abc.etüde im Totenhemd-Blog: See u in another life

Christiane hat zu ihrer letzten abc.etüde vor der Sommerpause eingeladen mit Wörtern gespendet von onlybatscanhang. Ich habe dazu einen Text verfasst für den Wesentlichwerden-Blog … im Totenhemd-Blog erscheint der gleiche Text mit einem anderen Ende.

******

„See u in another life“, verabschiedete sich Harald von Juliane, die am Hafenquai zurückblieb. Er stieg die Steinstufen hinunter ins Wasser. Der 72-jährige trug seine blau gepunktete Badehose und kraulte Richtung offenes Meer. Es war stürmisch und ungemütlich draußen. Das Meer hatte etwa 14 Grad. Sie dachte wehmütig an ihren gestrigen Abend im Hotel bei „duck breast“ als Vorspeise und „catch of the day“ als Hauptgang. Der Seeteufel war auf den Punkt gegart, dazu wurden Brokkoli und Kartoffeln serviert. Harald hatte ihr gesagt, es würde ihr letzter Abend und Liebesnacht werden.

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/06/19/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-25-26-22-wortspende-von-onlybatscanhang/

Er wolle nicht mehr leben, sagte er ernst. Er würde einfach aufs offene Meer hinaus schwimmen. „Juliane, der Lungenarzt gibt mir ein halbes Jahr. Ich will nicht leiden, auch wenn ich in den letzten Wochen gut betreut würde. Ich habe Angst. Außerdem glaube ich an die Wiedergeburt. Ich werde bei Gott antanzen und ihm über mein bewegtes Leben erzählen. Wenn ich Glück habe, komme ich in den Himmel als Koch. Ich werde dir dann ein Zeichen senden“.

Weiterlesen

Der Exit Tag

Eine Kollegin kam vor ein paar Wochen ins Büro und erzählte von einem Gespräch mit einer ihrer Freundinnen. Der Inhalt dieses Gespräches: Die Stiefmutter dieser Freundin hatte ihre Stieftochter vor kurzem informiert, dass sie nun den Termin für ihren Exit-Tag bekommen habe. Kommende Woche Donnerstag, 14 Uhr.

So verstörend wie es die Kollegin empfand, so verstörend fand ich das auch. Mehr noch. Ich fand das, je mehr ich darüber nachdachte, hammerhart. Ein schwieriges Thema, je mehr ich darüber nachdenke.
Obwohl ich natürlich längst von dem Sterbehilfetourismus in die Schweiz weiß, vielleicht, war ich noch nie mit dem Thema ernsthaft konfrontiert. Auch dieses Mal nur mittelbar und über drei Ecken, aber es rückte plötzlich dicht auf.

Die Frau war schwer krank. Sie ließ sich also in die Schweiz fahren und wusste, dass sie am Donnerstag, dem x.ten, Punkt 14 Uhr ihren Termin in einem entsprechendem Institut hatte. Den definitiv letzten Termin ihres Lebens.
Bis dahin hat sie Zeit, alles zu richten und sich von allen zu verabschieden. Und dann ist es vorbei, das Leben. Wer sich dazu entschließt, hat sicherlich sehr gute Gründe, hat sich das lange überlegt und ganz sicher alle notwendigen Vorkehrungen getroffen und „seine Angelegenheiten in Ordnung gebracht“, wie es so schön heißt. Und wartet dann darauf, benachrichtigt zu werden, wann denn dieser Exit-Day stattfinden wird.

Weiterlesen

Was bleibt?

Wenn du jetzt sterben würdest, was würde in 10 Jahren von dir geblieben sein? – Eine spannende Frage, die auf dem Twitter-Account des Bestattungsunternehmens Thanatos vom Geschäftsführer Julian Heigel vor ein paar Wochen aufgeworfen und für sich selbst beantwortet hat: Erinnerungen bei denen, die er ausgebildet hat, Erinnerungen bei Familienangehörigen und engen Freunden und ein Berliner Erd-Grab, das – so seine Vermutung – nicht besonders gepflegt sein wird.

