Mein neues Totenkleid

So ein Zu-Fall! Ich hab mein Totenhemd entdeckt, das ich im Falle meines Todes tragen möchte. Es ist ein Kleid. Ab heute gilt: Nicht mehr das Hochzeitskleid gilt als mein Toten-Outfit sondern dieses Kleid mit den mexikanischen Schädeln drauf.

Ich hatte die letzte Zeit so das Gefühl, dass ich morgens gern in eines dieser luftigen langen Kleider schlüpfen mag. Die Sommerkleider, die jetzt gerade so modern sind. Und fast jede Frau besitzt zur Zeit mindestens eines. Ich stellte mir vor: morgens wach werden, raus aus dem Nachthemd, rein ins luftig-leichte Kleid. Gesagt. Getan. In der Boutique, an der ich fast täglich entlang laufe hatte ich mich in eines, das im Schaufenster hing, verguckt. Ich nahm mir Zeit und wählte einige zum Anprobieren aus und entschied mich für zwei. Eines davon seht Ihr nun hier.

Erst auf den zweiten Blick fiel mir das Muster mit dem mexikanischen Totenschädeln auf. Ich freue mich drüber. Wie gefällt Dir meine Wahl?

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Lutz und Petra chatten für den MementoTag

Durch den Tod bleiben wir im Gespräch mit dem Leben. (Patrick Woodford)

Hallo Lutz,
hast Du in den letzten Jahren schon vom MementoTag gehört? Er wird dieses Jahr zum dritten Mal stattfinden. „End-lich leben“ so heißt es in der Subline und wird auf der Website so erklärt: 

Der MementoTag soll die Themen Sterben, Tod und Vergänglichkeit wieder mehr ins gesellschaftliche Bewusstsein holen und Menschen ermutigen, mit ihnen in Kontakt zu treten.

Und ich frage gleich weiter: Seit wann ist Dir bewusst, dass das Leben endlich ist? Dass es endlich ist, wissen wir ja. Aber so richtig bewusst hast Du es Dir wann gemacht. Oder wie war das bei Dir?

Hallo Petra,
schon Deine erste Frage bringt mich sehr ins Grübeln. Wann war das eigentlich, dass mir die Endlichkeit des Sterbens bewusst wurde?
Zunächst: Du hast vollkommen recht, das theoretische Wissen um die Endlichkeit des Lebens, das war eigentlich immer schon da. Schon in meiner Kindheit, Erfahrung mit der Endlichkeit des Lebens habe ich eigentlich das erste Mal gemacht, als mein Großvater, den ich sehr geliebt habe, starb. Da war ich 18, stand kurz vor dem Abitur, war ein furchtbarer Mensch, will ich den Erzählungen anderer glauben, einer, der sich mehr für sich selbst, als für irgendetwas anderes interessiert. Nichts und niemand ging mich was an. Wir kamen von einer Schulfahrt nach Frankfurt am Abend zurück, gedrückte Stimmung im Haus. Der Opa ist tot. Ich begriff das gar nicht. Und ich lernte einfach nichts daraus.

Es wurde relativ viel um mich gestorben. Das klingt merkwürdig, aber so war es: Nicht nur die Oma, auch während des Studiums und der ersten Berufsjahre Bekannte und einige Kollegen. Es schockierte mich einen Moment, aber rührte mich nicht wirklich und es lehrte mich auch nichts.
Die Endlichkeit des Lebens lernte ich erst mit der Krebserkrankung meiner Mutter kennen, sie war gerade 60, als sie starb. Und ihr größter Kummer war, dass sie den beiden kleinen Enkelkindern, meinen Töchtern, keine Oma mehr sein konnte, sie nicht begleiten und aufwachsen sehen konnte. Sie verzweifelte schier daran. Als sie davon sprach, brach es mir das Herz. Ihr viel zu früher Tod hatte es mir endgültig klar gemacht, was Endlichkeit bedeutet. In all seiner Unausweichlichkeit, seiner Konsequenz und auch seiner Brutalität.

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St. Clemens – ein Relikt im Wald

Wanderer, steh still
und bete für die
in diesem Friedhof
ruhenden Toten.

