In Memoriam: Sabine Dinkel und der Totenhemd-Blog

Sabine Dinkel ist letztes Jahr im Juli gestorben. Wir haben alle gewusst, dass sie sich auf ihre letzte Reise vorbereitet. Ich saß kurz drauf im September auf einer Bank auf dem Friedhof Sihlfeld in Zürich und hielt Zwiesprache mit ihr.

Liebe Sabine, erinnerst Du dich? 2014 unterhielten wir uns über den Tod unserer Eltern. Weißt Du noch? Mein Vater ist plötzlich gestorben im September. Da war ich grad beim Jodeln im Toggenburg. Du erzähltest mir, dass deine Eltern kurz hintereinander gestorben sind. Wir waren beide sehr traurig. Du erzähltest mir von Claudia Cardinal und der Ausbildung zur „Sterbeamme“. Außerdem hast Du das Buch erwähnt: Wir sehen uns, geschrieben von Claudia Cardinal. In diesem Buch empfiehlt uns die Heilpraktikerin und Sterbeamme ein Totenhemd im Schrank aufzuhängen, damit wir an unsere Endlichkeit erinnert werden.

So entstand im Gespräch mit Annegret unser Totenhemd-Blog.

Liebe Sabine, ich bin dir unendlich dankbar für dieses Gespräch. Ich habe dich dann eng in den sozialen Medien begleitet und den Verlauf deiner Krankheit und Dein Sterben mitverfolgt. Dein Mann und Du Ihr habt Großartiges geleistet: Ihr habt das Leben ausgekostet und du hast mich und deine LeserInnen inspiriert mit deinem Mut und Dran-bleiben und Weiter-machen. Durch dich ist klar geworden: Jede und Jeder lebt bis zur letzten Minute. Jede Minute ist kostbar. So hast du in den letzten Monaten deines Lebens zurückgezogen in Norddeutschland dein letztes Buch geschrieben. Gute Tage trotz Krebs!

Liebe Sabine, Du hast uns unendlich viel geschenkt.

Danke dafür ❤️.

Hier veröffentlichte Texte über/von Sabine:

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Buchtipp: Reden wir über das Sterben

Ich habe ein Rezensionsexemplar vor mir liegen. Die Ärztin und Patientin schrieb ihr Vermächtnis vor ihrem Tod: Kathryn Schneider-Gurewitsch. REDEN WIR ÜBER DAS STERBEN. Sie lebte von 1951 bis 2014 und wurde 63 Jahre alt. Sie hatte verschiedene Krebserkrankungen. In ihrem Buch erzählt sie über ihre Lage als Patientin, die als Ärztin „durchblickt“, sich gegen gängige Meinungen und Therapien entscheidet, eigene Wege geht und nebenbei ehrgeizige Projekte weiterverfolgt. Privat genauso wie beruflich.

Sie schreibt, sie habe etwas zu sagen: „Irgendwann packte mich der Gedanke, meine Erfahrungen als Patientin und Ärztin und meine sich daraus ergebenden Überzeugungen insbesondere zu Fragen am Lebensende zu Papier zu bringen“.

Die Autorin schrieb diese Widmung für ihren Sohn Julian Anatol.
„Times get rought, and they sure will.
I will be there watching from above. Always.
Keep living! Enjoy it.
Make the best of it. You only have this one life“.

Das Buch ist in 8 Kapitel eingeteilt:

  • Einleitung
  • Was wir uns wünschen, was wir bekommen
  • Grenzen des Machbaren: Auswege, Irrwege
  • Welche Rolle das Geld spielt
  • Die Patientenverfügung
  • Hilfe beim Sterben
  • Das gute Sterben
  • Letzte Geschenke

Was mir an diesem Buch gefällt: es ist informativ und sachlich. Es ist sehr unterstützend und hilfreich, vor allem wenn man an einer Krebserkrankung leidet. Im Falle einer Erkrankung würde ich mir dieses Buch schnappen und wieder darin lesen! Die Autorin schreibt vor allem über die medizinische Seite aus Sicht der Patientin mit ihrem Wissen als Ärztin. Sie stemmt sich mehrmals gegen Therapien, die man „üblicherweise“ macht. Sie erkennt, dass sie eine extrem teure Behandlung bekommen könnte, die Hochdosis-Chemotherapie und Stammzelltransplantation. Dies wollte sie sich aber nicht mehr zumuten. Ein Medikament aus US dagegen, das sie auswählt und nehmen möchte, das ihr mehr Lebensqualität schenken würde, wird von ihrer Krankenkasse nicht genehmigt.

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In Erinnerung an Brigitte Becker: Augapfelmassage

Brigitte ist gestorben.
Die Nachricht erreicht mich heute.
Wie schön, dass wir diese Zeilen von ihr hier haben.
Ich bin sehr berührt, wenn ich sie lese.

