Der alte Friedhof im einstigen Mallertshofen

Ist es Zufall?
Es scheint, als habe ich ein ganz besonderes Talent, einen Ort nach dem anderen anzusteuern, in denen Ortschaften verschwunden, die Kirche und der Friedhof drum herum aber erhalten geblieben sind.
St. Martin, die alte Kirche von Mallertshofen gehört ebenso dazu wie St. Clemens in Oberberghausen oder Heiligkreuz in Fröttmaning. Während die letztgenannten Orte jedoch wirtschaftlichen Interessen weichen mussten, ist Mallertshofen „einfach so“ von der Landkarte verschwunden – der verheerende Dreißigjährige Krieg war der Auslöser einer nicht endenden Abwanderung bis im 19. Jahrhundert die letzten Bauern ihre Höfe verließen. Zurück bliebt eine Wüstung. Und die Kirche.

Nun steht die Kirche da inmitten eines Naturschutzgebiets, dem Mallertshofer Holz und der Heiden, ganz in der Nähe des kleinen Mallertshofer Sees auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Oberschleißheim. Weiterlesen

Im Schatten der Arena

Im Schatten der Münchner Allianz Arena direkt am Autobahnkreuz München Nord zeugt die kleine Kirche Heiligkreuz mit dem ihr umgebenden Friedhof von der einstigen Existenz des Dorfes Fröttmaning. Es sind die letzten Überbleibsel eines einst eigenständigen Ortes, der in den 30er Jahren nach München eingemeindet und 25 Jahre später dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Die benachbarte Kläranlage brauchte Raum, viel Raum. Der Berg des Klärrschlamms wurchs unaufhörlich und als der Autobahnbau ebenfalls seine Tribute an Fläche forderte, war es um Fröttmaning geschehen.
Übrig blieben Kirche und Friedhof. Wie in Oberberghausen fehlte wohl gottseidank der Mut, die alte Kirche einfach mitabzureißen.
Heute fristet sie ein Schattendasein inmitten am Rand eines kleinen Parks zwischen zwei sehr markanten Wahrzeichen der bayerischen Landeshauptstadt: Dem Windrad auf dem ehemaligen Klärschlammberg und dem bereits erwähnten Fußballstadion: Das Erste, was man von München sieht, wenn man von Norden her in die Stadt kommt.
Den Park wollte ich mit anschauen und darüber bloggen, nachdem ich gehört hatte, dass man zum Windrad hinauf kann und von dort oben eine tolle Aussicht hat. Im Frühjahr 2021 war ich das erste Mal dort.

Windrad auf dem Berg von Fröttmaning

Alianzarena in Fröttmaning

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Ein Gespräch zwischen Jacob und Marco

„Würdest du mich auf dem Friedhof besuchen, wenn ich vor dir sterbe?2

Fragt heute Martin bzw. Marco in seinem Blog. Ich freue mich, dass er mit seinem Blog „Dein Tod und ich“ zum ersten Mal mitschreibt … mit Humor und einem kleinen Schalk :-). Lest selbst.

https://deintodundich.blog/2021/11/22/gespraech_mit_jacob/

Ein Ort der Kraft, und einer der Erinnerungen – der alte Hohensyburger Friedhof

St. Peter Kirche auf der Hohensyburg

Ein wenig abseits der Hohensyburg im Süden Dortmunds steht die uralte Kirche St. Peter.
Es ist „ein Ort der Kraft,“ wie eine Frau, die zwischen den Gräbern umherstreift, erzählt. Man könne sie spüren, das könne man lernen. Sie fragt, ob wir diese Kraft nicht auch spüren und blickt sich etwas fahrig um.
Das Ganze hat etwas Unwirkliches, fast könnte es eine Szene aus der britischen Krimiserie Midsomer Murders sein, bei uns bekannt als Inspector Barnaby. Es würde so gut passen. Denn nicht wenige Fälle dieser Serie beginnen mit Szenen auf alten Friedhöfen und herumstreunenden Menschen mit leicht sonderlichen Gedanken. Die Frau trägt einen Strauß vertrockneter Wildblumen im Arm, liebevoll eingebettet in die Armbeuge wie ein Baby und damit mit Sicherheit nicht für den baldigen Wurf auf den Kompost gedacht.
Sonderbar, sehr sonderbar. Weiterlesen

Wieder wurd‘ wer eingegraben…

Unsere Nachbarin ist die Mesnerin der katholischen Kirchengemeinde St. Martin in unserem kleinen Dorf. Als solche verrichtet sie nicht nur zahlreiche liturgische Dienste, sie ist auch für das Glockengeläut zuständig, allerlei weitere Aufgaben am und im Gebäude und weiß bestens Bescheid über alles, was sich innerhalb des Gemeindelebens abspielt. So auch ihr Mann, der an den Gottesdiensten gelegentlich als Eucharistiehelfer beteiligt und in der Katholischen Marianischen Männerkongregation aktiv ist. So kommen auch wir gelegentlich in den Genuss, Neues zu erfahren, was das (kirchen)-gemeindliche Leben betrifft.