10 Jahre sind eine lange Zeit, aber nun auch wieder nicht so lang, dass man sie nicht überschauen kann. Und auch nicht so lang, dass man nicht einen spekulativen Blick in die Zukunft wagen darf. Das ist das Reizvolle an dieser Fragestellung. Zugleich ist es die Frage nach einer Zwischenbilanz und einer Rückschau auf das eigene Leben. Was habe ich erreicht? Und vor allem: Was davon wird bleiben?
Ich nehme die Frage gern mal auf:

Weiterlesen

Unsere November-Blogaktion 2021

Wir laden ein zur diesjährigen November-Blogaktion: Erzählt uns eure Geschichten!

Was wäre, wenn ich zuerst stürbe? (geknipst in Richterswil „street art)

In einem Interview erzählt Peter Handke im „Das Magazin“ auf sein Alter angesprochen diesen Witz: „Wenn du zuerst stirbst, besuche ich dich auf dem Friedhof“. Es folgten dann noch zwei weitere Scherze.

Eine lustige Kurzgeschichte schreiben oder einen Witz erzählen, in dem es ums Sterben oder den Tod geht. Warum nicht? Der bekannte und umstrittene Schriftsteller tut es auch ;-). Ich frage Dich: Wo stehst du gerade mit dem Leben und dem Sterben? Versteckt sich der Tod oder bist du nah dran? Mit wem sprichst Du im Alltag über das Sterben? Und was wäre, wenn Du zuerst stirbst? Wer besucht dich auf dem Friedhof?

Ich habe begonnen darüber nachzudenken: Was wäre, wenn ich zuerst stürbe? Ja was? Kann ich dazu überhaupt eine Geschichte schreiben oder wird es eher eine Aufzählung? Oder knipse ich einfach nur ein Foto. Ich bin davon überzeugt, dass du eine gute Idee haben wirst und ich bin sehr gespannt. Vielleicht ist es einfach nur ein Wort?!

Schreibe, male, zeichne, dichte oder fotografiere. Mit Humor und dem Schalk im Nacken. Mach‘ ein fröhliches Interview. Ich vergebe im kommenden November 14 Termine im Blog. Und zwar datiere ich die Tage in einer Liste hier im Blog. Wähle bitte einen Termin, wenn du mit bloggen möchtest. Sobald der Link zu deinem Artikel bei mir eintrifft, verlinke ich diesen an dem Datum, an dem dieser in deinem Blog erscheinen wird. So kann man an „deinem Tag“ klicken und deinen Blogpost lesen.

Weiterlesen

Mein neues Totenkleid

So ein Zu-Fall! Ich hab mein Totenhemd entdeckt, das ich im Falle meines Todes tragen möchte. Es ist ein Kleid. Ab heute gilt: Nicht mehr das Hochzeitskleid gilt als mein Toten-Outfit sondern dieses Kleid mit den mexikanischen Schädeln drauf.

Ich hatte die letzte Zeit so das Gefühl, dass ich morgens gern in eines dieser luftigen langen Kleider schlüpfen mag. Die Sommerkleider, die jetzt gerade so modern sind. Und fast jede Frau besitzt zur Zeit mindestens eines. Ich stellte mir vor: morgens wach werden, raus aus dem Nachthemd, rein ins luftig-leichte Kleid. Gesagt. Getan. In der Boutique, an der ich fast täglich entlang laufe hatte ich mich in eines, das im Schaufenster hing, verguckt. Ich nahm mir Zeit und wählte einige zum Anprobieren aus und entschied mich für zwei. Eines davon seht Ihr nun hier.

Erst auf den zweiten Blick fiel mir das Muster mit dem mexikanischen Totenschädeln auf. Ich freue mich drüber. Wie gefällt Dir meine Wahl?

