Schwarze Tasten

Im Rahmen der schönen abc.etüden hat Elke einen Blogartikel geschaffen, der in unseren Totenhemd-Blog passt. Die Aufgabe ist, 3 Worte, die gespendet werden, in einen Text zu bringen. Ich war diesmal die Wortspenderin mit „Stilblüte, banal und jodeln“. Ganz unten findet Ihr den Link zur Blog-Gastgeberin Christiane.

Herr Murrmann hatte schon lange aufgehört, die Trauerreden zu zählen, die er gehalten und die Nachrufe zu sammeln, die er geschrieben hatte. So manche Stilblüte fand er in den Entwürfen, die ihm verzweifelte, geschockte, erleichterte, traumatisierte, gleichgültige oder erbgierige Hinterbliebene zum Redigieren überließen. Der Tod, das wusste Herr Murrmann als professioneller Trauerredner und -texter besser als viele andere, war nichts Besonderes, er war banal, gewöhnlich, alltäglich, jeder Mensch starb irgendwann und fast jeder Mensch sah irgendwann den liebsten Menschen sterben, den Menschen, der nie hätte sterben sollen, den er wider alle Vernunft tiefinnerlich für unsterblich gehalten hatte, und der doch verging, wie wir alle vergehen. 2017_46-17_zwei

Hier geht’s weiter.

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Hier entlang zu Christianes Schreibeinladung für die abc.etüden in KW 46/17

Ich möchte eine möglichst glückliche Leiche werden

Es geht schon wieder um die Löffelliste, aus meiner Sicht, weil sie nun mehr Zeit hat und weniger arbeitet. Sie tut Dinge, die ihr große Freude machen. Ich habe Meike Winnemuth, die Bestsellerautorin und Journalistin, beim NDR-Talk erlebt. Und sie wiederholte, sie will eine möglichst glückliche Leiche sein: Sie probiert aus, sie reduziert sich … sie hat auf einer Weltreise nichts vermisst und wohnt jetzt in einer 1-Zimmer-Wohnung.

Bei Interesse hier ins Youtube-Video schauen und den Ausschnitt aus dem NDR-Talk anschauen:

 

Oder hier in die ARD Mediathek klicken. Dieser Beitrag passt natürlich auch wunderbar in den Wesentlichwerden-Blog … aber da Meike Winnemuth wiederholt meinte, eine möglichst glückliche Leiche zu sein, hab ich mich für den Totenhemd-Blog entschieden.

Die zentrale Frage, die hier gefragt wird: WAS WILL ICH? Die Antwort: WENIGER.

Trifft genau meinen Nerv … was ist mit Dir?

Buchtipp: Krebs ist, wenn man trotzdem lacht

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Sabine Dinkel und ich kennen uns übers Internet. Schon bevor Sie von heute auf morgen Krebs hatte.

Sie ist mit daran „schuld“, dass es den Totenhemd-Blog gibt. Über die Trauer meines Vaters sind wir in Kontakt gekommen. Sie empfahl mir die Bücher von Claudia Cardinal zu lesen. Was ich auch getan habe. Stell Dir vor, dein Totenhemd hängt im Kleiderschrank … so fing alles an :-).

Und nun Sabine mit ihrer Krebs-Erkrankung. Ich bekomme sehr viel mit über ihre Facebook-Einträge. Sie hat ein sensationell gutes Buch geschrieben, das ich noch gar nicht gelesen habe. Die bisherigen Rezensionen sind aber alle voll des Lobes.

Krebs und Tod hängen nah beieinander. Ich selbst habe 3 Freunde verloren, die innerhalb von zwei Jahren an ihren Erkrankungen gestorben sind. Man denkt sofort „hoffentlich schafft sie/er es“. Deshalb habe ich Sabine gefragt, ob es OK ist, dass ich ihr Buch hier im Totenhemd-Blog vorstelle. Denn wir wollen ja übers Sterben sprechen. Ihr Buch sagt jedenfalls deutlich: Lebe! Hab Spaß! Mach es Dir schön! Genau! Bis zur letzten Minute und wer weiß wann das ist, ob mit oder ohne Schnieptröte.

