abc.etüde im Totenhemd-Blog: See u in another life

Christiane hat zu ihrer letzten abc.etüde vor der Sommerpause eingeladen mit Wörtern gespendet von onlybatscanhang. Ich habe dazu einen Text verfasst für den Wesentlichwerden-Blog … im Totenhemd-Blog erscheint der gleiche Text mit einem anderen Ende.

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„See u in another life“, verabschiedete sich Harald von Juliane, die am Hafenquai zurückblieb. Er stieg die Steinstufen hinunter ins Wasser. Der 72-jährige trug seine blau gepunktete Badehose und kraulte Richtung offenes Meer. Es war stürmisch und ungemütlich draußen. Das Meer hatte etwa 14 Grad. Sie dachte wehmütig an ihren gestrigen Abend im Hotel bei „duck breast“ als Vorspeise und „catch of the day“ als Hauptgang. Der Seeteufel war auf den Punkt gegart, dazu wurden Brokkoli und Kartoffeln serviert. Harald hatte ihr gesagt, es würde ihr letzter Abend und Liebesnacht werden.

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/06/19/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-25-26-22-wortspende-von-onlybatscanhang/

Er wolle nicht mehr leben, sagte er ernst. Er würde einfach aufs offene Meer hinaus schwimmen. „Juliane, der Lungenarzt gibt mir ein halbes Jahr. Ich will nicht leiden, auch wenn ich in den letzten Wochen gut betreut würde. Ich habe Angst. Außerdem glaube ich an die Wiedergeburt. Ich werde bei Gott antanzen und ihm über mein bewegtes Leben erzählen. Wenn ich Glück habe, komme ich in den Himmel als Koch. Ich werde dir dann ein Zeichen senden“.

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Die Debatte muss weitergehen. Wer hilft beim Sterben? Assistierter Suizid

„Alle Menschen haben in ihrem Leben schon einmal über Suizid nachgedacht“, so glaubt es Frau Christine Hucke der DGHS-Kontaktstelle Nordrhein zum begleiteten Suizid. DGHS steht für Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben. Schon vor einigen Wochen startete ich diesen Artikel um auf den Podcast vom Bestattungshaus Pütz-Roth hinzuweisen. Bitte unbedingt reinhören. Frau Hucke erklärt sehr ausführlich und vermittelt auch den Unterschied zwischen Deutschland und der Schweiz: in D begleitet ein Arzt, in der Schweiz eine oder ein Sterbehelfer*in.

Ich notierte mir noch einen anderen wichtigen Satz: Wir haben das Recht zu sterben, es besteht aber keine Pflicht dabei zu helfen.

Nun erschien letzten Sonntag in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in der Rubrik Leben eine drei-seitige Reportage über das begleitete Sterben eines Ehepaares im hohen Alter. Ihr Leben war ein Fest. Dann hatten sie genug (zum Artikel klickne)“. Begleitet haben den Sterbewunsch der Eltern ihre drei erwachsenen Kinder, zwei Töchter und ein Sohn. Ich finde diesen Artikel sehr lesenswert, er ist nicht kostenfrei aber es lohnt sich, dafür eine kleine Gebühr zu bezahlen.

Dass die Suizidhilfe ein hochemotionales Thema ist, wissen wir. Die Journalistin Eva Schläfer moniert in ihrem Artikel, dass die Debatte dazu nicht in Gang kommt. „Dabei ist es mehr als 2 Jahre her, dass das Bundesverfassungsgericht das seit Ende 2015 geltende Sterbehilfegesetz für verfassungswidrig erklärte.“ Eigentlich, meint sie, müssten wir viel häufiger über die Vor- und Nachteile diskutieren. „Die Karlsruher Richter kippten das Gesetz mit der Begründung, das allgemeine Persönlichkeitsrecht umfasse ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Dieses Recht schließe die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und hierbei auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen.“

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Buchtipp: Tante Tillys Tod. Ein Kinderfachbuch …

… übers Abschiednehmen und Zu-Hause-Sterben-Dürfen. Wir freuen uns, dass uns der Mabuse-Verlag das Buch zur Verfügung gestellt hat, um es hier im Totenhemd-Blog vorstellen zu können. Ich habe gern darin gelesen und geblättert.

