Danke für Eure Friedhofsspaziergänge!

IMG_4485Ein grauer Samstagmorgen. Gestern habe ich meinen Hausaltar entstaubt, poliert und ein paar Tannenzweige darauf gelegt.  Zwei einfache Sterne aus Palmblättern dürfen sich schon zeigen. Die ganze Woche über hatte ich – nach und nach – das kleine Tod, meine Sugarskull-Köpfe und den großen Löffel aus den Blättern, Kastanien und Kürbissen heraus gepflückt, die meinen Hausaltar so bunt gemacht hatten. Die Kerze, die für meine Toten brannte, ist ausgebrannt.
Gestern bin ich in den ersten Weihnachtsmarkt geraten. Laut, voll, alkoholisiert (nicht ich ;-)). Wie ruhig waren doch die Spaziergänge, die ich über den Friedhof gemacht hatte. Und wie besonders und anrührend waren die Gänge,  die wir mit Euch machen durften!

Petra und ich waren wieder ganz beeindruckt und selig, was wir von euch bei unserer 5. November-Blogaktion „Friedhofsspaziergänge“ lesen und weitergeben durften. (Hier noch mal alle im Überblick) Das waren ganze Bildungsreisen, Forschungsprojekte, ein Sich-Einlassen auf einen Ort, der mal ganz still und überraschend leer, mal mit Generationen-Leben gefüllt war.  Sie führten uns nach Weiterlesen

von Christiane: Hanne

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geknipst von Petra © in Bad Kreuznach

Christiane macht spontan mit. Am 10. Oktober wurde Hanne, ihre Cousine mit knapp 85 Jahren beerdigt. Zum Gedicht schreibt sie: „Es sind wörtlich ihre Formulierungen, die dem Text zugrunde liegen. Ich habe sie bei einem längeren Telefonat schon vor Jahren mitgeschrieben, weil ich sie äußerst bemerkenswert fand. Und dann, am Tag ihrer Urnenbeisetzung auf dem Friedhof in Bad Rothenfelde , da war es genau so wie sie es liebte: ein Herbsttag unter milder Sonne und fallende Blätter ringsum …. „Einer muss letzter sein, warum nicht ich …“ Mich bewegt dieser Text immer noch. Vielleicht bewegt er auch andere?“ Vielen Dank, Christiane!

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Hanne                                                                                        

Mögen die anderen
ihr Herz im Frühling finden.

Mögen sie schlürfen vom Sommer,
als gäb es nur ihn.

Meine Zeit ist der Herbst.
Und der Winter.

Vergehen.
Und Tod.

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9.11. Stefanie Gänßlen: an einem Sonntagnachmittag …

4F0C31C1-F442-4EB2-A59C-F093831BDB25.jpegAn einem Sonntagnachmittag auf dem Heidelberger Bergfriedhof 20.10.19

Faszinierend,
was mich bewegt,
wenn ich mit Stift und Kamera
an einem sonnigen Sonntag Nachmittag
auf dem Heidelberger Bergfriedhof
unterwegs bin

Achtsamkeit
Denken
Fühlen
Danken
Gestalten Weiterlesen

Brücke von Alcantara. Von ihrem Erbauer bewacht.

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vor 14 Tagen waren wir hier: am 24.9. geknipst

Das Ziel war gegeben. Über diese besondere Brücke sollte es gehen. Durch sengende Hitze radelten wir unserem Ziel entgegen. Über die „Puente de Alcantara“ radelten wir, die über den Fluss Tajo führt. Ein Weltwunder römischer Baukunst. Sie entstand innerhalb von 5 Jahren etwa 105/106 nach Christus. 5 Jahre nur! Und das zu den damaligen Zeiten! Sie soll Weltkulturerbe werden (soviel ich weiß ist sie noch nicht eingetragen).