Hier schmökern.

Die Stadt der Witwen

Es ist zwar nur ein Trailer, der einen kleinen Einblick gibt in eine Stadt in Indien, in der viele Witwen leben. Die Tradition hält immer noch daran fest, dass Frauen die ihren Mann verloren haben, keinerlei Recht auf Würde und Leben haben. Sie leben in dieser Stadt in Pflegeheimen. Am besten werden sie gleich mit ihrem toten Gatten mitverbrannt und werden zur Heiligen.

Gott sei Dank gibt es Frauenrechtlerinnen, die diese Tradition aufbrechen. Ein Privatmann schenkt den Frauen Lebensfreude indem er mit ihnen Lachyoga trainiert oder einfache Yogaübungen praktiziert. Sie haben ein Recht auf Leben, auf Liebe und Wiederheirat. Seht selbst.

Ein Vogel, eine Familie und die Liebe.

Ein Zufall hat mir das Buch „Penguin Bloom“ beschert, in dem ich dieses wunderschöne Gedicht finde:

Familie

Wie man im schwarzen Afrika und bei den Ureinwohnern Nordamerikas weiß, ist deine Familie das gesamte Dorf,

mit allen seinen Lebenden und seinen Toten.

Und deine Verwandtschaft endet nicht bei den Menschen.

Deine Familie spricht auch aus dem Knistern der Flammen zu dir,

im Rauschen des fließenden Wasser,

im Atmen des Waldes,

in den Stimmen des Windes,

im Zorn des Donners,

im Regen, der dich küsst,

und im Singsang der Vögel, die deine Schritte grüßen.

51KbYFaKmKL._AC_US218_Aus Penguin Bloom.
Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete.

Wir reden übers Sterben … heute mit: Silke Szymura

silke-szymuraIch bin Silke, 34 Jahre alt und komme aus der Nähe von Frankfurt. Vor knapp vier Jahren habe ich meinen Lebenspartner während eines gemeinsamen Aufenthalts in Nepal ganz plötzlich verloren – und damit auch mein altes Leben.

Mittlerweile bin ich Trauerbegleiterin und schreibe auf meinem Blog „In lauter Trauer“ über Trauer, Tod, Sterben und das Leben. Außerdem führe ich seit Herbst 2016 das Projekt „Dein Tod und ich“ weiter, auf dem Hinterbliebene von ihrer Erfahrung mit dem Tod und der Trauer erzählen.

Ich möchte Räume für die Trauer schaffen, einen Beitrag dazu leisten, dass über Trauer und Tod geredet wird und wünsche mir einen natürlicheren Umgang damit in unserer Gesellschaft.

  1. Du beschäftigst dich mit (deiner) Endlichkeit. Welche Auswirkungen hat das auf dein Leben? 


Bis zu Julians Tod habe ich versucht, die Tatsache, dass mein und unser aller Leben endlich ist, zu verdrängen. Sterben, das war in meiner Welt etwas, das irgendwann im Alter passiert und bis dahin, wer weiß, da hat die Medizin vielleicht etwas erfunden, was dagegen hilft. Durch seinen Tod wurde ich auf ziemlich harte Weise in die Realität geholt und habe kapiert: Dieses Leben ist tatsächlich endlich. Es kann wirklich jederzeit vorbei sein.

Das war zunächst ein harter Schlag, aber dann hat es dazu geführt, dass ich noch mal neu und ganz anders anfing, über das Leben nachzudenken. Die Erkenntnis, dass wir nur eine bestimmte Zeit auf dieser Erde leben, hat mich daran erinnert, wie kostbar das alles hier ist. Ich lebe nun bewusster und versuche, mehr meinem Herzen zu folgen und darauf zu achten, was mir wirklich wichtig ist. Ich bin viel dankbarer geworden und nehme die Dinge und Menschen um mich herum nicht mehr als selbstverständlich wahr.