Weiterlesen

31.3. Tagebucheintrag „verbunden sein“

Ihr ward sooooo toll. Du und … Du und … Du und …. Du.

hatte ich mal „en France“ geknipst:
Le Rouge c’est le couleur d’amour

Kreativ. Poetisch. Beobachtend. Tiefsinnig. Berührend. Nachdenklich. Trotzig. Vorsichtig.

Danke, dass Ihr mitgeschrieben habt zur diesjährigen Fastenzeit-Blog-Challenge: Carpe Diem. Sei Dir deiner Endlichkeit bewusst. Dein kreatives Tagebuch.

Ich habe aus allen Texten Sätze aneinandergereiht zu einem Artikel … in der genauen Datumsreihenfolge … ein neuer Text ist entstanden. Unsere Sätze sind verbunden in einem „Tagebucheintrag“.

Ich finde, so können wir getrost und gestärkt in die Osterzeit gehen. DANKE!

Ich will auf das HEUTE mich einlassen, will mein Leben gestalten im Rahmen der jetzigen Möglichkeiten … jeder Tag lädt ein genau zu schauen. Tschüss. Wir lesen uns! 🙂
********
Bedenke, dass Du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“

Hängt bei Euch auch das Totenhemd im Schrank?
Wie sieht euer letztes Kleidungsstück aus?
Doch ich verdränge ihn nicht, den Tod. Es würde mir auch nichts nützen. Und um so mehr ich mir ihn bewusst mache, schreckt er mich nicht nur, sondern er nutzt mir, um mit der Zeit umsichtiger umzugehen. 

Ich weiß nicht, ob die Suche nach dem Speziellen im Alltäglichen wirklich ein Carpe Diem bedeutet. Für mich jedenfalls ist es so. Denn es ist der besondere Moment des Innehaltens, des genauen Hinschauens und nicht selten des Erstaunens. … Eine Blüte, ein Regentropfen, eine Meise, ein Ast, eine Erdkröte (ja, die sind auch wunderschön!), Sonnenstrahlen im Wald, eine Spiegelung im Wasser… Und dann geht’s wieder weiter.

An manchen Tagen, da möchte ich allerdings einfach nichts davon. Ich möchte einfach nichts tun und nicht nützlich sein. Für niemanden. Nicht einmal für mich selbst. Auf der Couch liegen. Die Wand anstarren. Rumhängen.

Weiterlesen

19.2. Karin: Ich nähe mir mein Totenhemd

…. damit es zu Lebzeiten in meinem Schrank hängt und mich daran erinnert,
wie kostbar das Leben ist.

Nachdem ich von dem alten Brauch gelesen habe, schon zu Lebzeiten das eigene Totenhemd im Schrank hängen zu haben, entschloss ich mich – bis ins Innere davon berührt – im Zuge meiner Diplomarbeit, für den Abschluss zur Handarbeitslehrerin, mir mein Totenhemd selbst zu nähen.

Daneben begann ich mich auf die Suche zu machen nach alten und neuen Riten in der Welt, wie mit dem Tod und der Trauer umgegangen wurde und noch immer wird. Ein großer farbiger Teppich breitete sich vor mir aus, voll mit Informationen, Bildern, Bräuche, Gefühle und Gedanken. Ein ganz neues Land, das es für mich zu entdecken gilt und ich freue mich auf die Reise die noch vor mir liegt.

Weiterlesen

Entdeckt: Der Youtuber, der Tod und die Hoffnung

Philipp ist 23 Jahre alt und erhielt die dritte Krebsdiagnose. Nach zwei Krebsdiagnosen lehnt er eine erneute Chemo ab. Die Filmemacherinnen zeigen wie Philipp und seine Freunde mit dem Thema Sterben umgehen, das Leben gemeinsam genießen und an dieser Erfahrung wachsen. Der Glaube spielt auch eine wichtige Rolle. 