Mit Brigitte habe ich das Death Café Zürich in der lebendigen Langstrasse gestartet. Das war letztes Jahr im März 2019.
Ich bin sehr froh und sehr dankbar über diese gemeinsame Zeit.

Ach, liebe Brigitte … danke für deinen schönen Text hier bei uns.
Mach’s gut.

Totenhemd-Blog

IMG_1765-1Was nach dem Tod kommt? Ich bin nicht sicher. Aber ich weiss, was ich mir wünsche:

Ein Raum, gefüllt mit Lichterketten. Sie verändern langsam ihre Farbe. Eine Höhle tut sich auf. An zwei Seiten kann ich mich niederlassen, liegen und schauen. Videobilder ziehen an mir vorbei, bunt, farbig, fremd, schön, bilden Erzählungen, lösen sich auf, ein bisschen wie Gedichte. Anderswo, in Venedig, hat dieselbe Künstlerin, deren Werk ich hier besuche, hat Pipilotti Rist solche Projektionen schon an die Decke einer grossen Kirche geworfen. Dort lag man auf dem Rücken ausgestreckt, um zuzuschauen. Der eigene Zustand wird seltsam schwerelos. Augapfelmassage nennt die Künstlerin ihre Kunst. Nicht alles ist verstehbar. Macht nichts.

Denk ich an das Ende und das Danach, dann stelle ich mir einen solchen Zustand vor wie am Sonntag im Kunsthaus in Zürich.

Als würden wir, nachdem wir am Anfang brutal aus dem Fruchtwasser, aus der warmen Höhle heraus geworfen…

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Wir trauern um einen Freund

60F3F3DF-3E57-44B8-8723-3115F3F9DD61_1_201_aWir trauern um einen Freund, der in Hongkong tödlich verunglückte während einer Fahrradtour oben auf dem Peak. Ich habe J. und seine Familie, langjährige Freunde meines Mannes, vor zwei Jahren in HK kennengelernt nach unserer Fahrradreise in Taiwan.

J. lebte und arbeitete in HK. Seine Frau und Kids in einer deutschen Großstadt.

In Coronazeiten ist das alles grad sehr entsetzlich und zum Haare raufen. Trauern kann unsere Freundin nicht. Und sie kommt grad auch nicht in die Megacity. Kann nichts tun als warten und hoffen, dass irgendwie alles gut geregelt wird. Weiterlesen

Ach, wenn ich doch unsterblich wäre ….

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Let the soul be your pilot
Let your soul guide you
He’ll guide you well
(von Sting auf Seite 90)

Das neue Buch von der Sterbeamme und Heilpraktikerin Claudia Cardinal wollte ich eigentlich schon während unserer letzten Blogaktion vorstellen. Ich bin spät dran.

Der Verlag informiert über das Buch:

»Austherapiert«: Eine Diagnose wie ein Urteil – ein Todesurteil! Betroffene Patientinnen und Patienten stehen mit einem Male vor den Trümmern ihrer Existenz und müssen sich mit dem Sterben und dem Tod auseinandersetzen, Themen, die in unserer schnelllebigen westlichen Gesellschaft….hier bitte weiterlesen.

In diesem Buch geht es also um Menschen, die an einer Krebskrankheit leiden. Sie müssen sich mit dem Sterben und dem Tod auseinandersetzen. Aber das müssen wir ja jetzt auch alle, weil sich der Corona-Virus weltweit ausbreitet. Das Tabuthema Sterben und Tod ist in unseren Wohnzimmern gelandet. Tagtäglich werden wir mit den Sterbenden konfrontiert, die an COVID-19 sterben oder mit dem Tod ringen auf den Intensivstationen.

Der Untertitel des Buches: Beruhigung in unruhigen Zeiten durch Sterbeammen und Palliative Begleitung. Wir finden in Claudia Cardinals Buch einen Wegweiser was im Angesicht des Sterbens möglich ist – und vielleicht auch in diesen schweren Zeiten ein wenig Beruhigung. Sie erklärt uns, was wir vielleicht nur oberflächlich wissen. Jetzt haben wir eine Art Lexikon vor uns, Weiterlesen

Heute Online: Café Totenhemd in Zürich

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Stell Dir vor in Deinem Kleiderschrank hängt dein Totenhemd.
Was kommt nach dem Tod?
Willst du mal in einem Sarg liegen?
Wie soll dein Grabstein aussehen?
Was steht auf deiner Löffelliste?

Das Café Totenhemd findet heute ONLINE statt:
Dies ist der Link zum Chatroom: bei Zoom

Wir reden über den Tod, das Sterben und das Leben, weil es uns lebendig sein lässt.

