Allerseelenmonatssehnsucht

IMG_5774Da schreiben wir nun schon wie lange im Totenhemdblog? Im Januar könnten´s drei Jahre sein. Und ich phantasier mir die ganze Zeit mein Dia de los Muertos und schleich mich so ran und nun erst/endlich hab ich meinen ersten eigenen kleinen Altar. Am Sonntag vor Halloween – was ja von All Hallows´ Eve (Abend vor Allerheiligen)  kommt – hab ich ihn zusammengestellt, mit dem was da ist. Mit dem Klaus und dem Bastian und dem Friedrich, der Ulrike, die ich gar nicht kannte aber ihren Mann und mit einem Hauch von Imke, die dieses Jahr freiwillig aus dem Leben ging und ich hab ihnen Smarties in die Etagère getan, was höchstens Imke gut gefunden hätte und die kleine Girlande dazu und das Bild von Petra und mir in meine Sterbedecke eingewickelt und meinen Holzlöffel (den zum Abgeben). Das ist immerhin ein Start.

Aber eigentlich will ich noch woanders hin. Eben hat der Artikel „Allerseelen, Bier und toter Otto“ mir gespiegelt, was es ist. Öffentliche und halböffentliche sichere schöne warme Allerseelenfeierlichkeiten.

Ich bin ja Pfarrerin (ohne eigene Gemeinde) und liebe Rituale, bunte Feste, das Zusammensein mit nahen und fremden Menschen. Besonders Weiterlesen

Buchtipp: Für immer anders

indexDieses Buch habe ich gerade bei Facebook entdeckt. Rezensent schreibt im Frühjahr 2016:

Durch dieses Buch wird sogar die Trauer „für immer anders“. Für immer verständlicher und für immer ein wenig einfacher, wenn man sich in seiner Trauer verliert.
Ich habe mir dieses Buch aufgrund eines Todesfalles gekauft, weiterempfohlen und tatsächlich sogar verschenkt.

Hier kannst Du Dich über das Buch informieren und ein Interview mit der Autorin anhören: Patmos-Verlag 

Buchtipp: Gegen alle Regeln: Ein Memoir …

51r38O58oRL._SX304_BO1,204,203,200_Letzten Sonntag habe ich ein Interview mit der Autorin Ariel Levy gelesen. Sie schreibt über ihre Erfahrung einer Fehlgeburt, die nur sie alleine erlebt hat. Sie gibt ihrem toten Kind „eine Identität“. Sie will, dass anerkannt wird, was passiert ist“. Die Überschrift des Artikels: Er hat gelebt.

Mich hat das Interview sehr berührt, weil die Autorin mit diesem Buch versucht uns ihre Trauer und ihren Schmerz nahe zu bringen. Sie sagt aber auch: „Ich glaube, hier in Amerika leben wir unser Leben, als würden wir nicht sterben“. Oder: „Ja, und ich glaube, einer der Gründe dafür, dass Fehlgeburten und Totgeburten so die Hölle sind, sind die fehlenden Rituale. … Aber ich glaube, weil nicht darüber geredet wird, denkt man: Bin ich verrückt, dass ich das Gefühl habe, mein Kind ist tot? … Aber eine Fehlgeburt zu haben, wo man die Person, die man gemacht hat, sieht, und dann stirbt sie, das ist schrecklich. Rituale könnten diesen Schmerz vielleicht ein bisschen lindern.“

Ich finde, ihre Worte machen neugierig auf ihr Buch.

Hier kann man reinlesen.

 

Auf der gemähten Friedhofwiese picknicken

Für alle, die uns nicht bei Facebook folgen: Auf dem stattlichen und wunderschönen Zürcher Friedhof Sihlfeld darf man auf Feld C seine Picknickdecke ausbreiten und einen Roten oder Weißen zischen, wenn man will. Im Bikini sollte man dort nicht liegen und auch keine laute Musik hören. Versteht sich von selbst oder?

