Mit dem Rollator eine große (Gedanken)-Runde drehen

Während unserer Gespräche in den letzten Tagen ist uns, Annegret und mir, bewusst geworden, dass sich die Themen rund ums Sterben und das eigene Sterben immer wieder verändern werden. War ich mir gestern noch sonnenklar, dass ich verbrannt werden will, stelle ich mir die Erdbestattung heute softer und natürlicher vor. Dieser Schock der Verbrennung und man ist nur noch krümelige Knochenasche?! Ich muss noch mal in mich gehen.

Ich bin mir sicher, dass sich diese Gedanken immer wieder verändern werden: Wenn ich Jetzt stürbe, wer käme dann an mein Grab bzw. zur Trauerfeier? Da fallen mir viele schöne Namen ein, von Menschen von denen ich mir wünsche, sie machten sich auf den Weg. Auch aus Hongkong würden sie kommen … und dann gleich meine Asche mitnehmen, um sie über den Peak zu verstreuen – geht natürlich nicht, wenn ich mich erdbestatten lassen.

Klar habe auch ich so meine Ängste vorm Älter-werden. Angst krank zu werden, Angst abhängig zu werden von Pflege undsofort. Meine Idole sind Frauen 90 plus. Da gibt es tolle Frauen, die sind geistig fit und rege und beruflich aktiv. So stelle ich mir das für mich auch vor. Erst vorgestern auf dem Friedhof habe ich eine alte Frau, eine Bekannte meiner Mutter, mit Rollator kennengelernt. Sie erzählt: „Jaja, ich war beim Frauen-Kaffee und drehe jetzt eine Runde nach Hause“. Diese Runde war jedenfalls eine ordentlich große Runde für mein Empfinden. Hut ab, vor der alten Lady! Sie spazierte vergnügt weiter mit ihrem Rollator zum Friedhofsausgang. Weiterlesen

Kino-Film: Halt auf freier Strecke

Bestimmt haben Sie ihn schon gesehen. Der Film kam im November 2011 in die Kinos. Er erzählt von einem an Krebs erkrankten Mann: Hirntumor … und seine letzten Monate.
Die Palliativärztin Petra Anwar spielt hier sich selbst als Ärztin, die Schwerstkranke und ihre Angehörige zuhause betreut.

Den Filmhinweis habe ich im Klappentext ihres Buches entdeckt. Ich habe es eben vorgestellt: Geschichten vom Sterben – von Petra Anwar und John von Düffel.

Buchtipp: Geschichten vom Sterben


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st ja nicht so, dass ich mich erst seit wenigen Wochen mit den Themen Sterben und Tod beschäftige. In meinem Bücherregal finde ich interessante Literatur. So wie dieses Buch von Petra Anwar und John von Düffel. Nachdem einer meiner Freunde, 50-jährig, gestorben ist, habe ich dieses Buch mit großem Interesse gelesen. Das war vor zwei Jahren.

Die Palliativ-Ärztin Petra Anwar schreibt Sterbe-Geschichten. Geschichten, die sie selbst erlebt hat. Teils schöne, teils haarsträubende Erzählungen. Man glaubt es nicht, was alles möglich ist in den letzten Wochen vor dem Tod. Erschütternd. Aber auch sehr tröstlich die schönen Geschichten. Der Autorin ist es ein Anliegen, dass Sterbende in ihren eigenen vier Wänden so angenehm als möglich sterben können. Sie arbeitet in Berlin für die Organisation „Home Care“.

Sehr sehr lesenswert. Auf dem hinteren Buchumschlag steht: Gegen die Angst vor dem Sterben.

Hier entlang zum Bestellen.

Und dann war da ein Regenbogen. Trauerzeremonie in Hawaii.

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Photo courtesy of Marc Chambers. https://instagram.com/mauimarcc

Ein junger Mann verunglückt in den Schweizer Alpen beim Snowboardfahren tödlich. Und seine Mutter erinnert sich, dass er von einer Trauerzeremonie in Hawaii schwärmte, die er im Fernsehen sah: „a paddle-out memorial for a surfer in Maui.“

Lesen Sie hier die sehr berührende Geschichte einer Mutter aus Deutschland, die sich auf den Weg gemacht hat nach Hawaii, um die Asche ihres Sohnes im Meer zu verstreuen. Sie organisierte ein „paddle-out memorial“ für ihn. (Vor dem Lesen Taschentuch holen ;-)).