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Friedhofspaziergang: Cemetario dos Prazères in Lissabon

Wir waren 10 Tage Fahrradfahrend in Portugal und der spanischen Extremadura unterwegs – mit einer 13-köpfigen Gruppe geführt von einem jungen Reiseleiter aus Argentinien. Diese Reise bleibt unvergessen. Die letzten Tage verbrachten wir auf eigene Faust in Lissabon und besuchten abseits der Touristenströme den Zentralfriedhof der Lissabonner: den Cemetario dos Prazères. 1833 wurde der Friedhof angelegt. Wir lernten, dass das portugiesische Wort „Prazères“ Vergnügen oder Freude heißt. Der groß angelegte Platz war mal ein Vergnügungspark. Wir waren also auf dem Friedhof der Freuden. (siehe auch: Portugal 360°). 

Nach dem Eingangstor empfing uns eine Tafel mit Informationen. Wie Ihr auf der roten Karte seht informieren verschiedene Symbole über eine berühmte Persönlichkeit, Architektur oder Geschichte und mehr. Diese Symbole findet man dann wieder auf  weißen Marmorstelen pro Grabreihe.

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Kein Jahr wurd vergessen

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Zum Thema „Jahresringe zusammenbringen“ hat meine Schweizer Schreibfreundin Maria einen sehr schönen berührenden Text geschrieben, den ich hier veröffentlichen darf. Ich bin davon überzeugt, dass dir die Geschichte gefallen wird. Mir gefällt sie sehr. Es wird ein Ritual beschrieben, das ich sehr schön finde.

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Es ist der letzte Freitag im Monat: Erinnerungszeit. Seit dem ersten Todestag meiner Frau widme ich diesen Tag ihren Schätzen. Gehe durch ihre Sammelboxen, Ablegekästen, Kisten oder Schubladen.

Am liebsten sind mir die Scrapbooks. Ich nehme das oberste heraus, blättere und erinnere mich, blättere und lächle, blättere und sinniere. Alles hat sie gesammelt auf unsern Reisen, alles hat sie eingeklebt. Ich verharre bei einem Foto einer riesigen Baumstammscheibe. Daneben hat Anita geschrieben: Der Baum: Ringe erzählen seine Geschichte, umhüllen und schützen den zarten Anfang, kein Jahr wird vergessen. Lang hocke ich da, umringt von Karten und Quittungen, Tickets und Fotos, unserer Geschichte und ihren Erinnerungen. „Kein Jahr wird vergessen“.

Könnte ich unsere Reisen wiederholen? Die 43 Reisen, die wir miteinander gemacht haben, jedes Jahr eine. Könnte ich unsern eigenen Baum gestalten, anfangen mit unserer Hochzeitsreise als Zentrum, als Kern?

Ich drehe am Ehering, den ich immer noch trage.  Weiterlesen

Jahresringe und Spiegelungen

IMG_2132.JPGDer letzte Tag im Juli neigt sich dem Abend entgegen. Der 1. August steht vor der Tür. Zum 95. Mal wird sich dieser besondere Monatswechsel in seinem Leben ereignen. Der Nationalfeiertag steht vor der Tür. Wie jedes Jahr würde er im Lieblings-Bio-Bauernhof seine Freunde zum Brunch treffen. Er hatte einen Tisch für 15 Leute reserviert und um einen Tisch unter den Bäumen im Schatten gebeten. Wie er diese lauschige Stimmung liebte. Das Draußen-sein mit Jung und Alt.

Er freut sich jetzt schon auf die Alphornbläser und den Naturjodel seines Großenkels. 25 Jahre der Kerl. Wie schnell er groß geworden ist! Er ist so stolz auf ihn. Die Tradition bewahren und mit anderen jodeln. Das hatte er selbst von seinem Vater übernommen. Über die Generationen hinweg war es ihnen immer wichtig gewesen, die heimischen Rituale zu ehren und zu leben.