Am Dienstag, 24. März und 30. Juni sowie Montag, 10. August
Am Montag, 2.11. werde ich wahrscheinlich einen Friedhofsspaziergang anbieten.
Jeweils 18 bis 20 Uhr.

Das Café Totenhemd (vormals Death Café) Weiterlesen

3.3. Lutz: Wir werden alle sterben. German Angst geht um.

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von Lutz geknipst

Lutz ist wieder dabei und schreibt mit in unserer 8. Blogaktion in diesem März.

Wir werden alle sterben …. und wie seine Oma sagte: So schnell stirbt man nicht.

Wir werden alle sterben. Sicher. Das werden wir.
Aber ich wage zu behaupten: Die wenigsten von uns durch einen der Stürme, die medial zu Monster Orkan mutieren oder durch das Cornona Virus. Wie heißt es doch so schön in einem Song über einen, der sich mit dem Sterben wirklich gut auskennt und der alles andere spürte als German Angst?

When there are clouds in the skies and they are grey
You may be sad but remember they’ll all soon pass away
Oh, Django, after the showers
The sun will be shining
(Lyrics: Franco Migliacci)

Lest hier seinen vollständigen Blogbeitrag.

Buchtipp: Superhero von Anthony McCarten

superhero-9783257237337Gestern Abend hab ich das Buch zu Ende gelesen und bin glücklich und selig eingeschlafen. Ich frage mich, was ich über das Buch erzählen darf, ohne euch zu viel zu verraten und die Spannung wegzunehmen.

Ich versuche es mal.

Der Autor macht etwas, was ich bisher in keinem Buch gelesen habe. Es ist eigentlich eine Vorlage für ein Drehbuch. Es startet mit „Aufblende“ … und endet mit „Abblende. Ende. Wer hätte das gedacht“ (letzteres ist wohl selbstironisch gemeint). Jede Örtlichkeit / Szene wird beschrieben und vorgestellt: Beispiele:

  • Außen. Eine Straße in der Stadt. Tag.
  • Innen. Kino. Abend.
  • Innen. Auto. Abend.

Mal sind wir im Haus des Protagonisten, mal in der Onkologie, mal in seinem Zimmer daheim, mal in seinem Krankenhauszimmer undsofort. Mal morgens, mittags, abends.

Also. Donald, 14 Jahre jung, um den es hier geht ist schwerkrank und hat Krebs. Und bevor er stirbt will er unbedingt wissen wie das mit der Liebe geht. Wenigstens einmal Sex haben, bevor es zu Ende geht, das wünscht er sich sehr. Bloß nicht als „Jungfrau“ sterben. Weiterlesen

Gesprächssplitter aus dem Death Café Zürich

414ODf6wbML._SX327_BO1,204,203,200_Was wäre anders wenn ich wüßte dass morgen mein letzter Tag wär? Was wäre anders, wenn ich wüsste, ich werde irgendwann plötzlich sterben? Vielleicht morgen schon … übermorgen …

Darüber haben wir uns intensiv unterhalten während des 4. Death Café in Zürich. Dass mir dieses Buch jetzt im Netz begegnet, ist sicher kein Zufall. Es erschien bereits 2013.

Hier gibt es Infos zum Buch.

Weitere Gedanken und Fragen von den Teilnehmenden:

Ich bin jetzt Rentnerin. Was kommt als nächstes?

Im Hinblick auf den Tod mach ich jetzt besonders viel?

Wenn man sich mit dem Tod und dem Sterben beschäftigt lebt man anders: lebendiger.

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Wir reden übers Sterben … mit Martin Schuppli

Martin Schuppli ist Journalist und Blogger. Er interessiert sich für Menschen und deren Geschichten. Eine Freundin meinte zu einem Zeitungsartikel, den sie mir schickte: Das dürfte dich interessieren. In dem Bericht wird Martin in seinem Schreib- und Schwatzgeschäft vorgestellt. Mitten in Walenstadt. Einer Kleinstadt am Walensee. Von Zürich aus eine Stunde Zugfahrt Richtung Süden. Meine Neugier war geweckt.

MartinSchuppli_Willkommen

©️Ueli Hiltpold

Da musste ich ihm natürlich sofort schreiben. Ich machte ihn neugierig auf den Totenhemd-Blog und ebenso ein wenig auf mich. Prompt lud er mich ein zum Gespräch und Interview. Gestern war also unser Schwatztag in Walenstadt. Martin holte mich am Bahnhof ab und begleitete mich zu seinem Laden. Der gefiel mir auf Anhieb gut. Die Wände sind ringsherum mit Kunst und Fotos dekoriert.  Weiterlesen