnt die Ewigkeit
und wir warten
auf unsere Geliebten
die niemals kommen
unsere Liebe zu erfüllen.

Alles Sehnen ist vergangen
(von Gianna Olinda Cadonau)

Das Gedicht habe ich während der Zugfahrt nach Sent vor wenigen Wochen in der Zeitschrift Piz Nr. 61 gelesen. Mir hat es sehr gefallen und ich fand es neben den anderen Versen sehr schön – einerseits in Rhätoromanisch abgedruckt sowie in deutscher Sprache. Hier gibt es die Quelle zum Gedichtband und eine Gedichtauswahl aus dem Buch – auch in Rhätoromanisch. Ich finde, das Gedicht passt heute an Tag 28 des Krieges gut hin … und die schneebedeckten Gräber tun ihr Übriges.

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Im Schatten der Arena

Im Schatten der Münchner Allianz Arena direkt am Autobahnkreuz München Nord zeugt die kleine Kirche Heiligkreuz mit dem ihr umgebenden Friedhof von der einstigen Existenz des Dorfes Fröttmaning. Es sind die letzten Überbleibsel eines einst eigenständigen Ortes, der in den 30er Jahren nach München eingemeindet und 25 Jahre später dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Die benachbarte Kläranlage brauchte Raum, viel Raum. Der Berg des Klärrschlamms wurchs unaufhörlich und als der Autobahnbau ebenfalls seine Tribute an Fläche forderte, war es um Fröttmaning geschehen.
Übrig blieben Kirche und Friedhof. Wie in Oberberghausen fehlte wohl gottseidank der Mut, die alte Kirche einfach mitabzureißen.
Heute fristet sie ein Schattendasein inmitten am Rand eines kleinen Parks zwischen zwei sehr markanten Wahrzeichen der bayerischen Landeshauptstadt: Dem Windrad auf dem ehemaligen Klärschlammberg und dem bereits erwähnten Fußballstadion: Das Erste, was man von München sieht, wenn man von Norden her in die Stadt kommt.
Den Park wollte ich mit anschauen und darüber bloggen, nachdem ich gehört hatte, dass man zum Windrad hinauf kann und von dort oben eine tolle Aussicht hat. Im Frühjahr 2021 war ich das erste Mal dort.

Windrad auf dem Berg von Fröttmaning

Alianzarena in Fröttmaning

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Wenn ich zuerst sterbe… möchte ich nicht im Kaktus landen

Zur November Blogaktion heute mein Beitrag Wenn ich zuerst sterbe.. möchte ich nicht im Kaktus landen.

Ich gebe zu, das klingt merkwürdig, absurd, zumindest skurril. Wenn ich zuerst sterbe… dann habe ich keine Wünsche, was meine Beerdigung, meine Begräbnisstätte, die Trauerfeier usw. betrifft. Mag sein, es fällt den Angehörigen leichter, wenn sie wissen, wie sie mit dem Toten umgehen sollen, welche Wünsche er hatte usw. Gut möglich aber auch, dass das einen immensen Druck ausübt, weil sie viele Dinge vielleicht für sich anders geregelt hätten. Beerdigung, Grabstätte etc. dienen meiner Meinung nach in erster Linie den Bedürfnissen der Angehörigen, also sollen sie es so richten, wie sie es gerne hätten – mir ist das vollkommen egal. Ich habe weder so noch so noch so oder so etwas davon, Macht es so, wie ihr wollt. Fertig.
Nur eine Bitte hätte ich vielleicht doch noch – ich möchte nicht im Kaktus landen.

Was das heißt?

Im November 2016 bereisten meine Frau und ich die Atlantikinsel Madeira. Damals notierte ich in meinem Blog diese Geschichte, die erklärt, was ich meine. Darum wiederhole ich sie hier im Rahmen der Blogparade.

Weit und einladend breitet Christus seine Arme aus. So als wolle er die ganze Welt umarmen und jede Seele zu sich rufen. Mächtig erhebt sich die Skulptur von Georges Serraz aus dem Jahr 1927 über dem atlantischen Ozean. Auf einer kleinen Halbinsel Ponta do Garajau steht sie und heißt die einlaufenden Seefahrer vor Madeiras Hauptstadt Funchal willkommen. Nach Tagen auf See haben sie den Hafen der portugiesischen Blumeninsel, die rund 500 Kilometer vor der Küste Afrikas liegt, erreicht.
Angekommen.urni1 Weiterlesen

Ein Ort der Kraft, und einer der Erinnerungen – der alte Hohensyburger Friedhof

St. Peter Kirche auf der Hohensyburg

Ein wenig abseits der Hohensyburg im Süden Dortmunds steht die uralte Kirche St. Peter.
Es ist „ein Ort der Kraft,“ wie eine Frau, die zwischen den Gräbern umherstreift, erzählt. Man könne sie spüren, das könne man lernen. Sie fragt, ob wir diese Kraft nicht auch spüren und blickt sich etwas fahrig um.
Das Ganze hat etwas Unwirkliches, fast könnte es eine Szene aus der britischen Krimiserie Midsomer Murders sein, bei uns bekannt als Inspector Barnaby. Es würde so gut passen. Denn nicht wenige Fälle dieser Serie beginnen mit Szenen auf alten Friedhöfen und herumstreunenden Menschen mit leicht sonderlichen Gedanken. Die Frau trägt einen Strauß vertrockneter Wildblumen im Arm, liebevoll eingebettet in die Armbeuge wie ein Baby und damit mit Sicherheit nicht für den baldigen Wurf auf den Kompost gedacht.
Sonderbar, sehr sonderbar. Weiterlesen

Friedhofsspaziergang Frankfurt Bornheim

Kürzlich nahm ich mir Zeit, den Friedhof in Frankfurt Bornheim kennenzulernen. Es war schönstes Spätsommerwetter, ich war frei ohne Termine, „strollte“ zunächst durch Frankfurts Straßen, um dann zum Bornheimer Friedhof aufzubrechen. Auf meinem Weg dorthin lief ich zum ersten Mal durch den Wasserpark, der dem Friedhof genau gegenüber liegt. An der Bushaltestelle Friedhof Bornheim überquerte ich die Straße, orientierte mich an einem kleinen Parkplatz und betrat durch ein Eisentor die stille Welt des Friedhofs.

Es ist immer wieder sehr schön und macht mich sofort ruhig: aus der belebten Straßengegend trete ich in eine andere Welt ein. In die Friedhofsstille. Die Autorin Sigrid Tinz schreibt in ihrem Buch „Der Friedhof lebt“ vom „Friedhofsgefühl“. Genau. Da können wir alle was mit anfangen. Das ist es was mich einfängt. Verbunden mit der Stille, die ich höre. Eine Ruhe, die mich einhüllt und umfängt.

Ich liebe die Stille und höre sie. Ich höre auch den Verkehr, der in der Nähe rauscht und fühle mich sicher hier und abgeschirmt vom Alltag. Ich kann einen Moment aufatmen und verweilen. Ich höre nur eine Amsel hoch oben auf dem Nadelbaum. Ich sehe das Licht und den Schatten dieses Spätsommertages. Ich rieche die Nadelbäume und ein Gemisch anderer Pflanzen dieses Friedhofs.

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