Wenn ich das in diesem schönen Artikel so lese, habe ich große Lust mal wieder einen Friedhofspaziergang zu organisieren, nämlich genau dorthin, zu diesem besagten Plätzchen. Muss ich mal reifen lassen.

Hier entlang zum Artikel „Der Friedhof lebt“ in der NZZ

Schon Claudia Cardinal hat in ihrem Buch „Wir sehen uns“ Mut gemacht neben dem Grab der/s Liebsten ein Picknick zu gestalten und die Zeit dort zu verbringen. Ob man jemanden fragen muss in der Friedhofsverwaltung? Wenn ich mir vorstelle, ich würde mich am Grab meines Vaters niederlassen, genauso mit Decke und Picknick und einem Glässchen Wein, dann wird mir schon etwas mulmig, von wegen „was denken die anderen?“. Werden sie mich auffordern zu gehen? Oder werde ich sie einladen sich dazu zu setzen?

Was denkst Du?

Mein Vater wäre heut 90 geworden

Herzlichen Glückwunsch, mein lieber Pa … da wollen wir dir mal Schillers Glocke aufsagen.

Jetzo mit der Kraft des Stranges
Wiegt die Glock’ mir aus der Gruft,
Daß sie in das Reich des Klanges
Steige, in die Himmelsluft!
Ziehet, ziehet, hebt!
Sie bewegt sich, schwebt.
Freude dieser Stadt bedeute,
Friede sey ihr erst Geläute.

Warum und wieso Schillers Glocke? Hier habe ich drüber nachgedacht.

Was passiert nach dem Tod mit meinen Daten?

IMG_5849Bei Facebook hatten wir es schon online. Vor einigen Tagen las ich diesen interessanten Artikel bei heute.de, den ich so wichtig finde, dass er hier noch einmal prominent eingestellt werden muss, für alle, die nicht bei Facebook unterwegs sind.

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind dies 50 Prozent, die sich nicht in den Sozialen Netzwerken tummeln. Dennoch: Du hast wahrscheinlich das eine oder andere Konto im Internet: ein Bankkonto oder die Plattform fürs Erstellen eines Fotobuchs oder fürs Online-Shopping bei amazon.

Was passiert nach dem Tod mit Deinen Daten? Diesen Artikel empfehle ich sehr zu lesen: ich werde in mein Testament schreiben wer meine Online-Konten nach meinem Tod verwalten/erben soll. Das ist nämlich nicht so simpel wie wir denken, von wegen: „das wird dann schon meine Frau/mein Mann erledigen“.

No way! so funkioniert es leider nicht.

Es ist ein sehr wichtiger und guter Artikel!! Druckt euch den aus und legt los.

Schritt für Schritt.

Silkes Blogtag: Alle reden über Trauer 2017

alle-reden-u%cc%88ber-trauer-2017Silke Szymura hat eingeladen zu einem ganz besonderen Blogtag. Heute am Montag reden alle über Trauer. Hier ist die Einladung zu ihrer Aktion.

Da wir gerade in Poesie-Stimmung sind schreibe ich für ihre Aktion ein Elfchen.

 

 

traurig
bin ich
Seele, mein Schatz
schenkst mir Liebe und
wartest

 

 

13.11. Silke Szymura: Mit den Toten tanzen …

tanz-mit-den-totenMit den Toten tanzen – Lasst uns gemeinsam feiern und erinnern

Mit den Toten tanzen, was für ein schöner Gedanke. Allein in diesem einen Satz steckt so vieles drin. Wir müssen nicht traurig sein, wenn wir an unsere Verstorbenen denken, wir dürfen uns freuen, ja, wir dürfen sogar tanzen, singen und feiern. Genau diese Freude erlebe ich in diesem vierten Jahr nach dem Tod meines Lebenspartners immer häufiger. Wenn ich an Julian denke, dann hüpft mein Herz oft vor lauter Glück.

