Heike: bergmutig sozusagen

von Heike geknipst

Als ich Heikes Foto sah, sagte ich zu ihr, das muss eine Postkarte werden. Erst als sie erklärte, da hängt ein Spinnennetz mit Regentropfen, erklärte sich diese prickelnde Aufnahme von selbst. Wir haben Heike mit unserer Blogaktion inspiriert mitzuschreiben, deshalb einfach mal so zwischendurch – wie ein Regentropfen in unsere Textreihe eingefädelt.

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(von Heike) Prolog: Mit Leidenschaft blicke ich über den Tellerrand, um zu lernen. Seitdem mein Professor für Politische Theorie, Ullrich Druwe [nur wegen ihm interessierte ich mich für sein Fachgebiet; er war es auch, der mich mein Faible für Neurobiologie erkennen ließ] uns Studenten vor gut 30 Jahren aufmerksam machte, was sich aus Kinofilmen und Romanen über Politik lernen lässt. Ein Aha-Erlebnis. Mauerfall für horizonterweiternde Ausflüge in fremde Themengebiete. Meine Bloggerfreundin Petra hat zu einer November-Aktion im Totenhemd-Blog eingeladen. Heute geht’s in die Poesie.

Hier lest Ihr in Heikes Blog weiter.

Heike und ich kennen uns schon eeeeewig – als Blog- und Wanderfreundinnen unter anderem.

7.11. Die „Dessau“-Schreiberinnen: Liebesprickeln

von Uta

Petra: Beide tragen ihre Maske über Mund und Nase. Sie stehen in der vollen U-Bahn gleich vorne an den Türen nah beieinander. Sie scheinen frisch verliebt und unterhalten sich vertieft. Dabei verschlingt sie ihn mit ihren großen Augen. Sie begehren sich. Es ist faszinierend, ihr zuzuschauen, wie sie ihn fixiert. Ihre Augen wollen es wissen, bewegen sich unruhig von rechts nach links, als wenn sie mal in sein rechtes und dann wieder in sein linkes Auge schaut.

Juliane: Er ist größer als sie. Aus ihrer Perspektive sieht sie nicht, von wo die Haare über die kahle Stelle am Hinterkopf in die Stirn frisiert worden sind. Aus ihrer Sicht wirkt er wie ein junger Mann, aus meiner wie ein unbeholfen getarnter junger Mann. Ich bin größer als sie und nicht blind vor Liebe.
 
Anke: Vor vielen Jahren liebte ich auch so einen Mann – eine graue Maus mit ähnlicher Frisur. Scheinbar unattraktiv, aber im Gespräch ein schillernder Fluss. Und mit mir gemeinsam zwischen den Bettlaken ein wiss- und lernbegieriger Berserker. Immer hungrig. Immer sinnlich. Ich muss beim Anblick des Masken-Liebespaares an ihn denken. Seine süßen begehrlichen Worte waren noch immer in meinen Poren. Sie ließen mich damals milde stimmen ob seiner zunehmend erschlaffenden Männlichkeit, die er als ehemaliger Klavierspieler mühelos fingerfertig ausgleichen konnte. Und es gab ein weiteres physikalisches Problem: die Ehefrau.

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5.11. Bianca: Der Zettel

Als fast alles vorbei ist holt Mama den Zettel aus ihrer Handtasche und legt ihn neben das Gesangbuch. Er ist ordentlich gefaltet und zweimal umgeklappt. Einmal längs, einmal quer. So wie die Taschentücher, die sie bügelte und dann zusammenlegte. Papas Taschentücher. Kante auf Kante, erklärte sie mir damals, als sie meinen fragenden Blick bemerkte.

Hier geht es weiter zu Biancas Text in ihrem Blog Silbensammlerin.

3.11. Das Totenhemd-Team: Nackt auf Wolke 12

Petra: Mein Totenhemd passt mir nicht mehr. Es sollte mein Brautkleid werden.

Lutz: Ein Gedanke, der mir fremd ist. Weil es mir persönlich einerlei ist, wie bekleidet ich beerdigt werde, denn das überlasse ich meinen Angehörigen, selbst ein Kartoffelsack wäre mir recht.

Sigrid: Wozu überhaupt ein Totenhemd?

