Der Friedhof von Prag – Eine Erinnerung

Seit jeher war er ein Treffpunkt für Agenten und Spione, ein Ort für Verschwörer und Menschen, die die Weltherrschaft anstreben: Der alte jüdische Friedhof in Prag, tarý židovský hřbitov v Praze-Josefově. Das ist natürlich barer Unsinn, aber ein Stoff, aus dem sich wunderbar Geschichten spinnen und großartige Romane schmieden lassen, wie zum Beispiel Der Friedhof von Prag von Umberto Eco. Der Friedhof inmitten des einstigen jüdischen Viertels in der Prager Altstadt gibt das einfach her. Und wer, der sich heute dort durch die Besuchermengen zwängt, hat nicht schon mal der Mystik und Magie dieser versunkenen Welt gehört und wähnt nicht hinter jeder Mauerecke den Golem? Kleine tönerne Figuren bietet schließlich jeder Souvenirshop an.

Prag, die goldene Stadt an der Moldau

Die Wahrheit sieht zumindest heutzutage ganz anders aus. Vor allem die des Friedhofs. Agenten? Spione? Weltverschwörer?
Nichts davon.

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Unser Buchtipp: Der Friedhof lebt!

Dieses Buch gefällt uns … dabei kennen wir es noch gar nicht. Lutz liebt Friedhofspaziergänge und ich auch … ich hatte es gestern schon bei mir als ich den Bornheimer Friedhof in Frankfurt besuchte. Ein Friedhof, den ich schon längst kennenlernen wollte. Und Lutz hab ich gleich vorgeschwärmt vom schönen Buch.

Aber jetzt soll es ja nicht um meinen gestrigen Friedhofsspaziergang gehen sondern um die Ankündigung des Buches „Der Friedhof lebt“ von Sigrid Tinz. Ich habe es gestern einmal quer geblättert und ich werde es noch ausführlicher vorstellen. Heute erst mal eine grobe Übersicht über das, was dich im Buch erwartet. Interessante Ideen und Gedanken, viel Schönes und Berührendes. Wunderschöne Naturfotos erfreuen unser Auge. Es fühlt sich auch gut an, denn es wurde recyceltes Papier verwandt. Das Buch beinhaltet aktuelle Themen wie z.B. Grabgestaltung und Artenvielfalt, Biodiversität und wie wir sie erhalten und verbessern.

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St. Clemens – ein Relikt im Wald

Wanderer, steh still
und bete für die
in diesem Friedhof
ruhenden Toten.

Es hätte eine gute Idee sein sollen. Auf Betreiben der königlichen-bayerischen Regierung wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert bei Kranzberg westlich von Freising großflächig Weidenkulturen angelegt. Mit diesem nachwachsendem Rohstoff sollten neue Erwerbsmöglicheiten in der an sich armen Region zwischen Freising und Pfaffenhofen geschaffen werden. Und schon damals mussten zugunsten wirtschaftlicher Interessen die angestammten Bewohner weichen – Kleinbauern im Weiler Oberberghausen. Wer nicht an die Forstverwaltung verkaufen wollte, wurde unter Druck gesetzt. Schließlich zog 1884 der letzte Bauer fort. Das Dorf wurde dem Erdboden gleich gemacht.
Das ganze Dorf?

Nein.

Wie bei der Wüstung des Dorfes Fröttmaning, das in den 1950ern schrittweise zugunsten der Autobahn und des ständig wachsenden Münchner Klärschlammbergs abgerissen wurde (dazu folgt später noch ein eigener Beitrag), blieben auch in Oberberghausen Kirche und Friedhof vor der Zerstörung verschont.
Offenbar reichte in beiden Fällen die Traute nicht, Gotteshaus und Gottesacker dem Erdboden gleichzumachen. Beide blieben mitten im Wald stehen und wurden – da nutzlos geworden – dem Verfall preisgegeben.

Im Weltwald: St. Clemens

Aus der Weidenkultur allerdings wurde nichts – heute befindet sich St. Clemens inmitten des Freisinger Weltwaldes, einem höchst sehenswertem Arboretums, eines Lehrwaldes und einem biologischen Waldforschungsgelände in Hand des Freistaates Bayern.

Verfallen sieht die alte romanische und später barock ausgebaute Kirche allerdings nicht aus. Im Netz lese ich, dass sich ein Verein zur Erhaltung der Waldkirche Oberberghausen um die Pflege des Bauwerks kümmert.

