Über das Sterben sprechen: Death Café 1

deathcafe1Gestern in Richterswil um kurz vor 15 Uhr.
Caffetino Vino an der Dorfstraße.
Fünf Frauen sind gekommen. Mit Andrea und mir sind wir sieben.
Wir sitzen in einer großen Runde.

Ja, wie sind wir drauf gekommen?
Auf das Death Café 1 in Richterswil?
Andrea ist Pfarrerin. Ich schreibe im Totenhemd-Blog. Höre vom Death Café und wir wollen mit anderen über das Sterben sprechen.

Die Frauen erzählen eine nach der anderen:

Innerhalb von 10 Monaten sind meine Eltern und mein Mann gestorben. Das ist 7 Jahre her. Der Tod hat mich überrascht! Jetzt geht es mir wieder gut.

Früher hat man hier in Richterswil die Verstorbenen vor der Haustüre aufgebahrt. Es ist jemand von Haus zu Haus gegangen und hat erzählt, wer gestorben ist.

Glücklich sterben wäre schön.

Ich glaube, ich habe was verpasst: ich habe noch nie jemanden in den Tod begleitet.

Meine Eltern werden sterben. Wie spreche ich mit ihnen darüber?

Als das Gespräch abschweift und über schwierige Geburten geredet wird, frage ich: Weiterlesen

14. Juni Death Café Richterswil

Andrea Spörri, hiesige Pfarrerin in Richterswil hab ich angepiekst, mit mir ein Death Café zu organisieren. Ich wurde angeregt von Ina Hattebier aus Hamburg, die mit ihren Freunden und Kollegen schon zum dritten Mal ein Death Café auf die Beine gestellt hat.

Haben wir nicht ein schönes Foto-Layout gestaltet? Frau Ines aus Hamburg haben wir gefragt, ob wir eines ihrer hübschen Tellerchen als Motiv nehmen können.

Hier entlang zum Flyer mit den Details.

Hier geht es zu Frau Ines in Hamburg mit dem schönen Porzellan.

Hier entlang zu den Hamburger Death Cafés

Unser Eintrag bei deathcafe.com .

Bist du bei mir

41k2PZ4jqnLIn ihrem neuen Buch schreibt Cornelia Coenen-Marx​ auf Seite 88 über die Interviews im Totenhemd-Blog. Deshalb aus aktuellem Anlass hier noch einmal das Interview mit der inspirierenden Autorin.

Ihr Song: „Bist du bei mir“:

„Bist du mei mir, geh ich mit Freuden
zum Sterben und zu meiner Ruh‘.
Ach, wie vergnügt wär‘ so mein Ende,
es drückten deine lieben schönen Hände
mir die getreuen Augen zu!“ (aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach).

„Die Decke nervt.“ Kleidung und Tod: Annegrets Antworten

IMG_1639Melina Grundmann hat uns geschrieben. Sie recherchiert zum Thema: Totenhemd im Kleiderschrank bzw. „Kleidung und Tod“. Für ein Uni-Seminar. Hier jetzt meine Antworten:

Was verbinden Sie persönlich mit dem Thema Kleidung und Tod? In welche Beziehung setzen Sie die beiden Bereiche zueinander?
Ich habe mir da früher überhaupt keine Gedanken gemacht. Schlicht weil ich es nie musste. So ganz akut wurde die Frage, als Petra und ich bei dem Fotoprojekt „Im letzten Hemd“ der Bestatter Pütz-Roth mitmachten. Aufgabe war: Wie wollen Sie sich bestatten lassen? Da habe ich es zum ersten Mal ganz konkret durchgespielt, bin durch meinen Kleiderschrank durch und es wurde klar: Es geht hier um Würde.  Ich möchte meine Würde auch im Tod gewahrt wissen. Also bitte kein Hemdchen. Schon gar keines, das man hinten nur zuschnürt, Hintern blank, die Länge mit der Schere gekürzt. Ziemlich schnell war mein bestes Kleid gewählt, eines von meiner Lieblingsschneiderin Katja Gastell, Hamburg (Alpenglühen in der Marktstraße ;-)) Es ist aus braunem Nadelstreifenanzugstoff, mit einem Grünbraun gemusterten Rand und Kapuze. Fast alle meine Klamotten haben eine Kapuze, aber dieses ist mein „feines“ Kleid. Bitte die braun-schwarzen Stiefel dazu (siehe Bild). Das Kleid trage ich zu besonderen Anlässen. Es zeigt denen, die mich kennen, meine Verbundenheit mit der Kunst. Es ist so – auch Weiterlesen