Die Kirche im Dorf - gelber Saharasandhimmel

Als „Zugroaste“ in Bayern, noch dazu als Protestant, gehöre ich nun mal nicht dazu. Und manches in dem sehr katholischen und traditionsverankerten Leben ist mir eher fremd, was nicht heißt, dass ich mir darüber ein Urteil anmaßen möchte. Ich betrachte das Ganze eher phänomenologisch: Ich sehe die Phänomene religiösen Handelns, nehme sie wahr und ernst und versuche, sie verstehen und einzuordnen. Aber darum geht es hier nicht. Weiterlesen

St. Clemens – ein Relikt im Wald

Wanderer, steh still
und bete für die
in diesem Friedhof
ruhenden Toten.

Es hätte eine gute Idee sein sollen. Auf Betreiben der königlichen-bayerischen Regierung wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert bei Kranzberg westlich von Freising großflächig Weidenkulturen angelegt. Mit diesem nachwachsendem Rohstoff sollten neue Erwerbsmöglicheiten in der an sich armen Region zwischen Freising und Pfaffenhofen geschaffen werden. Und schon damals mussten zugunsten wirtschaftlicher Interessen die angestammten Bewohner weichen – Kleinbauern im Weiler Oberberghausen. Wer nicht an die Forstverwaltung verkaufen wollte, wurde unter Druck gesetzt. Schließlich zog 1884 der letzte Bauer fort. Das Dorf wurde dem Erdboden gleich gemacht.
Das ganze Dorf?

Nein.

Wie bei der Wüstung des Dorfes Fröttmaning, das in den 1950ern schrittweise zugunsten der Autobahn und des ständig wachsenden Münchner Klärschlammbergs abgerissen wurde (dazu folgt später noch ein eigener Beitrag), blieben auch in Oberberghausen Kirche und Friedhof vor der Zerstörung verschont.
Offenbar reichte in beiden Fällen die Traute nicht, Gotteshaus und Gottesacker dem Erdboden gleichzumachen. Beide blieben mitten im Wald stehen und wurden – da nutzlos geworden – dem Verfall preisgegeben.

Im Weltwald: St. Clemens

Aus der Weidenkultur allerdings wurde nichts – heute befindet sich St. Clemens inmitten des Freisinger Weltwaldes, einem höchst sehenswertem Arboretums, eines Lehrwaldes und einem biologischen Waldforschungsgelände in Hand des Freistaates Bayern.

Verfallen sieht die alte romanische und später barock ausgebaute Kirche allerdings nicht aus. Im Netz lese ich, dass sich ein Verein zur Erhaltung der Waldkirche Oberberghausen um die Pflege des Bauwerks kümmert.

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23.3. Tamara: Der Friedhof

Ein Ort, der mich bereits als Kind fasziniert hat. Ich habe mich gerne dort aufgehalten, habe mir die Gräber der Verstorbenen angesehen, Kerzen angezündet, geschaut welcher Name auf dem Grabstein steht und mich gefragt, wer das wohl gewesen ist der hier liegt.

von Tamara … auf dem Friedhof

Der Friedhof…
… ein Ort mit einer wundervollen Atmosphäre
… ein Ort der Erinnerung
… ein Ort der Trauer
… ein Ort sich zu kümmern
… ein Ort jemandem nahe zu sein
… ein Ort zum Kraft tranken
… ein Ort der mir bewusst macht, dass mein Leben endlich ist
… ein Ort der auch einmal mein Zuhause sein wird

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Sarah: Ich hab das große Glück …

… ich darf Rituale finden. Immer wieder neu. Mit den Familien. Den Angehörigen. Mit Kindern, die ihre Eltern vermissen. Die noch einmal mit ihnen auf eine letzte Flasche Cola anstoßen. Mit Söhnen, die lachen, weil sie sich an das letzte Grillfest erinnern und sagen: „Und dieses Jahr erst recht – auch wenn Papa nicht mehr dabei ist.“ Ich darf mit Enkeln Steine und Blumen rund um die Urne legen, darf um Omas beste Nusseckenrezepte feilschen und ihr dann auf den Sargdeckel bunte Bilder kleben. Ich darf Lieder singen, obwohl alle anderen nicht dürfen – und ich sing sie für sie. Mit manchen darf ich mitweinen, weil ihre Geschichte ein Stück weit meine geworden ist. Oder längst schon war. Ich darf mit ihnen reden, schreiben, an Gräbern stehen und hinterher gemeinsam Kuchen essen. Auch wenn ich immer die Käsebrote bekomme – das ist der Deal. Streuselkuchen mag ich nicht so gern – das wissen mittlerweile viele schon. „Ach, Sie essen ja kein Wurschtenbrot und Kuchen mögen Sie auch nicht. Sie machen ja Sport.“ 

