Sigrid

Ich bin Sigrid, Diplom-Geoökologin und Naturschützerin und ich arbeite seit 20 Jahren freiberuflich als Journalistin und Buchautorin zu allen Themen rund um Garten, Natur, Artenvielfalt und Umweltschutz.
Ich lebe in Hannover und im Münsterland, mit Mann, dem noch nichtvolljährigen Teil der insgesamt sechs Kinder, Hund und Katze gibt es auch.
Außerdem gebe ich Seminare für Jung und Alt, lese vor Publikum aus meinen Büchern und poste auf Instagram unter @kraut_und_buecher regelmäßig tolle Fotos und interessante Tipps für Naturliebhaber und alle, die es werden wollen.

Und neuerdings schreibe ich auch fürs Totenhemdblog, denn Friedhöfen gilt meine besondere Liebe, beruflich wie privat. Warum genau, das lest ihr hier:

Auf Friedhöfen war ich von klein an viel und oft. Nicht weil sich in meiner Familie so besonders viel Tragisches zutrug. Sondern weil meine Mutter als leidenschaftlich halb-professionelle Freizeitgärtnerin auch die Grabstellen der engen und weiteren Verwandtschaft mitbeackerte, bepflanzte und hegte und pflegte. Fuhr sie zum Arbeitseinsatz, mussten wir Kinder mit. Ich fand das immer schön; und in meinen Kindheitserinnerungen habe ich auf all den Friedhöfen viel und Wichtiges erlebt: Den ersten Bienenstich meines Lebens zum Beispiel – und damit meine ich nicht den typischen Beerdigungskuchen. Sondern einen echten Stich mit Stachel, Gift und Schmerzen, von einer echten Biene, die auf Opas Grab Pollen sammelte. Dass Feuer heiß ist, weiß ich, seit ich den Deckel eines Grablichts aufmachte, um die Flamme besser sehen zu können.

Mein 7-jähriges Ich grübelte, warum hinter jedem Grabstein eine eigene Gießkanne und Hacke versteckt war, obwohl „aus Pietät“ eigentlich verboten; statt sich mit allen einen Satz Geräte zu teilen. Ich lernte, dass ein gestern frisch ans Grab gebrachtes Rosengesteck heute schon weg sein kann – nicht weil es die Rehe gefressen hätten, sondern ein verzankter Verwandter dem anderen nicht gönnte, dem Verstorbenen auf seine Art nachzutrauern. Ich habe „containert“, bevor es so hieß und mir vom Müllplatz immer mal wieder Blumen mitgenommen, die noch lebten, aber „raus“ mussten, weil ihr Grab dran war neu bepflanzt zu werden.

Und die für mich als Kind endlosen Reihen an gleichen schlichten Steinkreuzen, fast alle mit dem gleichen Datum, vermittelten die tragische Sinnlosigkeit von Kriegen schon, bevor ich rational darüber nachdenken konnte. Mir war auch klar, dass hier echte Tote liegen. Mein Opa, meine Oma, ein Kind aus der Parallelklasse, Arbeitskollegen meiner Eltern und eine gute Freundin meiner Mutter, der Vater meiner Freundin. Später dann wurden auf Schulausflügen die Friedhöfe wegen der Denkmäler besichtigt und um Gräber berühmter Personen zu sehen, der Bau- und Kulturgeschichte wegen und um sich an Kunst zu erfreuen – oder an Kitsch. Manche Leute haben Einhörner auf dem Grab, andere Engelchen mit nacktem Knack-Popo. Und die Namen und Verse auf den Grabsteinen erzählen Geschichten.

All das zusammen ist wohl der Grund für meine Liebe zu Friedhöfen. Wann immer ich Zeit und Gelegenheit habe, am Wochenende, in der Freizeit oder auf Reisen, entscheide ich mich nicht für Shopping und Sehenswürdigkeiten, sondern dafür den nächsten Friedhof zu besuchen. Es sei denn es gibt einen Botanischen Garten in vergleichbarer Nähe. Als Geoökologin bin ich immer neugierig auf Flora und auf Fauna. Allerdings ist auch das ein guter Grund, auf einen Friedhof zu gehen, ein sehr guter sogar. Denn hier gibt es jede Menge Tiere, Pflanzen und andere Lebewesen, von Allerweltsarten bis zur Roten Liste. Weil auf Friedhöfen keiner rennt und tobt wie in anderen Parks, weil Hunde, Radfahrer und Autos draußen bleiben müssen und abends die Tore für alle geschlossen werden, weil hier rund ums Jahr viel grünt und blüht und große alte Bäume stehen, sind Friedhöfe ein perfekter Rückzugsraum für die Natur.

Sigrids Website: Kraut und Bücher

hier hab ich Sigrids Buch besprochen und empfohlen