Es hätte eine gute Idee sein sollen. Auf Betreiben der königlichen-bayerischen Regierung wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert bei Kranzberg westlich von Freising großflächig Weidenkulturen angelegt. Mit diesem nachwachsendem Rohstoff sollten neue Erwerbsmöglicheiten in der an sich armen Region zwischen Freising und Pfaffenhofen geschaffen werden. Und schon damals mussten zugunsten wirtschaftlicher Interessen die angestammten Bewohner weichen – Kleinbauern im Weiler Oberberghausen. Wer nicht an die Forstverwaltung verkaufen wollte, wurde unter Druck gesetzt. Schließlich zog 1884 der letzte Bauer fort. Das Dorf wurde dem Erdboden gleich gemacht.
Das ganze Dorf?

Nein.

Wie bei der Wüstung des Dorfes Fröttmaning, das in den 1950ern schrittweise zugunsten der Autobahn und des ständig wachsenden Münchner Klärschlammbergs abgerissen wurde (dazu folgt später noch ein eigener Beitrag), blieben auch in Oberberghausen Kirche und Friedhof vor der Zerstörung verschont.
Offenbar reichte in beiden Fällen die Traute nicht, Gotteshaus und Gottesacker dem Erdboden gleichzumachen. Beide blieben mitten im Wald stehen und wurden – da nutzlos geworden – dem Verfall preisgegeben.

Im Weltwald: St. Clemens

Aus der Weidenkultur allerdings wurde nichts – heute befindet sich St. Clemens inmitten des Freisinger Weltwaldes, einem höchst sehenswertem Arboretums, eines Lehrwaldes und einem biologischen Waldforschungsgelände in Hand des Freistaates Bayern.

Verfallen sieht die alte romanische und später barock ausgebaute Kirche allerdings nicht aus. Im Netz lese ich, dass sich ein Verein zur Erhaltung der Waldkirche Oberberghausen um die Pflege des Bauwerks kümmert.

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Memento Tag am 8. August

Wir sind über Tina Damm auf die Veranstaltung „Tag des guten Sterbens“ in Köln aufmerksam gemacht worden, die anlässlich des diesjährigen MementoTages stattfinden wird. Im Wandelwerk Köln.

Anlässlich des MementoTages bist auch du eingeladen mitzumachen. Klick auf die Seite und lass dich inspirieren zu einem Blogbeitrag oder einer eigenen kleinen Veranstaltung. Lutz und ich melden uns sicher am 8. August mit Text und Fotos. Evtl. live aus Köln :-). Kommst du auch?

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Hochbetagte Frauen sind gestorben

Wenn die Zeit
einen Moment
stehen bleibt

dann … wird es ganz leise.

Sie waren fast hundert Jahre alt.
90plus.
Hochbetagt.
Die eine Mutter.
Die andere Schwiegermutter.
Tante oder Schwester.
Die eine im Sterben liegend einige Tage.
Die andere eingeschlafen.
Einfach so.

Langes erfülltes Leben ist ausgehaucht.
Lebenskreise schlossen sich.

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Ich bin der Neue

….und wie das bei Neuen so ist: Ich komme jetzt öfter. Da ist es nur recht und billig, mich den Leserinnen und Lesern dieses Blogs vorzustellen. Ich heiße Lutz Prauser, komme gebürtig aus Hagen in Westfalen, wohne, arbeite und lebe aber seit über 20 Jahren in Oberbayern im Großraum München. Verheiratet, zwei erwachsene Töchter, kein Hund.
Das war’s.

Nein, natürlich nicht. Ein wenig mehr über mich erzählen möchte ich dann doch, damit Ihr wisst mit wem Ihr es zu tun habt. Ich bin der, von dem Petra gesagt hat: „Lutz schreibt. Und wie!“ Das bezog sich wohl auf mein eigenes Blog (ich weiß, ich gehöre zur Minderheit der Das-Blog-Fraktion), das ich seit 2011 führe, ziemlich genau zehn Jahre. Daher gehöre ich zwar nicht zu den Bloggern der ersten Stunde, aber einige Erfahrung bringe ich halt mit.

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Doch! Doch! Ich lebe noch! Lutz kommt dazu.

