Jüdischer Friedhof Berlin – ein sommerlicher Friedhofspaziergang

Jüdischer
Friedhof Berlin-Weißensee
so viele Lebensgeschichten
ich spaziere leise neugierig
lauschend

Es war eine interessante und halbstündige Fahrt mit der Straßenbahn quer durchs quirlige Berlin. Von der Straßenbahnhaltestelle spazierten wir durch ein stilles Wohnviertel und erreichten den Eingang zum Jüdischen Friedhof.

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Über hunderttausend Tote liegen auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee. Ich informierte mich kurz ob es einen Plan des Friedhofs gibt und entdeckte in einem ausliegenden Buchexemplar berühmte Persönlichkeiten. Es sind etwa siebzig gelistet. Ich suchte mir zwei Gräber heraus, die ich auf jeden Fall finden wollte. Ich hatte Glück, dass sie im Plan auf dem selben „Längengrad“ lagen. Ich wollte Samuel Fischer finden, der den Fischer-Verlag gegründet hatte und Albert Mendel. Ihm wurde vom Architekten Gropius ein Bauhaus-Grabmal geschaffen.

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Und dann waren wir umschlossen von Stille und Dunkelheit. Es war ein heißer sonniger Tag auf dem Jüdischen Friedhof. Hier herrschte angenehme Kühle. Unsere Sinne empfingen eine düstere und geheimnisvolle Stimmung. Weiterlesen

Wir reden übers Sterben … heute mit Dr. Julian Heigel – Alternativer Bestatter

Julian HeigelStell Dich doch bitte kurz vor:  Ursprünglich habe ich die Fächer Musik und Theologie für das Lehramt studiert. Nach der Promotion im Fach Musikwissenschaft wollte ich etwas wirklich Sinnvolles tun und da ist mir der Beruf des alternativen Bestatters über den Weg gelaufen. Nach einiger Lehrzeit habe ich 2017 mein eigenes Unternehmen Thanatos Bestattung gegründet.

  1. Du beschäftigst dich mit (deiner) Endlichkeit (Beschreibe kurz). Welche Auswirkungen hat das auf dein Leben?

Ich habe den eigenen Tod, aber auch den Tod meiner Mitmenschen immer als Möglichkeit vor Augen. Das klingt einerseits furchtbar, anderseits macht es das Leben kostbarer.

  1. Viele haben Hemmungen oder auch Angst, mit anderen über das Sterben zu reden. Wie ist das bei dir? Was hat sich verändert?

Wenn ich meinen Beruf Bestatter nenne, haben viele Menschen gleich Fragen dazu. Einige haben auch den Wunsch, von ihren eigenen Bestattungserfahrungen zu erzählen, für die ansonsten wenig Raum ist. Viele bedauern im Nachhinein, dass sie sich die Bestattungen ihrer Zugehörigen so aus der Hand haben nehmen lassen. Die Zeit am Totenbett beispielsweise ist eine kostbare, unwiederbringliche Zeit und die Begegnung mit dem toten Körper macht das abstrakte Geschehen fassbarer.

Auch wenn mein Urteil ein subjektives ist: Weiterlesen