Wir reden übers Sterben … heute mit: Dr. Fabienne Mathier

FabienneMathier_600px_webDR. PHIL. FABIENNE MATHIER ist Regisseurin, Produzentin und Psychotherapeutin.

Fabienne ist ursprünglich Psychologin und Psychotherapeutin mit 10 Jahren Berufserfahrung. Nach verschiedenen Fortbildungen (Theaterpädagogik, Filmregie, Drehbuch, Schnitt, Regieassistenz), ist sie nun seit 2011 in Zürich als Regisseurin tätig sowie seit 2013 auch als Filmproduzentin für ihren ersten Kinofilm „Winna – Weg der Seelen“.

Du beschäftigst dich mit (deiner) Endlichkeit. Welche Auswirkungen hat das auf dein Leben?

Von 2007 – April 2009 habe ich als Leiterin Psychosozialer Bereich Palliative Care in der Psychoonkologie am UniversitätsSpital Zürich gearbeitet und Sterbende begleitet. Diese sehr intensive Auseinandersetzung mit Sterben und Tod hat mein Leben sehr geprägt. Seitdem kann ich jeden Tag, an dem ich lebe, noch viel dankbarer schätzen und beim Auftauchen von Herausforderungen in meinem Leben sage ich mir oft: „Fabienne, es sind alle noch am Leben, also hast du gar kein Problem.“ Und wenn es doch um Abschiede von geliebten Menschen geht, dann weiss ich für mich, dass sie einfach in einer anderen Form weiterleben und weiter Erfahrungen machen.

Viele haben Hemmungen oder auch Angst, mit anderen über das Sterben zu reden. Wie ist das bei dir? Was hat sich verändert?

Ich möchte die Menschen dazu ermutigen, über das Sterben zu reden. Es gibt viele unnötige Ängste vor dem Tod und das Sprechen über den Tod mit anderen könnte hier eine Hilfe bieten. Dies war auch einer meiner Beweggründe für meinen Kinofim „Winna – Weg der Seelen“, dass die Menschen sich darüber austauschen, welche Vorstellungen sie über den Tod und das Leben nach dem Tod haben. Weiterlesen

Wir reden übers Sterben … heute mit: Ina Hattebier

img_5270Ina Hattebier lebt und arbeitet als freie Künstlerin in Hamburg. Sie setzt sich mit den Themen Trauer und Tod auf verschiedenen Ebenen intensiv auseinander, ist ausgebildete Trauerbegleiterin und gestaltet Urnen mit Papier.

  1. Du beschäftigst dich mit (Deiner) Endlichkeit. Welche Auswirkungen hat das auf dein Leben?

Die Beschäftigung mit der Endlichkeit des Lebens hat mir deutlich gemacht, wie stark gerichtet mein Leben ist: Immer habe ich Pläne, Wünsche und Vorstellungen, die ich verwirklichen möchte. Das ist alles in die Zukunft gerichtet. Ich nehme mir mittlerweile immer häufiger die Zeit das Jetzt oder den Moment wertzuschätzen.

  1. Viele haben Hemmungen oder auch Angst, mit anderen über das Sterben zu reden. Wie ist das bei Dir? Was hat sich verändert?