Juliane: Und sollte es zur Ausstattung passen, die ja genauso entbehrlich scheint? Grün in Grün, weiß auf weiß, hinten offen oder nicht, Rüschen oder keine. Talar, Talar.

Petra: Talar? Ist ja interessant. Wahrscheinlich gut brennbar das schöne Outfit, 100% Polyester „Made in China“.

Lutz: Ja, ein Talar hätte schon was, so käme ich auf den allerletzten Drücker doch noch in einen obwohl ich weder Anwalt (heißt es da nicht eher Robe?) noch Pastor geworden bin, aber beides durchaus vorstellbar gewesen wäre. Na ja, vielleicht doch eher nicht, es käme mir wie eine Verkleidung vor. Also kein Talar. Sigrid hat recht, wozu überhaupt ein Totenhemd? Warum nicht nackt vor den treten, der uns schließlich genau so geschaffen hat? Der hat bestimmt schon schlimmeres gesehen.

Sigrid: Geschaffen hat uns die Natur; die findet Nacktsein wohl eher gut und normal und nicht schlimm ….

Juliane: Unerhört, hier gibt es Regeln! Polyester niemals, nein, das muss alles leicht vergänglich sein!

Petra. Nackt! Jawohl! Ich find mich schön. Ich warte schon mal auf Wolke Sieben auf euch. Und wehe Ihr versteckt euch.

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1. November. Tag der Toten. Unsere November-Blogaktion geht an den Start

Guten Morgen, liebe Leser*innen und Schreiber*innen,

wie jedes Jahr haben sich die Termine im November fürs Mitschreiben gut gefüllt. Wir freuen uns auf eure Texte unter unserem diesjährigen Motto: Totenhemd trifft auf Prosa. Und wir freuen uns auf alle, die mitlesen werden und weiter erzählen, dass wir mit dem Tod und dem Sterben eine relativ gute Beziehung pflegen hier im Totenhemd-Blog.

Katja startet wie jedes Jahr unsere Blogaktion, weil sie einige Jahre in Mexiko lebte und den „Dìa de los muertos“ hautnah erlebte. Ihren Text erwarten wir im Laufe des Tages.

Tag
der Toten
am 1. November
wir bereiten uns vor
freudig-gespannt

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November-Blogaktion 2022: „Totenhemd“ trifft auf Prosa

Dienstag, 1.11.: Katja zum Dìa de los muertos: La petite Mort
3.11. Das Totenhemd-Team: Nackt auf Wolke 12
5.11. Bianca vom Silbensammlerin-Blog: Der Zettel
7.11. Die Dessau-Schreiberinnen: Liebesprickeln
9.11. Monika: Federkleid
11.11. Lutz: Reisen mit leichtem Gepäck
13.11. Hiltrud: oh du mein totenhemd
15.11. Sarah: T arnkleidung
17.11. Anja: Totenhemd- ist das Prosa oder kann das weg?
19.11. Petra: Ausrangiert
22.11. Sigrid über „grünes“ bestattet werden
23.11. Brigitt hat ein Elfchen geschrieben
24.11. Juliane: Tic
25.11. Martina

Liebe Wortkreative und Geschichtenerzähler*innen,

wir laden ein zur diesjährigen November-Blogaktion: Schreibe eine Kurzgeschichte egal welches Genre, ein Slam Poetry oder ein Lied. Die einzige Voraussetzung, das Wort „Totenhemd“ soll in deinem Text drin sein.

Ein Ausschnitt aus meiner Sterbedecke

Über das Totenhemd haben wir schon einige Texte verfasst. Wir haben uns „im letzten Hemd“ fotografieren lassen und ich habe mein Brautkleid vorgestellt, das einmal als Totenhemd fungieren soll. Auch die Sterbedecke kam in den Fokus.

Im März 2017 haben wir euch in unserer Blogaktion „Totenhemd meets Poetry“ motiviert poetisch mitzuschreiben. Nun also PROSA im November.

„Die Prosa wird als eine freie, ungebundene, nicht durch Rhythmik, Reim und Vers gebundene Form der Sprache verstanden“. Definition bei Wikipedia.