Die Illustrationen sind bunt und froh. Die Wörter, die die Krankheit Krebs und den nahen Tod beschreiben, sind kindgerecht freundlich: Da wird vom „krebsroten Blumenkohl“ erzählt oder der „verkrebsblumenkohlten Lunge“. Das Buch liest sich ohne Gefühlsduselei, mitten im Leben ganz praktisch, „ohne Kuscheln ist das Leben nix wert“, findet Tante Tilly. Ein „Seelenschmetterling“ wird mal ihre Ideen, Träume, ihr Lachen mitnehmen und davon fliegen. Für Kinder ist es tröstlich, wenn sie mit etwas Greifbarem weiterleben können: Tante Tilly wird mal im Seelenschmetterlingsparadies ankommen, da kann man ihr auch zuwinken.

ein Rezensionsexemplar vom Mabuse-Verlag
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Spaziergang über den Friedhof in Sent „wohnt die Ewigkeit“

Friedhofspaziergang am frühen Morgen in Sent

Ich war schon öfters in Sent. Aber noch nie bin ich über den Friedhof spaziert. Ein kleiner Ort des Friedens. Schneebedeckt. Am dritten oder vierten Tag des Krieges.

In der letzten Stunde der Nacht
wohnt die Ewigkeit
und wir warten
auf unsere Geliebten
die niemals kommen
unsere Liebe zu erfüllen.

Alles Sehnen ist vergangen
(von Gianna Olinda Cadonau)

Das Gedicht habe ich während der Zugfahrt nach Sent vor wenigen Wochen in der Zeitschrift Piz Nr. 61 gelesen. Mir hat es sehr gefallen und ich fand es neben den anderen Versen sehr schön – einerseits in Rhätoromanisch abgedruckt sowie in deutscher Sprache. Hier gibt es die Quelle zum Gedichtband und eine Gedichtauswahl aus dem Buch – auch in Rhätoromanisch. Ich finde, das Gedicht passt heute an Tag 28 des Krieges gut hin … und die schneebedeckten Gräber tun ihr Übriges.

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In diesen Zeiten übers Sterben sprechen und wie ich einen klaren Kopf behalte

auf der Suche nach einer Friedens-Demo in Zürich letzten Samstag

Letzten Samstag habe ich in Zürich eine Friedens-Demo gesucht … und ein kleines Grüppchen gefunden, das für die Menschen in der Ukraine Frieden gefordert hat. Eine große Kundgebung fand in Bern statt und in vielen deutschen Großstädten. Ich wäre gerne mitgezogen …

… also hab ich meinen eigenen kleinen Spaziergang durch die Stadt unternommen an diesem schönen Tag und an die Menschen in der Ukraine gedacht.

Wie mit der jetzigen Situation umgehen hier im Blog? Wir schreiben über das Sterben und den Tod frei von der Leber … mal frech mal sonnig mal betrübt. Ich mag jetzt nicht schweigen trotz aller Sprachlosigkeit. Ein paar wenige Gedanken mag ich mit euch teilen und euch erzählen, wie ich grad klar komme.

KRIEG also. Und diesmal ganz nah. Es wird taktiert und geschossen und gestorben. Dass ich wie die meisten ohnmächtig und fassungslos bin muss ich sicher hier nicht beteuern. Ich bin auch traurig, dünnhäutig, ruhelos.