More Than 100 Surfers Gather To Help Grieving Mother Say Goodbye To Her Son

Diese Geschichte zeigt, dass es „anders“ geht. Die Mutter hat zugehört und sich auf den Weg gemacht. Sie hat sich sehr verletzbar gezeigt und sie sind gekommen: 100 Surfer, die ihrem Sohn das letzte Geleit auf ihren Surfbretten erwiesen. Für die Mutter hat genau das den Frieden, die Ruhe und den Trost gebracht, den es braucht beim Verlust eines geliebten Menschen. Sie hat für sich und für ihren verstorbenen Sohn gut gesorgt.

Dieses schöne Erlebnis hat mich zu meiner Sehnsucht getragen und meinen Mann bitten lassen: Süßer, wenn ich mal vor Dir sterben sollte, bring bitte meine Asche nach Hongkong und verstreu sie überm Peak. Er fragte: Warum? Weil ich in Hongkong die schönste Zeit meines Lebens verbracht habe.

Wunderschöne Vorstellung für mich, da oben mitten im satten grünen „Dschungel“, den tosenden Verkehr aus der Stadt hinauf schwappen zu hören. Ein sehr tröstlicher Gedanke :-).

Und wo soll Deine Asche mal verstreut werden?

Nach mir die Sintflut? Schon mal was von Erbrecht gehört?

Ich werde es hier immer wieder wiederholen: Machen Sie Ihr Testament! Es ist besser, das finanzielle Vermögen vorab zu regeln. Wenn Sie Immobilien, Kunst oder Schmuck besitzen, ist es noch ratsamer ein Testament oder einen Erbvertrag zu formulieren.

Ich sage nur: Wenn Sie wollen, dass alles geregelt ist, dann tun Sie es, bevor Sie sterben und klar im Kopf sind und körperlich fit. Sie denken, Sie leben noch lange? Woher wollen Sie es wissen?

Ich lese derzeit parallel alle Bücher, die ich hier im Blog schon vorgestellt habe. Fritz Roth beschreibt es in seinem Buch „Das letzte Hemd ist bunt“ genauso wie es in unserer Gesellschaft noch üblich ist. Man verschließt die Augen, denkt sich „nach mir die Sintflut“, geht mich dann sowieso nix mehr an, sollen sich doch die anderen drum kümmern …. Das ist die Haltung, die heute mehr oder weniger noch üblich ist.

Ich plädiere dafür, dass wir es anders machen. Ich kann und will jetzt hier keine Details zu der Nachlasssache meiner Familie schreiben. Ich sage Ihnen nur: es ist so ärgerlich!!!! So zeitintensiv! So laaaaaaaaangsaaaaaaam. Wussten Sie, dass das Erbrecht das schwierigste Recht ist? Kennen Sie den Stundensatz eines Anwaltes für Erbrecht? Sie werden nicht schlecht staunen! Das rattert das Kostenkarussell.

Wenn die Dinge nicht geregelt sind, dann werden Ihre Nachkommen mit Nachlassgerichten zu tun haben, sich einen Anwalt nehmen müssen, sich vielleicht innerhalb der Familie streiten, unversöhnlich streiten … und eigentlich! trauert man.

Wenn Sie als Tote, als Toter Ihren Frieden wollen, regeln Sie die Dinge vorher. Nehmen Sie sich die Zeit dafür. Beantworten Sie sich die Fragen: Wer bekommt was und wie viel? Wer bekommt nichts? Was ist, wenn Sie UND Ihr Partner/Ihre Partnerin sterben? Erledigen Sie es bald und dann ist es gut. Erzählen Sie davon, wie Sie sich das vorgestellt haben mit ihrem Vermögen. Ihre Familie, Ihre Nachkommen werden es Ihnen danken.

Haben Sie Ihr Testament schon geschrieben? Erzählen Sie uns mehr, wenn Sie mögen. Ich werde dafür sorgen, dass das Testament meines Mannes und mir notariell beglaubigt wird bzw. in einen Erbvertrag umformuliert wird. Und dann lade ich meine Familie ein und erzähle, was Sache ist. In Frankfurt habe ich DIE Anwältin fürs Erbrecht gefunden.

Lesen Sie auch meinen ersten Beitrag hierzu: Willkommen Erbrecht. Die Dinge regeln.

TV-Tipp bei Arte: Der letzte Frühling

Eine unserer Leserinnen hat mich auf diesen Film bei Arte aufmerksam gemacht. Man kann ihn im Archiv anschauen oder die Wiederholung am 5.3. aufnehmen.

Es geht um eine krebskranke Frau, die Beziehung zwischen ihr und ihrem erwachsenen Sohn und um Sterbehilfe.

