Prost, mein Pa.

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Prost Pa.

Wenn ich an meinen Vater denke, dann denke ich zuerst an seine Reval, die er geraucht hat. Zwei bis drei Päckchen täglich. Solange ich ihn kannte. Reval sind filterlose Zigaretten in einer orange-farbenen Verpackung. Außerdem hat er gut und gerne Rotwein getrunken und konnte so manche Tafel Schokolade verputzen.

Wenn ich könnte wie ich wollte, dann würde ich meine FreundInnen einladen zum Wandern in der Heimat. Dann würden wir in Ebernburg an sein Grab gehen und auf ihn trinken. Beziehungsweise würden wir miteinander trinken: ein Gläschen Rotwein und vielleicht ein Stück Schokolade essen (diese Kombi könnte leider zu Migräne führen 😦 ).

In einem nahen Gasthaus würden wir dann lecker essen gehen und weiter Rotwein trinken. An unserem Tisch wäre ein Platz für meinen Vater gedeckt.

Er war ja durch und durch Gastwirt. Am Ruhetag unseres Hotel-Restaurant-Betriebes sind wir immer essen gegangen und haben uns verwöhnen lassen. Sein Lieblingsgericht, das wir alle sehr gern mochten: Rumpsteck medium gebraten, mit Kräuterbutter und Zwiebeln, einem leckeren Salat und Pommes.

Wenn ich mit meinen FreundInnen dann nach diesem ErinnerungsEssen einen kleinen Schwips hätten, würden wir noch einmal zu seinem nahen Grab gehen. Inzwischen ist dunkle Nacht und der Mond leuchtet hell. Dann würden wir ihm ein Lied singen – er wollte immer Opernsänger werden und wir würden ihm Schillers Glocke aufsagen oder vorlesen. Immer wieder hat er mir die Strophen aufgesagt. Als er Schüler war musste er dieses Gedicht von Schiller auswendig lernen. Was eine Herausforderung! Ich würde wenigstens die erste Strophe/den ersten Absatz auswendig lernen …

…. oder die letzte?

Jetzo mit der Kraft des Stranges
Wiegt die Glock’ mir aus der Gruft,
Daß sie in das Reich des Klanges
Steige, in die Himmelsluft!
Ziehet, ziehet, hebt!
Sie bewegt sich, schwebt.
Freude dieser Stadt bedeute,
Friede sey ihr erst Geläute.

Kinotipp: An – Kirschblüten und Rote Bohnen

Dies ist ein schöner, leiser, sehr berührender Film. Er spielt in Japan. Es geht um eine alte Frau, um ihren Herrn Chef, um eine asiatische Köstlichkeit mit rote-Bohnen-Füllung und viele wunderbare Weisheiten. Es geht um Abschied, um Lebenskrisen, um Weitermachen und auch um den Tod. EINFACH nur sein. EINFACH arbeiten. Das Beste aus dem Wenigen machen.

Nach fast zwei Stunden mag man gar nicht heim sondern möchte am liebsten noch weiter schauen, das Gesicht in den Wind halten und die Kirschblüten riechen. Lass dich inspirieren.

Entweder hier reinklicken und die japanische Version hören oder die Youtube-Version angucken. Viel Spaß.

29.11. Christine Kempkes: Andere Länder, andere Sitten – wie leicht darf Gedenken sein?

Kaukasus Collage

Kaukasus Collage von Christine

Angeregt durch Petra’s November-Newsletter „Leicht über’s Sterben reden“ und ein inspirierendes Gespräch mit ihr per Email freue ich mich, bei dieser Blog-Aktion dabei zu sein.

Nicht erst im Zusammenhang mit dem Tod meines Vaters in diesem Jahr habe ich hierzulande häufig erlebt, wie schwer wir uns tun, den Tod ins Leben zu lassen. Geschweige denn, ihm eine gewisse Leichtigkeit abzugewinnen. In den letzten Monaten habe ich oft darüber nachgedacht, woran dieses „Totschweigen“ des Themas (Was für ein Wortspiel!) wohl liegen mag. Meine Antwort: uns fehlen „leichte“ Rituale!

In anderen Ländern sieht das anders aus – wie wir in diesem Blog schon an anderer Stelle lesen konnten. Und so möchte ich heute erzählen, was ich auf meinen Reisen nach Armenien und Georgien erleben durfte. Hin und wieder begleite ich meinen Mann im Rahmen eines caritativen Projektes auf seinen Reisen in den Kaukasus. Über die Jahre sind dort Freundschaften gewachsen mit Menschen, deren Gastfreundschaft immer wieder überwältigend für mich ist.

In Armenien und Georgien trifft man sich bei Tisch nicht nur, um zu essen und zu trinken – das Mahl ist kein Selbstzweck. Menschen treffen sich, Weiterlesen

Bienenhonig vom Friedhof Sihlfeld

imageDieser Bienenhonig wurde von fleißigen Bienen auf dem Friedhof Sihlfeld in Zürich gesammelt. Es gibt auch einen fleißigen Imker, der in diesem Jahr eine Führung zu den Bienen unternommen hat. Leider konnte ich nicht daran teilnehmen.

Annegret und ich haben gekostet. Lecker … im Abgang schön süß und leicht aromatisch :-).

Kann man im Friedhof Forum in der Aemtlerstraße kaufen während der Öffnungszeiten.

Den Löffel abgeben? Wir können das jetzt!