In meinem Beitrag habe ich mir einige Gedanken dazu gemacht, was es heißt sich zu erinnern und wie schön und wichtig es wäre, dabei mehr zu feiern. Lasst uns gemeinsam ein bisschen lauter trauern.”

Hier entlang zu Silkes vollständigen Text. Wir freuen uns, dass sie bei uns ist und von sich erzählt.

Buchtipp: Einer von uns von Asne Seierstad

51MoaEF-GPL._SX335_BO1,204,203,200_Im „Das Magazin“ habe ich neugierig die Reportage über die Schriftstellerin und Journalistin Asne Seierstad gelesen. In diesem Artikel wurde ihr Buch vorgestellt. „Einer von uns“ – Anders Behring Breivik tötete am 22. Juli 2011 77 Menschen in Oslo bzw. auf der Insel Utoya.

Es ist das grausamste Buch, das ich je gelesen habe. Mit Interesse und Herzklopfen gleichermaßen. Es hat mich fasziniert und geschockt. Fasziniert bin ich von der Autorin Asne Seierstad. Akribisch und detailtreu hat sie recherchiert und die gesammelten Fakten dann in einen Tatsachenroman gegossen.

Der Massenmörder wird in diesem Buch genau vorgestellt, man hält es kaum aus wie paranoid er ist: Monatelang stellt er die verschiedensten Stoffe her, um die Bombe herzustellen (eine Anleitung dafür kann man im Internet finden!). Sie wird später vor dem Osloer Regierungsgebäude 9 Menschen in den Tod reißen und viele viele Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzen.

Die Autorin beschreibt minutiös das Massaker auf der Insel als wäre sie dabei gewesen. Sie stützt sich dabei auf Zeugenaussagen der Überlebenden und auf das Manifest des Attentäters. Sie beschreibt Weiterlesen

Christines Gastartikel: Wie wir unserer Trauer Ausdruck verleihen und die Erinnerung wach halten können

„Die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude.“

Dietrich Bonhoeffer bringt wunderbar auf den Punkt, welche vielfältigen Facetten in unserer Trauer stecken. Sie kann qualvoll sein, denn es schmerzt, sich in dem Wissen zu erinnern, dass nichts mehr so sein wird wie vorher. Und sie kann, wenn wir dankbar zurückschauen, eine stille Freude über all‘ das Schöne auslösen, was wir gemeinsam mit dem verstorbenen Menschen erlebt haben und an das wir uns erinnern dürfen.

Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal nach einem Trauerfall gefragt, in welcher Form Sie Ihrer Trauer und Ihrer Erinnerung Ausdruck verleihen möchten. Seit ich mich näher mit dem Thema befasse, nehme ich glücklicherweise einen immer offeneren Umgang mit Trauer wahr. Menschen werden kreativer, um ihre Erinnerung in eine Form zu gießen und ihr einen Platz zu geben. Um den Schmerz umzulenken in einen gestaltenden Prozess und ein Symbol der Erinnerung zu schaffen. Währenddessen können die Gedanken auf Reisen gehen, zurück zum gemeinsam Erlebten und so kann Schritt für Schritt Dankbarkeit wachsen.

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Fotocollage von Christine

Dieser Prozess wirkt heilsam, das durfte ich persönlich erfahren. Aus Hemden meines im letzten Jahr verstorbenen Vaters habe ich anlässlich seines 1. Todestages Kissen für alle Kinder und Enkelkinder genäht. Es war zunächst ein seltsames Gefühl, seine Hemden auseinanderzuschneiden, in denen ich ihn am Klavier sitzen sah oder „ausgehfein“ im schicken Anzug. Ich spürte eine Welle der Traurigkeit durch mich hindurchziehen. Ja, autsch! Aber dann: daraus etwas Neues entstehen zu lassen, das weiter bestehen wird und damit die Erinnerung an einen ganz besonderen Menschen wach hält, das war ein ganz besonders schönes Gefühl. Und noch besser: die leuchtenden Augen der Beschenkten!

Im Netz habe ich noch Weiterlesen