Das Sterben ist eine Tatsache, die mich mit allen anderen Menschen verbindet. Ich spreche gern mit anderen über meine Gedanken hierzu und befrage sie zu ihren Vorstellungen, das hilft mir eine eigene Haltung zu entwickeln. Vor kurzem habe ich mit anderen Kolleginnen hier in Hamburg ein Death Café organisiert (www.deathcafe.com), da hat mich sehr erstaunt, wie vielfältig die Erfahrungen der einzelnen Gäste waren. Mir ist dabei nochmal klargeworden, welch große Rolle die Toten in unserem Leben spielen und wie wichtig die Verbindung zu ihnen in unserem Alltag ist.

  1. Dein Vorschlag für einen guten Satzanfang, wenn Du mit jemandem über solche Dinge wie Sterben, Vorsorge u.ä. reden willst:

„Du, stell’ dir vor, neulich habe ich den Tod getroffen, er hat mir aufgetragen dir folgendes auszurichten …“ Nein, Spaß! Dafür gibt es keine Formel, das kommt meist aus dem Moment heraus. Ich gehe zum Beispiel mit meinen Urnen auf Designmessen und mache mit Kolleginnen Veranstaltungen zu den Themen Sterben, Tod und Trauer, da gibt es viele Möglichkeiten Fragen zu stellen. Meine Erfahrung ist, Weiterlesen

100 Songs: Uncle Kracker: Follow me

Ich wünsche Euch mit diesem Song ein schönes Wochenende.

Claudia Cardinal hat im Interview mit uns diesen Song erwähnt, den ich in unsere Liste „100 Songs“ eintragen werde. And now: Follow me.

Wir reden übers Sterben … heute mit: Silke Szymura

silke-szymuraIch bin Silke, 34 Jahre alt und komme aus der Nähe von Frankfurt. Vor knapp vier Jahren habe ich meinen Lebenspartner während eines gemeinsamen Aufenthalts in Nepal ganz plötzlich verloren – und damit auch mein altes Leben.

Mittlerweile bin ich Trauerbegleiterin und schreibe auf meinem Blog „In lauter Trauer“ über Trauer, Tod, Sterben und das Leben. Außerdem führe ich seit Herbst 2016 das Projekt „Dein Tod und ich“ weiter, auf dem Hinterbliebene von ihrer Erfahrung mit dem Tod und der Trauer erzählen.

Ich möchte Räume für die Trauer schaffen, einen Beitrag dazu leisten, dass über Trauer und Tod geredet wird und wünsche mir einen natürlicheren Umgang damit in unserer Gesellschaft.

  1. Du beschäftigst dich mit (deiner) Endlichkeit. Welche Auswirkungen hat das auf dein Leben? 


Bis zu Julians Tod habe ich versucht, die Tatsache, dass mein und unser aller Leben endlich ist, zu verdrängen. Sterben, das war in meiner Welt etwas, das irgendwann im Alter passiert und bis dahin, wer weiß, da hat die Medizin vielleicht etwas erfunden, was dagegen hilft. Durch seinen Tod wurde ich auf ziemlich harte Weise in die Realität geholt und habe kapiert: Dieses Leben ist tatsächlich endlich. Es kann wirklich jederzeit vorbei sein.

Das war zunächst ein harter Schlag, aber dann hat es dazu geführt, dass ich noch mal neu und ganz anders anfing, über das Leben nachzudenken. Die Erkenntnis, dass wir nur eine bestimmte Zeit auf dieser Erde leben, hat mich daran erinnert, wie kostbar das alles hier ist. Ich lebe nun bewusster und versuche, mehr meinem Herzen zu folgen und darauf zu achten, was mir wirklich wichtig ist. Ich bin viel dankbarer geworden und nehme die Dinge und Menschen um mich herum nicht mehr als selbstverständlich wahr.

Die Begegnungen, die bereits aus dieser Auseinandersetzung und meiner Arbeit entstanden sind, bereichern mein Leben sehr. Der Tod hat so einen schlechten Ruf in unserer Gesellschaft, dabei kann er so ein wertvoller und spannender Begleiter sein, wenn wir ihn annehmen, ihm vielleicht mit etwas mehr Neugier und etwas weniger Angst begegnen.

  1. Viele haben Hemmungen oder auch Angst, mit anderen über das Sterben zu reden. Wie ist das bei dir? Was hat sich verändert? 