Die Challenge
Wir wollen leichter und offenherziger über das Thema „Sterben“ reden. Es soll explizit nicht ums Trauern gehen. Lachen und Weinen, Schimpftiraden und Liebesschwüre sind willkommen.

Die Form diesmal: Prosa!
Kurz und schlicht,
freestyle,
gerne auch: slammig oder als Elfchen,
humorvoll, träumerisch, skurril,
ein Spiel mit Worten.

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Der Tod wartet im Forst

Der nachfolgende Beitrag gehört zu den am häufigsten gelesenen Texten in meinem Blog. Vielleicht kennen Sie in bereits. Falls nicht, wiederhole ich ihn hier sehr gern, allerdings in textlich leicht gekürzter und geänderter Fassung:

Die Staatsstraße ST 2080 verbindet östlich von München die beiden oberbayerischen Gemeinden Ebersberg und Markt Schwaben. Eine merkwürdige Strecke. Dabei scheint an einem frühen Sommermorgen alles so idyllisch, so friedlich.

Doch der Schein trügt. Düsteres weiß man im Landkreis Ebersberg über den Ort zu berichten. Und nicht nur dort geht eine gruselige Geschichte um, die sich dort ereignet hat.

Denn einst hat es hier einen schweren Unfall gegeben und damit fing alles an. Nun ist der Totenhemdblog nicht unbedingt ein True-Crime-Blog, auch kein sensationsheischendes und -lüsternes Medium, Unglücksfälle und Geschichten von Mord und Totschlag zu kolportieren. Aber dieser spezielle Fall spukt noch immer in den Köpfen der Menschen in der Region umher. Und Halloween, Allerheiligen und Allerseelen steht vor der Tür, da darf es heute ruhig etwas creepy sein. Denn das  „spukt“ ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen.

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„Sag mir wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben …“

Es nähert sich der November und mit ihm die Totentage, Allerheiligen zum Beispiel. Oder der Volkstrauertag; ein staatlicher Gedenktag für die Opfer von Gewalt und Krieg aller Nationen. Auf viele Friedhöfen gibt es eigene Gedenkstätten und Gräberfelder für die toten Soldaten und Soldatinnen, für zivile Personen, in KZs Ermordete oder Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen.

Oft sind es reihenweise die gleichen Steinkreuze, eins neben dem anderen im Gras. Auch das eingemeißelte Todesdatum ist oft gleich, nur die Namen unterscheiden sich. Solche Ehrengräbern haben laut Gesetz ein ewiges Ruherecht. Oft ist die Schrift so verwittert, dass man sie nicht mehr lesen kann. In manchen Ziffern und Buchstaben wachsen Moos und Flechten.

Für uns Menschen ein Anblick, bei dem man sich wie im Liedtext „Sag mir wo die Blumen sind“ fragt: Wann wird man je verstehen?

Für viele Tiere dagegen ist ein solche Kriegsgräberstätte ein lichtes Gräsermeer voller Futter mit warmen Steininseln dazwischen. 

Zum Beispiel Heuschrecken, Grashüpfer und Grillen fühlen sich hier oft wie im Paradies. Oder: Spinnen. In alten Geschichten sind Spinnen wie weise Frauen, die Weberinnen der Zeit, der Schicksalsfäden.

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„Und es leuchteten die Sterne“ Friedhofspaziergang auf dem Hönggerberg

Meine Schreibfreundin aus Cornwall erzählte mir vom schön gelegenen Friedhof Hönggerberg. Letzte Woche spazierten wir gemeinsam in die Höhe und ich entdeckte einen herbstlich farbenfrohen Friedhof in Zürich Höngg.

Mariella zeigte mir das Familiengrab. Aus Puccinis Oper Tosca ziert den Grabstein die italienische Textfassung: „E lucevan le stelle“ (und es leuchteten die Sterne). Die Familie liebt Musik: es wird und wurde gesungen oder Instrumente wie Geige oder Klavier gespielt. Wie schön und wie passend dieser Grabstein ist!

Der Friedhof liegt relativ klein auf einer Anhöhe mit Blick in die Stadt. Allerdings wird der Blick durch zahlreiche Bäume und Sträucher verdeckt.

Tiere, Blumen oder Instrumente sind oder zieren die Grabsteine aus Holz oder Stein.

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