Buchtipp: Gegen alle Regeln: Ein Memoir …

51r38O58oRL._SX304_BO1,204,203,200_Letzten Sonntag habe ich ein Interview mit der Autorin Ariel Levy gelesen. Sie schreibt über ihre Erfahrung einer Fehlgeburt, die nur sie alleine erlebt hat. Sie gibt ihrem toten Kind „eine Identität“. Sie will, dass anerkannt wird, was passiert ist“. Die Überschrift des Artikels: Er hat gelebt.

Mich hat das Interview sehr berührt, weil die Autorin mit diesem Buch versucht uns ihre Trauer und ihren Schmerz nahe zu bringen. Sie sagt aber auch: „Ich glaube, hier in Amerika leben wir unser Leben, als würden wir nicht sterben“. Oder: „Ja, und ich glaube, einer der Gründe dafür, dass Fehlgeburten und Totgeburten so die Hölle sind, sind die fehlenden Rituale. … Aber ich glaube, weil nicht darüber geredet wird, denkt man: Bin ich verrückt, dass ich das Gefühl habe, mein Kind ist tot? … Aber eine Fehlgeburt zu haben, wo man die Person, die man gemacht hat, sieht, und dann stirbt sie, das ist schrecklich. Rituale könnten diesen Schmerz vielleicht ein bisschen lindern.“

Ich finde, ihre Worte machen neugierig auf ihr Buch.

Hier kann man reinlesen.

 

Hallo Pa, willste ne Reval zum 3. Todestag?

Hallo mein lieber Vater,

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14.9.2014 frühmorgens

heute vor drei Jahren bist du plötzlich gestorben. Von jetzt auf gleich innerhalb weniger Minuten in den Armen Deiner Frau gestorben. Was ein schöner schneller Tod!

Ich sag Dir, das hat mich echt umgehauen. Das weiß ich heute, 3 Jahre später. Ohne Abschied bist Du gegangen. Einfach so. Es gab keine letzten tröstenden Worte von Dir an uns. Was war ich wütend und verletzt: bist einfach „so“ gegangen. Es hat mich ganz schön umgehauen, mein Lieber.

„Schillers Glocke“ habe ich immer noch nicht auswendig gelernt und an Deinem Grab aufgesagt, zumindest die letzte Strophe wollte ich ja lernen.

Die Trauer um Dich verblasst (darüber bin ich froh), es bleibt die Freude über das, was Du mir mitgegeben hast: die Liebe zur Musik und zum Singen. Ich träller wirklich mein Leben gern und denke dann oft im Stillen an Dich.

Stell Dir vor, was das Größte ist für mich: Mittwochs gehe ich jetzt immer mit Winston dem Labrador spazieren. Der schwimmt sogar mit mir im See! Zum Piepen sag ich Dir! Damals als ich unseren Riesenschnauzer Aki hatte hätte ich mal wissen sollen, dass die Hunde es lieben, einem Ball hinterher zu laufen. Dann hätte er sich nicht mit den Steinen abgeben müssen, die er immer im Maul hatte und sich deshalb die Zähne ruinierte. Ja Mist, das tut mir jetzt manchmal in der Seele weh. Aber Winston den liebe ich, der macht mich so was von häppy. Eines Tages werde ich einen eigenen Labrador haben. Jetzt aber noch nicht.

Eine Kerze anzuzünden ist einfach, das habe ich gerade gemacht. Es ist eine Friedenskerze, deren Flamme jetzt lodert. Eine Reval für Dich anzuzünden ist schon schlimmer, weil ich dann den Zigarettengeschmack eine Weile im Mund haben werde. Hust!

170527_p_und_v_78Ich war beim Jodelkurs, als Du gestorben bist. Ich musste das Wochenende abbrechen. Ich konnte da nicht mehr Jodeln ;-). Und war seitdem noch nicht wieder dort im Toggenburg bei einem nächsten Jodelkurs. Ich hab aber mit Annegret österreichisch gejodelt während meiner Geburtstagsfeier. Du hättest uns mal hören sollen! „I krogel di o“ (ich dreh dir den Hals um (liebes Hähnchen).

Geht es Dir gut da oben? Singst Du den Engeln deine Arien vor so wie uns früher? Singen sie dann mit und stimmen ein im Chor? Das wünsche ich Dir.

See u nächstes Jahr wieder hier! 🙂

Das erste Trauerjahr ist vorbei.

 

Mein Vater wäre heut 90 geworden

Herzlichen Glückwunsch, mein lieber Pa … da wollen wir dir mal Schillers Glocke aufsagen.

Jetzo mit der Kraft des Stranges
Wiegt die Glock’ mir aus der Gruft,
Daß sie in das Reich des Klanges
Steige, in die Himmelsluft!
Ziehet, ziehet, hebt!
Sie bewegt sich, schwebt.
Freude dieser Stadt bedeute,
Friede sey ihr erst Geläute.

Warum und wieso Schillers Glocke? Hier habe ich drüber nachgedacht.