Schreiben und reden sind wichtig. Gedanken und Gefühle teilen sind wichtig. Ich habe eben den Newsletter einer Freundin gelesen, den von Susanne alias Texterella und sie hat mir aus der Seele gesprochen. Sie erklärt, wie sie bei Sinnen bleibt. Sehr schön formuliert. Sie verlinkt sehr lesenswerte Blogartikel aus anderen Blogs, wie die Schreiberinnen mit ihrem Alltag jetzt umgehen … es gibt auch Hinweise zu Hilfsorganisationen und Spendenkonten und „wie man richtig spendet“.

Die Kriegsnachrichten. Wir sind fast live dabei. Rund um die Uhr. Ja, ich informiere mich täglich. Ich schaue aber weg von Bildern und Videos. Die graben sich leider in mein Gedächtnis ein und dann werde ich sie nicht wieder los. Ich lerne Interessantes dazu in den Talk-Shows: Geopolitisches und Geografisches, Militärisches.

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45 Bilder – und die Stories dahinter

Am 19. August habe ich hier im Totenhemdblog eine kleine Bildmediation veröffentlicht. Es ging, wie sollte es anders sein, um das Thema Tod und Vergänglichkeit.
Passend zum Weltfototag 2021.
Es war eine sehr subjektive, sehr willkürliche Auswahl an Fotos, die ich für mein eigenes Blog für unterschiedlichste Beiträge angefertigt hatte, Bilder, von denen ich denke, dass sie aber auch in diesem Kontext hier gut passen. Aber längst nicht jeder meiner Beiträge beschäftigte sich mit dem Tod oder der Vergänglichkeit. Dennoch denke ich, dass diese Bilder bestens passen.

Ein kleiner Teil der Fotos waren zugleich eine Vorschau auf Beiträge, die ich hier veröffentlicht habe oder noch im kommenden halben Jahr veröffentlichen werde. Dazu gehören vor allem kleine Friedhöfe von Orten, die es längst nicht mehr gibt.
Falls Sie schon jetzt wissen wollen, was die einzelnen Bilder zeigen – hier eine „Auflösung“, zum Teil mit Verlinkung auf ihre Ursprung. Weiterlesen

Wie gehen, wenn man gehen muss

der Reim zu versinken wäre ertrinken gewesen.
Aus: Günter Grass „Ein weites Feld“

„Das Thema ist ernst, ungewöhnlich ernst für mein Blog. Und es könnte schnell fehlgedeutet werden.“
So leitete ich im am 24. November 2019, dem Totensonntag, einen Blogtext ein. „Aber die Frage, wie man sterben möchte, wenn man sterben muss (was wir alle müssen), ist sicher jeder Leserin und jedem Leser bekannt. Und auch der Wunsch, sich das aussuchen zu können, was sich in den allermeisten Fällen aber so nicht realisieren lässt.“

Wie gehen, wenn man gehen muss - einfach losschwimmen?Auslöser für den damaligen Beitrag und im selbigen auch erwähnt war eine vorangegangene, digitale Diskussion mit der Berliner Bloggerin Stephanie Jaeckel, die ihrerseits über die ungarische Philosophin Agnes Heller einen Beitrag veröffentlicht hatte. Stephanie Jaeckel schrieb im Sommer 2019 einen Beitrag über den Tod der 90jährigen ungarischen Philosophin Agnes Heller, die Augenzeugenberichten einfach hinaus in den Plattensee geschwommen und nicht mehr zurückgekehrt ist. So zumindest berichtete im Juli 2019 die Neue Zürcher Zeitung. Weiterlesen

Wenn sie zuerst stirbt …

Melanie hab ich vor wenigen Wochen auf Zypern kennengelernt und sie zu ihrem eigenen Blog motiviert. Der ist jetzt im Werden. Für Melanie poste ich ihren Text.

die Fotos hat Melanie geknipst als „sie“ zuerst stirbt

Wenn ich zuerst sterbe…schreibt mir gerne Eure Gedanken zu diesem Satz.“ Ich habe Petra auf Zypern kennengelernt und sie hat mir von ihrer November-Bog-Aktion erzählt – ich erzählte ihr von einer ungewöhnlichen Entscheidung:

„Wenn ich tot bin, ist da nichts“

…als ich ihre Worte einem Freund erzählte sagte er: „Die wird sich wundern.“

„Ich weiß nicht worüber…schließlich hat kein Lebender diese Erfahrung je gemacht“ war ihre Antwort auf seine Reaktion. „Überrascht werden ist auch schön“ war seine. 