Ich hatte diese Hemmungen und Ängste früher auch, daher kann ich sie gut nachvollziehen. Mittlerweile rede ich allerdings gerne darüber und finde diese Gespräche immer wieder sehr bereichernd. Für mich hat sich im Laufe der letzten Jahre vor allem noch verändert, dass ich mir anfangs viel mehr Gedanken darüber gemacht habe, ob ich in einem Gespräch einfach anfangen kann, davon zu sprechen. Ich hatte lange eine Hemmschwelle, weil ich andere nicht belasten wollte, weil ich Angst hatte, dass ich die Stimmung ruiniere und zur Spaßbremse werde. Heute erzähle ich einfach was ich mache, dass ich zum Beispiel Weiterlesen

Wir reden übers Sterben…heute mit: Sarah Benz

fullsizeoutput_7fIch bin Musikerin und Sozialpädagogin, arbeite auch als Seelsorgerin und Trauerbegleiterin und habe schon oft erlebt, wie wohltuend es sein kann, Gefühle in Musik auszudrücken.

Gemeinsam mit Jan Möllers und Karen Admiraal produzieren wir Kurzfilme zu den Themen Sterben, Tod und Trauer, als Impulse für Schule und Bildungsangebote, als Gedankenanstöße zwischendurch und als Einstieg für eine systematische Beschäftigung mit dem Thema Abschied und Sterblichkeit.

Sarggeschichten wird gefördert von der Deutschen Palliativstiftung.

1. Du beschäftigst dich mit (deiner) Endlichkeit (Beschreibe kurz). Welche Auswirkungen hat das auf dein Leben?

Ich bin mir nicht sicher ob ich mich viel mit meinem Tod beschäftige. Aber ich denke, dass ich durch meine Arbeit einen anderen Blick auf mein Leben bekommen habe. Es ist kostbar, nicht selbstverständlich und sehr fragil und zart, trotzdem kraftvoll und zuversichtlich. Gerade in der Notfallseelsorge habe ich immer wieder mit Menschen zu tun, deren liebste Menschen gerade aus dem Leben gerissen wurden, oft unerwartet, oft brutal. Das relativiert einiges, über das ich mich auch gern mal aufrege. Ist alles nicht so schlimm, denk ich dann. Ich wünsche mir, dass viele Menschen sehen wie kostbar und beschützenswürdig das Leben ist, nicht nur das von uns, sondern auch das der Tiere und Pflanzen und der ganzen Welt. Dann würden wir vielleicht zärtlicher mit einander umgehen und auch mit unserer Erde…

2. Viele haben Hemmungen oder auch Angst, mit anderen über das Sterben zu reden. Wie ist das bei dir? Was hat sich verändert?

Ich bin neben einem Friedhof aufgewachsen und in meiner Familie wurde über Sterben und Trauer gesprochen. Ich war da eher auch expressiv und bin es bis heute. Was sich verändert ist sicherlich der Wortschatz. Ich kann viele Dinge heute leichter in Worte fassen und habe mich mit mehr Perspektiven beschäftigt, die meine eigene Auseinandersetzung natürlich bereichert haben.Aber gerade deshalb bemühe ich mich immer wieder einfach zu werden im Gespräch mit anderen Menschen. Denn ich will ja, dass wir uns alle unterhalten können und nicht durch Fachsprache Leute ausgrenzen.

3. Dein Vorschlag für einen guten Satzanfang, wenn du mit jemand über solche Dinge wie Sterben, Vorsorge u.ä. reden willst:

Da fällt mir kein konkreter ein. Ich erzähle meist etwas von mir oder meiner Arbeit und die Leute fragen dann etwas. Wenn jemand nicht über das Thema reden will, respektier ich das. Für Vorsorgegespräche finde ich es allerdings wichtig, Menschen über alle möglichen Optionen aufzuklären, auch wenn sie manchmal sagen “nee, das will ich sowieso nicht”. Dann sag ich meistens: Weiterlesen