Am 14. Januar wird diese Doku auf NDR gezeigt, die auch schon in der ARD-Mediathek verfügbar ist: Der Youtuber, der Tod und die Hoffnung. Dauert ca. 45 Minuten.

Ich hab gleich weiter gesucht im Youtube-Kanal und die Real Life Guys gefunden.

am 11.11.2020 entstanden

Und wenn nicht jetzt wann dann das Leben leben? Es gibt noch einen anderen Kanal – Life Lion. Dieses Video entstand am 26.11.2020.

Weiterlesen

Mit Sicherheitsabstand bei Kaffee und Kuchen über den Tod geprochen

mein totenkleid

mein Totenkleid

Jürg war bei uns auf der Terrasse bei schönstem Wetter. Unser Freund hier vom Ort. Fragte mich nach unserem Totenhemd-Blog und ob wir nicht über den Tod sprechen wollten.

„Ja klar“. Ich zeigte ihm dann noch mein Brautkleid, das mein Totenhemd sein soll und die rote Jacke aus Hongkong dazu.

„Du kannst aber auch was schreiben für unseren Blog, das würde mich freuen. Jetzt wo du das Land verlässt.“

P1000969_WaldbachBeimTeufenbachweiher

von Jürg 

Sprechen wir vom Tod

Das Totenhemd steht zur Diskussion. Das wird gewungenermaßen etwas virtuell und das mögen nicht alle. Wir haben ja meist – Gott sei Dank – Besseres zu tun, oder Vergnüglicheres – Handfestes. Doch das ist Ansichtssache. Ich zum Beispiel rauche ja gerne eine Zigarette und probiere, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Eine meiner Meinung nach unterschätzte Kunst.

Hier entlang zu Jürgs Blog um den vollständigen Text zu lesen.

Jürg, merci vielmals und alles Gute für die nächste Reise und den Lebensumbruch. Ich schenke dir einen Satz von Rainer Maria Rilke:

Wer weiß, wer ich bin? Ich wandle und wandle mich.

Ach, wenn ich doch unsterblich wäre ….

cardinal-ach-wenn-ich-doch-unsterblich-waere-cover

Let the soul be your pilot
Let your soul guide you
He’ll guide you well
(von Sting auf Seite 90)

Das neue Buch von der Sterbeamme und Heilpraktikerin Claudia Cardinal wollte ich eigentlich schon während unserer letzten Blogaktion vorstellen. Ich bin spät dran.

Der Verlag informiert über das Buch:

»Austherapiert«: Eine Diagnose wie ein Urteil – ein Todesurteil! Betroffene Patientinnen und Patienten stehen mit einem Male vor den Trümmern ihrer Existenz und müssen sich mit dem Sterben und dem Tod auseinandersetzen, Themen, die in unserer schnelllebigen westlichen Gesellschaft….hier bitte weiterlesen.

In diesem Buch geht es also um Menschen, die an einer Krebskrankheit leiden. Sie müssen sich mit dem Sterben und dem Tod auseinandersetzen. Aber das müssen wir ja jetzt auch alle, weil sich der Corona-Virus weltweit ausbreitet. Das Tabuthema Sterben und Tod ist in unseren Wohnzimmern gelandet. Tagtäglich werden wir mit den Sterbenden konfrontiert, die an COVID-19 sterben oder mit dem Tod ringen auf den Intensivstationen.

Der Untertitel des Buches: Beruhigung in unruhigen Zeiten durch Sterbeammen und Palliative Begleitung. Wir finden in Claudia Cardinals Buch einen Wegweiser was im Angesicht des Sterbens möglich ist – und vielleicht auch in diesen schweren Zeiten ein wenig Beruhigung. Sie erklärt uns, was wir vielleicht nur oberflächlich wissen. Jetzt haben wir eine Art Lexikon vor uns, Weiterlesen