Die Begegnungen, die bereits aus dieser Auseinandersetzung und meiner Arbeit entstanden sind, bereichern mein Leben sehr. Der Tod hat so einen schlechten Ruf in unserer Gesellschaft, dabei kann er so ein wertvoller und spannender Begleiter sein, wenn wir ihn annehmen, ihm vielleicht mit etwas mehr Neugier und etwas weniger Angst begegnen.

  1. Viele haben Hemmungen oder auch Angst, mit anderen über das Sterben zu reden. Wie ist das bei dir? Was hat sich verändert? 


Ich hatte diese Hemmungen und Ängste früher auch, daher kann ich sie gut nachvollziehen. Mittlerweile rede ich allerdings gerne darüber und finde diese Gespräche immer wieder sehr bereichernd. Für mich hat sich im Laufe der letzten Jahre vor allem noch verändert, dass ich mir anfangs viel mehr Gedanken darüber gemacht habe, ob ich in einem Gespräch einfach anfangen kann, davon zu sprechen. Ich hatte lange eine Hemmschwelle, weil ich andere nicht belasten wollte, weil ich Angst hatte, dass ich die Stimmung ruiniere und zur Spaßbremse werde. Heute erzähle ich einfach was ich mache, dass ich zum Beispiel Weiterlesen

Totenhemd-Blog bei bild.de

img_4444Und plötzlich war die Klickrate höher als üblich.

Für alle, die nicht bei Facebbok und Co. mitgelesen haben: Unser Blog ist in einem OnlineArtikel bei bild.de gelistet. Die Headline:

6 hilfreiche Blogs zum Tabuthema Tod

Unser Blog steht an 1. Stelle. Darüber freuen wir uns und sind mächtig stolz.

Fünf andere lesenswerte Blogs kennen wir teilweise bzw. haben wir neu kennengelernt. Alle Blogs sind ab sofort auch in unserer Blogroll gelistet, die die bisher fehlten haben wir ergänzt.

Meine Schwester tot und ich hier – von Claudia

Wir sind noch hier – von Sarah

Bestatter Weblog – von Peter Wilhelm

In lauter Trauer – von Silke

Dein Tod und ich – von Silke (wie oben) übernommen

Claudia Cardinals neues Buch: Gutes Leben …

51vkl3e-wvl-_sx303_bo1204203200_Auf meinem Lesestapel liegt das neue Buch von Claudia Cardinal das im Herder Verlag erschienen ist: Gutes Leben – trotz schwerer Krankheit und Krebs.

Die Autorin stellt 4 Betroffene vor und begleitet sie während ihrer „Cafezeit-Treffen“. „Alle vier haben ihre eigene Diagnose „Krebs“ zum annäherend gleichen Zeitpunkt bekommen. Sie befinden sich in unterschiedlichen Behandlungsschemata und in unterschiedlichen Lebenssituationen“.

Das Buch ist in vier große Kapitel gegliedert. Was mir besonders gefällt und ich gerne lese: Claudia Cardinals IDEEN. Diese Ideen hat sie in viele Kapitel eingestreut. Zum Beispiel eine Idee, um zur Ruhe zu kommen oder oder oder.

„Hör zu und stell dir einmal vor“ … so beginnt jeweils die Idee. Claudia Cardinal erzählt dann eine Geschichte, die einer kleinen Reise oder Meditation gleicht. Diese Ideen regen die Phantasie und Motivation an. Aber auch die Neugier und Selbstliebe.

So viel für heute. Bisher habe ich nur reingeschnuppert. Ich melde mich ausführlicher.

Es ist auf jeden Fall sehr lesenswert und unterstützt Betroffene auf ihrem Weg.

Reise in die Wüste. Eine Reise in die äußere und innere Stille. Eine Reise zu Dir selbst.