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Danke für Eure Friedhofsspaziergänge!

IMG_4485Ein grauer Samstagmorgen. Gestern habe ich meinen Hausaltar entstaubt, poliert und ein paar Tannenzweige darauf gelegt.  Zwei einfache Sterne aus Palmblättern dürfen sich schon zeigen. Die ganze Woche über hatte ich – nach und nach – das kleine Tod, meine Sugarskull-Köpfe und den großen Löffel aus den Blättern, Kastanien und Kürbissen heraus gepflückt, die meinen Hausaltar so bunt gemacht hatten. Die Kerze, die für meine Toten brannte, ist ausgebrannt.
Gestern bin ich in den ersten Weihnachtsmarkt geraten. Laut, voll, alkoholisiert (nicht ich ;-)). Wie ruhig waren doch die Spaziergänge, die ich über den Friedhof gemacht hatte. Und wie besonders und anrührend waren die Gänge,  die wir mit Euch machen durften!

Petra und ich waren wieder ganz beeindruckt und selig, was wir von euch bei unserer 5. November-Blogaktion „Friedhofsspaziergänge“ lesen und weitergeben durften. (Hier noch mal alle im Überblick) Das waren ganze Bildungsreisen, Forschungsprojekte, ein Sich-Einlassen auf einen Ort, der mal ganz still und überraschend leer, mal mit Generationen-Leben gefüllt war.  Sie führten uns nach Weiterlesen

17.11. Daniel: Einsamster Friedhof auf Fuerteventura

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©️von Daniel fotografiert

Mein Neffe Daniel war vor wenigen Wochen auf Fuerteventura. Mit dem eBike ist er an die südwestlichste Spitze der Insel gefahren und traf auf ein einsames Dorf namens Cofete und einen verlassenen alten Friedhof. Ich fragte ihn, ob er mit seinen Fotos und einem kleinen Text bei unserer Blogaktion mitmachen mag. Er schreibt dazu:

Der Friedhof lag total idyllisch am Sandstrand des Atlantiks.
Im Hintergrund die Lavaberge Fuerteventuras.
Vorne die rauschenden wilden Wellen.
Die Gräber waren total verweht.
Hier und da ragte mal ein altes Holzkreuz aus dem Sand.
Trockene heiße Luft und windig dort.

Friedvolle Atmosphäre herrschte.
Schön warm war es. Weiterlesen

14.11. Michaela Schara: Die Steinmetzmeisterin von Zogelsdorf

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Michaela Schara hat einen Spaziergang gemacht über den Friedhof der mittelalterlichen Kirche von Burgschleinitz und der Steinmetzmeisterins Grab von Zogelsdorf entdeckt. 

6.11. Susi Ackstaller: Friedhof La Recoleta in Buenos Aires

7C79DB1C-B357-4768-99CD-AEB4E4393375Susi und ich haben uns während des Schreibworkshops auf Zypern kennen- und schätzen gelernt. Eines Morgens sagte ich zu ihr, nach ihrem Vorlesen: Das passt zu unserer Blogaktion, willst Du nicht mitmachen? Et voilà. Susi besuchte Anfang des Jahres Südamerika und war unter anderen auf dem Friedhof La Recoleta in Buenos Aires.

Ich mache ein Lied
aus diesem Morgen
und bin gespannt
auf die Melodie für diesen Tag:
Dur? Moll?
Singe ich Sopran oder Alt?
Aus den Liedern meiner Tage
wird irgendwann die Melodie meines Lebens –
die irgendwann erstirbt.
Was dann bleibt,
ist nur ein Echo,
nur ein Hall.

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Deine Handschrift

Grab-Unterschrift co Annegret Zander

Zwischen Steinen, Putten und Blättern
Im Herbstblätterrascheln unter Ferienfliegerlärm
neben Gieskannen und stillgelegten Wasserstellen
unter Allerheiligengestecken und laminierten Abschiedsbriefen
mitten in der Herbstallee
trifft mich
deine Handschrift
nach über 80 Jahren kaum verwittert

was für ein Schwung

hast dich dem Leben eingeschrieben

Ein Beitrag zu unserer Blogaktion „Friedhofsspaziergang“

Unser Überblick zur 5. November-Blogaktion: Friedhofspaziergang

IMG_2557Wir haben eingeladen zu unserer 5. November-Blogaktion und freuen uns, dass so viele von Euch mitschreiben werden. Wir freuen uns auf Eure Texte und Fotos. Und wir freuen uns auf viele interessierte Leser*innen, die uns schreiben und kommentieren und ihre Gedanken teilen …

Unser Überblick aller Artikel hier eins tiefer. Einfach den Link anklicken um zum Beitrag zu gelangen.