Sie hat Parkinson. Ihre Muskeln entziehen sich Stück für Stück ihrer Kontrolle. Sie will ihrem Körper nicht ausgeliefert sein. An einem Freitag wird sie sterben. Nein, genau genommen wird sie gehen, selbstbestimmt. Ich habe drei Tage zuvor Geburtstag und denke so: Geburtstage kann man planen, aber den eigenen Todestag normalerweise nicht.

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Unsere November-Blogaktion: Terminübersicht und unsere Autor*innen

Montag, 1. November: Katja Glöckler und der Künstler Luis Ramirez
3.11. Petra „Zurück an Aphrodites Hof“
5.11. Bianca Schimmel die Silbensammlerin
7.11. Karolin „Weg vom Fenster“
9.11. Hiltrud im Blog „ilseluise … Clownerie und Theologie“
11.11. Lutz möchte nicht im Kaktus landen
13.11. Im Blog „essenzdergöttin“ von Padma Ellen Hochrein
15.11. Britta in ihrem Blog „Trauer ist Liebe“
17.11. Anjas Blog … ein Stück untröstlich
19.11. Sarah und „die neunte“
21.11. Brigitts Blog Brigwords
23.11. Martin von „Dein Tod und ich“: Gespräch mit Jacob
25.11. Silke „in lauter Trauer“ Was wäre wenn, …
27.11. Petra „wenn ich zuerst sterbe“ und dankeschön

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Unsere November-Blogaktion 2021

Wir laden ein zur diesjährigen November-Blogaktion: Erzählt uns eure Geschichten!

Was wäre, wenn ich zuerst stürbe? (geknipst in Richterswil „street art)

In einem Interview erzählt Peter Handke im „Das Magazin“ auf sein Alter angesprochen diesen Witz: „Wenn du zuerst stirbst, besuche ich dich auf dem Friedhof“. Es folgten dann noch zwei weitere Scherze.

Eine lustige Kurzgeschichte schreiben oder einen Witz erzählen, in dem es ums Sterben oder den Tod geht. Warum nicht? Der bekannte und umstrittene Schriftsteller tut es auch ;-). Ich frage Dich: Wo stehst du gerade mit dem Leben und dem Sterben? Versteckt sich der Tod oder bist du nah dran? Mit wem sprichst Du im Alltag über das Sterben? Und was wäre, wenn Du zuerst stirbst? Wer besucht dich auf dem Friedhof?

Ich habe begonnen darüber nachzudenken: Was wäre, wenn ich zuerst stürbe? Ja was? Kann ich dazu überhaupt eine Geschichte schreiben oder wird es eher eine Aufzählung? Oder knipse ich einfach nur ein Foto. Ich bin davon überzeugt, dass du eine gute Idee haben wirst und ich bin sehr gespannt. Vielleicht ist es einfach nur ein Wort?!

Schreibe, male, zeichne, dichte oder fotografiere. Mit Humor und dem Schalk im Nacken. Mach‘ ein fröhliches Interview. Ich vergebe im kommenden November 14 Termine im Blog. Und zwar datiere ich die Tage in einer Liste hier im Blog. Wähle bitte einen Termin, wenn du mit bloggen möchtest. Sobald der Link zu deinem Artikel bei mir eintrifft, verlinke ich diesen an dem Datum, an dem dieser in deinem Blog erscheinen wird. So kann man an „deinem Tag“ klicken und deinen Blogpost lesen.

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