Es ist Sommer. Juli-Sommerabend.
Herrliche warme Sommertage genieße ich.
Es ist nicht zu heiß.
Es ist einfach nur wunderbar.

in Richterswil am See geknipst

Es war einiges los in den letzten Monaten.
Bei mir. In Deutschland. In der Familie. Bei Freunden. In der Welt.

Hab sogar mal kurz an meinen Tod gedacht.
Was, wenn eine Krankheit mein Leben verkürzen würde?
Aber: alles gut.
Ich habe nichts zu befürchten.
Dennoch – da war die Minute des Nachdenklich-seins.
Was wäre wenn?
Und es wäre OK gewesen. Vielleicht war „es“ nicht ernst genug.

Ich war auf der todsicheren Seite des Lebens :-).
Was ein Satz! Den schreib ich jetzt einfach so!
Wo kommt das Wort eigentlich her: todsicher?
Was bedeutet es: des Todes sicher?

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Gruß von Karin und Frau Tot

Ihr erinnert euch an Karin? Sie war bei der letzten Blog-Challenge dabei und fragte uns nach unserem Totenhemd. Sie war weiter kreativ und schickte mir diese zwei Fotos von Frau Tot mit ihren Gedanken.

Hier noch eine weitere Frau Tot… was sie wohl gerade macht…
vielleicht singt sie die Sterne an… und wünscht sich einen Moment der Ruhe von ihrer Arbeit…? 
Die Herstellung einer eigenen Totenfigur hat mir großen Spaß gemacht.
Denn das Begreifen und Verarbeiten geht vor allem und auch durch die Sinne. 

Mir gefallen die beiden Damen sehr … ich finde es immer sehr interessant, wenn jemand handwerklich begabt ist … ich habe da weniger Talent.

Was sagt Ihr zu den beiden Ladies?

31.3. Tagebucheintrag „verbunden sein“

Ihr ward sooooo toll. Du und … Du und … Du und …. Du.

hatte ich mal „en France“ geknipst:
Le Rouge c’est le couleur d’amour

Kreativ. Poetisch. Beobachtend. Tiefsinnig. Berührend. Nachdenklich. Trotzig. Vorsichtig.

Danke, dass Ihr mitgeschrieben habt zur diesjährigen Fastenzeit-Blog-Challenge: Carpe Diem. Sei Dir deiner Endlichkeit bewusst. Dein kreatives Tagebuch.

Ich habe aus allen Texten Sätze aneinandergereiht zu einem Artikel … in der genauen Datumsreihenfolge … ein neuer Text ist entstanden. Unsere Sätze sind verbunden in einem „Tagebucheintrag“.

Ich finde, so können wir getrost und gestärkt in die Osterzeit gehen. DANKE!

Ich will auf das HEUTE mich einlassen, will mein Leben gestalten im Rahmen der jetzigen Möglichkeiten … jeder Tag lädt ein genau zu schauen. Tschüss. Wir lesen uns! 🙂
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Bedenke, dass Du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“

Hängt bei Euch auch das Totenhemd im Schrank?
Wie sieht euer letztes Kleidungsstück aus?
Doch ich verdränge ihn nicht, den Tod. Es würde mir auch nichts nützen. Und um so mehr ich mir ihn bewusst mache, schreckt er mich nicht nur, sondern er nutzt mir, um mit der Zeit umsichtiger umzugehen. 

Ich weiß nicht, ob die Suche nach dem Speziellen im Alltäglichen wirklich ein Carpe Diem bedeutet. Für mich jedenfalls ist es so. Denn es ist der besondere Moment des Innehaltens, des genauen Hinschauens und nicht selten des Erstaunens. … Eine Blüte, ein Regentropfen, eine Meise, ein Ast, eine Erdkröte (ja, die sind auch wunderschön!), Sonnenstrahlen im Wald, eine Spiegelung im Wasser… Und dann geht’s wieder weiter.

An manchen Tagen, da möchte ich allerdings einfach nichts davon. Ich möchte einfach nichts tun und nicht nützlich sein. Für niemanden. Nicht einmal für mich selbst. Auf der Couch liegen. Die Wand anstarren. Rumhängen.

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