Mrs. B.: Mein erster toter Mensch

img_3907Es war gar nicht geplant. Nach dem Abi ´85 hatte mich eine englische Freundin in ein Deutsches Altenheim in London vermittelt. Ich wollte ein bisschen Auslandserfahrung sammeln. Das Altenheim hatte sie in den Kleinanzeigen gefunden. Die „Matron“ des Hauses sucht deutsche Mädels, die mit den alten Damen Deutsch sprechen und in der Pflege helfen.
Es war meine erste direkte Erfahrung mit alten Körpern. Meine Großmütter hatte ich ja nie gewaschen. Diese wunderbaren alten Damen, die ihr Englisch hier und da schon ein wenig vergessen hatten und sich über so ein junges Mädchen freuten, brauchten meine Hilfe bei der Morgentoilette, beim Essen – und ein wenig Unterhaltung irgendwo zwischen Deutsch- und Englischland.
Und so geriet ich mit gerade mal 18 Jahren in „mein erstes Sterben“. Es war einfach so weit für Mrs. B.. Ich blieb bei ihr. Der aufgeblähte Leib, die zerzausten Haare, die zerwühlten Laken. Das schwere Atmen. Das nicht mehr Atmen. Das Alleinsein.
Denn da war sonst niemand, der sie (oder uns) begleitete.
Es war irgendwie gut.
Später, als sie – recht bald – vom Bestatter abgeholt worden war, begann ich die Laken zu waschen. Mit großer Verve. Ein Ritual – was auch immer. Ich bekam die riesigen Schweißflecken nicht heraus. Das hat mich mehr als alles andere irritiert. Der Abdruck eines vergangenen Lebens.
Mrs. B. hatte keine Angehörigen. Ich durfte mir von ihrem Schmuck etwas heraussuchen. Eine goldene Gliederkette mit Türkisen.
Danke, Mrs.B.

30.11. Frau Frohmann: LIMBUS. Das soziale Netzwerk für die Lebenden und die Toten

limbusbildIch stelle mir eine Internetplattform namens LIMBUS vor, die das, was im Virtuellen bislang ein unwillkürlicher Effekt ist, die merkwürdige Vermischung der Vorstellungen von Lebendigem und Totem, bewusst verstärkt und emotional nutzbar macht. Auf LIMBUS bleiben die Lebenden und die Toten in Kontakt.

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uuuhuuu … Christiane denkt weit(er) … lasst Euch überraschen. Hier entlang.

29.11. Simone Harland: Über die Toten reden, wäre bereits ein Fortschritt

doppelregenbogen_1Es ist November. Zeit der Toten-Gedenktage. Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag, Totensonntag und wie sie alle heißen. Da legen Offizielle Kränze an Gedenkstätten ab, entzünden Hinterbliebene Grablichter (heutzutage auch welche mit LED, statt mit echter Flamme), verkaufen Gärtnereien und Supermärkte zum Teil pottenhässliche Grabgestecke*, um die Toten zu ehren.

Und ich? Ich ernte betretene Gesichter, wenn ich den Namen meines toten Mannes in einer Unterhaltung erwähne.

So gerne würde ich mit den Toten (oder ganz speziell einem) tanzen, wie es die Blogaktion des Totenhemd-Blogs „Ich habe mit den Toten getanzt“ vorschlägt, deren Teil dieser Beitrag ist. Doch wie kann ich das, wenn ich nicht über die Toten reden kann?

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Wir sind gespannt und freuen uns auf Simones ausführlichen Artikel.

27.11. Michaela Schara: TotenTratsch

img_1611„Apfelstrudel, der muss unbedingt auf den Tisch … und Kaffee sowieso, waren ja alle Kaffeetrinker … und Opa will sicher Jolly spielen, also die Karten herrichten …

ob ich Blumen auf den Tisch stelle? Abgeschnittene Pflanzen in Vasen mögen wir irgendwie alle nicht so …

Aber Kerzen! Kerzen brauchts … nur Mama mag … falsch, mochte kein offenes Feuer …“

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Mal sehen was Michaela uns da aufgetischt hat ;-). Hier entlang zu ihrem Artikel.

25.11. Gitte Härter: Der Tod und das Erinnern

Tanz mit dem Tod - Gitte Härter

Tanz mit dem Tod
Gitte Härter

Impulsiv und unrealistisch betrachtet, wäre ich ein Kandidat für Deals mit dem Teufel. Das Nicht-wahrhaben-wollen und einen geliebten Menschen zurückbringen. Koste es, was es wolle!

Nun weiß ich, dass sowas nicht gut endet. Versuchen würde ich es doch. Diese verflixte besitzergreifende emotionale Kurzsichtigkeit!

Weitsichtig betrachtet, will ich mich der Menschen, die mir etwas bedeuten, mit Frohsinn erinnern …

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Gitte ist dabei und tanzt mit den Toten … hier entlang zu ihrem Artikel. Wir sind gespannt.

23.11. Birgit Janetzky: Der Scheiterhaufen

Grabmalgestaltung

Grabmalgestaltung

Als mein Vater starb, war ich mir mit meinen Geschwistern einig, dass wir aus unterschiedlichen Gründen eher selten das Grab auf dem Friedhof besuchen werden. Keiner wollte regelmäßig dort auflaufen, um gesehen zu werden, um Blümchen zu pflanzen oder diese mit Wasser zu versorgen. Gleichzeitig wollten wir diesen Erinnerungsort sehr persönlich gestalten und nicht einfach den Boden mit einer pflegeleichten Steinplatte versiegeln. Wir fanden einen Bildhauer – Siegbert Altmiks von »grenzstein-art« – dessen Konzept uns überzeugte. Das Grabmal besteht aus zwei Komponenten.

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Wir freuen uns, dass Birgit bei uns mitschreibt. Hier lest Ihr den vollständigen Blogbeitrag.

21.11. Claudia: Erinnerungen an eine Igelprinzessin

img_9414„Wie wir uns an die Toten erinnern wollen, das ist eine schwierige und eine einfache Frage zugleich. Einfach deshalb, weil es ja einfach so passiert, dass ich mich an meine Schwester erinnere, wenn ich mich unvollständig fühle. Oder wenn ich Sitzsäcke sehe oder Prinzessinnen oder Igel. Einfach, weil ich ja nichts dagegen machen kann.

Das ist ein Erinnern, was in mir drin stattfindet. Das ist einfach.“ …

Wir freuen uns, dass Claudia wieder dabei ist. HIer lesen wir ihren vollständigen Artikel.