Der letzte Frühling. Hier entlang zum Filmarchiv.

Schreib´s noch rein in Sachen Beerdigung

Ich hatte wieder einen von diesen Momenten, die ich so liebe. Meine Improgruppe traf sich, wir hatten ein paar sehr schöne Erlebnisse und Erkenntnisse. Und eine, Anfang 70, sagte: „Jetzt mach ich das schon so lange, ich glaube das mach ich noch wenn ich sterbe.“ Und ich: „Genau! Und wenn du dann tot bist machen wir einen Handtanz für dich am Grab!“ „Echt, würdest du das machen?“ „Ja klar, schreib nur auf, dass deine Angehörigen uns bescheid sagen, wenn du gestorben bist.“ sie: Ja, dann muss ich das wohl noch mal aufschreiben.“

Eine Frau aus der Gruppe hatte etwas erweiterte Pupillen nach diesem kleinen Austausch. Aber alles in allem war es herrlich normal.

Vor dem Tod noch einmal den Geschmack von Bier im Mund haben

Sterben ist normal und gehört zum Leben dazu. Mit diesem Satz versucht Schwester Angela das Gespräch mit Sterbenskranken und deren Angehörigen zu führen. „Am Ende des Lebens sei den meisten wichtig, dass gewürdigt wird, was sie geleistet haben“.

Meine geschätzte Blog-Kollegin Gitte Härter hat mir diesen interessanten Artikel der Süddeutschen Zeitung zugespielt. Hospize in Bayern. Schutz für die letzten Tage.

Uns wird vor allem das Hospiz im Kloster Polling vorgestellt. Mir gefällt gut, was ich lese. Es macht mich froh und tröstet mich, dass letzte Tage friedlich und relativ schmerzfrei sein können. Die meisten Menschen, die in ein Hospiz kommen, sind schwer und unheilbar erkrankt: der Arzt bestätigt, dass es keine Heilung mehr gibt. „Im Schnitt sterben die Gäste innerhalb von drei Wochen; die Hälfte sogar innerhalb der ersten beiden Wochen.“

Im Kloster Polling sind die Menschen nicht Patient sondern „Gast“. Das Wort Patient wird vermieden. Sie dürfen lange schlafen, frühstücken wann sie es möchten, Bettwäsche nach ihrem Geschmack auswählen.

Sehr viele ehrenamtliche Mitarbeiter arbeiten in den Hospizen. Die Versorgung der Gäste wird teils von der Krankenkasse teils von Spenden finanziert. In dem Artikel wird ausführlich die Palliativmedizin erklärt. Wer nicht im Hospiz versorgt wird, kann sich von einem Palliativteam zuhause betreuen lassen.

Der allerletzte Satz erzählt von einem Sterbenskranken, der noch einmal den Geschmack von Bier in seinem Mund haben möchte. Er kann nicht mehr selbst trinken. Traurig, getröstet und zutiefst berührt habe ich die Lektüre des Artikel beendet. Es sind diese kleinen Aufmerksamkeiten, die den Menschen die Würde geben und ein letztes Leuchten in den Augen.

Vielleicht braucht’s jetzt einen Schluck Bier, den man in vollen Zügen genießt? Sterben ist zwar normal und gehört zum Leben dazu und doch geht’s einem an die Nieren. Mir schon.

Büro für die letzte Reise

Das Friedhof Forum Zürich versteht sich als „Büro für die letzte Reise“. Das gefällt mir sehr gut.

Kontakt

Friedhof Forum, Aemtlerstr. 149, 8003 Zürich
Tel. 044 412 55 68
friedhofforum (at) zuerich.ch

Das Friedhof Forum Zürich werde ich am Mittwoch besuchen. Ich werde Christine Süssmann, Leiterin Kultur und Kommunikation des Friedhof Forum kennenlernen. Sie ist mir in verschiedenen Zeitungsartikeln begegnet. In der Zeitung reformiert stand sie in einem ausgehobenen Grab, im Strassenmagazin Superprise stellt sie den schönen Friedhof Sihlfeld in Zürich vor

Bestattungswäsche

…. kann man bestellen bei Frau Afra Banach. Wenn Sie hier klicken können Sie stöbern.

Sie schreibt: „Das Thema der Totenkleidung habe ich als Diplomarbeit des Modedesignstudiums gewählt, weil es mir wichtig war, eine individuelle, moderne und würdevolle Alternative zu dem bestehendem Angebot zu erstellen“.

Dieser Hinweis kommt von Chantal, die bei uns eifrig mitliest und mitschreibt. Dankeschön!