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8. August MementoTag end-lich leben

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Die Damen vom MementoTag haben sehr viele Interessierte auf Ihrer Website zusammengebracht. „Tod und Sterben“ soll heute am 8. August ein wiederkehrender Gedenktag werden. Dass wir sterben und end-lich sind soll uns immer wieder bewusst sein.

Gerade gestern hab ich meiner Friseurin vom MementoTag erzählt und dass ich dazu schreiben werde. Sie erzählte mir darauf von einem Bekannten, der sich kleine Sterne auf seinen Oberarm auf der Innenseite tätowieren ließ. Er sind schon 3 Sterne. Jeder Stern steht für einen geliebten Menschen, den er im Laufe seines Lebens verloren hat. Oma, Opa, ein Freund. So bleiben sie in seiner Erinnerung. Aber auch er selbst weiß um seine Endlichkeit. Täglich wird er daran erinnert.

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Als ich meine Mutter vor etwa drei Wochen besuchte erzählte sie mir, dass ihr geliebter Hans (ihr zweiter Ehemann) dieses Jahr 80 würde. Er hätte am 14. Juli Geburtstag gehabt. Wir sind also gemeinsam auf den Friedhof marschiert an einem heißen Sommertag. Sie mit ihrem Rollator immer mit kleinen Pausen und roten Rosen dabei. Die haben wir auf sein Grab verteilt. Meine Mutter sagte mir am Telefon, dass sie sehr glücklich sei, dass ich sie begleitet habe. Denn es wäre ihr allein zu beschwerlich gewesen. Weiterlesen

Mutter Goethes Grab auf einem Frankfurter Schulhof. Neben dem Peterskirchhof.


IMG_2060Auf dem Weg zum Sprachkurs staunte ich nicht schlecht als ich vor einer Kirche, der Peterskirche, einen kleinen Park entdeckte mit der Information „Gedenkstätte“. Ich stand vor dem Peterskirchhof. Nicht zu übersehen jedenfalls ein sehr aufdringliches Kreuzbildnis aus Stein mitten in der Stadt einen Steinwurf von der City entfernt. (Es ist eine Kopie der Kreuzigungsgruppe vom Mainzer Bildhauer Hans Backoffen. Das Original ist im Museum zu finden). Die Kirche und auch dieser Platz sind mir nicht fremd aber ich war sehr selten hier. Es hat mich nie interessiert näher hinzuschauen.
Was ein Kontrast für das Auge!

Ich bin jedenfalls gleich nach dem Sprachkurs los und habe mir alles genau angesehen.

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Jüdischer Friedhof Berlin – ein sommerlicher Friedhofspaziergang

Jüdischer
Friedhof Berlin-Weißensee
so viele Lebensgeschichten
ich spaziere leise neugierig
lauschend

Es war eine interessante und halbstündige Fahrt mit der Straßenbahn quer durchs quirlige Berlin. Von der Straßenbahnhaltestelle spazierten wir durch ein stilles Wohnviertel und erreichten den Eingang zum Jüdischen Friedhof.

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Über hunderttausend Tote liegen auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee. Ich informierte mich kurz ob es einen Plan des Friedhofs gibt und entdeckte in einem ausliegenden Buchexemplar berühmte Persönlichkeiten. Es sind etwa siebzig gelistet. Ich suchte mir zwei Gräber heraus, die ich auf jeden Fall finden wollte. Ich hatte Glück, dass sie im Plan auf dem selben „Längengrad“ lagen. Ich wollte Samuel Fischer finden, der den Fischer-Verlag gegründet hatte und Albert Mendel. Ihm wurde vom Architekten Gropius ein Bauhaus-Grabmal geschaffen.

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Und dann waren wir umschlossen von Stille und Dunkelheit. Es war ein heißer sonniger Tag auf dem Jüdischen Friedhof. Hier herrschte angenehme Kühle. Unsere Sinne empfingen eine düstere und geheimnisvolle Stimmung. Weiterlesen