Kamele in der WüsteDie Veranstaltungsleiterin ist Maja Signer von jemanja.ch

Warum Marokko?

Marokko ist zweifellos eines der faszinierendsten Länder im Mittelmeerraum. Es ist ein Land mit einer beeindruckenden kulturellen und landschaftlichen Vielfalt.

Folge uns in ein Land voller Träume, in dem die Fantasie Flügel bekommt. Wo die Auseinandersetzung mit fremden Sitten und Gebräuchen, die Begegnung mit Einheimischen überraschende und unterhaltende Abwechslung bringt. Tauche ein in ein Land der immensen Farbenpracht, in das bunte Treiben der Souks und in eine Welt aus fremden Gerüchen und Speisen.

Herrliche, sehr unterschiedliche Berglandschaften des Hohen Atlas werden dich begeistern. Reiche Felder und Oasen, bizarre Felsformationen, wunderschöne Sonnenauf-und untergänge werden dich erfreuen. Du entdeckst das Leben der Nomaden, die Stille und Weite der Wüste, bevor du Tage später wieder in das quirlige Leben von Marrakech eintauchst.

Was hat das Land Marokko mit dem Sterben und dem Tod zu tun? Marokko verkörpert für mich das pure, sprudelnde Leben. Mit seiner enormen Farbenpracht, seinen feinen Düften, Gewürzen, süssen Datteln und sonstigem köstlichem Naschwerk. Mit Märchen aus 1001 Nacht, mit seinen glitzernden Kleidern und Gewändern und dem Lachen in den Souks. Daneben die unendliche Stille und erhabene Wüste. Zeit, um sich zurück-zuziehen, über Leben und Sterben nachzudenken.

Reiseprogramm (Änderungen vorbehalten)

1. Tag
Individueller Flug und Ankunft in Marrakech. Individueller Transfer per Taxi zum Riad oder Hotel. Begrüssung, danach freies Nachmittags- und Abendprogramm,

2. Tag
Eintauchen in die Medina und die Souks von Marrakech. Weiterlesen

Jemanja- die letzte … 12 Monate sind vorbei

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Hut aus Peru, letztes Mal bei Jemanja fotografiert

Am kommenden Wochenende wird die letzte Runde meiner Aus- und Weiterbildung bei Jemanja, Schule für Sterbe- und Trauerbegleitung, stattfinden.

Ich habe eine „Abschlussarbeit“ abgegeben. Darin habe ich folgendes zusammen gefasst:

Was war wesentlich für mich während des letzten Jahres?

  • dass ich mehrfach in verschiedenen Meditationen „gestorben“ bin
  • dass ich mir meiner eigenen Endlichkeit bewusst bin
  • dass ich das Leben liebe (und eigentlich nicht sterben will ;-))
  • die Meditation, dass ich ein göttliches Wesen bin, unabhängig von Gefühlen, Gedanken, Verhaltensweisen
  • die verschiedenen Rituale, die ich kennenlernen konnte
  • dass ich die „Königin meines Lebens“ bin.
  • die Fragen: Was will ich NOCH erleben? Wo will ich leben?
  • die ReferentInnen mit ihrer Expertise haben mich inspiriert
  • gleichgesinnte Menschen kennengelernt zu haben

Mit welcher Konsequenz?

  • Ich habe meine Patientenverfügung, Testament, letzten Willen klar.
  • In einem blauen Notizbuch schreibe ich Gedanken und auch eine Art Mitteilungen an meine Liebsten – „mein letzter Wille“
  • Mit meiner Mutter habe ich über ihren letzten Willen gesprochen. Meine Schwestern und ich wissen, wo und wie sie beerdigt werden wird.
  • Mein Mann und ich haben unser gemeinsames Testament klar und wir sprechen über das „was wäre wenn …. “.
  • mein Lebensmittelpunkt ist Frankfurt, ich pendle zwischen Frankfurt und dem Zürichsee

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