IMG_1615Endlich haben wir einen Löffel zum Abgeben! Gefunden auf einem türkischen Markt, handgeschnitzt von einem alten Mann. Den Freundinnenlöffel unfeierlich an Petra überreicht und meiner ist nun in meiner Küche in Gebrauch (Zuletzt für das Salz in der Suppe). Ich experimentiere noch. Könnte ihn auch in der Handtasche mit mir führen.  Wer findet auch, dass das unser neues Profilbild im Totenhemd-Blog werden sollte?

Wenn ihr „Löffel“ in der Suchfunktion eingebt findet ihr weitere Löffel-Spuren…

Leichenschmaus … ein Schmaus mit der Leich?

7809778,templateId=scaled,property=imageData,,scale=proportional,v=1,,CmPart=com.arte-tv.wwwMein Mann und ich schauen regelmäßig die Sendung Karambolage auf ARTE. Kennen Sie diese kreative, humorige TV-Sendung? 15 Minuten lernt man etwas aus Frankreich oder aus Deutschland. Ein Wort, ein Zitat, eine Begebenheit. Und das in fröhlich-kreativem Look. Mir gefällt das.

Wir sind allerdings ein paar Sendungen hinterher. Kürzlich haben wir aus der Staffel 11, die 26. Folge gesehen vom 9. März 2014. Dieser Beitrag informierte uns darüber, dass in Frankreich ein Wort fehlt für das wir ganz viele Wörter haben: Totenmahl, Beerdigungs-kaffee, Trösterbrot, Trostbrot, Trauerbrot oder Tränenbrot. Andere nennen das Essen nach der Beerdingung ganz einfach Tröster … und noch einige mehr.

Wie sagen Sie zum Totenmahl? Kennen Sie diese Wörter, die hier aufgezählt sind? Vielleicht haben Sie noch einen anderen Ausdruck dafür? Ich kann ja mal bei meinen Schweizer Bekannten nach hören, wie man hier sagt. Bei uns zuhause sagt man: Beerdigungskaffee. Beim Wort Leichen-schmaus assoziere ich vor allem ein leckeres Essen (es wird geschmaust). Warum auch nicht? Wenn der Verstorbene gerne gegessen hat, wird’s ihm gefallen ;-).

Lesen Sie hier, was uns in der Sendung gezeigt und erzählt wurde. Ist leider nicht als Video archiviert.

Buchtipp: Ich koch dich tot

DownloadedFile-1Ich hab’s ja schon mal geäußert: Seitdem wir hier im Totenhemd-Blog schreiben, bekommen wir von allen Seiten interessante Links, Tipps und Buchempfehlungen zugespielt. Meine liebste Schwester heut morgen: Guck mal, ist vielleicht was für Euch. Allen an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Wir sind total froh darüber.

Einfach nur herrlich dieses Buch. Hab gleich mal reingeguckt. Ich sag nur: witzig-bitterböse geht’s hier zu. Und es ist (kein) Liebesroman. Die Protagonistin befördert durch kleine Beigaben im Kochtopf ihre Liebsten ins Jenseits, bis sie einen Gleichgesinnten trifft. Viel Spaß beim Lesen. Oder kennen Sie diesen Roman schon?

Zum Nachahmen nicht empfohlen!

Hier zur Buchbestellung.

Frau Ines und die Totenschädel

Quelle: frau-ines.de

Quelle: frau-ines.de

Komme gerade aus Hamburg zurück. In meinem Lieblingskaffee “Herr Max” am Schulterblatt hat Frau Ines im Stile des “Dia des los Muertos” das ganze Kaffee mit alten Porzellantellern geschmückt. Darauf tanzen und grinsen zwischen Goldrand und Blütenranken fein schwarz gezeichnete Totenschädel im mexikanischen Stil. Frau Ines spielt mit den Motiven. Sie überzeichnet alte Fotos mit schnörkeligen Zuckerschädeln. Richtig nahe kommt einem die Irritation bei dem Foto eines heutigen jungen Paares. Frau Ines hat außerdem fantastische Scherenschnitte zum Thema “Lachen.Tod.” kreiert. Irgendwas in mir ruft “Ich will auch solche Teller an der Wand!” Das war schon vor Jahren in San Francisco der Fall, als ich meine erste Bekanntschaft mit Weiterlesen

Jetzt die Feste feiern, die ich dann auch haben will

FotoDer Kommentar von Chantal „Ich würde eines Tages, wenn es soweit ist, meine eigene Beerdigung gerne als ein buntes, ausgelassenes, ja lebendiges Fest sehen.“ hat mich darauf gebracht: wenn du dermaleinst ein schönes Fest haben willst, beginne jetzt damit, deine Festkultur zu verändern, zu vertiefen, auszubauen.

Ich erinnere mich an Beerdigungsgespräche (aus der Zeit als ich noch Gemeindepfarrerin war), in denen die Angehörigen viele schöne Sachen erzählten, die dann mit dem Satz begannen: “ Und sie/er hat immer…“ den Garten gehegt und gepflegt, Wert auf sein Äußeres gelegt, fantastisch gesungen, … Es waren immer die kleinen Dinge des Alltags, die zu leuchten begannen in diesen Erinnerungen.

Wenn ich also möchte, dass die Leute mein Leben feiern, dann sollte ich jetzt damit anfangen, mein Leben selbst zu feiern. Dann werden die Hinterbliebenen dermaleinst sagen: sie hat immer ganz viele Leute eingeladen und dann ein neues Tortenrezept an uns ausprobiert… Das könnten wir jetzt ja auch machen. So in der Art.

Und das Bild zeigt das Rezept, das ich eben ausprobiert habe und morgen unter Leute bringe, die ich nur zum Teil kenne, während wir uns über Glaube im Alter unterhalten.

Chantal kommentierte diesen Artikel: Frau Ines und die Totenschädel