Dieses Jahr aber, da durfte ich noch so viel mehr als all dies. Und auch wenn ich es für kein großes Glück halte – ich bin dennoch dankbar. Weil sie mich wachsen ließen. Mir Grenzen zeigten. Mich verändert haben. Mich neben all den Sprachlosigkeiten in diesem Jahr um Worte ringen ließen. Und mich im Nachhinein als gesegnet zurückgelassen haben.

Das eine: Ich durfte die erste Beisetzung auf einem Friedhof gestalten, der nun auch noch zu meinem Seelsorgegebiet gehört. Auf demselben Friedhof, direkt das Grab neben jener ersten Beisetzung, da steht eine Figur eines Motorrads. Das Model habe ich dort hingestellt – vor Jahren schon. Es ist eine Erinnerung an die gemeinsamen Ausflüge, die mein Papa und ich vor wenigen Jahren noch mit seinem echten „Mopped“ gemeinsam gemacht haben. Er ist gefahren – ich hinten drauf. Eigentlich ist sein Grab bisher für mich nie ein Ort des Trostes gewesen. Kein Ort, an dem ich ihn finden konnte. Aber seit diesem Jahr ist es anders. Seit diesem Moment schon. Und ich freue mich bereits, wenn auch ich ihm am 22.11. neben all den anderen, die an diesem Tag ein Kerzchen um uns herum auf das Grab ihrer Angehörigen stellen, ebenfalls eines bringen kann. Dann bin ich eine von ihnen. Eine, die erinnert, lacht, vermisst, weint und versöhnt(er) ist.

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16.11. Ich habe ihr Grab gefunden

Ich war letzte Woche in Frankfurt Bergen-Enkheim. Dem Stadtteil von Frankfurt, in dem ich viele Jahre wohnte, in dem ein großer Teil meiner Freunde lebt und in dem ich jahrelang in der Kantorei mitgesungen habe. Ich besuchte das Konzert ELIAS in der Enkheimer Kirche (von „meiner“ Kantorei gesungen … bin soooo stolz … ein gewaltiges Oratorium!) .

Die Kirche liegt östlich im Enkheimer Friedhof. Ich hatte noch ein wenig Zeit und spazierte durch die Grabreihen ohne Ziel und Plan. Das letzte Mal suchte ich das Grab von Brigitte. Einer Chorfreundin von mir. Sie starb 52-jährig an Krebs. Ich war bei der Beerdigung nicht dabei. Deshalb wusste ich nicht wo sie begraben liegt.

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Ich knipste einfach in den Friedhof hinein. Es war gegen 17 Uhr. Sonnenuntergangsstimmung im November. Was fällt auf, wenn Ihr auf dieses Foto schaut? Die gelben Zweige eines niedrigen Baumes, die rechts hinten leuchten, als wäre eine Lampe an. Weiterlesen

Friedhof in Novosibirsk – Fotoeindrücke von Sasha

Sasha war Gast während des letzten Death Café in Zürich und erzählte uns von Begräbnissen und Friedhöfen in Russland insbesondere ihrer Heimatstadt Novosibirsk.

Hier eine Auswahl ihrer Fotos mit ihren Erklärungen dazu in Englisch.

1. Typical present for those who attended the funerals: a handkerchief or a kitchen towel
2. Typical food to take away – chocolate candies wrapped in the paper. They are usual candies so people might eat them on any other day.

3

In my native city of Novosibirsk the body stays in the coffin in the flat for three days

 

 

3. In my native city of Novosibirsk the body stays in the coffin in the flat for three days (the funerals normally take place on the third day after death). The cover of the coffin should stay outside. Here you can see that the cover in on the stair case.

 

4 – 8. The fragments of the textile the body is covered with. They should look pretty (even luxury may be) though the quality is bad – the textiles are produced for the funeral case. The plastic flowers can also go inside the coffin. Taking pictures of a dead body considered to be bad. So these are the pictures from my two grandmothers‘ funerals. When my parents saw me with the camera they got very nervous and would not allow me to take pictures of the dead.

9 – 10. It would be a typical set of objects next to the coffin: a photo of the dead (which is placed on the grave after the burial), a book with prays and a candle. The fires are very common because there are candles which burn all day long and at night as well when nobody is watching and there are a lot of plastic flowers which are flammable. The sign (picture 10) contains the name of the dead, years of life and R.I.P. (as the last line). This sign is temporary and placed on the grave for one year (as you can see in picture 11). Weiterlesen