Fr 1. November: Katja eröffnet – Tanzt mit uns!
Sa 2. Annegret. Deine Handschrift
So 3. Renate Stenshorn mit ihrem Blog „rausinsleben“:
Das Grab der Voodoo Queen Marie Laveau in New Orleans
Mo 4. Lutz Prauser, Zentralfriedhof Wien auf www.zwetschgenmann.de
Di  5. Anne mit Wortperlen Cimetière Pére Lachaise und Cimetière Montparnasse
Mi  6. Susi Ackstaller war auf dem Friedhof La Recoleta in Buenos Aires
Do 7. Martina Fuchs „In Gedanken durch die Zeit“ www.martinafuchsfulda.de
Fr  8.
Sa  9. Stefanie Gänßlen An einem Sonntagnachmittag … 
So 10. Petra Mein Lieblingsgrabstein leuchtet
Mo 11. Friederike auf dem Kasseler Hauptfriedhof zwischengerufen
Di 12. Lutz Prauser Friedhof Edinburgh (Greyfriars Kirkyard) auf www.zwetschgenmann.de
Mi 13. Christiane geht über den alten Harburger Friedhof (in HH)
Irgendwas ist immer
Do 14. Michaela: Die Steinmetzmeisterin von Zogelsdorf www.kultkraftplatz.com
Fr 15. Nicole Vergin mit ihrem Spaziergang die Waldträumerin
Sa 16. Petra hat auf dem Enkheimer (Ffm) Friedhof „ihr Grab“ gefunden!
So 17. Daniel M. war am einsamsten Friedhof auf Fuerteventura
Mo 18. Maria spazierte achtsam über den Kommunalfriedhof Salzburg
Di 19. Lutz Prauser mit seinem Friedhofspaziergang auf www.zwetschgenmann.de
Mi 20. Sebastian Wolfrum mit „seinem Engel“ auf Seidenwolf
Do 21. Renate Stenshorn mit Verbrennungsstätten aus Nepal 
Fr 22. Geertje ging in Amrum spazieren Wandelsinn
Sa 23. Regina auf dem Johannisfriedhof in Osnabrück maldocheinschiff
So 24. Hiltrud war im französischen Selongey spazieren

Uli kam einige Tage später dazu mit seinem Spaziergang über den Bergsteigerfriedhof in Johnsbach 

Friedhof in Novosibirsk – Fotoeindrücke von Sasha

Sasha war Gast während des letzten Death Café in Zürich und erzählte uns von Begräbnissen und Friedhöfen in Russland insbesondere ihrer Heimatstadt Novosibirsk.

Hier eine Auswahl ihrer Fotos mit ihren Erklärungen dazu in Englisch.

1. Typical present for those who attended the funerals: a handkerchief or a kitchen towel
2. Typical food to take away – chocolate candies wrapped in the paper. They are usual candies so people might eat them on any other day.

3

In my native city of Novosibirsk the body stays in the coffin in the flat for three days

 

 

3. In my native city of Novosibirsk the body stays in the coffin in the flat for three days (the funerals normally take place on the third day after death). The cover of the coffin should stay outside. Here you can see that the cover in on the stair case.

 

4 – 8. The fragments of the textile the body is covered with. They should look pretty (even luxury may be) though the quality is bad – the textiles are produced for the funeral case. The plastic flowers can also go inside the coffin. Taking pictures of a dead body considered to be bad. So these are the pictures from my two grandmothers‘ funerals. When my parents saw me with the camera they got very nervous and would not allow me to take pictures of the dead.

9 – 10. It would be a typical set of objects next to the coffin: a photo of the dead (which is placed on the grave after the burial), a book with prays and a candle. The fires are very common because there are candles which burn all day long and at night as well when nobody is watching and there are a lot of plastic flowers which are flammable. The sign (picture 10) contains the name of the dead, years of life and R.I.P. (as the last line). This sign is temporary and placed on the grave for one year (as you can see in picture 11). Weiterlesen